tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Dienstag, 12. August 2014

Ankunft in Victoria

crosscanada 2014 ist am Ziel angekommen
Di.,12.8.
Und der Kolleg is 'ne Lady
Übernachtet man auf einem Hundeauslaufplatz, darf man sich nicht wundern, wenn die Schlaflosigkeit der Zwei -oder Vierbeiner dazu führt, das mindestens einer von beiden um 06:07h vor dem Zelt steht und Lärm macht. In diesem Fall beide, immerhin Frauchen wünscht freundlich good morning. Zeit zum Wecken, die nächsten spazierfreudigen Besucher kommen sowieso.
Ein Foto aus den 20er.Jahren des 20.JH Source: Trailerklärung Tafeln
Victoria. 25km stehen an. Reine Highwaystrecke. Bis in die 30er Jahre des letzten Jh. gab es allerdings eine Eisenbahn auf Vancouver Island, die Passagiere und Fracht in die nördliche Patricia Bay transportierte. Nach vielen Jahren im Dämmerschlaf ist die ehemalige Bahnstrecke zu einem Naherholungstrail umgebaut worden. Ab dem Fährhafen Swartz Bay kann man auf dem gutausgebauten, und vorallem flachen Trail bis nach Victoria pedalieren und im Anschluss noch weitere 55km ins Landesinnere auf dem Trail der galoppierenden Gans.
Entgegen allen sonstiges Gewohnheiten verzichte ich an diesem Morgen bewusst auf meinen geliebten Highway und entscheide mich für diesen Trail. 

Es ist eine angenehme Fahrt mitten durch die Natur, wenn gleich so viele Biker unterwegs sind, das es ganz ohne Konzentration nicht geht. An diesem Tag sehe ich mutmaßlich mehr Stadtbiker, als in den letzten Monaten zusammen.
Andreas aus Victoria
Oftmals passiert der Trial öffentliche Strassen, so das zumindest Autoverkehr in Erwägung gezogen werden muß. Erste Station ist der vermutlich kleinste Tim Hortons des Landes, untergebracht bei ESSO gegenüber dem Amerikaner. McDonald's leisten sich hier am Highway eine riesige, aufdringliche Filiale. Nein, dann lieber zu Tim.
Jenna
Danach kommt mir der erste Tourenbiker des Tages entgegen, Andreas, gebürtiger Offenbacher, der hier vor 12Jahren sesshaft wurde und als Schreiner in Victoria arbeitet.

Er will für einige Tage auf eine der vielen Inseln ausspannen. Deutlich hört man seine Badenser Mundart haschte und kannschte heraus. Die Gegend durch sehr hübsche Einfamilienhausgegenden geprägt, aber auch hier werden Strassen geteert und so braucht es auch Flaggenmännchen, bzw. korrekter, Flaggenweibchen. Jenna steht schon seit mehr als 1 Stunde auf ihrem  Posten mit sehr innovativem Schild.
schöner Wohnen am Trail

Und die Fahrt hätte sicher in den Ort problemloser geführt, wenn die typische, spärliche Ausschilderung an der Saanish Road nicht dazu geführt hätte, das ich vom Kurs abkomme, irgendwann keine Schilder mehr da sind und in 300m der HwyWegweiser zu erkennen war. 




das alte Empire läßt grüßen
Also gut, dann eben doch Hwy 17 und nach wenigen Minuten merkt man, hier ist Hauptstadt, hier herrscht Zeitdruck. Dreispurig ist der Highway pro Richtung, die Strasse ist voll und eng.
Nach wenigen Minuten habe ich die Orientierung verloren, es kann nur geradeaus gehen, wo ich eigentlich genau bin, weiß ich in dem Moment nicht. 

Mitfahren ist die Devise. Die Strasse bringt mich genau vor das VisitorCenter am alten Hafen. Hier herrscht ein Trubel, wie lange nicht erlebt. Touristen aus Saudi Arabien, Brasilien und Asien, Frauen in Burka, genauso wie hochgeschminkte indische Touristen. Es ist ein ungewohntes Bild nach vielen Tagen der Ruhe und Beschaulichkeit.
Niederländisches Glockenspiel, source:wikimapia.org

Und doch gibt es während ich am Hafen stehe eine akustistische Besonderheit. Da war doch was? Ich höre zuerst ganz leise, dann immer deutlicher durch den Autoverkehr hindurch ein Glockenspiel. Das erste Mal in Canada höre ich ein europäisch stimmendes Glockenspiel. Es ist das Geschenk der niederländischen Gemeinde in BC an Canada für seine Rolle bei der Befreiung der Niederlande im WWII. Königin Juliana hat es 1968 gegenüber des Parlamentsgebäudes eingeweiht. 62 wohltuend rührende Glocken, deren Klang über das alte Hafenbecken treibt. Straight to your heart. Für einen Moment fällt die ganze Tagesaktivität zusmmen. Es ist das erste Mal, seit ich unterwegs bin, das ich wieder ein Glockenspiel höre.

