tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Mittwoch, 10. September 2014

Vancouver-Jericho Beach

Di.,9.9.
Eine Kaserne bleibt eben eine Kaserne
Am Fährhafen
Es ist dunkel als der Wecker klingelt. Habe ich die falsche Weckzeit eingestellt? So'n Mist, es muß erst 04:00h sein. Ist es aber nicht. Ein dunkler Morgen mit tiefhängenden Wolken und Nebel löst die Nacht ab. Rod scheint nebenan noch zu schlafen, als ich Kaffee koche und den Rest zusammenwerfe. 
Time to say goodbye
Das Rad wartet draußen abfahrbereit im Garten. Rod erscheint wie immer in seinem grünen Morgenmantel, viel gibt es an diesem Morgen nicht mehr zu sagen. Die Strasse ruft und ich beeile mich ihr zu folgen. Um 06:45h ist immerhin schon so viel Morgen da, das ich keine Angst haben muß, übersehen zu werden.
Rod hat es nun doch eilig, noch ein paar Fotos, ja? Es werden die letzten Augenblicke sein, dann rolle ich das 20% Gefälle hinunter, bring' Dich nicht um, sind seine letzten Worte.
Hans aus der Pfalz

Ich wähle den Weg am Ufer entlang, obwohl Rod auch dort von Bergen gesprochen hat. Aber es fühlt sich gut an, Ich bin erheblich schneller als berechnet, schaffe die Hügel sogar ohne abzusteigen und erreiche nach 5,3km den Fährhafen.
Natürlich viel zu früh. Und während ich so rumlungere steht jemand neben mir und sagt, was alle so sagen, heavy load.... Hmmm,
Ist halt so, entweder einen Hund an der Leine oder ein überladenes Fahrrad. Und dann mitten im Gespräch, sag mal sprichst Du deutsch ? so'n Mist wieder verrät mich mein Akzent. Und damit entsteht ein amüsantes Gespräch mit Hans, der ursprünglich aus der Pfälzer Gegend stammt und mit 18 Jahren nach Kanada rüber gemacht hat und hier eine Karriere als Koch gestartet hat.

Sogar auch in Vancouver Jericho Beach. Ach Mensch, schade, das wir uns nicht früher begegnet sind, Du hättest gut bei uns übernachten  können. Wo ist das? Robert's Creek? ach' lieber Hans, danke für das Angebot, aber ich hätte nicht wollen. Unter keinen Umständen. Und wir sprechen über vieles und die Zeit wird knapp, denn die Fähre erscheint bereits zwischen den Inseln.

An Deck verlieren wir uns, da ich zunächst meine Kaffeesucht fröne und dann unter der Brücke stehe und dem erneuten Norwegen Schauspiel nicht widerstehen kann. Eine Fahrt durch die Fjorde, atemberaubend, wie auf der Fahrt nach Earls Cove, aber diesmal durch den Nebel und die schwarzen Berge wirkt alles ungleich impressiver, mystischer, unnahbarer. Nordisch halt. Natürlich kommt einem sofort Edvard Grieg's Morgenstimmung aus der 1. Peer Gynt Suite in den Sinn. Ein Powerpack Norwegen und das an disem Morgen vor meinen Augen. Ich stehe an der Reling und summe diese Musik während graue Riesen sich aus dem Meer erheben. Einfach unbeschreiblich.

Ich finde Hans etwas später, er fährt seine Frau zum Arzt nach Vancouver. Unser Kontakt hält eine gute Dreiviertelstunde, dann trennen wir uns.
Fährhafen Gate Horseshoe Bay
Ich komme mit als erster in Horseshoe Bay an Land und nun beginnt der Kampf gegen den Berg. Um genau zu sein, er beginnt ziemlich genau an der Schranke und führt erbarmungslos mehr als 4km bergan. Mitten drin hat irgendjemand Barrieren auf die Pannenspur gestellt und will damit andeuten, ab hier keine Radfahrer auf dem Highway. Wenig später erscheint auch eine Leuchtschrift, die ebenfall dazu auffordert.

Warum, ist einfach nicht zu erkennen. Soll ich den Geboten folgen, NEIN! heute keine erneuten Experimente. Aber kurz nach dem Erklimmen oder besser nach dem ich das Rad den Berg soweit hochgeschoben habe, erscheint erneut ein Schild, Bauarbeiten, ab jetzt enge Spuren. Aber wieder sind weder Bauarbeiter zu sehen und enge Spuren erst recht nicht.
Am Anfang ist der Berg

Dafür aber immer wieder die Brücken, bei denen der Randstreifen einfach aufgehoben ist. Und zwischen Exit 4 und 5 gibt es eine gewaltige Talbrücke und alle fahren Endgeschwindigkeit, ich auch-8km/h. Bis hinter mir, sorry liebe Canadier, irgendein Vollidiot wie ein grenzdebiler 10min lang hupt und dann langsam mit seinem blauen Camarro an mir vorbei zieht und weiterhupt. Ich schreie ihm das böse M-Wort hinterher, allein es nützt nicht.
Mann, eyh, wenn das so weitergeht, bin ich bereits heiser von der Pöbelei, bevor in Downtown angekommen bin.
Rod hatte mich davor gewarnt; seit Jahren versucht man größere Highways in, um und hinein nach Vancouver zu planen, allein bisher haben die Vancouvians es immer geschafft, alles abzulehnen. Was natürlich dazu führt, das nun niemand besonders amüsiert ist, wenn vor ihm 8km/h Hindernis auf der Strasse tanzt. Vorallem nicht Camarrofahrer.
Lions Gate Bridge vom Stanley Park 2min vor dem Platten





