tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Montag, 19. Mai 2014

Die Maus am Geburtstag, Medicine Hat, Victoria Day

RV, garantiert mausfrei und die Perversion des Outdoorerlebens
Noch So.,18.5.
Die Sache mit der Maus
Irgendwas ist ja immer. Grundsätzlich eigne ich nicht mich dazu, das Haar in der Suppe finden zu wollen, ich will eine stressfreie Unterkunft, wenn möglich einen Kaffee am nächsten Morgen und unbedingt ein Hi-speed wifi., wie draussen angekündigt. Dafür zahle ich gerne Geld und machmal ist das gar nicht so wenig.

Pals Motel schien nun wie dafür gemacht, den Erwartungen zu entsprechen, wenn man weiss, wo es liegt, ist es sogar ganz leicht zu finden.
Auf meiner OSM Kanada Karte für das Garmin Oregon fehlen leider die meisten Motels, auf der Garmin Orginal Kanada für 160 Eisen sind die natürlich alle zu finden, habe ich aber nicht. Egal.

Das Zimmer ist sauber, das wifi funktioniert einwandfrei und ob die Betten jedesmal komplett neu gemacht werden, hinterfrage ich schon länger nicht mehr. Wird wohl. Lieber nicht so genau nachschauen.

Und dann sitze ich gestrigen Abend, draussen wird das Hoflicht eingeschaltet und ich ertappe mich dabei,  war das jetzt eine falsche Lichtreflexion oder eine Maus? Aufgestanden unter das Bett geguckt, nix, dann eine halbe Stunde das ganze nochmal. Herrje, hab ich Halluzinationen? Nix zu finden.
Und dann habe ich einen Boxenstop in der Nacht und sehe wie im fahlen Schein der Nachttischlampe ein kleines graues Feldmäuschen vor meinen Augen durch das Zimmer läuft und unter dem Bett verschwindet. Also doch.

Am nächsten Morgen sind in meiner meiner geöffneten Racpacktasche meine mühsam gehorteten french Vanilla Milchtütchen leckgeschlagen, die Tüte ist angeknabert. Ich bin nicht so empfindlich, Ellinor meint sogar, vielleicht habe ich die Maus selber eingeschleppt, vielleicht kam sie aber auch hier auch durch die ebenerdige Tür über den weitläufigen Hof.

Das Motel Office jedoch ist am nächsten Morgen ganz anderer Ansicht, obwohl ich sie nur informieren wollte, mich stört die Maus nicht, habe keine Zeit mehr zu packen, sondern bekomme augenblicklich ein neues Zimmer. Und das nur wegen einer kleinen Maus. Morgen hätte vollkommen gereicht.

Und die Pointe: Ich komme aus Downtown Medicine Hat. Da sehe ich doch beim hineingehen schon wieder einen kleinen 5cm grauen Schwanz im Bad verschwinden. Sofort die Tür zu und versucht das Mäuseken zwischen WC und Heizung einzufangen. Allein man glaub nicht wie schnell Mäuse sein können und ergo eben Katzen. Nun sitzt das Tier hinter dem Ammoniakbehälter in der Rückwand des Kühlschranks. Da bin ich chancenlos. Gewonnen. Und morgen sage ich zum Chef einfach nichts. Der leieb Gott hat auch die Maus erschaffen.

Willkommen in Alberta

So., 18.05.
Die Rockies rücken näher
Ab 02:00am setzt starker Regen ein, der bis etwa 06:00h anhält. Ich liege auf meiner zur Strandmatte degradierten, platten Isomatte und erwarte den Tag.
Durch den Regen zu früh geweckt, sitze ich danach zu früh auf dem Rad.

Nach 4000km erreiche ich Alberta, die Nationalparkprovinz. Nicht weniger als 4 weltberühmte NP liegen auf Alberta Gebiet in den Rockies. Es ist einer der geplanten, absoluten Höhepunkte der Reise, wenn gleich die bisherige Reise meine Erwartungen mehr als übertroffen hat. Das Visitor Centre Alberta ist noch geschlossen. Vielleicht hätte es hier einen Kaffee gegeben. Die beiden Tankstellen in unmittelbarer Nähe befinden ebenfalls noch im sonntäglichen Schlaf. Walsh schläft.

 Gestern habe ich die Hitze einfach falsch kalkuliert. Nur 5h in kurzer Hose in dieser baumlosen Gegend haben ausgereicht, um die nakte Haut deutlich zu röten. Wie ein Anfänger. Fühlt sich im Kunstfaserschlafsack fürchterlich unangenehm an. Außerdem habe ich die Getränke falsch eingeschätzt, den weiten Weg von Maple Creek bis Walsh wollte ich nicht weitere 2l Wasser mitnehmen, nun haben die Tankstellen unerwartet zu. Ich habe flüssigmangelbedingt heftige Kopfschmerzen. Alles nicht so richtig angetan, eine 60km Tour in der Wärme zu starten.
Auch in Irvine gibt es nichts. Bleibt nur noch Dunmore, 15km vor Medicine Hat. Hinter Walsh bleibt die Strasse flach und ist äußerst angenehm zu fahren. Ein wie geleckter Seitenstreifenbelag.  Ich sehe wieder zwei Reiseradler eastbound, wir winken uns über den Highway zu.
In Dunmore kommt endlich die Erlösung, ein 20 Unzen Kaffee extra roast mit Mich und Zucker, und 2l Coke Zero, die im Schatten an der Tankstelle gleich entleere. Angeblich sind es plötzlich nur noch 10km. Es wäre das erste Mal, das ich mich in meiner Streckenberechnung irre.

