tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Montag, 14. April 2014

Regensonntag

Sonnenenergie Werbung, In Ontario gehen sie wohl Pleite
In den Männerladen am Sonntag. An diesem Tag gibt's wieder nichts zu gewinnen. Um diesen Tag am besten zu beschreiben, hier eine grandiose Weisheit, meiner Mutter, die ich kleiner Junge gelernt habe.
Wenn der Regen Blasen schlägt, hört's bald auf zu regnen. Und außerdem  muß man nur lange genug den Himmel absuchen, dann entdeckt man bestimmt eine helle Stelle und freut man sich; sieh', da vorn wird's schon heller. 
Um es kurz zu machen, es wurd' nicht heller und hörte schon gar nicht 65km lang auf zu regnen. Los ging es im leichten holsteiner Niesel, mit einer gehörigen Portion Mitleid der Red Carpet Wirtin. Nach 23km schlug der fiese Niesel dann um in einen erdigen Landregen. So sollte es auch bleiben. Viel gibt's ansonsten nicht zu berichten von diesem Tag

Hwy 17west soft shoulder
Außer, das die Nummer heute auf dem 17er west alles andere als witzig war und ich meine nicht nur den Regen. Sie hatten ja alle gewarnt, heute war das erste Mal der Ernstfall da. In Kanada herrscht kein Sonntagsfahrverbot für Trucks und der 17er ist hier ganz schlecht ausgebaut. Weiche Bankette, sogenannter soft shoulder und nur 3 Fuß breit Randstreifen geteert. Alles nicht dramatisch, wenn dieser verfluchte Regen nicht gewesen wäre. Bei aufpeitschender Gischt der Vorausfahrzeuge, schlechter Sicht, Endgeschwindigkeit der Trucks und wenig Platz, war das 4 Stunden lang ein heißer Ritt.
Trotzdem wieder mal ein großes Lob an die canadischen Trucker.

Sonntag, 13. April 2014

Deutschlands Autofahrertraum

Building a better Ontario. Alles hängt an diesem Tag davon ab, ob sie mich auf dem Hwy 69 weiterfahren oder mich 30km vor Sudbury verscheuchen.
Von Norden nach Süden verbreitern sie den Hwy, Multi-lane Hvy heißt das dann, da haben 14km/h Fahrzeuge nun wirklich nichts zu suchen.

Aber zunächst gibt's ausreichend
Kaffee auf Kosten des Hauses, ein Motelstandart  Die stromfressende Heizung hat über die Nacht gut gearbeitet. Das merkt man spätenstens, wenn man den Kopf nach draussen steckt. Um 09:00h ist da noch kein Frühling zu sehen. Alles grau in grau, die Temperatur um die 3°. Es herrscht kein Verkehr, die riesigen drohenden Schilder wirken völlig überzogen. Alle 15min kommt ein Truck des Wegs und sie weichen aus, wie die Weltmeister. Immer wieder schrecke ich deshalb aus den Träumen auf, wenn Gedenksteine tödlicher Unfälle am Strassenrand auftauchen. Wie kann das sein? Hier? Wie können hier so viele Leute so jung auf dem Hwy verrecken? Doch nicht bei dem bischen Verkehr. Bill war erst 24.

Der grüne Salon ist nicht an die Welt angeschlossen



Canadian Pacific
7h auf dem Highway. Das erste Geräusch, von dem ich wachwerde, ist das scheibenkratzen meiner Nachbarn, 4m von meinem Bett entfernt. Kanada steht auf; das zweite Mal ist die Canadian Pacific der Übertäter, das Zimmer scheint zu vibrieren. In 50m Enfernung überquert in 10m Höhe ein Güterzug das Tal, in dem dieser Stadtteil liegt. Signalhorngeschreische inklusive. Das dauert 4min. Eine nicht enden wollende Menge an Güterwaggons mit Doppeldecker-Containern zieht an meinem Appartment vorbei. Die Eisenbahn hat den Westen Canadas erobert. 
Mehrfach am Tag treibt Canadian Pacific endlose Güterzüge, gezogen von 3 Lokomotiven durch die Region. In Sudbury muß ein  XXl-Maschen liegen. Zwei Stunden später um 08:00h steht das gelbe Schwein schon hoch am Himmel. Ein herrlicher Spätwintertag, so als würde die Sonne fragen, ich bin bereit, wo bleibst Du?