Victoria mit seinen 80.000 Einwohnern ist ein Touristenmagnet. Mit Karten entkomme ich dem Lärmpegel des VC und laufe Margarete und Alan in die Arme, sie wollen von hier die US Pacific Küste nach Süden fahren und stammen aus Köln. 
Maragrete und Alan wollen nach San Diego

Ein halbes Jahr haben sie sich Zeit genommen und sogar ihren Job dafür an den Nagel gehängt. Wir tauschen Adressen und blogsites aus

Das Fahrrad kann nicht gemeint sein
Nach einem längeren Gespräch ist es Zeit die Übernachtungsfrage zu klären, ich würde gerne im Ort bleiben, der Campingplatz ist aber gute 20km entfernt. Es bleibt auch heute nur die Illigalität. 
Ich fahre an den Strand im Süden der Stadt und entdecke die üblichen Zeichen, keine Fahrradfahren, kein Übernachten, kein zelten, keine Lagerfeuer, kein nix.

Sydney(by the sea)

Mo.,11.8.
Der Hundeausführplatz von Sydney
Wenn man Abfahrtspläne lesen und nicht nur in die Tasche zu den restlichen Papieren stecken würde, bestünde in der Tat eine hinreichende Möglichkeit pünktlich am 2km entfernten Fährbahnhof zu sein. 

Um 06:00h jedenfalls fährt erstmal keine Fähre und damit entsteht nun reichlich Zeit. Zeit zum Wäschewaschen, rasieren, Sachen sortieren, was eben so anfällt, wenn man in Fährhäfen zu nachtschlafender Zeit aufläuft. 
Um 05:45h macht Starbucks auf und damit gibt’s immerhin 473ml bohnigen Kaffee. Die Magenschleimhaut juchzt vor Freude.
alle anderen wissen genau, wann die Fähre ablegt
Um 6:30h kommt Leben in die Bude und die Einweiser treffen ein, Frage: gibt es eine Radfahrerspur?  
Natürlich nicht, Sie müssen diesen weiten markierten Weg einmal drum herum und sich dann zu den Radfahrern da drüben stellen.  
Es ist in Europa nicht anders, trotz aller Lippenbekenntnisse der Touristiker, wir supporten den Fahrradverkehr, spätestens am Fährhafen ist Schluß. Hier zählen Lademeter und nicht Selbstverwirklichung auf zwei Rädern.
Blick nach Vancouver Island

Immerhin wir dürfen als erstes auf die Rampe, aber natürlich nicht fahrend. Das Hirn denkt wieder Nötigung! Dabei Schiff ist leer und im Gegensatz zu den großen Ostseefähren gibt es nicht mal Trailerverkehr. Die Trucks boarden hier alle selbst. Trotzdem, warum auch immer, komm'  ja nicht auf die Idee, auf dem großen, leeren Deck fahren zu wollen! 
Das es wie immer nichts zum Festmachen gibt und sich guter Letzt irgendwo eine Nische findet, wo die Räder stehen sollen, unterscheidet Tsawwassen nun auch nicht von Travemünde.

In der Aufregung fällt meine neue Sonnenbrille herunter und ich bekomme es nicht mit. Als ich das nächste Mal wieder daran denke, haben wir längst abgelegt. 

Ganze 6Tage besaß ich sie, kurz vor Hope lag sie auf dem Highway. Damit ist nun die dritte am Straßenrand gefundene Brille wieder entsorgt. Es bleibt ein Kommen und Gehen in meiner Packtasche.
Bevor ich überhaupt das Eventdeck erreicht habe, hat sich schon eine größere Menschenmenge vor dem Buffet versammelt. Frühstück für 17$, kein schlechter Preis. Anscheinend wussten das alle anderen außer mir. Für die Rückfahrt unbedingt vormerken!
 Sidney by the sea source:vancouverisland.com

Ebenfalls im Preis inbegriffen ist wifi während der Überfahrt und, obwohl jeder zweite an Bord an seinem Smartphone spielt, in einer bemerkenswerten Qualität. Kaum zu glauben, das Netz bricht nicht auf der Überfahrt zusammen. Dafür, dass im Yukon mal gar nix funktionierte, ist das hier schon begeisternder Luxus. 
Nach 80min ist alles vorbei und es ertönt die typische Durchsage mit der Bitte zu den Fahrzeugen zu gehen.
Vancouver Island ist erreicht. Bis Victoria, der Hauptstadt BC's, sind es noch 30km. Nach einem kurzen Berg, gleitet das Fahrrad auf dem Highway 17. Die erste Station an diesem Tag ist Sydney by the sea nach 6km. 
toughe Lady im VC mit ungewöhnlichen Ideen Carolyn
Sydney BC ist nun nach Sydney in Manitoba bereits der zweite der Ort, der diesen Namenaußerhalb Australiens  trägt.