Und doch kurz nach Dunmore gibt das Tal den Blick frei auf Medicine Hat. Die 60.000 Einwohner zählende Stadt im südosten Albertas ist nur noch 300km von Calgary entfernt. Der Olympia Stadt. Das Wahrzeichen der Stadt ist das 65m hohe Stahlgerüst Tipi, das für die Olympischen Spiele 1988 in Calgary angefertigt wurde und der Stadt übereignet wurde.
Hier in Medicine Hat werde ich den Trans Canada verlassen. Nach über 3000km werde ich auf dem Highway 3 nach Südwesten weiterfahren, nächster größerer Ort ist dann Lethbridge, am Rande der Rockies. Wenn die Sache gut geht und der Verkehr es zu läßt, werde ich über den Highway 93/95 über Radium Hot Springs nach Banff fahren, so zu sagen durch die Hintertür, wobei fahren vielleicht nicht das richtige Wort ist. Im Roadbook steht eindeutig schieben.

Auf der anderen Seite muß man feststellen, das ich bereits jetzt den Trecker, vollgepackt wie er ist, auf 670m über Meereshöhe getreten habe und das zumindest in den letzten Tagen kaum bemerkt habe.
Die meisten Trans Canadafahrer bleiben auf dem Highway 1 der über Calgary die Rockies erreicht. Ich werde sehen müssen, wie die Sicherheitslage am Straßenrand ist und notfalls doch durch die Großstadt Calgary in die Berge fahren.
Ich werde aus bekannten Gründen 2 Tage in der Stadt beleiben und erst am Di morgen weiterfahren. Die Isomatte muß getauscht werden und ich werde das wichtigste Ereignis des Jahres hier erleben.

Medizine Hat bietet gute Gelegenheiten dazu, vielleicht mehr, als kleinere Dörfer entlang der Strecke. Es gibt jede Menge Möglichkeiten zur Unterhaltung in der Stadt und die Motelauswahl läßt keine Wünsche offen.

Pals Motel, das preiswerteste Motel in der Stadt, ist im Dschungel der vielen Motelschilder auf dem TransCanada nicht einfach zu finden.Und es herrscht wirklich Betrieb für einen Sonntag. Nix unterscheidet den Verkehr hier zum Wochentag. Es herrscht long weekend. Am morgigen Tag, dem Victoria day,(montag) haben viele Leute frei und deswegen sind die Parkplätze der Shopping area richtig gut gefüllt. Baumärkte, Alkostores, Walmart, alle haben Hochbetrieb.
Vom Ortsanfang east bis zum Highway 3 ziehen sich die in funktionsbauweise errichteten Shoppingcenter und Malls hin. Alles äußerst autofreundlich geregelt. dazwischen dann der den Highway 1 nutztende Schwerlastverkehr. Es gibt schönere Fahrradstrecken am frühen Sonntagnachmittag.
Zunächst muß der Highway 1, der die Stadt durchschneidet, fast bis zum Ende durchgefahren werden., dann ein Wechsel auf den Highway 3, verfl..., wieder übersehen, ich stehe mal wieder auf der falschen Seite, über die Abfahrt hinausgefahren...
Mit dem Pickup fährt man jetzt weiter, wendet und kommt zurück. Mit zwei Tüten Walmarteinkauf am Lenker baumelnd und 4kg Getränke zusätzlich hinten auf dem Bock schon seit 5km auf dem Highway, gibts nur eines:cross, einfach illegal querfeldein.
Es ist eines dieser Probleme für mich als europäischer Fernfahrer. Walmart war am Anfang des Ortes, mein Motel kommt im selben Ort allerdings 6km später. Jedesmal entsteht die Frage erst einkaufen und mitnehmen oder später wieder los. Denn eines ist sicher, biste erstmal da, gibt es garantiert nichts in deiner Umgebung. Und dann ist es eine Erleichterung, nicht wieder zurück zu müssen.
schlafende Highwaygesellen auf dem Husky Parkplatz

Es ist 20:00h in Deutschland, als ich Ellinor das erste Mal nach 3 Tagen wieder spreche. Diese Nacht, das erste Mal nicht neben dem Highway oder der Bahntrasse, sondern neben dem Flughafen. Es gibt kein Nachtflugverbot für den Hut des Medinziners.