Ja, ich hänge, meine Begeisterung hat in den letzten Tagen gelitten, auf den Boden der Tatsachen zurück geerdet. Die letzten grauen Tage waren nur Pflichtprogramm, die Kür kommt dann irgendwann später, aber heute ist das anders. Ich fange an mich zu beeeilen. Jetzt noch schnell ein Continental und dann los. Leider ist der Kaffee so dünn, das ich das weiße Plastikmesser am Grund sehen kann. Und mein change, I give you your change tomorrow, vom Vortag ist nicht auch nicht aufgetaucht. Egal, die laue, schwarze Brühe mit Erdnußbuttertoast heruntergespült und los.Draußen schreit mich der erste aus seinem Auto an eyh', keep your wheels on the ground. Yeah,man so wird das sein.

Freitag, 11. April 2014

Moose roadsign

das erste Elchschild, schon mal Maß genommen, Mann sind die hier groß
It kütt wie et kütt, ich bin im Moment von so vielen Dingen abhängig, das selbst die banale Begebenheit am Strassenrand mich aufmuntert.
Missmutig losgefahren, der Himmel grau, der Wind kalt irgendwo von der Seite und ich hadere, sollte ich heute Wind im Rücken haben? und dann das fehlende Grün überall. Das Auge gewöhnt sich an grauweisse Seen, grauen Himmel und graue Strassen.

Und das Alleinsein. Heute habe ich wieder den Player ausgepackt. Vivaldi, die 4 Jahreszeiten und immer nochmal von vorn. Es dürfen heute nur wenige KM mehr als 50  werden, das nächste Motel kommt erst wieder mit einer großen Strecke.

Hammar's Generalstore, einer für alles+Hot Coffee
Und dann lasse ich mich fallen und entdecke in dieser Landschaft einmal Finnland. Lappland. Ja, die vielen Seen, einsame Pisten zwischen Rovaniemi und Inari, diese vielen abgestorbenen Bäume, die klagend im Eis stehen. Im Sommer ist hier bestimmt Moor. Und dann kommen die Mücken. So wie in Lappland. Kaum ein Auto auf dem Highway 169, der durch vom Felsen freigesprengte Hügel bis an den TCH führt.  Es berührt mich tief hier die Natur zu erleben.

Ich bin in Träumen auf den verschieden Reisen durch das Land der Samen, als plötzlich neben mir ein Pickup rollt und der Fahrer alles klar? schreit. Ich bin nicht ganz sicher.
Der Finne aus Oulo



 Er stellt einfach den Motor ab und dann die typische Frage, wo willste hin, Vancouver, BC, hm, wann willste denn da sein, so ungefähr Ende August, hört's, grinzt und schlägt auf das Lenkrad. Wo ich herkomme, City of Hamburg und dann sagt er einfach Oulu. Oulu, das ist Finnland, die Hafenstadt am bottnischen Meerbusen, meist ebenfalls 6 Monate eingrfroren. Tervetula und alles ist hier wie Soumi schreie ich durch das Wagenfenster, ich war schon öfter da und sein Gesicht erhellt sich. Mit der linken Hand winkt er lässig den Verkehr an ihm vorbei, er steht fast strassenmittig. Niemand regt sich hier über sowas auf, dann aber muß er weiter und ich bleibe allein zurück. Finnland. A few moments that brides up your bad day.
Hockey ist in Kananda alles und eine ihrer Legenden heißt Bobby Orr
 
cheapest Motel of the day: Midtown Motel
Gegen 13:00h erreiche ich das Midtown Motel. Indischcanadischer Familienbetrieb. Zugegeben, es hatte schon mal bessere Tage. Aber der erste Eindruck täuscht. Eine fröhliche Chefin macht den checkin und wieder tut es mir leid, es nicht anders mit dem Buchen geschafft zu haben. Von den kläglichen Einkünften, verlangt booking.com seinen Obulus, ohne das es für mich einen Benefit hat.
Room 104, natürlich downstairs. Eine riesen Halle, wahrscheinlich mehr als 30qm, absolut sauber,  2 Queens, Fridge, sogar ein Cointinental am Morgen für 36€. Der zweite Pluspunkt an diesem Tag.

Doch es geht mir nicht gut, einiges fehlt mir, auf vieles kann ich verzichten, ich kann auch leiden, aber das Mentale wird von Tag zu Tag schlimmer. Mentalsubstanzverlust.

