tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Dienstag, 26. August 2014

Nanaimo-am Sonntag

So.,25.8. 
Craig flickt meine Schläuche
Ja, es ist mir peinlich, ich kann bin auf Fahrradtour und nicht mal in der Lage meine perforierten Schläuche zu flicken. Ich schleppe meine Schläuche mit mir herum, die Zahl erhöht sich stetig und ich bin ständig drauf und dran sie zu entsorgen, um mir die Frustration zu ersparen. Was Schläuche angeht habe ich zwei linke Hände.

Aber bald kommt Ellinor. Mit rund €3,50 ist der Schlauch hier deutlich preiswerter, was sich allerdings kaum finden lässt, ist deutsches Flickzeug. Mit dem Zügs vom Tire komme ich erst recht nicht klar.

Craig hat einen riesigen Vorrat TipTop und so sitzen wir bald nach dem Frühstück auf zwei klapprigen Stühlen vor der Holztür und Craig arbeitet sich an den Schläuchen ab.

Er hat Spaß dabei und ich höre seinen Geschichten zu. Mit seinen 70 Jahren gibt es in seinem Leben mehr Erlebtes, als im Leben vieler gleichaltiger Zeitgenossen. Stories, die für 3 Leben reichen.

Geboren in Zwaibruggen, Zweibrüggen/SL, wächst er in einer wohlhabenden Familie auf, seine Familie hatte gewisse Anteile in der Enstehungsgeschichte des Canandian Tire, meinem Lieblingsladen hier im Land, dem Männerladen. Pilot wurde er, die Lockheed F104 flog er, stationiert im England der Nachkriegszeit, dann Hubschrauberpilot für die Mounties und was ich nicht wusste, es gibt nur eine Maximalzeit von 25Jahren Anwesenheit bei der RCMP.
Natürlich gibt es genügend Hammerstories während seines Hubschrauberpilotenlebens. Es ist spannend ihm zu zuhören. Als die M/S Edmund Fitzgerald 1975 unterging, war er in der Luft und suchte nach ihr. Er schildert es ergreifend professionell. Wikipedia Edmund Fitzgerald
Ich kannte die Story über die M/SFitzgerald und ihren Untergang im Lake Superior, ich habe mich vor der Reise oft gefragt, wie groß dieser See sein muß, erst nachdem ich ihn tagelang am Ufer des riesigen Sees entlang befuhr, war mir klar, warum die Rettungsmaßnahmen so schwer waren.

Also sattelte er erneut um und fuhr als selbstständiger Trucker. Ein Truck Owner. Immer Canada - San Francisco. Daher kommt seine Liebe für diese Stadt. Er trägt sie breit auf der Brust. Hier in Canada gibt es 2 Arten von Truckern die Company Driver, also die Angestellten mit Company Truck und daneben die Truck Owner. Fahrer, die auf eigene Rechnung und auf dem eigenen Bock unterwegs sind. Naturgemäßig ist deren Lohn ein anderer, aber eben auch das Risiko ei anderes.

Sonntag, 24. August 2014

Nanaimo-Cafe am Hafen

Sa.,23.8.
Craig hat keinen Zweitschlüssel
Ich wache in einer fremden Umgebung auf, ich blicke mich um, wo bin ich? Es scheint alles ein wirklichkeitsfern. Der Hausherr schläft, so schleiche ich mich in die Garage und komme mit Walmart's Rache zurück, ein fragwürdiger Genuß ohne Milch. Was tun? Als Craig erscheint gibt Joghurt zum Frühstück, ich verzichte auf Eier mit Toast. Da das Internet vom freundlichen Nachbarn kommt, bei diesem Einzelhaus muß es sich um das nächste Einzelhaus handeln, und Craig die Zugangsdaten verlegt hat, bleibt mir der Zugang zur weiten Welt versperrt.
Also ein Ausflug in die Bücherei, in der Hoffnung bis zum täglichen Nahekollabs alles geschafft zu haben. Noch immer sind keine Bilder hochgeladen, es strapaziert mich schon wieder, ich hätte es beim Ende des Blogs bleiben lassen sollen. 

Auch an diesem Tag ist das hochladen der Bilder eine Farce und so breche ich die Sache ab, nächste Station Geld holen, danach stellt Craig mir ein Ultimatum, wir sind jetzt hier am Schlüsseldienst, ich fahre nächste Woche weg. 
Ja und? Wenn Du noch eine Weile bleiben willst, brauchst Du einen Schlüssel. Ich habe keinen Zweitschlüssel.
Ach Du meine Güte, auch das noch, also kaufe ich einen Zweithausschlüssel. Ehrensache, ich bezahle.
Es macht mich fertig, ich sollte mich mal hinsetzen und ein weg nachdenken, was ich hier gerade anstelle. Craig ist nicht nach essen, ich frage mich, ob das sein Stolz ist, aber er läßt sich nicht einladen. Also komme ich mit Croissant und Tomaten, Käse und Kaffee für eine Person aus Triftys grocery store. 

Nach das Frühstück beendet ist, verlangt es Craig nach einem Tee in seinem Liebling Cafe am Hafen. Okay, aber nur wenn ich bezahle.

