tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Donnerstag, 25. September 2014

Quilcene

Die Donnerstag Preisfrage: was ist stimmt nicht an diesem Bild?

Mi., 24.9.
Anne’s alte Quäker Kirche
Annie or ihrem Haus zum Abschied
Von nun an 1000km nur noch nach Süden
Der Tag beginnt früh, um 07:00h klopft es an der Zimmertür. Ein Blick aus dem Fenster, grauer Himmel, tiefhängende Wolken, aber zunächst trocken. Da Annie ihr Passwort vergessen hat, konnte ich gestern Abend nicht mehr ins Netz. Der Tag beginnt also folglich bei Starbucks, die gegenüber Walmart ihren Shop in einer Einkaufszone betreiben. Vis à vis Costco, aber mir ist an diesem Morgen noch nicht nach Hot Dogs.
Source: accessibletrails.com

Es zieht sich ein wenig hin, bis die erste Postversion uploadfähig ist. Zwischendurch spreche mit Michael, der mit seiner kleinen Tochter zum Morgenkaffee bei Starbucks ist. Er hat mein Fahrrad draußen entdeckt und ist gerade mit seiner Familie aus Europa zurückgekommen ist. Brauchst Du eine Unterkunft für die Nacht? wir haben ein Haus frei, Du könntest da bleiben… aber ich will weiter. Wirklich schade.

Skype lässt sich öffnen, kein Gespräch mit Ellinor, ich bin ungnädig; ich war wirklich ein Fan dieses VoiP Programms als es noch ein estnisches Startup war, aber seit Microsoft 2011 die Firma kaufte und nun damit drin hängt, geht es immer mehr bergab. Wirklich schade.

First Nation Community Center am Highway
Um 10:00h mache ich mich auf den Weg, schnell ist klar, bis nach Shelton wird das an diesem Tag nichts. 80Meilen sind eben nicht 80km. Die Strecke verläuft ein wenig hügelig, meist durch Wald, aber die ganz großen Anstiege wie noch in BC fehlen bisher. Viel zu sehen gibt es nicht. In Discovery Bay steht ein alter Güterzug aus den 50erJahren an der Strasse, der nun als Pizzeria fungiert, aber es sieht ziemlich mau aus. 100m weiter ein alter Generalstore, ich zögere, hier einen Kaffee oder 10 Meilen weiter bis zu Shell.

Der Grocery bietet organic food an, was ich in dieser menschenleeren Gegend ziemlich bemerkenswert finde, aber eben auch ganz normalen Kaffee. Craig heißt der Mann hinter dem Tresen und er erklärt, das viele wohlhabende Leute am Rande ihrer Pensionierung in diese Gegend ziehen und der Bedarf an good food steigt. Es ist sein zweiter Store, der größere Laden befindet sich in Quilcene. 
abandoned railway im äußersten Nordwesten der USA

Es hat feste Verträge mit ökologisch gleichgesinnten Farmern, die ihn beliefern, so entsteht eine win win Situation für alle. Craig bietet mir an, auf seinem Grundstück zu übernachten, aber es sind nur noch 13Meilen bis dahin, der Tag ist noch jung und ich würde eigentlich gerne weiterfahren. 
Feuerwehr Gebäude Quilcene

Es bleibt bei einer sehr vagen Verabredung.
Robert auf dem Weg nach San Diego

Park Ranger Office
Nachdem der Verkehr die Abfahrt nach Bremerton, wo die Fähren aufs Festland nach Seattle ablegen, passiert hat, ist kaum noch etwas von dem Verkehr zu spüren. Ich fahre nun durch eine einsame, berggesäumte von Nebelwolken umrahmte Landschaft. Nach 13Meilen kommt Quilcene in Sicht und als erstes treffe ich auf Robert. Er schreibt auch unter der Homepage von crazy-guy-on-a-bike und ist auf dem Weg nach San Diego. Er hat seinen Job in einem Outdoor Laden gekündigt und will sich zu seinem 50. Geburtstag eine Fahrradtour gönnen. Kommt mir bekannt vor.
'Bist ein wenig spät dran dieses Jahr, rufe ich ihm zu. Aber er genießt die abebbende Saison. So ist viel weniger Verkehr. Wir tauschen emailadressen aus, dann trennen wir uns. Quilcene ist bekannt für ihre Austernspezialitäten und ist er auf der Suche nach einem Restaurant. Ich suche derweil das Haus von Craig, das ich in seinem Laden auf google streetview Aufnahme schon gesehen habe.
Ortsdurchfahrt Quilcene