Von Freiheit ist im Moment nicht viel zu spüren. Vieles unterliegt zur Zeit gewissen Zwängen und es ist eben nicht damit getan, sich jeden Tag auf Neue zu sagen, stell' Dir vor Du müßtest jetzt jeden Tag arbeiten, genieß' es doch einfach, so wie es ist.

Donnerstag, 10. April 2014

Enjoy the silence

Der erste Schwarzbär in Kanada
Der erste Schwarzbär in Kanada. Morgens um 10:00 Noch ziemlich früh für diese Zeit, richtig groß und ließ sich sogar streicheln. Okay, war 'nen Gag, wirkte aber echt, als ich es Ellinor erzählte. Hab den ersten Schwarzbären gesehen. Stand am Highway 11 und gehörte zur Deko eines Wummenladens. Und während ich so stand, kamen tatsächlich einige mit ihren Wummen ins Geschäft.
Ansonsten machen sich diese Shops hier reichlich rar.

nun ist alles klar, wer für die momentane Situation verantwortlich ist
Irgendwie sind Radfahrer hier wohl behütet in Ontario, kommen erst aus ihren Verstecken Mitte Mai und damit gilt, wenn nichts vorhanden, braucht man auch nichts verbieten. Wenn also keine Wege zu finden, 'rauf auf den Highway, keine Verbotsschilder zu sehen und los gehts. 22 km bestausgebaute Autobahn. Die Frau vom Wummenladen ist voller Sorge. Ganz gefährliche Nummer hier, nun, als ich nach 22 km den Highway ziehen lasse, denke ich nur, fahre einfach mal die B105 am Freitagnachmittag, Selmsdorf-Dassow, und dann erzähl mir das noch mal. Zugegeben schön ist das nicht und kein Laster hat seitliche Überrollsperren, wie bei uns vorgeschrieben, aber in diesen 12 Tagen Highway-Aktivität habe ich mich noch nie so sicher gefühlt.

eine unzählbare Zahl zugefrorener Seen
In Daugavpils/LV hatte ich mein prägendes Erlebnis vor 4 Jahren, als der Platz für 2 Laster und einen Biker eben nicht reichte und die einfach von ihrer Hupe Gebrauch machten. Ich hab das ziemlich schnell verstanden, und außer einigen Verwünschungen im Straßenstaub, hatte ich nichts zu bieten.
Hier ist das wahrlich anders, diese Gigaliner geben sich sichtlich Mühe, wo es nur geht. Fahren lässig auf die 2. Spur, obwohl reichlich Platz ist.

Mittwoch, 9. April 2014

Nur nicht jetzt schon aufgeben

yours to dicsover
Was nützt das beste Queensize Bed, wenn nach Ausstellen der riesigen Klimaanlage um 04:00 morges die Kälte durch die dünnen Wände kriecht. Das Gebläse der Klima ist so laut, das man nicht dagegen anschlafen kann.

20min 9km/h bergan, und der Berch nimmt keine Ende
Seit 04:00h schneit es unaufhörlich, später wird man sagen, im Norden hat es 20 cm Neuschnee gegeben. Als ich mich auf dem Weg mache wünscht mir Jay alles Gute. Ja, letztes Jahr[...]- ach Jay, ist schon gut, inzwischen habe ich einen ganzen Sack davon auf dem Rad. Take care, Buddy. Da ist der Typ in dem Sportwagen mit Zigarillo an der Ampel neben mir schon autentischer und meint so was wie, Buddy, nicht Dein Tag heute, was? Ein Land der Buddies,  3°, immerhin plus, für mehr als 60 km
war heute keine Motivation herzuzaubern. Winter in Ontario.  3,5 Stunden Graupel, Regen, Hagel, das ganze Programm, werde ich an diesem Tag nehmen, erst kurz Orillia steigen die Wolken ein wenig.

Mellenkamp kommt
Nach 20 km Hwy 400, wie erwartet keine Bikes und Fußgänger, aber auch sonst ist hier wenig los. Ich könnte so mitfahren, wahrscheinlich sogar recht gefahrlos. In Russland, vor St. Petersburg, 2013, sah die Sache letztes Jahr deutlich anders aus.
Immer wieder durch typische Siedlungen, dann wieder alles verwaist. Wie im Winterschlaf.