Und so verbringen wir den Nachmittag am Hafen zwischen Wasserflugbooten und Schleppern, jede Menge flanierenden Gästen und mehreren Kaffees. Eine Freundin von Craig erscheint und haben ein längeres Gespräch. Irgendwie verabreden die beiden einen Ausflug nach Port Renfrew am nächsten Montag und eigentlich werde ich nur beiläufig gefragt, Du kommst mit nicht wahr?

Nanaimo-Craig's Home

ob das wohl gesundheitlich bedenklich ist, sowas 1x/tag zu essen?
Fr.,22.8.
Mittags bricht das Internet jeden Tag (fast)zusammen
Das Zelt ist um 07:30h zusammengebaut und ich begebe mich Richtung downtown. Als erstes einen Kaffee. Der Tim store an der Northfield Road hat wieder einen Kamin und tatsächlich Steckdosen.


Ich habe viel Zeit in diesen Tagen, lese meine alten posts, sitze in Cafes, fahre 12km um einen HotDog zu essen, bummel' zum xten Mal durch Canadian Tire und besuche die Bücherei. Inzwischen kenne ich die Thriftstores hier am Ort. Die Reisegeschwindigkeit ist zum Stillstand gekommen.
Noch eine Woche dann werde ich übersiedeln nach Vancouver; hinein in die 600.000Einwohner Stadt.

Auf dem Weg in die Bücherei wieder mal ein Platten, ich will es nicht wahrhaben, warum denn nun schon wieder? Das Profil der Reifen aus Smithers geht zur neige, Zeit zum wechseln von vorne nach hinten. Damit ist Zeit vorne die fehlende Speiche zu ersetzen. Alles mal so nebenbei auf einem leeren Schulhof.

Um 10:00h öffnet die Bücherei und beginne am Blog zu arbeiten, die Freude ist kurz, neben mir sitzen etliche junge Leute, die ihren Facebook account aktualisieren. Die Leitung ist dem Zusammenbruch nahe. Das Hochladen der Posts dauert eine gefühlte Ewigkeit; und ich darf nicht mal mit den Fingern auf dem Tisch trommeln.
Irgendwann gegen Mittag geht hier immer gar nichts mehr und ich breche auf in den Stadtnorden, Zeit für den täglichen Hot Dog, polish style.+Pepsi 20oz, heute mit doppelt Gurkenmatsch und doppelt Senf. Es ist Freitag Nachmittag, die Leute stauen sich vor der Kassenzone. Heute wird geklotzt. Heute mal keine kleinen Brötchen. 
Mittelklassesiedlung Akazien Strasse

Der Service dieses Ladens besteht aus 2 Personen, die eine Kasse besetzen, während eine Person scannt und tippt, sortiert der zweite Mitarbeiter die Ware in den Wagen. Nur die Kreditkarte muß der Kunde noch selbst aus dem Portemonnaie herausfummeln.
Und während ich amüsiert teils den Leuten an der Kasse, teils dem über die Hand laufenden Senf aus dem kollabierenden Brötchen nachschaue steht plötzlich Craig vor mir. Hey Craig, nice to see you again, may I invite you to a Hot Dog, aber nein,
Craig gibt als Volunteer Kurse über Fahrradwartung und Pflege
Craig ist nicht hier um zu essen, er hatte das Gefühl, ich könnte hier sein und er sagt nur einen Satz, if you wanna sleep in my house, you'll be invited.

 Ach Du meine Güte, na das ist ne Idee an diesem Nachmittag, wirft meine Shoppingpläne ja total über den Haufen, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.
Ja, warum eigentlich nicht, ich hatte sowieso noch nicht so viele Pläne und schon heißt es ready, when you are. Na, nun bin ich aber gespannt. Craig ist Pensionär, immerhin 71, was auch immer ihn geritten hat, er wird es sich wohl überlegt haben und so folge ich ihm nur schwerfällig, während er beschleunigt die Hügel hinauf zu gleiten scheint. Die Stadt bleibt mir unangenehm.  

Freitag, 22. August 2014

Nanaimo-Du bist nie allein

Und plötzlich steht die RCMP vor der Tür
Do.,21.8
Der Versuch, das Zelt unbeobachtet aufzubauchen, scheitert erneut
Ich habe das Zelt auf dem leeren Rastplatz gerade abgebaut, als vor mir ein Mountie Streifenwagen auf den Parkplatz rollt. Na, steigen die nun aus, gibt es bestimmt eine Ermahnung. Als kurz danach ein weiterer Wagen aufkreuzt, wird es spannend, passiert jetzt was? Aber den Jungs geht's nur um soziale Kontakte. Alle stehen an der Motorhaube lässig an den Kotflügeln gelehnt und rauchen.
Aquatic Center Nanaimo 16h Baden für 7$
Ich rolle an ihnen vorbei, ein fröhlicher Gruß, der Tag beginnt, zunächst geht es Richtung Hwy 19, weil es verbotener Weise der kürzeste Weg Richtung Aquatic Center ist. Morgens um 7:00h herrscht Hochbetrieb auf dem Highway. Alle fahren Endgeschwindigkeit. Natürlich ist es nicht vorgesehen einen Spurwechsel über 4 Spuren von ganz außen nach ganz innen auf dem Fahrrad in der Rush hour vorzunehmen, es muß aber jetzt sein und so kommt es auf das richtige Timing an. Ganz so witzig ist das nicht. Aber auch beim dritten Mal gibt es kein Gehupe, der Verkehr steht kurz fristig und ich komme lässig auf die Abbiegerspur. Ich bleibe dabei, fahrradfahren in Canada ist angenehm trotz aller Verbotsschilder und der Nötigung bei jeder Schienenquerung zu schieben.