Nach 10km kommt allmählich die Zivilisation ins Bild, Hochhäuser tauchen auf und irgendwann auch die Brücke. Die Lions Gate Bridge.Wikipedia Lions Gate Bridge
Contaiterminal Vancouver

Sie ist eine der wenigen Flussübergänge nahe der Innenstadt und die einzige, die den Fahrradfahrern eine sichere Spur bietet.
Von weitem stockt einem schon der Atem, wenn man ihre in den Häuserschluchten beginnende endlos scheinende Auffahrtsrampe entdeckt. Wirkt dummerweise ziemlich steil. Ich verfahre mich und spreche den ersten Fußgänger an, der mir entgegen kommt. Sir, bin ich richtig, ich will da hoch ?
Downtown Vancouver
Zum Glück muß ich nicht zurück, der Mann antwortet obwohl weisshäutig in schlechtem englisch, ich beginne das Ratespiel woher er wohl kommt. Where are you come from? I'am from Hamburg, Sir, actually from Lübeck, ah, I know Lübeck, I'am from Finnland, often I used Finnlines on my way to Helsinki.
Ach nee, dieser Akzent war doch genauso verräterisch.
Zu meinem Erstaunen ist die Auffahrt dann doch moderat und ich fahre bis zur Mitte, doch was ich fotografieren will, ist auf der linken Seite. Also Absteigen und... diese dreispurige Brücke kennt in der Rushhour keine Fahrzeuglücken. Auto reiht sich an Auto oder Bus an Truck. Es scheint aussichtslos. Komme ich hier wieder her? Lohnt sich das Foto gerade heute? Es ist zum Mäusemelken, es gibt keine Lücken. Entsteht eine Lücke in der einen Richtung, ist die Gegenrichtung vollbesetzt.
nach dem Stanley Park

Über mir die Verkehrsüberwachungskamera, wenn ich hier noch lange stehe habe ich bald Besuch und so muß es schnell gehen, rüberhopsen, sprinten und wieder hopsen. Blöd ist bloß - das Rad steht nach der Knipserei auf der anderen Seite. Die Brücke ist ein automobiler Wahnsinn. Irgendwann gibt es die Lücke, Zeit für einen erneuten Brückensprint, ich rolle hinunter und mich überholt ein Radveteran, der mehrere tödliche Biker Unfälle erlebt hat, bevor die Radspur vor 6 Jahren entstand. Ich mag es gut glauben. Es gibt keine Ampeln, kein Stocken, es herrscht immer Platzbedarf. Automobiler Wahn in Canandas zweitgrößter Stadt. Keiner soll mir erzählen, das es notwendig ist für alles ein Auto nutzen zu müssen.

Dienstag, 9. September 2014

Gibsons-Anna Banana kündigt ihren Ruhestand an

Anna Banana geht in Rente
Mo.,8.9. 
Warum in den Wildtierpark?
Eigentlich ist für heute Regen angesagt. Der Himmel verfärbt sich bereits dunkel zum Frühstück und ich versuche den letzten Bericht zu schreiben. Rod ist unterwegs um seine Schwester vom Fährhafen abzuholen.
Da sehe ich im linken Augenwinkel wie sich wie selbstverständlich Mama Bambi mit ihren zwei Jungen im Vordergarten bewegt und den allzu leckeren Blumen nicht widerstehen können.
Neue Käfigbesatzung zum Ende des Monats in Sicht, doch wer will Anna Banana?

Keine 5m von entfernt stehen einfach mal Rehe im Garten. Ich kenne das nur aus Finnland, wenn die Rene ihre Scheu ablegen und die mühsam im Kampf gegen das raue Klima groß gewordenen Pflanzen abernten. Rod wird später nicht mal den Schultern zucken. 
Wozu in den Wildtierpark...


Ist bekannt sagt er, während ich mit der Kamera in der Tür stehe und dem Frühstück zuschaue. Wozu noch in den Wildpark fahren, wenn man ihn auch im eigenen Vorgarten haben kann.
es gibt doch den Wildpark im Vordergarten

Ich begebe ich im Verlauf des Vormittags an den Strand, da wo ich gestern gebadet habe herrscht nun Ebbe, das Wasser hat sich weit zurück gezogen.
Und dann die beunruhigende Nachricht, Anna Banana und Bar Barbara Anna gehen in Rente. Die Produktion stockt.
Seglerhafen Gibsons

Als ich zurückkomme ist auch Rod mit seiner Schwester angekommen, die Minneapolis als Orthopädin arbeitet. Nach dem Lunch auf der Terrasse packe ich die Sachen zusammen, der Nachmittag verläuft ereignislos, es gibt noch einige Briefe zu schreiben. Das schlechte Wetter ist ausgeblieben, damit steigt die Chance morgen auf der Fahrt nach Vancouver naß zu werden.