Dienstag, 8. April 2014

Crosscanada-Fahrerin getroffen

Katie
Rauchmelder sind eine sinnvolle, großartige Erfindung, sie bewahren Menschen davor im Schlaf ungesunde Luft einzuatmen. Ich habe in meinem Haus einige dieser Dinger verbaut.
Wenn aber so ein Diskus ausgerechnet um 02:06 am anfängt über Batterieschwäche zu klagen, steht man vor dem Gerät und will es unter Gewaltandrohung von der Wand reißen.

Am nächsten Tag kocht Chef Aeki in seinem Office dafür persönlich den Kaffee und hat etliche Fragen über Deutschland.
Coca Cola Weihnachtstruck im April

Mit Mineralwasser, Leitungswasser ist absolutely ungenießbar. Warum Fahrradfahren in Canada, Germany is too overcrowded. Und dann kann er sich kaum vor Lachen halten und sagt nur man, India ist really overcrowded. Es wird endlich Zeit sich den europäischen Blick abzugewöhnen.
Noch keine Strandbeobachtung, Hunde vom Eis fernhalten

Montag, 7. April 2014

Paul from Panjab Eastindia

Paul from Panjab

Die Badewanne im Motel ist so klein, dass ich mich frage, ob es auch Kinderbadewannen gibt. Ich bin jedoch von dem Gedanken eines heißen Bades fasziniert und lasse das Ding bis zum Rand heiß volllaufen. Jetzt nur nicht bewegen.

Am nächsten Morgen ist die Welt wieder gerade gerückt. Der Sturm hat sich gelegt und weht nun als lauer Schubwind aus südwest. Ein klarer Wintertag. Die Sonne hat einfach keine Kraft. Ob das gelbe Schwein nun am Himmel steht, oder nicht, es wärmt nicht. Ich habe seit gestern 3 Schichten über dem Helm gezogen, aber ich fahre wie mit einem Dauer-Coolpack.
am Beginn des Amish Siedlungsgebiet

Der härteste Winter seit 20 Jahren

Beleidigungen am Strassenrand
Walter. Dieser Beitrag ist Walter aus Gent gewidmet. Wem Walter gerade nicht präsent ist, dem sei gesagt, er stammt aus Gent in Belgien, arbeitet bürgerlich in einer Bank und das erste Mal kreuzten sich unsere Blicke, als ich mich anschickte "denstyrkeproven" zu fahren und er mich, mit seinem edlen Trek Madone schwarzgelb, im strömenden Regen, auf dem Weg zum Dovrefjell auffuhr. Ich hatte nach 1 h Dauerregen landunter und die Vorstellung, noch weitere 520 km zu fahren, hatte wenig perspektivisches. Unser Verhältnis in den nächsten 26 h wurde so gut, das wir ein Jahr später in Schweden starteten, in dem Regensommer, als die Organisation zusammenzubrechen drohte, weil die vielen Aufgeber die Anzahl der bereit gestellten Busse überforderten. Wir guckten uns um 4:30h morgens in Hoy, 130 km triefend vor dem Ziel und er fragte Fronck, wollen Sie aufgeben?  Und beide antworteten wir, never surrender. Walter, gestern ich habe es wieder getan:

Samstag, 5. April 2014

Grüße aus Ontario

The Beerstore
Laß Deine Rechte Hand nicht wissen, was die Linke tut Mt.6,1
Es ist mir eine überaus große Freude meinen großherzigen Spendern für die Eingänge auf meinen Donation Konto zu danken. Aber Leute, hier liegt, glaube ich, ein Mißberständnis vor, das mit dem Konto war doch nicht ganz so ernst gemeint. Ich habe Angst, Eure Erwartungen nicht erfüllen zu können und sage schon heute, ich werde mich bei Zeiten revanchieren.

Dann vielen Dank, immer mal wieder erreicht mich eine Email oder ein Telegramm über Smart, es freut mich, von Euch zu hören und es ist schön zu wissen, dass es Euch gut geht. 14 Tage sind erst vergangen, dass wir das Haus abgeschlossen haben und doch scheint Europa, Lübeck, das UKSH, Lichtjahre entfernt. Hier befinde ich mich zur Zeit wie in einer anderen Welt. Ellinor ist inzwischen wieder zurück und ich genieße die unglaubliche Tonqualität via Skype. Wie im Zimmer nebenan.