Am Tresen des Aquatic Centers 7$ auf den Tisch berappt und schon steht die bunte Spa Welt offen. Allerdings beginnt das Entspannen mit einer Enttäuschung. Wieder einmal ist die Sauna mit knapp 70° ein wenig frisch. Auch in dieser Sauna sind Aufgüsse angeblich technisch nicht möglich. Ich bin selten allein, die Tür hat so etwas von einer Saloon Tür, dauernd kommt jemand, der sich einige Minuten aufwärmt. Wer auch immer die Sauna in Kanada eingeführt hat, irgendwas ist hier gewaltig schief gegangen.


Die echte, canadische Antwort auf die amerikanischen Walmarts
Dafür ist der Jacuzzi und der Steamer eine wahre Wohltat. Im Cafe des Pools gibt es 2 Stunden wifi für lau in erstaunlicher Qualität und damit ist Zeit für ein Gespräch mit Ellinor.

Bevor ich in die Bücherei gelange stolpere ich über einen Eyecatcher.
Ein 1951er Studebaker steht wie aus dem Ei gepellt auf dem Triftys Parkplatz. Was für ein Auto, cremegelb mit jeder Menge Chrome.
Wikipedia Studebaker Corporation

Gegen 11:00h bin ich in der Bücherei und versuche den Blog neu zu designen, aber es gelingt mir partout nicht mehr. Ich weiß einfach nicht mehr, wie das Layout verändert wird.
ein 1951 Studebaker Champion Collectors Car
Ab 14:00h verlasse ich die Stadt und mache mich auf zum Hot Dog essen, noch einmal zu Cosco, 12km auf dem E&N Biketrail entlang des Island Highways in den Norden. Und es ist das gleiche Bild wie tags zuvor, der Laden brummt. Einen polish style Hot Dog mit allem was zwischen zwei Labber Brötchen Hälften passt und 3x20 Oz Becher Coke. für 1,50$. Einmal das Ding falsch angefasst und der Sauerkrautzwiebelrelishsenfketchup-Mix landet auf dem Einwickelpapier.  
Ich glaube HotDogs sind die Urversion des Fingerfoods, weil, wenn man alles auf die Wurst draufknallt, das Desaster vorprogrammiert ist. Es ist eigentlich gar nicht anders möglich.
walk-in Videothek

Donnerstag, 21. August 2014

Nanaimo-Der Costco Hot Dog

nicht alles in Canada ist teuer, einmal alles ab für 6,50€+Tax


Mi.,20.8.
Auch in Canada herrscht Ordnung 
Der Highway schläft nie ganz, immer mal wieder bremst ein Trucker in der Nacht seinen Truck illegalerweiser vor der gegenüberliegenden Ampelanlage mit der Motorbremse, dem Retarder ab. Das klingt dann im Zelt, als wenn jemand brutal auf den Perser teppich einschlägt, oder eine Bell UH-1D kurz vor dem landen ist. 
Um 06:00h ist es hell, leider sind die WC’s noch nicht aufgeschlossen worden, es war der Grund für die Auswahl meines Campingplatzes. 
Nach einem Frühstück fahre ich auf dem 19er in Richtung Aquatic Center. Für 7$ gibt es alles zu haben, den ganzen Tag lang, auch wieder Senioren Wassergymnastik. Weiter geht’s in die Stadt. Der Akku ist fast leer und die Hortons spendieren hier am Ort keinen Strom, für den Fall, das ich Ellinor erreiche, sollte der Akku aufgeladen sein. Aber irgendwie ist es in diesem Ort schwierig eine Außensteckdose an einem öffentlichen Gebäude zu ergattern. Während in Williams Lake downtown sogar die Parkplätze alle eine Doppelsteckdose hatten, suche ich hier lange vergebens, bis ich endlich unter dem Vordach der Kunsthalle fündig werde. Der Platz zeugt von Parties der Vergangenheit.

Kaum 10min später erscheint allerdings das Auge des Gesetzes und ist nicht zufrieden. Was machen Sie da? Nun, wie sie sehen, sitze ich und schreibe mit einem Netbook. Ja, aber sie benutzen Strom von einem öffentlichen Gebäude, das geht nicht, um 10:00h macht die Bücherei auf, dann können sie da… ich erblicke den Amtshengst in deutlicher Größe, aber mir ist heute nicht nach Diskussion, deshalb lasse ich ihn auch nicht ausreden, sondern frage nur, wie ist ihr Name Sir, nun, hören sie Mr., ich bin 12000km mit dem Fahrrad durch dieses Land gereist und Sie, genau sie, sind nach 5 Monaten der erste, den das stört, zumal die Bücherei da drüben 50m weiter wohl am selben Stromkreis angeschlossen ist, wie diese Kunsthalle. 