Salzwasserwiesen bei Ebbe

Am Abend bin ich wieder allein im Haus. Rod ist zu seiner Filmgesellschaft. Auch eine ehrenamtliche non-profit Organisation hier in Gibsons. Zwar habe ich auch eine Einladung zu dieser Filmvorführung, aber bei Vorspielen des Trailers, war klar, das ich dem Film mit englischen Subtiteln nicht folgen würde können .
The Lunchbox source: wikipedia.org

Die Dialoge wechselten so schnell, das ich jeweils erst die Hälfte gelesen hatte, als bereits der nächste Text erschien.

Aber, obwohl ich eigentlich lieber einen Triller sehen würde, schein der Film aus dem Jahre 2013 einen unglaublichen Charme zu haben. Deswegen für alle, die die Möglichkeit haben, den Film in ihrer Muttersprache zu sehen, den Film noch nicht kennen und Lust auf einen romantischen Film haben, und überhaupt 2x besser englisch als ich sprechen, hier Rod's Film Society Empfehlung inklusive Trailer: The Lunchbox.
Und für alle, die zunächst mehr wissen wollen Wikipedia Lunchbox

Montag, 8. September 2014

Gibsons-Union Church, 724 Trueman Road

United Church goes electronic
So.,7.9.
Gottesdienst mit Abendmahl
Es gibt eine kleine Nebensächlichkeit, die bei einem Besuch in Kanada erst mit einer gewissen Zeit auffällt. Gerade, wenn man aus einer mittelalterlich geprägten Stadt wie Lübeck stammt.

Zu den großen Erlebnissen in Lübeck gehört für mich ein Spaziergang am frühen Sonntagmorgen; dann wenn die Stadt noch schläft und die Straßen leer sind. Die Müllwerker beginnen dann mit ihrem Kampf gegen die Überreste und Hinterlassenschaften der nächtlichen Vandalen. Lübeck macht sich um 6:00h hübsch.
Und wir schlendern durch die einsamen, stillen Straßen erwartungsvoll in Richtung St.Marien, wo 08:00h mit ktraftvollem Geläut der Sonntag eingeläutet wird.

Hier in Kanada, in einem Land, in dem Walmart&Co. wie selbstverständlich am Sonntag um 07:00h die Tore öffnet, stellt man dann nach gewisser Zeit fest, stimmt! Es gibt keine Kirchenglocken. Dieses Land hat nun keine gothischen Gotteshäuser, die Kirchenbauten sind meisten klein, geduckt, oft aus Holz und Kirchentürme fehlen.
Natürlich ist das Geschmackssache. Aber es zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht, wenn man wie beschrieben, Victoria erreicht und nach 5Monaten Anwesenheit in disem Land das erste Mal ein Glockenspiel hört.
Rod ist Mitglied der United Church of Canada und Sonntagmorgen ist für ihn selbstverständlich Gottesdienstzeit.
 Die United ist der Zusammenschluß, United Church of Canada, vierer ursprünglich bis 1925 eigenständigen Kirchen. Unter anderem der Methodist Church of Canada, der Kirche, der ich inmitten meines ziemlich säkularisierten Lebens religiös immer noch am verbunden fühle. Damit ist seit gestern auch die lange bestehende Frage geklärt, warum ich zwar die baptistischen und anglikanischen Brüder permanent entdecke, aber die Methodisten überhaupt nicht auftauchen.
Ja, warum nicht, neugierig schließe ich mich ihm an und es entsteht eine Brücke in die Vergangenheit nach Wilhelmshaven.  Es gibt eine Begrüßung an der Tür und die Pastorin ist vor dem Gottesdienst anwesend. Es gibt 30 anwesende Gemeindemitglieder, später Kaffee und Tee. Immer mal wieder haben wir aus Neugierde Gottesdienste im Urlaub besucht. Ich erinnere mich an einen Gottesdienst in Chartres, in ich nichts verstand, aber Zeit hatte die wunderschöne Bleiglasfenster in aller Ruhe zu betrachten. Der Bau der United Church von 1961 ist freilich etwas jünger und die Akustik wurde bei Bau irgendwie nicht berücksichtigt.
Und zwischendrin darf sich die Gemeinde Lieder wünschen




Es ist eine sehr aufgelockerte, fröhliche Atmosphere und Reverend Terri Scallon gestaltet den Ablauf sehr offen, es gibt eine rege Beteiligung mit Wortmeldungen und Beiträgen der Gemeindemitglieder, das ist sehr ungewöhnlich zu den Lithurgien der Amtskirche in Lübeck, wo der Pfarrer meist eine One-man-Show gestaltet.