Der Tag in der Prärie

Morgenstimmung im PrärieviewMotel


Sa. 17.5.
Auf dem Weg zur Provinzgrenze 
Es gibt Dinge die machen mich richtig wütend. Und zwar dann, wenn ich entgegen meiner inneren Überzeugung gehandelt habe und die Sache schief geht. So was nehme ich persönlich und da nehme ich auch kein Blatt vor den Mund.
Kauf Dir einmal was richtiges, 'hast Du später kein Ärger. Ein klassischer Liebhaber Satz der Markenfetischisten.
Wir haben einige Isomatten auf dem Speicher, verlässlich sind die alle nicht und deswegen sollte unbedingt eine neue her. Gekauft bei einem großen Outdoor Händler.
Therm-a-rest, mit Lifetimegarantie.
Das Lifetime schien gut genug und vertrauenerweckend für ein Jahr ohne Probleme, allein nach 15 Einsätzen ist die Matte in der Nacht imn Tompkins platt. Die Luft ist buchstäblich raus. Nach 15maligen Gebrauch.
Nun, der gemeine Kurzzeit Outdoorer begibt sich in solchen Fällen einfach in die nächste Filiale oder nimmt zu mindest mit der Serviceabteilung Kontakt auf.
Zusammenrottung der Blumenkohlbande(J.Kachelmann)
Hier, im Süden SASK. nützt das alles nichts. Ich liege auf dem harten Fußboden und es ärgert mich. Montagsprodukt, Pech gehabt, umgerechnet auf den Kaufpreis immerhin €5 pro Nacht, hätte ich auch bei Lidl haben können, aber es musste ja unbedingt Therm-a-rest mit Lifetime sein. Es bleibt nicht anderes übrig, das nahezu unbenutzte Ding wegwerfen und doch eine neue bei Walmart kaufen. Das Material der Reise steht einfach unter keinem guten Stern.

Die Gaststätte der Tankstelle öffnet um 08:00am. Und man glaub es nicht, der Parkplatz füllt sich rasant mit Pickups. Können die alle keinen Toast zubereiten. Aber hier geht es auf um Kontaktpflege unter den Dörflern. Bis dahin ist bereits bei mir alles am Rad, nur noch einen Kaffee und dann geht’s los. Es ist mild und der Wind weht das erste Mal von hinten, nach 20km ist Premiere auf dieser Reise, es ist bereits so warm um 10:00h, das ich ab jetzt in kurz fahre. 
Unglaublich, gestern dieser Regen, heute, 20° und das erste Mal Schubwind.
Was ist das geil, 55 Tage habe ich auf diesen Tag gewartet und er entschädigt für so einige harte Etappen. Die Landschaft euphorisiert. Begrünte Hügelketten wechseln sich mit nicht endenden Feldern ab. Der Mensch verschwindet in dieser Landschaft, so unglaublich groß ist sie. Er wird hier bedeutungslos.

Nach 55km kommt auf dem Highway der Abzweig nach Maple Creek. Viele Orte werden direkt durch den Trans Canada zerschnitten, Maple liegt nun dummerweise 8km abseits in einem anderen Tal.
Wenn es also heute Abend etwas preisgünstiges zu essen geben soll, führt der Weg nur über diese Stichstrasse in der Mittagshitze, 8km hin und wieder zurück. 16km für Salat.
Meine Hoffnung vielleicht über eine Feldstrasse wieder an den Highway anzuschließen, wird von den örtlichen Coop Leuten leider nicht befürwortet.
Canadian Pacific-und gleich kommen die Desperados aus der Prärie

Einstieg in die Hausbesetzerszene

Ochsenkopf Ölförderpumpen

Fr.16.5.
Auf der Hochebene
Grosse Regenpfützen stehen auf dem Motelhof. Meine rauchende, aber können sie mir bitte beim Gepäck tragen, ich habe ein breathing problem, Nachbarin will auch weiter. Etliche leere Flaschen Bier schleppt sie in ihr Auto. Muss ja 'ne große Party gewesen sein.
Drei Tage schien die Sonne, heute ist mal wieder Pause. Grau ist der Himmel, dunkle schwere Wolken hängen über mir. Die Temperatur liegt um 09:00h bei 5°.
Wenn es doch nur mal ein bißchen wärmer werden könnte.
Der Wind weht kühl von Nord, also rechts auf die Brust und das frustrane an diesem Tag wird später sein, je öfter die Streckenführung sich entgegen dem Uhrzeigersinn dreht, Wind bleibt immer bestehen und landet witziger Weise nie im Rücken. Mathematische Winkelberechnungen stören den canadischen Nordnordost nicht.
Die von Ellinor empfohlene Sonnenmilch ist heute wieder nicht nötig, kann ich also in Medicine Hat kaufen, obwohl Elli dazu immer sagt, Sonne scheint immer.
Ich habe wie so oft auf Fahrradreisen im Baltikum eine schmerzhaft, malträtierte Unterlippe. Der spröde Wind und die Sonne haben die Mundbereich ausgetrocknet und entzündet, dazu kommt der dritte Lippen- Herpesinfekt in Folge. Jetzt zur Abwechslung mal auf der linken Seite. Zovirax müsste ich jetzt haben. Meine Immunlage scheint zur Zeit wohl nicht die Beste zu sein. Ansonsten geht’s mir gut, von kleinen Zipperlein einmal abgesehen, einigen Verspannungen, usw., aber die Knie haben sich gut erholt.
Fram auf der Hocheben
Einfach illegal mal quer durch die Grünmulde geradelt und schon bin ich zurück auf dem Trans Canada.
Nach 14km ist Swift Current endgültig abgehängt. Bis Gull Lake passiert nicht viel, die Strasse führt in die Prärie, wir landen bald auf einer sehr dünnbesiedelten Hochebene. Als Wiedergutmachung für meine verlorene Mütze vor zwei Tagen in Chaplin liegen heute mehr als 10 Mützen einträchtig nebeneinander direkt im Highwaygrün. Eine hätte auch genügt.
Erster Caribou Hirsch? kurz vor dem großen Regen
Nach Km 48 fängt es an zu regnen. Der Regen bleibt zwei Stunden mein Begleiter. Der Tag ist heute nicht mein Freund.