Wo also ist ihr Problem?
Sind sie mit diesem Fahrrad hierher gekommen? Ja, die ganze Strecke! Normaler Weise antworte ich auf diese Frage dann immer, ja es kam kein Truck vorbei and he picked me up! Ja, und was haben sie jetzt vor? Da ich nicht in Stimmung bin, unterlasse ich jetzt die typischen Antworten, denn ich merke, es tut ihm leid. 
Sie haben eben auch hier in der Stadt genug Streetpeople, Leute, die genau da, wo ich jetzt sitze übernachten und das geht vielleicht nicht. Vielleicht! Nun aber ist der Wachtmeister doch neugierirg geworden und befragt mich nach meinen Reiseplänen, alsbald wünscht er einen schönen Tag und geht. 

Ich packe später zusammen, gehe zu Fuß in Richtung Bücherei, als ein Fahrradpolizist erscheint und während wir zusammen sprechen, stürzt ein deutlich erregter Einheimischer dazu und ruft: na, haben sie einen von denen, einer war auch auf dem Fahrrad kam aus Deutschland…

Ich spüre diese Stadt, diese Innenstadt tut mir nicht gut. Die Austeiger bedrohen die feine wohlhabende Welt und mit meinem Outfit drohe ich wieder mal mit Ihnen in Zusammenhang gebracht zu werden. Mir ist nicht wohl, ich verlasse nach der Bücherei downtown. 


Kaum bin ich allerdings um die Ecke stürzen 3 Männer mit ihren Kaffeepötten in der Hand aus einem Cafe an einer viel zu steilen Strasse. Hey, wir treffen uns hier gerade mit unserem Fahrradclub, ist ein prima Ort zum kaffeetrinken. Und dann wird mein Rad begutachtet und es ist mir wieder elends peinlich. Ist es nicht ein bischen zu schwer?  Deine Bremsen sind abgefahren, Du brauchst auch bald neue Mäntel, ja doch! 
Sie meinen es bestimmt freundlich, aber an diesem Tag will ich nichts erklären und ich schaue sie an und frage nur, na, fahrt ihr eigentlich auch bei jedem Wetter oder nur im Moment, wo so schön ist? Nein, das ganze Jahr, auch im Winter. Trotzdem Radsport hin oder her, dieses ständige kommentieren und bemerken, sich witzig finden mit fraglich komischen Bemerkungen, obwohl nur höchst selten jemand von Ihnen eine ähnlich gelagerte Tour durchgestanden hat, nein, ich will mir das im Moment nicht mehr antun. Es ist einfach ein wenig zu viel.
Also fahre ich oder besser schiebe ich davon auf der Suche nach irgendetwas Interessantem in dieser Stadt.
Diese permanenten Anstiege, dieses hoch und runter strapaziert mich. Eine Stadt mit gut 80.000Einwohner, 3 Fährterminals und einer Universität, zerschnitten von zwei 4Lane Highways und jeder Menge Einkaufszentren. Am TCH reiht sich ein Einkaufszentrum, eine Mall an die nächste, riesige Parkplätze, während in der Innenstadt relativ wenig los ist. Den Abschluß im Norden bildet das Woodgrove ShoppingCenter mit dem integretem Walmart.

Craig aus Nanaimo
Aber was ist schon Innenstadt? Wo fängt sie an, was ist bereits grüne Wiese, in einer Stadt, die keine Vergangenheit hat und deren Läden und Malls aus Pseudoarchitektur und austauschbaren Klötzen bestehen. Mit dem Auto sind es keine 15min von Walmart bis in die Innenstadt, ich brauche aufgrund der Berge fast 45min. Die Anzahl der historischen Gebäude ist an zwei Händen abzuzählen und es bleibt noch was übrig. 
Eine funktionelle Stadt ohne Identität. Kein Zweifel, diese Stadt hat alles was sie braucht nach kanadischem Gefühl; es ist das europäische Gefühl, was nach mehr sucht, nach einem Dom, nach einer historischen Altstadt nach verkehrsberuhigten Innenstädten.
Nein, natürlich gibt es jede Menge Parks, die brav am Abend geschlossen und am nächsten Morgen geöffnet werden, es gibt entlang der Highways moderne Rad/Skaterfahrwege, es gibt ein großzügiges AquaticCenter und diverse andere Sporthallen, aber alles ist so großzügig geplant und verteilt, das es mit einem Stadtrad eine Herausforderung ist. 