Der 600 Einwohner große Ort ist kleiner als gedacht und ich frage ahnungslos in der NP Ranger Station nach, in welcher Richtung der Ort liegt. Ne, sagt der freundlich weibliche Ranger Nationalparks, Du bist schon durch, der Ort liegt hinter mir, also Neustart, alles noch mal von vorn und nun beginnt der ungeahnt spannende Teil des Nachmittags.

Zuerst entdecke ich eine alte Holzschindel Kirche mit Glockenturm, ein Stock klemmt zwischen den beiden Griffen der Eingangstür. 50m weiter steht eine Art Verkaufswagen mit Espresso Fahne. Hey Lady, ist die Kirche noch on duty?, Nein, die Kirche gehört ihr, sie hat die Kirche gekauft renoviert und ist gerade fertig geworden.

Lady, ich will in die Kirche, na klar, kein Problem und sie öffnet mir die Tür, und nun ist der Gottesdienstraum mehr eine Art Atelier, die alten Stühle aus dem 1910er Jahren sind zusammengestellt; nun ist es hier ihr Refugium. 
Die Kirche in den 1920er Jahren
Es war ein Gotteshaus der Quaker, streng puritanische Gläubige, am ehesten vergleichbar mit den Amish people. 
Wikipedia.org Die Quaker 
Der Gottesdienstraum
Die Kirche verfiel, der Glockenturm drohte einzustürzen, das gesamte Dach ließ sie neu richten. Hinter ihrem rollenden Cafe ist ein großer Community Garten. Der Boden ist so ertragreich, das jeder, der will, sich bedienen darf. Dieses Jahr war ein überdurchschnittliches Tomatenjahr. 

Ganz neu für mich sind schwarzviolette Cherry Tomaten, die ihre beste Reife erst haben, wenn sich einige rote Flecken bilden. Oder aromatische knallgelbe Cherries.  

Ich spreche mit der Koordinatorin Juanita. Ein wenig später erscheint sie erneut und lädt mich zu einem Abendessen in einer Kirchengemeinde ein, Beginn 18:00h. Zum Glück ist noch viel Zeit, denn es gibt noch einiges zu entdecken, zunächst aber zurück zu Anne mit ihrem Kaffeewagen und ich frage sie, ob der Wagen sich hier überhaupt lohnt und sie lacht, sie macht ihren Wagen bereits um 06:00h auf, aber wer kommt denn?

Du wirst Dich wundern und kaum glauben, wie viel Umsatz wir letztes Jahr hatten. Eine unglaubliche Story mitten in einem 600Einwohner Dorf.
custom made Wohnund Verkaufsanhänger, von Gotteshaus bis Coffeestore

Und wir kommen ins Gespräch und ich sage, diese Kirche erinnert mich sehr an meine Hochzeitskirche. Ebenfalls eine Holzkirche, allerdings in Norwegen und weiß gestrichen. Wo das wäre? Ach, wahrscheinlich wüsste sie nicht, wo das ist; ein kleines Dorf in Nordnorwegen und dann fangen ihre Augen an zu lachen, natürlich kennt sie Andöya und sie weiß sehr gut wo Andenes liegt. 

Ihre Großmutter ist eine ausgewanderte Norwegerin, zum zweiten Mal erfahre ich, das in dieser Gegend viele origin norwegians leben. Weil das Klima und die Landschaft dem Land mit den großen Fjorden so ähnelt.
Anne's Geschäftsidee

Wir unterhalten uns noch lange, dann muß ich zum Gemeindehaus, um ins Internet zu gehen.
Auch hier mit drive thru Coffee für den Fire Dept.Chief Moser
Dort treffe ich Tom mit seinem australian Dingo Mix, ein Mann mit einem Lebenslauf für drei Leben. Hat lange als Holzfäller gearbeitet hat sich überall so durchgeschlagen und kommt mir nun passend in seiner Papptüte ein Bier der Marke Long Hammer entgegen. 