Der Regen beginnt
Während ich mich in mein Lamento begebe, in den letzten Wochen bringe ich den unbewältigten Klimafrust in dem einen, ständig wiederholenden Satz zum Ausdruck, ich kriege Sommer, auf jeden Fall, ich kriege Sommer, dieses Jahr und zwar in Australien und ich werde meinen A… in die Sonne am Meer halten, während ihr schon wieder Winter habt. Hartnäckiger canadischer Winter. Als ich später an der Shell gefragt werde, where are you heading to? gebe ich regennass nur zur Antwort into the summer.

Freitag, 16. Mai 2014

Und der Herr schenkt den Regenbogen

Nachtrag zu Do., 15.5.
Meinen Bogen setze ich in die Wolken, und er soll das Zeichen des Bundes sein zwischen mir und der Erde.[1. Mose 9,13-16] 

Kurz nachdem ich mit Ellinor geskypt hatte, ging's los, die Wände wackelten in diesem Motel, die Türen klapperten und das ist keine Übertreibung, dafür sind Motels zu einfach gebaut. Der Himmel verfärbte sich dunkel und Swift C. wurde Zeuge eines gewaltigen Naturschauspiels. Im Nachklang erschien ein Regenbogren, wie ich ihn ganz selten so kontrastreich erlebt habe, nicht wenige Menschen standen mit Kameras draussen auf dem Highway. 
Der Himmel tief blau und dazwischen der energiereiche Regenbogen. Die Zeit reichte aus für einen Spaziergang, es folgte ein extrem kurzes Gewitter mit maximaler Entladung, max. 10min. und die dunklen Wolken wanderten nach Süden ab. 
Für alle die es mögen, hier einige sehr intensive Bilder: 



all pictures Trans Canada, Swift Current, looking east


Blödsinn mit Dummheit korrigiert

Do.,15.5.
Quer durch's abgemähte Feld
Kein Zweifel, wir kriegen jetzt Sommer, die Nächte sind nicht mehr so eisig. Am Nachmittag wird die offizielle Temperaturmessung in Downtown Swift Current sogar 20° anzeigen.
Bildunterschrift hinzufügen7:30h morgens, quer übers Feld
Zunächst aber, ist der Himmel eher melangegrau. Ich sitze schon um 7:30h im Sattel. Um den Quatsch des gestrigen Abend, ein 80kg schweres Gerät auf einem nachgebenden Bahndamm, incl. zweier Gleisüberquerungen an mehreren abgestellten Güterwagen vorbei nicht noch einmal zu bringen, entscheide ich mich für die Nutzung des Schotterweges zwischen den Feldern, der am road-closed-Schild endet.

Die Hoffnung beruht darauf,  der Weg quert irgendwann einen nach Westen führenden neuen Schotterweg. So fahre und fahre ich, aber es kommt kein Weg. Herrjeh. Canadische Distanzen, jetzt umdrehen, oder einfach quer durchs Feld, in der Ferne ist der gestern ablehnende Hof zu sehen. Um es kurz zu machen, es war auch keine geistreiche Iddee. Eine halbe Stunde marschiere ich mit dem Rad quer durchs Feld, dann endlich wieder eine Schotterweg, zurück auf den TransCanada. Blödsinn mit Dummheit korrigieren zu wollen, das ist die wahre Meisterschaft.

Herbert, so heißt der Ort wirklich, ist der größte Ort der letzten 100km. Bevor man ihn erreicht, hat man Hoffnung auf gepflegtes kaffeetrinken und einen Grocery, um sich mit Getränken zu versorgen. Fakt ist, Herbert hat sogar ein Krankenhaus. Nun denn, der Grocery macht erst in einer Stunde auf und Kaffee gibt es versteckt im Coop Baumarkt, was ihn nicht schlechter macht. Eine Stunde warten oder 45km zu Swift C's  Walmart?
Kaffeepause bei/in Herbert
Ich fahre ohne Wasser los, was sind schon 45km? Genau, das ist dann meist das Problem. Eine Kurzstrecke, man glaubt, man ist gleich da und dann wollen eben auch 45km gefahren sein, genau wie tags zuvor 110km. Und dann kommt ein wenig Wind auf und irgendwie wollen die doofen 45km nicht vergehen, Hügel hoch, Hügel runter, in den Gedanken schon längst bei den Motels und glazed Donuts, 6Stück für einen Dollar.
Schwimmunterricht