Die Blog Statistik steigt seit der Abfahrt rapide an. Ich hoffe, das ich Euch was bieten darf und kann, dennoch vergesst bitte nicht, der Blog ist lediglich ein sehr persönliches Reisetagebuch, mit allen (Rechtschreib)Fehlern, Haken und Ösen. Deswegen sind die Eindrücke eben auch sehr persönlich und stimmen vielleicht mit der realen Situation nicht überein. Momentaufnahmen eben.
Demnächst werden sich die Veröffentlichungen verringern, weil es hoffentlich endlich wärmer wird und die Wifimöglichkeiten im Wald geringer sind. Nochmals Liebe Grüße aus Ontario
Salü Frank


Auch in Kanada gibt's Aprilwetter

Copenhagen 2014
Durchhalten. Zunächst etwas anderes, mein täglicher Kampf mit Blogger. Soll keine Entschuldigung sein, meist sind die Gedanken schneller als die Finger. Immer wieder passiert es jedoch, das Korrekturen einfach nicht gespeichert werden, weil ich es vielleicht zu eilig habe. Oder Zeilen verspringen einfach. Ich weiß, das sieht bekloppst aus, ich brauche einfach noch zuviel Zeit. Aber nu:
Foodbank Hamilton

Im Dauerregen sehen graue Mäuse noch grauer aus.

DFie Heilsarmee in der Kingstreet
Gott hat heute einen verdammt harten linken Haken. Die Nase läuft in Strömen, draussen fällt's auch in Strömen vom Himmel. Im Moment kann es nur besser werden, jeder klagt hier über das f...Wetter. Heute ist alles noch grauer. Der rote Backsteinblock auf der gegenüberliegenden Strassenseite ist bei näherer Betrachtung eine Foodbank und wirkt bei diesem Wetter noch trostloser. Im Motel geht's nicht voran. Ich bin geblieben, vielleicht war es gut so, jetzt liege ich 2 Reisetage im Soll.

Freitag, 4. April 2014

Hamilton, poor town

Mr.Somal's Transportbandtoaster
Backstreets. Eine fantastische Entdeckung zu Beginn. Mr Somal's Transportbandtoaster. Nicht einfach schnöde Toast reindrücken und hoffen das sie unverklemmt wieder herauskommen, nein, Toast 'rauflegen und die Dinger werden über ein Laufbahnd gegrillt. Beim Spaß am Spielen kann man die Dinger schneller oder langsamer laufen lassen. Hinten fallen sie dann runter. Ultracooles Teil. So eins will ich auch auf dem heimischen Esstisch. Und ich frage mich, ob man wohl auch so schönes Nackensteak einfahren lassen kann.

Nach einer ereinigslosen Überfahrt, meist als auswiesene Radstrecke, the Waterfronttrail genannt, direkt am malerischen QEW geführt, bin ich in den Vororten von Hamilton gelandet.
wichtige Meldung Bananen sind angekommen
PostKanada
Unterwegs einen Kaffee bei Tim, in der Hoffnung hier, entlegen, auf der Autobahn, allein zu sein, was sich als trügerisch erwies, denn man fährt eben aus den Dörfern auf einen Kaffee zu Tim und auf einem Rasthof einige Männerträume fotographiert.

 Ich mache mir für gewöhnlich nicht viel aus Autos, aber die hier sehen schon stark aus. Die meisten Motoren laufen im Leerlauf vor sich hin, die Trucker scheinen in der Kaffeestube zu sein. Noch 45 km. Dieses Navi ist Gold wert. Es gibt mindestens 3x am Tag eine vor mir auftauchende Querstrasse an, ohne dass ein ernstzunehmendes Strassenverkehrsschild in der Nähe ist. Keine Kilometerangaben, oder sonst was.
Kings on the road

Natürlich kennt hier niemand 158 Marystreet.
Die Kanadier fahren echt vorsichtig. Ich bin jedesmal wieder erstaunt. Nur einmal an diesem Tag wird's stressig. Ich bemerke es, gibt auch in Kanada den grünen Pfeil und stehe mit meinem Trekker im Weg. Seitdem stehe ich in der Poleposition, für alle sichtbar, mit 3 m Vorsprung, damit können andere hinter mir rechts vorbei.