An diesem Tag ist Abendmahl und hier beginnt das für mich Beeindruckendste an diesem Tag. In Lübeck erlebe ich oft dieses ernste, gesetzte, auswendig gelernte Aufsagen der Einsetzungsworte, ein Ablauf, der seit
100er von Jahren unverändert zu sein scheint. Hier ist das aufregend anders. Sie nimmt ein Brötchen hält es hoch und erklärt, wie sie wohl zusammensaßen und aßen und Jesus ihnen die letzten Tage voraussagte, danach nimmt sie den Silberkelch und fährt fort und danach nahm er den Kelch, wie er ihn oft nahm und erklärte seinen Jüngern... und so ganz nebenbei folgen smart die Einsetzungsworte.

Ich sitze auf dem Polsterstuhl und finde das aufregend. Kein starres Aufsagen des Textes ohne Brust und Seele, da stellt sich jemand hin und erklärt es als das, was es war: ein Essen. Und genau das ist es, was ich so oft empfinde und mich immer weiter entfernt von altertümlichen Leere der Amtskirchen.

Sonntag, 7. September 2014

Wochenende in Gibsons

WOA ist überall beim Blick über den Zaun entdeckt: unverkennbar ein metal fan
Sa.,06.9.
Vorderradfelge geschrottet
Ich hab es gestern schon gemerkt. Erstmalig trat es am Nachmittag auf. Ruckhaftes Stottern beim bremsen am Vorderrad. Ne, nicht schon wieder eine Acht hineingefahren.
Ich nehme mir vor bei nächster Gelegenheit die Speichen zu prüfen. Da ahne ich noch nichts von der nächsten Katastrophe. Doch die Situation wird immer schlimmer. Und bei genauerer Betrachtung wird das Maleur sofort sichtbar. Die Felge ist auf gut 10cm aufgerissen. eine Weiterfahrt ins 30km entfernte Vancouver gleicht einem Hochrisiko Spiel.
Plötzlich geschehen war es, am Morgen war noch nichts zu spüren. Hier hilft kein Speichenschlüssel mehr. Das Material war zu schwach. Damit sind nun die Originalfelgen  beide hinüber. Ich kann mein Glück nicht fassen. Rod bringt mich dem Wagen erneut zum Radladen.

Die Jungs staunen nicht schlecht, als sie den Riss sehen, Alter, wie hast Du das denn hingekriegt? Ne, also Mavic in der Qualität haben wir nicht da, wir können Dir ein Basismodell für 90$ bieten. Okay, könnt ihr was bestellen in den nächsten Tagen?, Ne, das ist nicht möglich. Gehe ich zu at Fahrräder in Lübeck, habe ich meist meinen Kram am nächsten Tag. Hier in der bikefreundlichsten Provinz Canadas ist so was mal eben nicht möglich.
Also gut, was habt ihr für Vorschläge für Vancouver? Sie empfehlen einen Store in Vancouver downtown, aber dort würden sie nur umspeichen, Material von der Stange ist nicht zu haben. Preis 250$ allinclusive. Yeah!

Samstag, 6. September 2014

Gibsons

Schoolstreet von uphill Gibsons fotographiert
Fr.,5.9.
Bist Du vielleicht ein wenig körperlich erschöpft?
Es wird ein Klassiker werden. Genauso wie, die meisten Berge haben sie jetzt hinter sich.
Noch einmal aufs Rad. Auch heute lassen sich die Berge nicht umgehen. Nur 22km sind es bis Gibsons. Kurzstrecke mit Frustpotential. Weitere 5km bis zur Fähre nach Langdale.

Und meine Bikerfreunde haben gestern nur einen richtigen Anstieg prognostiziert. Also, alles in allem, eine machbare Aufgabe. Erster Stop beim Tire. Schläuche besorgen, falls wieder irgend etwas unerwartet schief geht. Aber erneut enttäuscht Canadian Tire.
Nicht einen einzigen Schlauch bietet das Regal. Leer, alles leer, ich traue meinen Augen nicht. Schon desöfteren waren die Regale i8n den großem Läden eimfach leer und der Nachschub stockt. Ich frage mich, ob ich sowas in Deutschland auch schon erlebt habe. Kann ja mal sein... nein, passiert eigentlich nicht bei uns.
65kg den Berg heraufgeschoben Anhöhe bei Robert's Creek

Also mit dem mageren Rest zurück auf den Highway. Der Anstieg bei Robert's Creek ist ein bemerkenswert. Gute 25min schiebe ich den Berg hoch, immer 200m Abschnitte, Pause, Pulse herunterbringen, weiterschieben. Trotz aller Flucherei über diesen verk... Highway bekomme ich fast einen  Lachkrampf, vielleicht bist Du einfach nur erschöpft. War ja gut gemeint, aber heute ist wieder real brutale Wirklichkeit.
Ortseinfahrt Gibsons Am Ende der Strasse beginnt die Bicycle-no-go-Area

Es gibt irgendwie kein Abrollen nach Robert's Creek und das äußerst verdächtig.

Gibsons, source: selfrealizationcentrecanada.com
So komme ich nach Gibsons. Erreiche die suburbs, Horton macht den Anfang. Der Laden ist um 12:00h proppenvoll. Jeder will Suppe und Junkfood. Leider ohne Steckdosen, Skype nach Deutschland, Ellinor wartet schon, ich habe doch länger gebraucht für die 22km, als ich dachte.