Und dann passiert doch noch was, kurz vor Waldeck, unverkennbar deutsche Gründung, ein kleiner Ort mit dem Highwayzusatz, no Service, heißt, hier kannste nix erwarten, 15km vor Swift, steht ein Radler in der Trennungsmulde und kommt mit schnellen Schritten auf mich zu. Es ist Eric, ein Bär von Mann, in kurzen Radlerhosen, hat er sein Rad abgelegt, als er mich kommen sah. Eric ist 57 Jahre alt und verachtet den Schmerz. Die Oberschenkel, wie auch seine Arme und Gesicht zeugen im Kleidungsübergang von diverven Hautdefekten, aufgrund langanhaltender, übermässiger, ungeschützer Sonneneinwirkung. Grob geschätzt Verbrennung 2. Grades.
Eric verachtet den Schmerz
Alter, woher kommst Du denn, wohl gerad' nicht aus Canada, vielleicht solltest Du mal Sonnencreme benutzen. Er erklärt, er sei mit dem Bus nach Tofino, gefahren und dann gestartet und Transcanada stand eben noch auf seiner bucket list, also hat er sich auf dem Weg nach Newfoundland gemacht und dann kann er einen Haken machen, sagt er, frei nach dem Motto, Dinge, die ich kurz vor meinem Ableben noch tun möchte.

Warum auch nicht, einfach mal 8000 km mit dem Rad fahren. Gestern sei er von Medicine Hat nach Swift Current gefahren, rund 223km. Na, ich hab' noch etwas Zeit mit dem Ableben, deswegen werde ich mir die Strecke in  2 Teile teilen. Aber es zeigt, eine ganze Menge Radfahrer versuchen die Gesamtdistanz in persönlicher Bestzeit zu absolvieren.
Wir tauschen die websites aus, für jeden ein Fotot und ein take care, drive safe und dann bin ich wieder allein.
Endlich taucht nach etlichen Bergwertungen, von wegen Sask, ist ausschließlich flach, Walmart auf. Ortsanfang Current Swift. Ich stürze in den Laden und will endlich trinken.
Kurz vor Waldeck/SASK

Den Windgenerator abgeschaltet

Tingved's Durchhalte Box


Mi.,14.5.
Die ersten Radtouristen 2014 in Martlach
Kanada ist ein Land der Extreme, zwei Tage furchtbarer Wind mit undiskutablen Km-leistungen und dann von einem auf den anderen Tag ein komplett anderes Wetter. Wie oft hatte ich nun schon Tage, wo man bestenfalls von einem Arbeitstag sprechen konnte und am nächsten Tag war es der Radfahrhimmel auf Erden.

Martlach
ein Frühstücks-Durchhalte-Körbchen mit frischem Kaffee vorbei gebracht. Ich bin echt gerührt, sitze vor dem Autoreifen und genieße einen superweichen Muffin mit frischem Kaffee. Natürlich ist die Art der Übernachtung viel interessanter, als auf einem Campingplatz mit einem Duschgebäude im Sanierungsstau für 10$

Kristina und Nic aus Victoria
Ich reise ab und will durch Hintertür dem nahe gelegenen Martlach noch einen Besuch abstatten. Eine staubige Schotterstrasse führt in den kleinen, beschaulichen Ort mit vielen Holz Einfamilienhäusern. Es gibt nur eine Asphaltstrasse, sie führt direkt zum TransCanada. Auf dem Weg zum örtlichen Getreidespeicher traue ich fast meinen Augen nicht. Da stehen zwei Tourräder mit Packtaschen. Endlich. Schnurstracks ins Cafe hinein und ich entdecke zwei junge Leute beim Kaffee. 

Ja, ihnen gehören die Räder, Nic und Christina aus Victoria, dem äußersten Westen Kanadas. Beides Studenten für Geologie und Geographie, wollen auch sie TransCananda machen, allerdings von west nach Nova Scotia. Heute wollen sie nur bis Moose Jaw, und lassen es etwas langsamer angehen. Wir tauschen die website’s aus und dann will ich weiter.

Heute ist Tempomaten- Wetter, Gang reinlegen und einfach treiben lassen, ich träume mich weg und das Auge kann das Ende der Felder kaum finden, Felder soweit das Auge reicht, von Hügelketten eingerahmt. Endlose Prärien, mit riesigen Büffelherden, die Indianer und die weißen Siedler mit ihren Planwagen, die nach Westen zogen und zwischendurch immer wieder Canadian Pacific. Eine herrliche Kulisse.
riesige "Büffelherden" in der Prairie
Ich habe viel Zeit verloren, schon lange vorher, tief im Süden Ontarios und doch hätte es fast noch geklappt mit dem Plan, den Geburtstag in den Rocky Mountains zu erleben; nun wird es wohl Medicine Hat werden. Immerhin knapp davor.
Ich werde erst dort entscheiden, ob ich den direkten Weg nach Calgary nehme, also dem Trans Canada Highway folge, oder über Lethbrigde nach Banff fahre. Beides ist reizvoll.
Lannie Ericson auf dem Weg nach Swift