Nanaimo



Di.,19.8.
Gratulation, schlechtausgeschilderste Stadt überhaupt!
Vor genau drei Monaten war ich in Medicine Hat und entschied mich gegen Calgary, sondern für den Crowsnest Pass Highway. Und ich hatte nicht die Spur einer Ahnung welche Herausforderungen noch kommen würden. 
Gail will nächstes Jahr TC fahren
Letztlich war das wahrscheinlich die bessere Wahl, wenn Du erst mal weißt, was Dir bevor steht, zuckt man unter Umständen viel mehr davor zurück.
Heute wird ein warmer Tag werden und ich beginne früh mit dem Abbau. Noch bevor ich fertig werde, erscheint allerdings Gale, die nächstes Jahr in den Ruhestand geht, obwohl man ihr das nun nicht mal ansatzweise ansieht und auch sie denkt seit vielen Jahren über eine Tour Crosscanada nach. Wir unterhalten uns eine zeitlang an der Leitplanke.
Leider erst ab 10:00h geöffnet, das Emporium Chemanius

Um 08:00h sitze ich auf dem Rad und folge dem Verkehr auf dem Highway nach Norden. Erste Station des Tages ist Ladysmith

Gleich drei Orte in Canada tragen diesen Namen. Zwar ist der Hortons store vom Highway gut zu sehen, aber da ich nicht normgerecht den Berg hochfahre, ist der Zugang erschwert.
Noch 23km bis noch nach Nanaimo. Die Fahrt bis dahin ist unaufgeregt, es plätschert so dahin, bis kurz vor der Abzweigung des Highways 19 im Streckenverlauf eine enge Brücke erscheint, die Radfahrer von der Strasse herunter komplimentiert werden und kurz danach genötigt werden, den Highway ganz verlassen sollen. 
Noch 8km bis zur Innenstadt, soll ich mich draufeinlassen und irgendeinem unbekannten Weg folgen oder wieder mal illegal dem Highway weiter folgen. Ich bleibe.
Um es kurz zu machen, Nanaimo Innenstadt gehört nicht zu den architektonisch schönsten Städten dieser Welt. Es führt den Ehrentitel the HabourCity und schmiegt sich im Verlauf von gefühlt 20km an die Ausläufer des Mt. Benson. Der TransCanada Hwy führt komplett durch die Stadt zum Fährhafen Departure Bay, wo die Fähren nach Vancouver auslaufen. 
15km vor Abfahrt Fährbelegung in %

Abgesehen von einer kleinen bescheidenen Downtown besteht der gesamte Weg entlang des Hwys aus endlosen stereotypen EinfamilienHaus Wohngebieten mit anliegenden Marinas. Es ist niemand auf den Strassen oder in den Vorgärten. Menschenleere Siedlungen. Ansammlungen von Holzhäusern mit Doppelgaragen und geputzten Vorgärten ohne Leben. 

Als ich nach einer scheinbar endlosen Fahrt endlich den Terminal erreiche, habe ich unbemerkt das Visitor Center verpasst und stehe in einer Wohnsiedlung. Und nu? 

Chemainus

Am nächsten Morgen wird klar, welches Problem der Ruhestörer hatte

Mo.,18.8.
Insel der Sehnsucht
In der Nacht hat sich ein weiterer Gast auf die illegale Wiese mit seinem alten T3 gestellt. Es wird Zeit zu gehen. Erste Station an diesem Tag ist der örtliche Pool, nach 3 Tagen ist eine Dusche wirklich notwendig.
Auch hier in Ganges gibt es ein early bird Angebot. Hier öffnet die Schwimmhalle allerdings erst ab 06:30h. Als ich um 6:55 eintreffe, ist schon mächtig was los. 
Salt Spring Fire Fighter
Jede Menge Senioren sind im Wasser und im Jacuzzi, Badefreunde jünger als Jahrgang 1960 fehlen. Leider bietet der Ganges Pool keinen Steamer bzw. Sauna. Um 08:00h startet die Wassergymnastik, Nun ist der Jacuzzi leer, keiner schwimmt mehr, stattdessen rennt ein weiblicher Instructor am Beckenrand auf und ab und versucht die Senioren mit rudernden Bewegungen und Headset bei eintöniger moderner Popmusik auf Trab zu bringen. Caramba! Alles im Wasser hat nun irgendwelche PU Schaum Hanteln in der Hand und die Musik ist ohrenbetäubend, es ist in jedem Pool, den ich besuchte, das gleiche Bild.