Hamilton Vorortbezirk - glaube ich jedenfalls. Hamilton hat mehr als 500.000E, 70 km südwestlich von Toronto. Die erste Notiz, dass ich dem Ziel näher komme, nahm ich bereits 23 km hier von meinem Hostel wahr.. Seitdem bin ich nur geradeaus gefahren. Es änderte sich nichts. Barton road. Entfernt sehe ich Hochhäuser, vielleicht kommt in der Verlängerung noch mehr, noch ein wenig Glanz. Hier ist es Trist. Die graue Maus. Das ist nicht Altona-Ottensen oder Prenzlauer Berg, wie das Koreaner Viertel oder Kensington Market in Toronto, das hier ist Marxloh. Wenn Toronto die Königin und Niagara die Prinzessin ist, dann ist Hamilton das Aschenputtel, bis jetzt. Hier wird das Geld mit harter Hände Arbeit verdient.
Männerträume


Jacques
Eine verfallene Hauptstrasse, Barton road, an der praktisch an jeder Ecke eine sharity Laden irgendeiner Kirchengemeinde residiert. Obwohl draußen im Hof eine Unterstellmöglichkeit für Fahrräder besteht,  verhandele ich abends über eine Aufnahme im Salon. Das Publikum auf der Strasse befremdet mich. Das ist nicht Toronto. Es gibt food donations und jede Menge Secondhand Gebrauchsläden.
Das Hostel ist der warme Farbtupfer in diesem subburb.  Herzliche Begrüßung, nachdem die Tür geöffnet wird, ja, letztes Jahr hatten wir chinesische und australische Weltradler zu Besuch. Ein viktorianischer Bau, old, but not so old, as your buildings in europe, wie sie mit einem Lächeln sagt. Ich habe einen großen Raum über dem ehemaligen Salon im Parterre der mit Lüster und äußerst commoden Ohrensesseln nebst zwei offenen Kaminen ausgestattet ist.. Wifi ist wie immer gratis. Es gibt eine wunderschöne große Küche, well equipted, alles da, respect the other peoples food. 


Radfahren hat Zukunft
Hamilton Guesthouse
Salon des Hauses
Nach Duschen, Kaffee und Skype zurück auf die Strasse. Ich muß Entscheidungen treffen, das Gewicht ist viel zu groß. Immernoch. 3x mußte ich inzwischen absteigen und in meinen Augen gedemütigt schieben. Fahrradfahren ist eine Abfolge von komplexen physikalischen Gestzen, weil, auf  nur 2 Rädern mit 25mm Querschnitt kann man eigentlich gar nicht stehen. Mit 45kg Gepäck wird das nicht besser. Erst duch die schnelle Bewegung der Beine entsteht die Sicherheit. Ich bewundere Zeitgenossen, die in meiner Heimatstadt diesen physikalischen Gesetzen trotzen wollen.
Kurz, bei weniger als 5km/h am Berg ist schieben die gefahrlosere Fortbewegung.

Aber das hier sind keine Berg, sondern nur Hügel. Eine Tunnelausfahrt vergleichbar dem Travetunnel.
Die richtigen Berge kommen erst noch.

PostCanada verlangt $31 für ein Paket über den Teich. Ich werde mich also stattdessen von mir liebgewordenen Dingen trennen und sie den sharitys übergeben. So bin ich viel schwer.
Blick aus dem Fenster

Auf der Suche nach der Post besuche ich Jacques, der einen Gebrauchtmischladen an der Barton betreibt. Wir kommen uns näher, nachdem er merkt, das ich keiner typischen Kunden bin, Luuubeck, yes, I know Luuubeck. Er kommt aus Holland und seine Mutter wohnt in Berlin. Seine Frau kommt aus Duusseldorf, Auch er verkauft Werkzeuge, Fahrräder, househeld goods, alles erste Qualität, junge top Gebrauchte, naja, ich will keines probefahren. Aber Jacques erzählt mir mehr über Hamilton als jede Touristeninfo und er rät mir vorsichtig zu sein. Morgen wird es Regen geben. Am Abend finde ich kein Hotel in der Nähe, alles schein ausgebucht zu sein. Der Winter ist zäh. Ein beinharter Ostwind pfeift durch die Strassen. Letzte Woche haben sie Radspuren auf den vierspurigen Oneway Ausfallstrassen durchgesetzt. Es war hart, sagt die Hostelchefin.
Draußen habe ich hier keinen Radfahrer gesehen.