Ich bleibe in Gedanken, bis plötzlich vor mir scharf ein Silverrado Pickup auf den Seitenstreifen biegt. Lannie steigt aus und sagt hey, ich muß nach Swift Current, sollen wir Dein Fahrrad auf den Pickup legen und Du fährst mit ?
Es gibt Zaunpfähle, die winken nur einmal. Heute in 2 Stunden in Swift, 160km gespart, doch noch eine leise, letzte Chance. Ich muß nur ja sagen, aber ich brauche keine Bedenkzeit, jetzt nach all dem was war, in ein Auto steigen, nein, niemals!
Trotzdem bin ich fast sprachlos. Nochmals vielen Dank Lannie.

Da, wo der Wind gemacht wird



Montrealfan Bill @Walmarts
Di, 13.5.
Hockey Fans, Tramps und Wanderer
Nach dem Skype noch schnell zu Walmart und dann geht’s los. Doch bevor ich das Fahrrad abstellen kann, stürzt Bill auf mich zu, sichtlich erfreut und ruft have you heart Montreal beats Detroit yesterday. Ne, hatte ich gerad’ nicht, natürlich geht’s es um Hockey, es muß in diesem Land um Hockey gehen und er hat meinen neuen Stander entdeckt.
Winnipeg Jets sind in Saskatchewan out und die vor einigen Tagen im Strassengraben gefundene grellbunte Flagge ist die der besten Hockeymannschaft der NHL, des Montreal Hockey Team. Musste ich mir allerdings auch erst von der Wirtin des Sunrise Motels sagen lassen, hey Lady, ich found a flag, could you tell me where she is from? Was für eine Frage, natürlich Montreal, also vergleichbar in Deutschland; da jemand findet einen Bayern-Schal und fragt den Erstbesten, hey wat isn dat fürn Schal? Okay, aber als Europaer darf man das.
Und dann hat Lannie mir heute Morgen extra noch ans Herz gelegt, nimmt vor Calgary die Flagge ab, dort herrscht starke Rivalität.
Highway Paten, Columbus's Ritter
Nun, ich erkläre Bill, das ich die Fahne wegen der besseren Sichtbarkeit auf dem Highway am Rad habe, so wie die Kinderräder bei uns auch mit Wimpeln ausgestattet werden, nur das es hier keine Kinderräder auf Highways gibt. Ich glaube er ist ein wenig enttäuscht, will aber dann doch noch wissen, wohin die Reise geht.
Um 10:30h geht’s endlich zurück auf den Highway. Der Wind ist stärker geworden, hat deutlich aufgefrischt. Etwa 13km nach Moose Jaw macht die Strasse einen Bogen und der Wind ist bis Caronport direkt auf der Brust. Meine zuvor Ellinor verkündete Idee in 2 Tagen in Swift Current, 160km entfernt, zu sein, wird gerade im Wind pulverisiert. Ich schaffe gegen den Wind nicht mehr als 9km/h, der Tag folgt einer einfachen Logik, willst Du Dich bewegen, fang an zu treten, hörst Du damit auf stehst Du buchstäblich sofort.

Berufskollege Bernie
Ein absoluter, irrer Wind bläst mir entgegen. Das Rad schaukelt und ich habe Mühe die Spur zu halten, nutze mit dem schweren Trecker gegen die heftige Windlast die gesamte Seitenstreifenbreite. Es gibt keine Chance dem Wind zu entfliehen. Unablässig tobt der Wind über die freien Felder.
In Ostfriesland kenne ich solchen Wind; es ist dann Herbst und die Kinder lassen ihren Drachen steigen, oder der blanke Hein droht damit, das Wasser über die Deiche zu jagen.

Auf dem Weg zur ersten Rast sehe ich einen Läufer in der Trennungsmulde, es ist Bernie, der mit einem Sack Dinge einsammelt. Ob er zu den Highway Paten gehört, die hier immer Abschnittsweise für Sauberkeit sorgen, nein, sagt er lächelnd, er sammelt Pfand, aah, ein Berufskollege. 10ct, sagt er, gibt es für Dose oder Flasche, gleich welcher Größe. In seinem Sack befinden sich geschätzt $2, bad harvest sage ich, schlechte Ernte, und wir beide lachen und er sagt, ja, vielleicht solle er mal die Straßenseite wechseln.
Daniel, auf dem Weg nach Vancouver
Kurze Zeit später noch so‚ ne merkwürdige Gestalt, läuft da einer und trampt, bisher hatte ich noch keinen gesehen, er stellt sich als Daniel vor ist auf dem Weg von Toronto nach Vancouver. Die Situation entbehrt jeder Komik, wat?, ja, er trampt nach Vancouver, aber es läuft nicht gut und er ist schon weite Strecken gelaufen. Ich sage, ich wäre auch auf dem Weg nach Vancouver, aber ich hätte gerad’ kein Platz mehr und Daniel meint todernst, ja, das verstehe er, ein Zeichen, das ich irgendwie an meiner Ironie noch arbeiten muß.