Unglaublich. Es ist so entsetzlich laut in dem Laden,  jeder scheint hier zu schreien. Ooohhh, haltet doch mal alle kurz inne.
Danach nebenan zu Spin cycle. Schläuche sind hier keine Mangelware. Der Store hat auch am Sonntag geöffnet. Sogar teurer als beim Tire ist es nicht. Und dann begeh' ich einen unverzeihlichen Fehler. 
Bildunterschrift hinzufügen
Ich fahre ohne einzukaufen weiter in der Illusion es gibt später noch genügend Möglichkeiten. Es muß ein plötzlicher Sauerstoffabriss im Hirn gewesen sein, natürlich gibt es nie ein später in Canada. Und schon gar nicht in Downtown. Jedenfalls fahre ich weiter und es beginnt die Abfahrt.

Sind es 15% oder doch mehr. Ich ziehe an den Bremsen was geht und fahre, besser rolle das erste Mal mit vollends gezogener Bremse den Berg abwärts. Mal sollte Bremsbacken zu gewissen Zeiten wechseln. Eigentlich fährt das Rad mit mir. Witzig ist das nicht. Nun wird das Profil der Schuhsohlen gleich mit geglättet. Das gibt's doch gar nicht. Nach 10 Minuten bin ich unten und es ist mir schnell klar, da komme ich nie wieder hoch. Nie nich.
Ist ja alles wunderschön, leider ist Shoppingmeile nun 10min über mir.
Die Umgehungstrasse an der Küste
Das VC befindet sich in einem smarten Häuschen am Hafen. Und hier werden sie geholfen. Carolyn weiß sofort was im Spiel ist, als ich nach einem Zeltplatz frage. Nun, da kommst Du nicht hoch, die Strasse ist auch nichts für Dich,lol. Aber hier am Hafen ist es flach und die First Nation hatten entlang des Marine drive dort eine Siedlung auf langem Pachtrecht, da kannst Du nach Sonnenuntergang Dein Zelt aufstellen, das stört keinen. Ich habe schon öfter Leute dorthin geschickt. 

Herrjeh, wären doch alle VC so derartig kompetent. Doch was ist mit einkaufen, ja, hier ist nun auch Carolyn mit ihrem Latein am Ende, da musst Du zurück, alle Geschäfte sind oben am Berg. Jetzt macht sich der Fehler des vorzeitigen Abrollens bemerkbar. F..., hier am Hafen gibt es nur Touri shops und Restaurants, aber sonst nix. Sie hat nur einen Tip und empfiehlt in einem weiten Bogen den Berg zu umgehen.

Freitag, 5. September 2014

Sechelt

Schon wieder Polizeiautos fotographiert, neugierig, ob wieder was passiert...
Do.,4.9.
Noch eine Woche, bis Ellinor kommt.
Da niemand erschienen ist, um mich zu verabschieden, verlasse ich das Grundstück gegen 08:00h, ohne ein weiteres Wort. 

Es ist inzwischen deutlich Herbst geworden. Der Morgentau hat sich über alles gelegt. Das Zelt ist nun jeden Morgen nass, bis zum Abbau wird nichts mehr trocken und ich muß separat packen.
Entgegen der Fahrtrichtung 1,5km zurück zu Petro Canada, Kaffee und einen frischen Applefritter für 3,50$ Und sofort bin ich im Gespräch. Der Tankwart kennt alle Kunden mit Vornamen, freundlich erkundigt er sich woher/wohin des Wegs.
Faxen dicke, Anstieg...

Buzzard sagte gestern Abend in seinem Rausch etwas von 30km bis nach Sechelt, stand einfach mit laufendem Motor seines Pickups vorm Zelt und wirkte nicht ganz nüchtern. Wir unterhielten uns lange bis die Dunkelheit einsetzte, dann verschwand er auf irgendwelchen Forstwegen. Auch er war sichtlich pikiert, das ich das angebotene Bier ablehnte.
über Anstieg, schiebend nach oben

Natürlich sind es nicht 30km, in Canada fällt es den Einheimischen Autofahrern verflixt nochmal schwer Entfernungsangaben treffsicher vorherzusagen. 10km sind heute schon auf und ab, da kommt das erste Schild noch 30km.Die Berge machen mich fertig.
Und mit dem Schild kommt die Frustration pur. Später wird Ellinor sagen, vielleicht bis Du einfach körperlich zu erschöpft. Nein, bin ich nicht, nein,nein; das hier sind Steigungen, eben richtige Steigungen. Ein wenig mehr als der Berg in der Holstenstrasse.
...wat können 40km eine Tortur sein

Ich hätte es einfacher haben können. Ich saß bei Craig auf dem Sofa und hätte nur den Berg herunter rollern müssen und schon wäre ich auf der Fähre gewesen. Aber mir war ja noch nach etwas Bewegung. Seit ich die Sunshine Coast fahre, ahne ich, das es ein Fehler gewesen sein.

Natürlich ist das möglicherweise eine eingeschränkte Sichtweise, zu glauben Küste und Küstenstrasse, das bedeutet eine flache Strasse am Meer. 

Und in Norddeutschland ist das tatsächlich auch so. Hier nicht. Aber in meinen Gedanken ist das wirklich so, ich bekomme das nicht in meinen Kopf, das jede Strasse eine Art Passstrasse sein soll.