Neben dem Gemeindehaus ist die Foodbank. Mittwochs ist Ausgabetag. Neben den vielen Informationen, die Tom fortwährend herausschüttet, ist eine sehr kurze Textzeile, unten am Fluss sind die Leute am Lachsangeln. 
schwarze sehr aromatische Tomaten

Mittwoch, 24. September 2014

Sequim

Mi.,24.9.
Erste Meilen
Ich stehe an Deck der 1959 gebauten Fähre und sehe die Molenfeuer der Außenmole Victoria's langsam im Regennebel verschwinden. Ein großer Kreuzfahrer liegt im Hafen, aber heute ist kein Kreuzfahrerwetter. Ich bin sichtlichg erschüttert. 6Monate Kanada und dann zwei tragische letzte Minuten in der Grenzkontrolle. 
Good bye Canada, ich kann die unfeinen Momente ansonsten mit Dir an einer Hand abzählen und es bleibt noch was übrig, abgesehen natürlich von Deiner Natur.
Du warst tough, stelltest Dich mir beinhart entgegen und kannstest so oft kein Erbarmen. Dein Viecher quälten mich wochenlang, an Deinen Bergen bin ich fast verzweifelt. Wahrlich, Du hast mich das ein oder andere Mal deutlich gequält. ich war dem Aufgeben manches Mal näher als dem Sieg.
Ankunft in Port Angeles
Nun ist es vorbei, ausgestanden, auch wenn die letzten Wochen unvergessen bleiben, Tage in Nanaimo und Gibsons, die Tage mit Ellinor in Vancouver.
Wir fahren auf fast spiegelglatter See in den Nebel hinein, Sicht ist wenig bis nicht vorhanden. Vor uns the land of the free. Ich habe ein mulmiges Gefühl. Tapfer sein jetzt, ich denke an Andreas, der mir mehrfach einschärfte, mach' ja nicht den Max!!! 
Port Angeles kommt dann so überrraschend, das ich mitten im Schreiben einpacken muß, nichts ist durch die nebligen Panorama Fenster zu sehen, aber es kommt Unruhe auf. Die Leute eilen nach backbord. Ganz langsam öffnet sich der Himmel und ich erkenne die Umruisse des Hafens.
Und dann passiert das erste positive Erlebnis des Tages. Unmittelbar vor Verlassen des Schiffes stellt Steven, den ich vorher kurz gesprochen hatte, seinen Koffer quer und sagt, wenn Du erst in Portland bist, laden wir Dich ein. Er gibt mir seine Karte und ich verliere sie fast in der Aufregung. Yeah, eine Einladung nach Portland, die erste Einland in der USA.
 
Dann geht alles ganz schnell. Ich bleibe zurück, erwarte, das es nun Probleme gibt. Wir kommen den langen Gang der Grenzbaracke entlang. Die US Custom Officers warten schon. Ich erwarte den GAU, bitte leeren sie mal ihre Taschen aus. Good morning Officer, Sir,... where you from, what is your final dsetination? Das übliche, wie 2 Stunden bereits zuvor abgefragt. Oh, nee,.... aber nach 1 Minute ist das Thema abgehandelt, alles beendet, die Jungs wollen weiter, ich bin in Washington State. Gelandet.

Erste Meilen auf der Strasse. Visitor Center, Bank, der Himmel ist eine Katastrophe, mein Zelt ist noch naß, es ist kein großartiger Start. Kann nur besser werden. Du bist in Amerika.
Doch nach nicht mal 200m verliert sich die Unsicherheit. Dauernd schnacken mich Leute an, es fühlt sich gut an.
Also mache ich mich auf nach Sequim, nur wenige Km östlich von Port Angeles, einfahren, Highway 101, Highway der Sehnsüchte, eine der berühmtesten Strecken der Welt, entlang der Pazific Küste. Von Washington nach San Francisco und danach weiter bis an die mexikanische Grenze. Craig hat mir viel von ihm erzählt. Und nun bin ich dabei, los gehts.
Rita aus Calgary und Tommy aus Louisana

Nach 5Meilen Walmart. Natürlich muß ich sehen, wie die "Bösen" hier aus-
sehen.