Leider spricht Daniel so nuscheliges englisch, das ich weite Teile unseres Gespräches nicht mitbekomme, anscheinend kein Geld für den Bus, zwischendurch im Krankenhaus und 20 andere Gründe. Aber es macht mich nachdenklich, was für eine Geschichte dahinter steckt, dass Daniel nach Vancouver trampt.

In Caronport, nach streckenbereinigt gefahrenen 27km, komme ich nach 2,5h Stunden um 13:45h an. Damit ist klar, das hehre Ziel heute Chaplin zu erreichen, bleibt eine Illusion.

Caronport Husky Tankstelle
Ich überlege, ob es nicht besser ist, den Tag abzubrechen und auf Morgen zu hoffen.
Every day a new challenge, meint lachend der Tankwart, allmählich glaube ich das auch.
Angeblich sagt yr.no für Morgen bessere Windverhältnisse voraus.
Nach einem Kaffee weiter nach Martlack. Wenigstens heute noch über die 50km Marke kommen. Und außerdem ist ein Provincial Park auf der Strecke, vielleicht eine Möglichkeit dort Rast zu machen.

Dienstag, 13. Mai 2014

Die Nacht in Ericson's Pace Arrow



Mo.,12.5.
Dem Wind entgegen
Die letzte Woche beginnt. Ich bin früh aufgestanden, um bessere upload Zeiten für meinen Blog im Sunrise zu erreichen, in der Hoffnung, das alle Mitbewohner noch schlafen.
Ellinor muß warten bis 08:00h, dann ist ein Großteil der Arbeit getan, ich weiß im Moment nicht, wie ich die Situation verbessern soll, alle 4Tage spätestens muß das Netbook an die Steckdose.
Es geht verspätet los, die Sonne steht schon hoch, als ich endlich mit dem letzten blogpost fertig bin und er im upload ist. Mit einigen illegalen Radfahrermanövern bin ich vom Motel schnell wieder auf dem Einser. Ein wenig von Euphorie getragen, weil der gestrige Gegenwind ausbleibt, kreuze ich auf der Ringautobahn, bin wir endlich die Fahrtrichtung Westen erreichen. Pech gehabt mein Lieber, hier steht der Wind und wartet schon auf Dich.
Die Norweger werden nachher sagen, 4-5Bft., manchmal auch 6.
Auch wenn man sich nur 73km für diesem Tag vornimmt, entschärft das die Sache nicht. Dieser Tag ist der Kampf des Radlers allein gegen den Wind. Moose Jaw muß erreicht werden. Kurz aus der Stadt raus und schon geht gar nichts mehr. Der Wind kommt von NNW und es gibt kein Entkommen, die ersten Stunden bringe ich nicht mehr als 11km/h auf die Pedale, stoisch einen Fuß vor den nächsten setzend. Der Wind lässt überhaupt nicht nach, er bläßt unbeirrt über Stunden. Erbarmungslos. In Holstein haben wir Knicks zwischen den Feldern, hier vorhanden, würde der Wind mindestens abgebremst und die Situation wäre sofort entschärft. Aber hier gibt es keine Kinicks und keine Bushaltehäuschen mit Häkelgardinen.
Dann ein grobes Foul der Sask. Strassenverwaltung, war da nicht vorhin ein Schild mit Moose Jaw 62km, jetzt 10km später taucht wieder Moos Jaw auf, nun 61km. F…
Eigentlich sollten es nur 71km sein, irgendjemand hat hier Probleme mit dem metrischen System. Es demoralisiert, da rechnet man im Kopf mit, kämpft gegen den Wind und dann stimmen vermeintlich die Hinweisschilder nicht. Es wird an diesem Tag kein weiteres mehr geben.
Bei KM 52 Kaffeepause bei Chubbys; Bar, Motel, und Tankstelle, wie man mir sagt die einzige Fascillity in Belle Plaine. Den Pot Kaffee mit Refill für $1,75, aber man stellt mir eine riesige Refill-Thermoskanne auf den Tisch. Wieder so ein Arlington, wie können die sich hier halten, abgesehen vom Benzindurst der Pickups.
In den Kneipen läuft immer Fernsehen und immer wird Hockey gezeigt.
Nach dem Chubbys dreht mich die Strasse ein wenig aus dem Wind und ich erreiche den heutigen Spitzenwert von 15,3km/h. Rechts an der Kalium road tauchen mehrere Fabriken in den Feldern auf, ansonsten das gleiche Bild wie die letzten 3 Tage. Goldgelbe Felder bis zum Horizont, dazwischen Zinksilos und in der Ferne vereinzelt Höfe. Zwischendrin Feldstrassen die in die Ferne gehen. Manchmal ein einsamer Traktor auf dem Feld. Was für eine Weite.
Private James Ryan live, Paint Ball Moose Jaw
Bis 15km vor Moose Jaw lässt sich das gut an, dann wacht der Wind wirder auf, meine eine-Stunde-heute-wenigtens-ohne ist anscheinend um.