Der bunte Wasserfall

Männertraum
Abschied. Niagara neigt sich dem Ende, morgen werde ich mich auf den Weg machen, das Knie muckt, mal sehen, wie weit es trägt.

Ich war noch mal da, um Tschüß zu sagen, die Altstadt schläft bereits seit dem frühen Abend, die wenigen, frierenden Nachtschwärmer vor den Fällen, verloren sich vor der poppig, in wechselnden Farben ausgeleucheten Szene. Die Fälle gehören zu den Top Touristen Highlights in Nordamerika.  Ich war da, es ist gut für's Selbstbewußtsein, es unter diesen Umständen geschafft zu haben. Im Winter bei 2° und eisigem Ostwind.


wechselnde Farbwasserspiele
Ich will das gar nicht klein reden, tausende Menschen verbringen in den Inns und Sheraton's um die Fälle herum ihre Flitterwochen, man muß sie mal gesehen haben und für wahr, im Sommer ist es natürlich auch klimatisch bedingt viel angenehmer draußen , aber, ob ich mir dieses zum Vergnügungspark aufgehypte Wasserspiel nochmal anschauen muß, ist doch im Moment fraglich. Nein, ist schön, aber nu ist auch gut.

Anders ist das mit dem Gulfoss im Thingvellir NP
Gullfoss, Source: wikipedia.org
auf  Island; aber das ist vielleicht eben mehr die europäische Sicht. Gulfoss, ein mächtiger,erhabener Wasserfall, ebenfalls im tiefen, isländischen Winter besucht, ist fast natürlich belassen worden, mittenmang in der Wildnis und nicht abschaltbar auf Knopfdruck durch vorgeschaltete Turbinenwerke. Und ohne Frankenstein und Kingkong.
American Falls

Die kleine Icelandair hat hier übrigens eine große Werbekampagne gelauncht, hat so etwas von Aufmucken gegenüber dem größeren Bruder und jetzt darf jeder mal raten, was neben der Blue Lagoon zu sehen ist.

Donnerstag, 3. April 2014

Niagara

Männerfrühstück Ich bin einen Tag länger geblieben und Mr. Somal hatte nichts dagegen. Heute gibt's Frühstück bei Al. Al residiert an der Hauptstrasse und ist leicht zu finden. Ab 7h serviert er Frühstück.

"Wait to be seated". Eine in Deutschland etwas verloren gegangene Etikette; erinnert ein wenig an meine Ausflüge in das damalige andere Deutschland, hier warten, sie werden plaziert. Schlecht muß das nicht sein und ich bekomme den besten Platz am Fenster mit Blick auf Shell.
Ich bin hier zum Männerfrühstück, keine halben Sachen, ich will das volle Buffet. Lachs, Brötchen, Croissants, Käse, Eier. Orangensaft. Und das für 7$. Nach einer Woche darben und Mr. Somal's Papp Continental, mal zur Abwechslung die Lust auf Genuß.
Essen hält Leib und Seele zusammen.
Gut, Kanadier frühstücken anders. Es gibt hier keine Brötchen, keine Butter, keinen Käse. keinen Krydersild.

Man langt ungeniert in die Wärmeplatten und fährt gebratenen Schinken, Eierstich, Eierstich mit Pilzen, Eierstich mit Gemüse, Omeletts, in Fett geschwenktes Toast, dicke Fleischscheiben auf und noch weitere 3 fettgebackene Delikatessen, die, obwohl süß, aus Versehen auch im Heinz Ketchup landen. Yeah. Heinz Ketchup. Erinnert an die frühere Heinz-Kampagne "Heinz, seven steaks for the Tigers".
Frühstück in Kanada.
Die Servicekraft kommt alle paar Minuten mit einer Kaffeekanne vorbei, would like some more Coffee?
 
All you can eat. Allerdings reicht es schon nicht mal mehr für einen zweiten Gang in der ersten Stunde. Meine Mitesser am Nebentisch sind da von robusterer Natur. Welche Enttäuschung.
Der Magen revoltiert, mich verlangt nur noch nach ein wenig griechischem Joghurt mit Früchten. Und Luft zum Atmen. 

Darfs noch etwas sein?, Ja, einen doppelten Schnaps zum verdauen, 2 x "Rennie räumt den Magen auf " und 'ne Packung Simvastatin.