Nach 10min ist dummerweise jedes Klischees bestätigt. Im Sport Department, jede Menge Wummen, Verkauf werktags von 8:00-9:00h. Es ist mir nicht möglich ein Foto zu machen, der Bereich ist umlagert von Männern mit dicken karierten Outdoor Jacken und Baseball Caps. Amerika und seine Waffen für Jedermann.
Aber kaum sitze ich vor dem Gebäude bin ich in Gespräch. Rita und Tommy fragen mich nach meinem Weg und wir haben ein sehr nettes Gespräch.Aber sie mahnen auch, nimm dein Fahrrad mit zu Walmart, man das ist hier nicht Canada das ist America. Das sitzt!
Der Highway ist großzügig ausgebaut, die großen Laster machen einen weiten Bogen an diesem Tag, es heitert auf, herrliches Highwaywetter stellt sich ein.
Nach weiteren 13 Meilen erreiche ich Sequim, ausgefaserte Wohnstadt am Highway, so weit das Auge reicht Ein-Familien-Bungalos aus Holz, Doppelgarage, kein Keller, angedeutes Spitzdach.

Dienstag, 23. September 2014

Willkommen im Land der Freien

nach 179 Tagen Canada ausgecheckt

Di.,23.9.
Blutgrätsche 2min vor Abpfiff
Es beginnt ab 06:30h zu regnen, noch gut 3 Stunden Canada. Der Himmel ist milchig bewölkt, das spärliche Blau mit den Sonnenstrahlen ist sofort wieder verschwunden.
Ein letzter Blick zurück zum Beacon Hill. Die Nacht war lang aber ruhig. Als ich um 18:00h den Hügel erreichte, fuhr ich fast in einen fahrradfahrenden Polizisten hinein, aber er fuhr mir nicht nach. Um 19:45h war es bereits stark dämmernd, so das kurze Zeit später das Zelt im Kiefernwald von der Dunkelheit verschluckt wurde.

Ein letzter Kaffee bei Tim. Um 09:00h mache ich mich auf zum Schiff. Viele Menschen sind an diesem regnerischen Tag nicht auf den Strassen.
Bis 10:00h passiert nichts, dann erscheint ein weiblicher Immi Officer und alle Passagiere, die die letzten 90 Tage nicht in den USA waren müssen Fingerabdrücke abgeben. Das verschafft mir unerwartet die Pool Position. Die Schlange muß weichen, der weibliche Officer wirkt ernst.

Sorry, ich hätte auch als letzter gewartet, aber es muß aus irgendwelchen Gründen zuerst stattfinden. Haben sie ESTA online gemacht? die üblichen Fragen, was arbeiten sie? spezial educated nurse, wie lange bleiben sie? Wo übernachten sie in Port Angeles. Zwar habe ich jede Frage präzise bereits online beantwortet, aber ich lasse die Prozedur über mich ergehen.
Ich bin auf dem Weg in das Land der Freien und niemand wird mich aufhalten. Amerika. Yeah. Auch nicht die Immigration border control.
Wie soll ich eine  Adresse angeben, wenn ich irgendwo in-the-bush will, sofern das Wetter es zulässt. Zum Glück fällt mir dieser RV Platz ein,RV Platz, ich schlafe auf einem RV Platz, welche Adresse? was weiß ich denn? Sir, sie brauchen eine Adresse. Irgendwie hat der Officer ein Einsehen, Stempel, ein weiteres Foto und ich könnte gehen und dann passiert das, was man eine Blutgrätsche nennt.