Wieder muß gekämpft werden. Der Ort Moose Jaw zieht sich in die Länge. Man sieht in der Ferne die Silhouette, der Ort ist den Highway 1 ostwärts entlang ziemlich ausgefranzt. Viele Steinbruchunternehmen reihen sich auf der rechten Fahrbahnseite aneinander. Industrieunternehmen, von Farmen relativ wenig zu sehen. Ich will eigentlich gar nicht hinein, sondern kurz vor der Verkaufsmeile abspringen und die Nacht vor der Stadt verbringen, um am nächsten Morgen früh zu Walmart und Tim, Ellinor anzurufen und dann raus aus der Stadt. Bin ich erstmal drin, wird es schwer eine Farm zu finden.
Als sich der Highway aufteilt in einen Innenstadtarm und eine Umgehungsstrasse, ist der Zeitpunkt gekommen, jetzt abspringen und ich drehe sofort in eine geschotterte Seitenstrasse, ein Pflanzenmarkt und dann, hier und nirgends anders.

Die mir öffnende Frau Ericson ist zunächst ein wenig überrascht, als ich mein Bedürfnis vortrage, Hey Lady, ich bin der Frank…, hat aber dann eigentlich nix dagegen, will aber auf ihren Mann warten, der just von der Arbeit käme.

Eigentlich will ich ja nur ein Platz für mein Zelt, aber das ist in ihren Augen zu wenig, wenn ihr Mann nichts dagegen hat, wollen sie mir lieber ihren Camper anbieten.
Nun, ihr Mann kommt nicht sofort und ich erfahre in 5min jede Menge von Frau Ericson, sie sagt die Rente ist eingereicht und hoffentlich kollabiert das Land jetzt nicht.
Hmm, was man eben so erzählt, wenn man von einem fremden Mann aus dem Haus geholt wird. Sie wirkt ein wenig sehr mit sich beschäftigt, deswegen dränge ich mich auch nicht weiter auf, bin aber doch froh als ihr Mann Lannie erscheint, nun geht es voran und er zeigt mir seinen Camper.
Nochmals dränge ich ihn, ich könnte auch im Zelt schlafen, nur weiterfahren will ich nicht, doch Lannie Ericson hat schon die Tür zu seinem Pace Arrow geöffnet. Hier und deutet auf die 2,00m Sitzbank im Mittelteil des Wagens, macht auch keine Mühe.
Traumwagen, noch fahrbereit Dodge Pace Arrow
Dann verschwindet er, für ihn ist die Sache erledigt, ich bleibe allein zurück, soll ich noch mal stören, gibt’s noch was zu sagen, nein, das Bedürfnis an Neuigkeiten meine Person betreffend ist für die beiden anscheinend ausreichend erschöpft. Muß man ja auch erst mal verdauen, steht da einfach ein Reiter aus Europa auf dem Hof. Dennoch klopfe ich noch mal und überreiche ihnen meine Karte, sozusagen als höfliche Form der Vorstellung, damit ihr wenigstens wisst, mit wem ihr es zu tun hattet, aber nur wenn ihr wirklich wollt. Der Rest bleibt unausgesprochen, muß auch nicht und ich mache mich zu dem Wohnschiff auf. Camper würde es einfach nicht richtig treffen. Hier stehen 80er Retro Camping zum anfassen.
Innenleben im Geslenkirchener Barock

Yeah, ein 1980er Dodge Pace Arrow im angegrauten Zustand, vorne 2 drehbare Sessel, Mitte vorne Couch, dahinter Küche und Esstisch Garnitur, dahinter das Duschbad und WC. Cockpit und Himmel mit braunem Kunstleder ausgekleidet. Überhaupt überwiegen die Braunorangetöne, Frottee Wollteppich und Brokatjallousien. Gelsenkirchener Barock. Und natürlich Klima. Die Uhr zeigt 11:52h, ich frage mich welches Jahr. Kurzum ein Traum.
Ich liege mit meinem Schlafsack auf der 35jahre alten Couch und starre in die untergehende Moose Jaw Sonne. Und wünschte mein Freund Tom würde das sehen, Alter ich sage Dir, der absolute Hospitalcrusher Bus. Es kann keinen anderen geben.
And for Mr.Lannie E., once again, thank you for your very nice hospatility, I enjoyed, auch wenn wir wenig gesprochen haben.
Morgen geht’s weiter, mit neuem Wind.

Nachtrag: Natürlich haben die beiden kurz hinein geschaut.Am nächsten Morgen ist Frau Ericson recht aufgekratzt und bittet mich zum Frühstück, herrjeh, nun ist die Zeit knapp, ich will eigentlich los, Walmart, Tim, Ellinor will zum Yoga, das darf ich nicht verpassen, aber die Gastfreundschaft ausschlagen geht auch nicht. Also beantworte ich nun doch ihre Fragen und freue mich auf eine Tasche Kaffee. Sorgar ein Sandwich hat sie eiligst zubereitet. Denn die beiden wollen zum Arzt. 
Schade, hätten wir doch bloß gestern miut einander gesprochen.
Lannie Ericson mit seiner Frau in der heimischen Küche
Ein letztes Foto und schon geht's zurück auf den Trans Canada.