Und um mal mit einem ollen Klischee aufzuräumen, nicht alle Nordamerikaner sind dick. Die Bedienung z.B. wirkt nahezu anorektisch im Vergleich zu  den meisten ihren Kunden hier. Möglicherweise ist sie vom Essen ausgeschlossen. Aber im Ernst, ich will gar nicht mit Steinen werfen, selbst mit 13 kg Übergwicht gesegnet, ist mir bewußt, dass in Deutschland die Hälte seiner Einwohner übergewichtig ist. 
Es gibt viele Al's hier, aber für die nächste Zeit ist der Bedarf nach Al's Frühstück vollständig gedeckt und etwas positives hat die Sache zum Schluß dann doch; bis zum Abend kommt kein Hungergefühl mehr auf und Fettwerte werden auch überbewertet.
 

Mittwoch, 2. April 2014

Niagara, ein großartiger Vergnügungspark

das kanadische Super 8 in Niagara
Ernährungsfragen. Da hab ich mich doch ein wenig verkühlt gestern und das Knie muckt auch, war wohl nicht so ohne der gestrige Abend. 
Zugegeben, es war eine Schnappsidee gleich am ersten Tag alles zu zeigen, und dann auch noch in einer unbekannten Gegend, im Winter. Aber was macht das schon, wenn nach einer Nacht im riesigen Bett einem ein Continental breakfast erwartet.
Ich persönlich bevorzuge skandinavisches Frühstück, weil das ist mit Fisch, wegen Omega und so. Was für eine Vorfreude auf Eier, frischen Brötchen, Obst, etc.
Souvenirs Jäger's heaven

Rainbow Bridge
American Falls
Candian Falls auch Horseshoe Falls
Leider hat sich die Herrn Somal's Putzfrau krankgemeldet und er mußte umstellen auf Plastik. Hätte ich nicht solche Vorfreude gehabt, ich hätte gegrinst. Hej, und wo sind die Eier? Nein, es ist alles aus Plastik, Plastikteller, Styroporbecher, Marmelade, 3 Scheiben Pappbrot, Erdnußbutter, der Saft, schmeckt, wie direkt wie aus dem Niagara nebenan umgeleitet. Ich brauche eine ganze Weile bis ich meine Enttäuschung vergessen habe. Continental breakfast. Niagara Falls ist eine Ausflugsstadt und liegt am gleichnamigen, 56 km langen Fluß, der den Erie mit dem Ontariosee verbindet. Wikipedia.org NiagaraRiver .

Auf der anderen Seite des Flusses liegt Obama Country. Land-of-the-free. Zwei Brücken führen über den Fluß und man soll es nicht denken, mal eben rüber machen, nein, sie nehmen das hier durchaus ernst, ein Grenzübertritt, wie nach  Skandinavien, ist hier mal gar nicht.

Ursprünglich war genau das der Plan, durch State New York     wieder nach Quebeck zu fahren, aber die beschriebenen amerikanischen Bedingungen erlaubten aus taktischen Gründen keine Einreise.
am der Rand der Hufeisen Fälle

Niagara, sprich Nei-aggra, und nicht wie auf deutschenglisch Nei-a-ga-ra, das führt zu stirnrunzeln, what?, ist eine Retortenstadt. Alles hier ist dem Entertainment gewidmet. In der Hochsaison stürmen über 10.000 Urlaubende den Ort täglich. Und so sieht das hier auch aus. Auf dem Weg zum Super 8, etwa 3 km von den Fällen entfernt, befindet sich ein Motel nach dem anderen und alle haben sie jeweils die besseren Preise. Unweit der Fälle liegt Clifton Hill, ein seit dem 17. Jh durch Europäer besiedelter Ort, der eine Art Disney World ist. Es wirkt befremdlich für Norddeutsche. 
An jeder Straßenecke wird mit Musik und Lautstärke um die, in dieser Jahreszeit spärlichen, Gäste geworben. Alle großen Verpflegungsketten sind hier angesiedelt, dazu ein Casino, das seit 1990 legales Glückspiel betreibt, ein Jahrmarkt, nebst Riesenrad, Frankenstein's  Gruselkabinett fehlt genauso wenig wie ein Wachsfiguren Museum. Die Fälle scheinen ein  wenig in den Hintergrund zu rücken.