Victoria und seine Polizisten.
Irgendwie steht in dem Raum so ein blasser Mensch, wirkt uninteressiert in seiner aschgrauen Uniform und fragt plötzlich, Sir, ist das ihr Schild und anstatt zu sagen ja, es ist meines, bin ich ahnungslos ehrlich, nein, es lag auf dem Highway und ich fahre damit seit Wochen durch die Gegend. 
Sir, das geht nicht ! Es ist nicht ihr Schild. Das das Schild seit 10 Jahren abgelaufen ist scheint jetzt keine Rolle zu spielen. Auch das hunderte, verlorene Schilder auf den Highways dieses Landes lagen, und niemand ein Interesse an ihnen hatte, verbeult, verrostet, verloren. 
Dieser schwarz gewandte 1,70m Wicht will das Schild mit dem ich seit Wochen durch die Gegend gondel.
Jeden Morgen hatte ich das Schild extra angeschnallt und nun 2Minuten vor dem verlassen dieses Landes steht wieder der Amtshengst vor mir. Ich bin den Tränen nah, wegen eines beschissenen Blechschildes und hätte Lust zu fragen, eyh du Pfosten… ,was bildest Du Dir ein? Aber es kommt nur ein zögerndes it’s a memory of my time crossCanada. Da mischt sich auch noch der Immi Officer ein, es ist nicht deins, aus, basta, mach das Du weiter kommst. 
Vorbei. 
Es bleibt der Wermuts- tropfen der Erinnerung, an dieses Land, das mir mit so vielen Menschen mehr als freundlich entgegen trat. 
Überall nur nicht in diesem verfickten Victoria mit seinen so merkwürdig überdreht wirkenden Polizisten.

Na dann, nimm hin das Schild und steck' es Dir sonstwo, aber wenn Du 30 Sekunden Zeit hast denke dran, Respekt bekommst Du nicht für Deine Uniform, sondern für Dein Auftreten.

Die anderen Passagiere spenden Mitleidsblicke.
Warum sind die Uniform Amtsträger in dieser Stadt bloß so merkwürdig drauf?
Dutzende Cops in diesem Land haben mich mit diesem dämlichen Blechschild gesehen und niemand hatte ein Interesse daran. 
 
Ich erreiche die Gangway, und werde begrüßt mit hey, how is your day? Ich frage mich, was die Höchstrafe für Über-Bord-werfen ist. 
Aber sie sind zu dritt. Schlecht, ganz schlecht, ihr könnt mich mal. Aber sein Lächeln beruhigt die Szene. Ja, ich hab’s da drinnen gehört, tut mir leid für Dich.
Willkommen im Land der Freien...

Victoria

back on the road
Mo.,22.09.
Wieder mal Glück gehabt
Es ist dunkel, als ich um kurz vor 06:00h wach werde. Kim hatte das Fahrrad schon am Abend in den Hausflur getragen, der Arme, hoffentlich war das Rad nicht zu schwer, so muß ich auf niemanden warten. Um 06:30h ist alles am Rad, aber es ist noch nicht hell genug. Um 06:50h ist endlich genug Tageslicht da, nicht hält mich jetzt mehr auf, Ellinor und stehen lange umarmt, aber es gibt an diesem Tag keine Verlängerung.
Eine feine Radspur, leider die falsche Brücke
Der Himmel ist grau, es wird regnen, aber es hilft nicht. Das Abenteuer ruft. Die Cypress entlang, alles läuft zunächst nach Plan, bis ab der 30thAve. die Strasse wegen Kanalarbeiten komplett gesperrt ist. Ausgebrochen, die Flaggenweibchen ignoriert und den Fußweg entlang. 
Irgendwann ab 57th geht gar nichts mehr, ich verliere die Orientierung, die Strasse ändert nun öfter ihren Namen, nur die Himmelsrichtung stimmt noch. Ich weiche auf die 6spurige Hauptrstrasse aus. Ich muß über die erste Fraser Brücke, aber ich übersehe in der rush hour die Abfahrt zur 99er Brücke und werde abgedrängt nach Richmond. Ich sehe auf der linken Seite, wie sich der 99er immer weiter von mir entfernt.
Umdrehen geht nicht. Richmond hat ein anständiges Sammelsorium von Brücken, Hochstrassen und überdimensionalen Hinweisschilder. Alles falsch, ab jetzt also ohne Plan, dafür mehr nach Gefühl, einfach den nächsten Highway 90° nach links. Nach 3km das erste Hinweisschild Seattle. Ich bin zurück im Spiel. Der 99er ist in der rush hour voll.
Nadelöhr G. Massey Tunnel, 2017 durch eine Brücke ersetzt, dann vielleicht mit Fahrradspur
Heute am letzten Tag weiß ich endlich was Stau auf englisch bedeutet. Conquestion. Es herrscht stop n go auf den 3 stadteinwärts führenden Spuren. Warnhinweistafeln zeigen die Staulänge an. Kurz vor dem Tunnel muß ich raus. Eine Fahrradstrasse parallel zum Highway. Sicherheit für Fahrradfahrer durch verkehrsberuhigte Nebenstrasen. Und jede Menge Hinweisschilder, drive careful, use caution...
Ich weiß, warum ich den Highway mag, 2m breite Standspuren bedeuten wirkliche Sicherheit. Mehr Sicherheit jedenfalls als verkehrsberuhigte Strassen.
 