Das Flaggschiff der Fire Fighter
Senioren Wassergymnastik am frühen Morgen. Jede Wette, zu Hause wird keiner der Wasserturner diese Musik im Radio aufdrehen.
Wichtiger aber ist das Bild vor dem Pool, dutzende von Autos belegen den ausgebuchten Parkplatz vor dem Pool, auf die Idee, das eine Anfahrt mit dem Rad schon Bewegung sein könnte, ist heute Morgen keiner gekommen.
Sei’s drum, als einziger Nichtturner hatte ich den Jacuzzi 45 min für mich allein. 
Danach ein Kaffee bei Ganges Gas. 2$, gar kein schlechter Preis für so einen Ort. Ich sitze im Park mit Blick auf die vielen Inseln. 
Kaffee, Refill und Schnack bei Ganges Gas ab 07:30h
Die Aussteiger Szene des Ortes kommt langsam zusammen und sammelt sich mit Gitarren und Rucksäcken im Stadtpark. Ich betrachte lange diese Gruppe, deren Lebensentwurf sich so deutlich von der der örtlichen etablierten Bevölkerung abhebt.
Irgendwo werden sie übernachtet haben müssen, bei angehobenem Preisniveau im Ort kann sich das auf Dauer lange leisten.
Im VC gibt es wenig Neues, die Frau hinter dem Beratungstresen sieht nicht nach Fahrradfahren aus. Aber ich bekomme die Abfahrten  der Fähre zurück auf die Hauptinsel. Alles weitere unternehme ich selber. In der Bücherei gibt es 4 Stunden Hi-speed Internet, was ich aber durch bei momentane Blogpause gar nicht aufbrauche, aber immerhin, Orte wie Whitehorse oder Watson Lake meinen sich großzügig zu schätzen, wenn sie ihren Besuchern gerademal 30min für lau spendieren.
Hafen von Ganges
Vor der Bücherei dann noch ein Gespräch mit mehreren Aussteigern. Junge Leute mit schweren Rucksäcken auf dem Weg nach Fullford zur Fähre. Sie pendeln trampend zwischen Tofino, Victoria und Ganges auf der Insel. Obwohl ich nun seit 5 Monaten auch auf der Strasse lebe, unterscheidet sich mein Lebensentwurf doch gewaltig von ihnen, muß ich feststellen, je länger das Gespräch dauert. In der Bücherei sprechen sie hinter vorgehaltener Hand eine andere Sprache über die zeitweisen Bewohner ihrer Wohlstandsinsel.
Frühstück hinter Triftys Lebensmittel store und immer noch ist keine Entscheidung getroffen fahren zu wollen, oder im Ort zu bleiben. Irgendwann im 14:00h gebe ich mir einen Ruck und mache mich auf den Weg. Gute 15km bis zur Nordfähre. 
falls doch mal eine Saite reißt, Nachschub ist vorhanden


Kaum außerorts geht’s es wie befürchtet auch schon los, mir sträuben sich die Nackenhaare, allerdings ist die Strecke kürzer gefühlt, als angstvoll erwartet. Im Moment geht rein gar nichts mehr mit dem Geschenk für Ellinor im vorderen Racpack sind Anstiege von 4% die Schmerzgrenze.  Sobald ich den ersten steilen Hügel sehe geht ein widerwilliger Ruck durch mich. Aber irgendwie geht es immer weiter. Die Fähre hat gerade abgelegt, als in Vesuvius ankomme. 

Salt Lake Island

der gewohnte Platz

So.,17.8.
Sprachunterschiede
Ich bin früh auf, die Nacht war relativ unruhig, viel Lärm in den angrenzenden Parks, aber immer weit genug entfernt, als das es beunruhigend sein könnte.
Am Abend hatte ich Streifenpolizisten auf dem Rad auf der Douglas gesehen und damit war natürlich das Argument hinfällig, geh’ einfach in die Natur da können sie Dir im Zweifelsfalle mit dem Auto nicht folgen. Richtig, aber mit dem Rad. Was die Sache am Abend komplizierte, war die Entdeckung gleich zweier weiterer Zelte in meinem Revier, die so schlecht getarnt waren, das sie locker von der Strasse aus zu sehen waren. 
Mile O des TransCandaHighways am Beacon Hill

Man muß ja nun das Auge des Gesetzes auch nicht allzu sehr provozieren. Aber meine Nachbarn sahen die Sache ganz offenbar lässiger als ich.
Auf dem Weg in die Blanshard sehe ich noch zwei weitere Zelte, das letztere unmittelbar in einer Grünanlage im Wohngebiet. Also nein, es gibt Leute, die sind genauso dreist wie ich, das beunruhigt mich.

Horton in der Blanshard hat schon auf, auf den großen Strassen ist nun ein Stelldichein der Flaschensammler. Nirgendwo sonst in Canada, selbst nicht im mondänen Banff, gab es diese Masse an Flaschensammlern, Junkies und Gescheiterten zu sehen, die die Innenstadt bevölkern. Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten, oder wo viel International mit der entsprechenden Wegwerfkultur ist, sind auch viele, die davon leben können/leben müssen. Wie sagte doch Hartmut, BC wirkt anziehend, selbst auf die Leute im Elend. Der Winter ist hier längst nicht so streng und lang wie in Ontario, oder an der Ostküste auf den Maritimes.
Fruitstand am Wegesrand

Ich bin zu früh dran, Michael und ich sind um 08:30h verabredet, da ist noch genug Zeit für einen Schwatz mit Ellinor. Es wird warm heute, aber Michael war mit der Zeit einverstanden und so kann ich die Zeit in Ruhe bei Hortons genießen, obgleich ich wegen der Wärme lieber früher gefahren wäre.
Als ich um 08:13 dann vor seinem Hostel eintreffe, trifft mich schier die Keule. Er ist bereits um 07:00h gefahren, er musste weg, wie er es zu entschuldigen versucht. Um sieben Uhr war ich bereits bei Horton, es enttäuscht mich tief. Ein wenig mehr Ehre hätte ich jemanden in seinem Alter ihm schon zugetraut, ja erwartet; ein Wort am gestrigen Tag hätte genügt. 
Und im Zweifel hätte er eine email schicken können. Nun ist er weg, weil er musste. Na was willste machen, wenn Leute unzuverlässig sind.
Es drängt sich der Verdacht auf,  das er nicht in der Lage war den neuen mailaccount zu starten, so wie er den alten Internet Zugang nicht benutzen konnte. Es lebe die große Unverbindlichkeit, wat kümmert mich mein Gesabbel von gestern.
Swartz Bay Fährhafen