Obwohl die Strasse nicht mal 500m von der Küste entfernt ist, gibt es keine flachen geraden 300m langen Teilstrecken, ich schiebe den Berg hoch, und rase ihn mit 65km/h wieder herunter. Yippieayeah. Unten fange ich von vorne an. Selten sind die Steigungen so gelegt, das ich sie sitzend parieren kann. Die Spätsommersonne matert in vollen Zügen. Von den fehlenden 40km schiebe ich gefühlt 10km an diesem Tag. Ich habe viel über den Sunshine Coast Highway gelesen, gefährlich sei er, kaum Randstreifen, man wolle ihn 4spurig ausgebaut haben, ja, tödliche Unfälle gab es.Von steil stand da nix.
Landepiste der Harbour Air, tägliche Flüge nach Victoria und Vancouver
Ich erlebe das heute anders, es gibt Verkehr, aber in diesen Morgenstunden richtet sich das Verkehrsaufkommen nach dem Einlaufen der Fähre in Earls Cove. Ist der Tross an mir vorbei in Richtung Horseshoe Bay, ist der übrig bleibende Rest mehr als harmlos. Was viel mehr frustriert, ist das Streckenprofil. Ich hadere mit den Bergen. Als die Strecke in den 60er Jahren angelegt wurde, waren die Autos größer und die Motoren durstiger, an Tourenfahrradfahrer dachte man nicht. Ich bin ziemlich am Ende, als mir ein Tandem entgegenkommt und ich bringe nicht mehr die Kraft auf, mehr als nur kurz Hallo zu grüßen. Die 30km ziehen sich elendig hin. Als ich endlich den westlichen Vorort Sechelts erreiche, ist es wie eine Befreiung.
Was für ein Tag; um 12:00h erreiche ich das VisitorCenter.
Sechelt Lake


Ich brauche Zeit das Zelt und den Schlafsack zu trocknen.
Ellinor wartet schon auf mich, nebenbei hänge ich Bilder im VisitorCenter auf, weil die Ladys etwas kleinwüchsig sind und eine Leiter nicht vorhanden ist.
Zeiten der Anspannung, Zeiten der Entspannung.
Sechelt First Nation Versammlungshaus

Im hochpreisigem Supermarkt am Ort kann man eigentlich nicht einkaufen, also nur das Nötigste und zum Frühstück an den Strand. Dummerweise entdecke ich erst am nächsten Tag einen Extrafoods am Ausgang des Ortes. Ich hätte einfach gezielt fragen sollten. Dumm gelaufen. 
Jamie aus Halfmoon Bay, proud to be First Nation
Der Strand besteht auch hier aus Steinstrand, mit langer Promenade.
Mein Traum an diesem Tag am Strand zu schlafen, erweist sich als unrealistisch. Zwar ist auch hier der Strand direkt für alle frei zugängig, aber jedes Grundstück ist bebaut.
Will ich in Sechelt bleiben, muß noch ein Campingplatz her, die offiziellen Anlagen liegen für mich viel zu weit vor der Stadt entfernt.
Also weiterhin Guerilla Camping. An Auswahl ist es kein Problem, nur eben wohl nicht direkt am Strand vor den weissen Strandhäusern der wohlhabenden Einheimischen. Obwohl, viele Häuser stehen zum Verkauf, Die Immobilienkrise hat auch Sechelt erreicht.
Etwas abseits der gutgepflegten Strandpromenade ist eine First Nation Siedlung und mich interessieren die Totems am Strand. Auf dem Weg dahin läuft mir Jamie aus Halfmoon Bay über den Weg. In deutsch übersetzt sagt er so etwas wie Alter, was hast Du denn da alles auf dem Rad? Gut, ich kenne diese Bemerkung inzwischen. 
 
Er gehört zu den Sechelt First Nation und freut sich über die gerade im Meer gefangenen großen Fische zum Abendessen. Er begrüßt mich mit dem Zeichen der Faust, so wie Etoile das bei seinem Erscheinen im Dienst immer tut. Stolz zeigt er mir das Haus seiner Eltern und hier wohnt mein Bruder, da mein Cousin, da mein Onkel…
Family Business. Sechelt First Nation
Etwas weiter die Strasse hinauf stehen große Totems direkt am Meer, dahinter eine kleine, geduckt wirkende katholische Kirche. Als ich die Kirche erreiche, fährt mir ein roter SUV entgegen und ich schreie den Fahrer an, hey, bist Du der Pastor?, ne, ist er nicht, aber was ich wollte, na, einen Blick in die Kirche werfen und schon sind wir im Gespräch. Ohne was gesagt zu haben, fragt mich Gave, brauchst Du einen Campingplatz, ja schon, aber keinen Offiziellen. 
Das Auto von Gave, zunächst nicht beachtet, später plötzlich very importet