Montag, 22. September 2014

Vancouver- Ausklang

Einmal China und zurück am Nachmittag
So.,21.09.
Hendrix ist jetzt indoor.
Es sind die letzten Stunden in Vancouver. Morgen geht's zurück nach Victoria. Gleichzeitig sind es die letzten 2 Tage auf canadischen Boden, die Zeit läuf ab. Zeit auch für ein paar Abschiedsgedanken, sozusagen im voraus geschrieben, da ich morgen Abend hoffentlich wieder am Strand in Victoria mein Zelt ausfstellen kann.

Gleich nach dem Frühstück eine letzte Kontrolle am Rad, das immer noch in der Waschküche steht. Dann Taschen packen, noch einmal Geld holen, um die Fähre nach Swarts Bay bezahlen zu können, es zieht sich der Vormittag hin.

Gegen 13:00h verlassen wir das Haus und machen uns nocheinmal den Broadway entlang Richtung Cambie, es ist ein sportlicher, letzter Versuch doch noch so einen Teleskop Stab zu bekommen, die Hoffnung aber ist gering, nur gibt es auch nichts mehr zu tun. Der ominöse Reiseführer bietet nur Vorschläge für 4 Tage in Vancouver, wovon die Empfehlung des 4.Tag bezeichnender Weise schon aus Ausflug nach Victoria ist. 
auf der Suche nach einem Selfie Stick

Nur 3 Tage, das wird dieser Stadt nicht gerecht. Aber 4-5 Tage reichen wohl aus. Nun haben wir in unseren Tagen hier Downtown und die angegliederten suburbs mehr als ausreichend erwandert, also, es ist time to say goodbye.

Der morgige Tag wird mit gut 90km Gesamtstrecke über mehrere Brücken und den schon beschriebenen George Massey Tunnel führen. Ein wenig Aufregung gehört dazu, es gibt keinen B-Plan, weigert sich der Shuttle mich mit meinem Zügs mituinehmen, bedeutet das große Umwege. Die letzte Fähre verlässt Victoria gegen 16:00h, es ist nahezu ausgeschlossen, das ich Victoria bis dahin erreicht habe. Es herrscht also kein Zugzwang; die Aufenthaltsberechtigung endet erst am Dienstag, Um der rush hour ein wenig zu entgehen werde ich eine Fahrradstrasse stadtauswärts wählen, sollte das zu Zeitverzögerungen führen, werde ich doch auf der Hauptstasse reiten. Alles folgt einem sehr einfachen Plan, irgendwie durch dieses Nadelöhr Massey Tunnel über den Fraser.
es gibt Überraschungsflugreisen...