Also allein die Quadra hoch, bei Walmart Uptown vorbei und auf den Lochside Trail. Die Strecke kenne ich und nach zwei Stunden bin ich in Sydney. 
Einen weiteren Kaffee und ab zum Fährbahnhof. Auf dem Hinweg, bin ich zügig losgerollt, um den Abgasen der Autos zu entgehen. Nun erst sehe ich das ganze Ausmaß des Fährhafens. Zwar gibt es weniger Güterverkehr, aber 5 Fähren starten hier rund um die Uhr mit Kurs auf die umliegenden Nationalparkinseln und aufs Festland nach Vancouver.
Skeena Queen

Mit der Skeena Queen, einer offenen Deckfähre, geht es durch den Sund an vielen Inseln vorbei. 45 min dauert die Fahrt, wir haben solche Fähren oft in Norwegen benutzt. Der Komfort ist ein wenig rudimentär, man verbringt die Zeit auf dem Fahrdeck und es beginnt das Rätselspiel, welches wohl meine Insel ist.
Es wird allerdings schnell klar, sie haben mich wieder veräppelt.
Andreas, der Schreiner schwärmte von Saltspring Island, die Leute in Victoria warnten vor dem starken Anstieg auf dem Highway Richtung Nanaimo und vor allem vor dem starken Verkehr.

So bin ich ausgewichen und nahm die Fähre, in der Hoffnung, es sei ein super fahrradfreundlicher Umweg, um diesem Highwayberg zu entgehen. 
Aber bevor wir anlanden, wird klar, hätte ich bloß den Trans Canada Highway in Victoria genommen. 

Wie sagte die Frau im VC in Sydney, das ist aber auch die schlimmste Insel, was Berge betrifft. Und dummerweise, trifft es nun wirklich zu. Es sieht schon von See her nicht gut aus. Ich treffe zwei Biker auf der Fähre, die mir raten die kleinere, östlichere Strasse zu nehmen, wäre nicht so schlimm, was die Berge angeht. Später wird sich ein Biker in Ganges darüber köstlich amüsieren und feststellen, es ist überall steil, egal wo du dich auch bewegst.

Victoria-Ausgebucht

Guten Morgen Biker!

Sa.,16.8.
Zurück nach Victoria
Nach der Nacht im Garten des VC’s zunächst wieder den Hügel hinauf, um einen Kaffee im örtlichen Grocery zu bekommen. Michael ist pünktlich, als ich zur verabredeten Zeit wieder am VC zurück bin.
Die Strecke des heutigen Tages ist bekannt, wir nehmen auch auf der Rückfahrt den Trail, Michael ist nicht auf die Strasse zu überreden, um den beiden drohenden Anstiegen zu entkommen. 
Morgenstimmung in Sooke
Ich werde ihn nach Victoria begleiten und hoffe inständig, das seine gestrige Inaugenscheinnahme des neuen Motels objektiv genug war. Da ich bei den Fahrrädern blieb, war Michael allein im Hostel und hat die Dinge geklärt. Sollte das Hostel seinen äußerlichen Charme auch innen versprühen, wäre ich nicht abgeneigt ebenfalls eine Nacht indoor zu verbringen.
riesige Douglas Fichten in Sooke
Leider erweist sich 3h später das Innenleben dieses Hostels als Totalflop. Ich habe wirklich schon viele Hostels gesehen, aber auch in diesem geht es nur darum, möglich viele Gäste auf möglich geringem Raum unterzubringen. 

Auch hier steht das internationale Flair Victoria’s in Freundschaft mit dem Sinn nach schneller Kohle. Ich frage gar nicht erst nach dem Verbleib des Rades. 

Also wieder zurück in die Yates zum IYH. Es ist Wochenende und ich hätte vorher darüber nachdenken sollen, viele junge Leute wollen auf Party machen am Wocheende, es wird voll werden. So laufe ich völlig unvorbereitet auf, 2 upper bunk beds free, nothing else. 