Ja, dann komm doch zu mir, ich wohne etwas vor der Stadt, wie weit? Ungefähr 1Km, halbfertig gestrichener Zaun, grünes Holzhaus. Gibt’s auch ne Nummer?. 5880. Da ist es wieder.  Dieses ca. 1km, was ist, wenn auch dieser Fahrer eine nicht-erkennbare Km/Miles-Entfernungsschwäche hat. Aber ich gehe das Risiko ein. Wenn Du kommst ist gut, wenn nicht, ist auch gut und so ist der Deal und so ich noch Zeit am VC meinen Blog zu schreiben, bevor ich das Haus suche. 
Detail Totem

Kleindale



Mi.,3.9.
Es gibt Regeln, die gelten auch für Frank
So ein kuscheliges Motel Queenbed verführt eben doch zu langem Schlafen, aber an diesem Tag ist das mehr als unpassend, denn die Fähre aufs Festland läuft um 10:15h aus. Und zwischen der Fähre und dem Motel liegen noch gute 10km Strecke und der unsympatische, unvermeidbare Berg in der Ryan Road.
Nur ein kurzes Gespräch mit Ellinor, dann muß ich los. Die Ereignisse in der Ukraine haben erneut an Dramatik gewonnen, Ellinor spricht das erste Mal sorgenvoll von Angst. Vor 75 Jahren und 3 Tagen ist mein Großvater als Berufssoldat mit 28Jahren in den Krieg marschiert. 
Es läßt mich nicht kalt. 
Ich habe nach dem Aufstehen CNN geschaut und sie bringen in aller Ausführlichkeit Nachrichten aus Europa und berichten von Obama's Rede, We want american boots on the ground. Amerikanische Bodentruppe im Baltikum. Ich bin ziemlich oft im Baltikum gewesen, um deren Sorgen zu verstehen.

Bevor ich mein Deposit wiederbekomme, gibt es erst einmal eine Stubenkontrolle. Die Zeiten ändern sich. 

Und die Wirtin ist äußerst kritisch mit dem von mir zweckentfremdeten Waschlappen und will sich mit mir einigen, das ich den nun verschmutzten Waschlappen extra zu bezahlen hätte. Dabei hatte ich mit diesem Frotteetuch versucht ihren Laminat Fußboden zu schützen, der durch den Transport meiner nassen Taschen extrem angefeuchtet war.
Undank ist der Welt Lohn.
70 Cent, wäre das vielleicht angemessen? Ich habe für sowas heute morgen wenig über. Und antworte gleich in deutsch, wichtiger als die Diskussion über den angeblichen Reinigungsbetrag ist mir meine Fähre.
Immerhin besinnt sich die Wirtin und nach 4min bin ich auf der Strasse; der Berg wartet. Die einheimischen Biker hatten recht gehabt, dieser Berg, und dann geht es nur noch bergab bis zur Fähre.
Ich bin eine Stunde zu früh am Fährhafen. Es weht das erste Mal seit längerer Zeit ein steifer Wind. An diesem Morgen machen finden sich viele Golfer hier an der Fähre ein. Sie machen ihre Witze über mein Gepäck und befinden sich doch alle in einem Alter, wo man das fahrradfahren vielleicht schon eingestellt hat, vielleicht sind sie auch nie gefahren.
Auch an dieser Fähre gelten strenge Regeln. Nix da mit ich fahre mal eben so auf die Fähre mit dem Rad. BC Ferries verlangt von seinen radelnden Kunden das sie das Rad schiebend über die Anlegebrücke bringen, danach ist das Fahren wieder erlaubt. Zu diesem Zeitpunkt gibt es auch keinen Fahrzeugverkehr, erst die Fußgänger und Biker, dann werden die Gitter wieder geschlossen und der Fahrzeugverkehr ist dran. Ordnung muß sein. 
 
Oben an Deck wieder ein mal ein Sponsorenfrühstück, gar nicht schlecht für eine Fähre, aber die Portionen sind leider viel zu klein. Viel zu bieten hat die Fähre nicht, es gibt einen Seisenraum und einen großen Salon. Draußen nehme ich Abschied von Vancouver Island, es ist wieder ein Stück Norwegen in meinen Erinnerungen, wieder denke ich an die Fährüberfahrt von Moskenes nach Bodo, wo sich die grauen Lofoten Berge langsam am Horizont entfernen.
Die Überfahrt dauert gut 75 Minuten, dann gehen die Fahrradfahrer als erstes an Land. An der ersten Strassenkreuzung gibt es leider kein Hinweisschild auf die erwarteten Walmart&Co.
sunshinecoast BC, source: bcferries.com

Auf dem sunchine Coast Highway
Die Wirtin des Eckkaffees sagt aber deutlich, ooh, mit dem Fahrrad, ne, das sind 2 Block up the hill und dann 4 blocks left. Besser wäre es einfach nach rechts zur Fähre zu fahren, dort gebe es noch genügend kleinere Stores. Was sie allerdings verschweigt ist die Tatsache, das es eben dort auch Berge gibt und nicht zu knapp.