Am späten Nachmittag steht fest, in den canadischen Äquivalenten zu Saturn und Media Markt gibt es keine Selfie Hilfen aus Korea. Dann also doch noch einmal nach Chinatown Richmond, um in irgendeinem chineischem Laden so etwas zu bekommen. 6 Station mit dem Skytrain und am Flughafen vorbei betreten wir eindeutig chinesischen Boden.
und Überraschungsessen

Die Schilder sind nun zweisprachig und in der zuerst besuchten Aberdeen Mall, in der gerade eine Schoßhündchen Kür auf chinesisch stattfindet, entdecken wir trotz angestrengter Suche keine einzige weißhäutige Langnase. 
Aberdeen Mall
Ein 3 stöckiges Alllerwelts-Einkaufszentrum in dem sich gefühlt 99%  Canadier chinesischer Abstammung aufhalten. Man fällt  als Weißer auf. Gerade noch am Broadway ist es hier eine andere Welt. Es gibt Überraschungsreisen, Zeitungen und Menuvorschläge, die nicht zu erkennen sind. Hat schon etwas aufregendes. Wir sitzen draußen auf einer Bank und warten auf einen typischen weissen Canadier, aber auch nach 10min kurvt niemand unserer Wunschvrostellung auf den riesigen Parkplatz, stattdessen ausschließlich Autos, die von Angehörigen der chinesischen Minderheit gelenkt werden.  

Sonntag, 21. September 2014

Vancouver am Wochenende

Sa., 20.9.
Western Red Cedar
Der 2013er Reiseführer ist bereits überholt
Ein warmes Wochenende zieht herauf, die Vancouvians sind am Strand. Die rund um den Stanley Park führende Laufstrecke mit getrennter Radstrecke für jedermann/frau ist überfüllt. Gleich nach dem Frühstück geht's erneut in die grüne Lunge. Naturtag für Ellinor.

Zunächst den trails folgend kreuz und quer bis zum Aussichtpunkt an der Nordspitze. Große Teile des Stanley Parks sind Regenwald. Nur wenige Meter abseits der geschotterten Trails ist man im Dickicht verschwunden, große Teile des waldähnlichen Parks werden sich selbst überlassen.
600 Jahre Red Cedar

Und doch ist die Parkverwaltung sehr aufmerksam. So gibt es sogar berittene Park Ranger, leider treffen wir an diesem Tag keinen von ihnen. An vielen Zufahrtsstrassen sind große Warnhinweise vor Coyoten angebracht. Vom Füttern wird dringend abgeraten. Seit 2001 sind Coyoten eingewandert. Es ist durchaus spannend, wie die wolfsähnlichen Vierbeiner es wohl in den Park geschafft haben, die Lions Gate Bridge werden sie wohl nicht genommen haben. Aber sie werden nicht gejagt. Hunde sind im Stanley ausschließlich an der Leine zu führen.

Trotz seiner Nähe zu Downtown ist der Park so groß, das man im Inneren lange Zeit kaum Wanderer trifft. Gerät man allerdings zu nah an die den Park durchschneidende Hauptstrasse dröhnt ein permanenter Autolärm.

Wir entdecken einen Baumriesen am Boden liegend, Opfer eines großen Sturms im Jahre 2013. Wissenschaftler datieren sein Alter auf 600Jahre. Als der Baum zu wachsen begann, herrschte in Europa noch die dunkle Zeit des Hochmittelalter. 
Prospect Point Aussichtsplattform

Hauptbaum in diesem Park scheint neben Hemlocks der Western Red Cedar zu sein, riesige Bäume, leicht zu erkennen mit einer brüchigen faserhafen Rinde. In manchen Bezirken des Parks ist der Stamm einfach auf 10m Höhe abgebrochen. Seine verdorrten Stämme wirken wie Mahnmale.
 Wikipedia.org Thuja plicata 
Zu deutsch: Riesenlebensbaum

Das wertvolle Holz wird z. B. für Resonanzböden für Gitarren oder Dachsschindeln benutzt. Riesenlebenbaum ist die deutsche Übersetzung. Nicht ganz vergelichbar mit den 2meter hochen Gesellen, die in deutschen Gärten meist ein tristes Leben als vegetative Flächenbegrenzung fristen.

Blick von der Burrard Birdge auf Downtown und Stanley Park
Das hier ist ein majestätischer Anblick. Und macht Vorfreunde auf den Redwood Forrest in Oregon in den nächsten Wochen.