Joo, 31,50$ im komplett ausgebuchten Hostel, im 44Betten Saal, bei schönstem Wetter draußen. Meine Unentschlossenheit ärgert mich, hätte ich ein wenig vorgeplant, hätte ich nun eine heiße Dusche, ein Bett und Platz für das Fahrrad. Und vor allem wifi. 
Kirche genegüber dem Hostel

Ich entscheide mich für outdoor und da nun alle Fragen geklärt sind, fahre ich doch zum Walmart in die Vorstadt. Es bleibt Zeit für einen Besuch und Skype bei Horton in der Douglas. In Uptown treffe ich noch einmal Margarete und Alan, deren Probleme sich nun geklärt haben und die noch am Abend Richtung USA weiterreisen. Es ist ein herzliches Wiedersehen. In gut 4 Wochen werde ich wieder hier sein und dann ebenfalls den Weg mit dem Schiff nehmen. 
Wiedertreffen mit Margarete und Alan

Am Abend unter nehme ich dann den geplanten Besuch auf dem alten Friedhof am Strand und es gibt eine besondere Entdeckung. Wildtiere sind anscheinend so an die Menschen auf Vancouver Island gewöhnt, dass sich zwei junge Hirsche auf den Gräbern einen bequemen Platz gesucht haben und keine Fluchtreflexe in meiner Nähe zeigen. Es ist 18:00h und das Hochwild hat alle Scheu abgelegt. 
Kricket ist much british
Außerdem sehe ich das erste Mal überhaupt ein Kricketspiel, dieser britischste, aller Mannschaftssportarten überhaupt, live auf dem Kricketfield am Beacon Hill, dargeboten von zwei origin indian Teams. Das Commonwealth lässt grüßen. Ich schaue dem Werfer zu, 15 andere Personen stehen drumherum und der Schlagmann versucht den Ball mit dem Holz zu treffen. 

Sooke

Cannondale aufgemotzt: 3l Tank, 150km Reichweite bis 45km/h

Fr.15.8.
Fahrt in den Herbst
Die zweite Nacht im Saal J geht zu Ende, noch ist alles ruhig; ich überlege, ob ich einen weiteren Tag in der Kaserne bleiben soll. 

Dadurch, das wir zusammen gestern eine email-Adresse für Michael eingerichtet haben, blieb nicht viel Zeit über andere Dinge nach zu denken. ESTA müsste gemacht werden, die neue Route ist noch nicht zu Ende gedacht. Und dann ist da noch der alte Friedhof aus der Kolonialzeit, den ich unbedingt noch besuchen will. Während ich so auf der unteren durchgelegenen Matratze dieses Bunkbetts liege, kommen mir immer weitere Ideen, was noch zu entdecken sein könnte oder müsste. 
Ohne Zweifel, Victoria ist ein der wenigen Orte auf meiner Reise bisher, der viele Möglichkeiten bietet, eben auch abseits der typischen touristischen Pfade.
ausgecheckt

Da aber schönes Wetter angesagt wurde, lockt natürlich auch wieder eine Nacht im Freien.
Und dann kommt alles ganz anders, da Michael nach Sooke will und da es auf einer meiner möglichen Routen liegt, entscheiden wir spontan die nächsten 50km zusammen zu fahren. Für ihn ist die Größe des Hostel zu bedrückend, im Grunde will er das Hostel gerne sofort verlassen, obwohl er für 3 Tage gebucht hat. Aber dem steht dann plötzlich nichts Wege. Da auch Michael ausgecheckt hat, muss er auch das Fahrrad auftakeln, dabei wird klar, zumindest ein Teil seiner Ausrüstung gilt auf neudeutsch als schwer vintage. Wir haben irgendwo so ähnliche Fahrradtaschen auf dem Speicher liegen, ich durfte sie nie entsorgen, aber benutzt haben wir sie schon seit Jahren nicht mehr. 
es muß nicht immer topmodern sein
Vintage-Michael schert sich nicht um modische Erscheinungen, wie sportive Kunststofffasern mit elastischem Sitzpolster. Wofür  Ortlieb wasserdicht? Er schwört lieber auf Zeltbahn und Nylon Cordura. Ein noch größerer Eyecatcher ist allerdings sein riesiger Rucksack, den er auf dem Heckgepäckträger mit sich führt. Ein Modell, das auch schon Louis Trencker hätte getragen haben können. Absolut Vintage.
Natürlich gibt es heutzutage edle Rucksäcke von Fjäll Räven, oder Bergans, aber moderne Technik hat Michael in diesem Fall noch nicht erreicht.
Man muß es ihm lassen, er geht seinen Weg und hat mit seinem Outfit eben auch die schweren Etappen gemeistert. Es geht eben auch. Und er steht zu sich. Respekt!

Vorher ein kurzer Besuch im Turtle Hostel hinter der First Baptism Church, jenem mit einem klassizistischem Säulenportal dekorierten Kirchenhaus in der Quadra.
Der Preis ist gleich, aber dieses kunterbunt bemalte alte Holzhaus strahlt auf den ersten Blick eine wohlige Wärme für Michael aus.

Dann geht es über den Stadtteil Esquimalt nach Westen. Wir verpassen allerdings den gallopping goose trail und bleiben auf der Radspur, eines lebhaft befahrenen Highways, bis wir im Norden nach 10km den Trail erreichen. Zunächst noch zweispurig asphaltiert. Michael lebt auf, eine Fahrt über eine gewundene, hügelige kleine Strasse durch die Peripherie Victoria’s nach Westen. Nach weiteren 5km ist der Trail dann nur noch geschottert.
Es ist eine Fahrt in den Herbst. In den letzten Tagen ist es mir nicht so aufgefallen, natürlich stehen am Highway auch deutlich weniger Bäume, aber hier im Wald ist der Herbst in vollen Zügen auf dem Vormarsch.