So lasse ich mich überreden und verlasse Powell River, bevor ich überhaupt richtig angekommen bin und denke, es sind ja nur 28km. Bis zum nächsten Fährhafen in Saltery Bay werde ich später mehr als 3,5h brauchen. 
Fluchend schiebe ich die Berge hinauf, dabei dachte ich doch, die Zeit läge hinter mir. Die Strasse verläuft meist durch den Wald, nur selten ist die Küste zu sehen. 
Zwei Läden gibt es entlang der Strecke, ich entscheide mich für den falschen, da ich nicht mit einem weiteren rechne. Doch der Store in LangCreek ist weitaus besser sortiert. Die Besitzerin grinst, als sie mich den Berg hinauf schindern sieht. 
 
Where are come from?, was heute oder überhaupt?,  I'am from Germany. Aah, Germany, they are the crazy ones. Und wir beiden lachen, die verrückten deutschen Biker, ob sie selbst auch hier fährt, wer ich? ich bin doch nicht verrückt. 
In der Tat, bei meinem Talent und dem faible für anstrengende Strecke ist das hier heute wieder ein Volltreffer. 

Kurz vor Saltery Bay öffnet sich der Wald und der Blick schweift über die Küste und zum ersten Mal spüre ich, was diese Strecke hier so besonders macht. Es ist die Magie des Augenblicks, der verzaubert. 




In meiner imaginären Wunsch/Wahlheimat Norwegen gibt es diese Bilder an den großen Westfjorden zuhauf. Nun bekomme ich sie hier das erste Mal zu sehen. Fjord Canada. Ein unglaubliches Glücksgefühl nach 3 Stunden tachycardem Fahren auf den letzten Gängen und der bangen Frage kommt nach der nächsten Kurve der nächste Berg.Und plötzlich  Norwegen pur, hier in Canada. Atemberaubend. Ich bin längst stehengeblieben und kann die Camera nicht ruhen lassen.

Aber das war nur die Overtüre, von der Sahne auf dem Eis ahne da noch nichts. Ich rolle abwährts und muß wieder das Sicherheitstamtam von BC Ferries über mich ergehen lassen. Ich komme ein wenig zu spät. Nun würde überall in Europa nicht dagegen sprechen, den Biker kurz mal raufrollern zu lassen, hier ist der Gedanke unnötig. Ich warte bis alle an Bord und bin der letzte, der die Fähre betritt. 
Ich lasche an und wundere mich, das niemand die Autos verläßt. Fast alle bleiben in ihren Autos, obwohl die Fahrt über 1h dauern wird. Es gibt auch keine Lautsprecher Durchsagen, die die Leute auffordern ihre Fahrzeuge zu verlassen. Also gut, dann ich ein Foto vom Bug bestimmt zu machen und ich tanke mich zwischen den geparkten Fahrzeuge durch und erreiche den Bug mit seiner flachen Fahrbahn. Was ich dann zu sehen bekomme, läßt einen den Mund sprachlos werden. Die Fähre gleitet über den Fjord und majestätisch erheben sich die Felsen aus dem Wasser, nun bin ich endgültig im Hardanger Fjord angekommen. Es ist nicht mit Worten zu beschreiben. Das ganz große Postkartenalbum wird vor meinen Augen aufgeblättert.
An Steuerbord erscheint so etwas wie eine Aquafarm und ich frage den Fahrer im T4 neben mir, hey Sir, ist das eine Aqua Farm? Ich würde das aus Norwegen kennen, wieso haben sie das hier nötig, ich dachte, es gäbe genügend Lachs hier? Und nun bekomme ich einen Lehrvortrag über Pacific Salmon, die Vor und Nachteile der Aquafarmen,die sich übrigens alle unter norwegischer Kontrolle befinden und mit norwegischen Know How erbaut wurden und über die Auswirkungen auf den Fischbestände hier an der Küste. 
Tom hat norwegische Vorfahren


Merkwürdigerweise kennt sich der Fahrer gut in Norwegen aus. Und es stellt sich heraus, das Tom Rukkerberg's(?) Großvater in den frühen 1920er Jahren aus der Gegend von Lillehammar in die Prairies emigrierte und hier als Farmer eine neue Karriere startete. 

Er selbst ist öfter in Norwegen gewesen und liebt das Wandern im Gebiet des Jontuheimen. Schnell gibt ein Wort das andere. Na klar, er kennt die styrke Proven, er war öfter in Trondheim. Und dann steht er neben mir und bietet mir ein Bier an, nein Tom, no alk und er ist fast ein wenig pikiert, aber er läuft um den Wagen und ruft ich muß Dir jetzt noch was zeigen und holt ein Tshirt heraus. Wuppertal- die Schwebebahn, stolz zeigt er mir sein Shirt, ein Geschenk, das Freunde für ihn gemacht haben, als Erinnerung für seinen letzten Besuch in dieser Stadt. 
Wuppertal, ausgerechnet Wuppertal.

Ellinor war gerade dort. Und Tom, der in Kopenhagen nordische Geschichte studiert hat, paliert glänzend über Harald Schönhaar, der das norwegische Königreich zu Beginn des Mittelalters einigte. Und über den Roten Erik, der als Mörder verdammt, das Land verlassen mußte und auf seiner Odysee erst Island, dann Grönland entdeckte und dann um das Jahr 1000 Amerika entdeckte.

Es wird die kurzweiligste Fährfahrt, die ich je hatte. Mir wird warm um Herz.