Ein ehemaliger Fischerort, der seine Veränderung zu einem StrandSeniorenAusflugsort unglaublich gut gemeistert hat.
Ein netter, gemütlicher Ort, ein wenig eine Mischung aus dem Seniorenparadies Travemünde und dem ach so hippen Timmendorfer Strand. Man schmeckt das Meer, es gibt relativ wenig Autoverkehr, Ausflugsdoppeldecker Busse durchkreuzen die Stadt. Ein Touristenort. 
Explore Vancouver Island.com 
Um 09:00h macht das VC auf und Carolyn ist an diesem Tag on duty. Und sie lässt nicht locker, spricht schneller, als die Hände die Karten entfalten können. Auch sie muss ihrem Alter gemäß ein Volunteer sein. Wir gehen jede Brücke im Verlauf des Fraser im Großraum Vancouver durch, Fazit, nach 25min intensivem Gesprächs, ich bin nicht schlauer. Und so, wie geplant, wird es nicht funktionieren, man kann es drehen wie man will, Vancouver ist nicht auf Fahrradfahrer eingestellt. Gut, St.Petersburg ist es im Grunde genommen auch nicht, aber da interessierts noch weniger und doch kann man da rein und raus mit Fahrrad. Alles eine Frage des Selbstbewußtseins. Einfach mal ein slide über 5 Spuren von ganz außen nach ganz innen.
Mainstreet Sydney
Das Problem ist der nicht erwartete Tunnel im Zuge des 99er. Wenn der Tunnel ähnlich dem Bauwerk unter der Trave ist, habe ich keine Chance mit meinem lots of gear
Sind die Rampen moderater, wie in Norwegen auf den Lofoten,  besteht eine reelle Aussicht nicht schieben zu müssen. An dieser Stelle kommen wir im VC nicht weiter, Carolyn fährt nicht mehr Fahrrad und ich habe den Tunnel noch nicht gesehen. 

Montag, 11. August 2014

Tsawwassen

So.,11.8.
Auch in Canada gibt es  zero tolerance
Sonntagmorgen 07:00am. Die Gays haben das Feld geräumt und ist es voll geworden auf dem Parkplatz. Einfach mal verzockt, hätte ich vorne am Highway geschlafen, hätte ich von dem nächtlichen Rangieren und dem ThermoTruck nichts mitbekommen, aber ich wollte ja unbedingt aus dem Lärm des Highways heraus.

Um 08:20h geht's los. Der Highway führt nun von einem Ort in den Nächsten. Es geht ineinander über. Mal vierspurig, mal ohne Seitenstreifen. Es gibt keine Trennung mehr zwischen den einen Suburbs. SchoppingCenter folgen Wohngebieten und dann wieder Industriegebiete. Erste Station des Tages ist die Chevron Tankstelle in Langley am Highway 10. Nach ausreichend Refill gehe ich die 50km bis Ladner an, dem letzten Ort vor dem Fährterminal.
BC Lowlands

Vorher treffe ich auf Ronda  und Jamie, die gerade mit ihren glänzenden Rädern auf einer Sonntagmorgen Ausflugtour sind. Jamie ist auch
Langstreckentourenfahrer und wir unterhalten uns lange vor dem Gebäude.  
Ja, es gibt sie schon, die kanadischen Tourenfahrer, es ist wohltuend in dieser autoaffinen, kanadischen Welt mit Kanadiern zu sprechen, die ihr Rad nicht nur in einem Trailer oder Rack durch die Gegend transportieren.
Es ist ein merk

würdiges Verhalten, frei jeder Edikette, werde ich doch mal von einem Radfahrer überholt, werde ich kaum gegrüßt, sie fahren möglich zügig, anonym an mir vorbei. Es hat sie nur wenig gegeben, die Kontakte zu kanadischen Schönwetter-Umlandfahrern. Ganz anders der Austausch zu Tourenfahrern, man ist immer im Gespräch. Und steht das Rad angelehnt vor Horton, ist ein Gespräch fast unumgänglich.

In Ladner ist Mittagspause und bleibe nicht lange allein. Jemand drängt sich auf, das Rad während des Einkaufs zu bewachen, wirkt ein wenig so, wie darf ich ihre Scheiben an der Kreuzung putzen? Nein! Von hier sind es nur noch 10km bis zum Fährhafen.

Abbotsford



donatetd by Mandy&Hartmut
Sa.,9.8.
Im Großraum Vancouver verschluckt
Der Abschied in Hope ist sehr herzlich. Hartmut steht in der Garageneinfahrt und sagt, Frank, wir würden Dir gerne etwas als an Erinnerung an uns mitgeben.

Oh, auf keinen Fall, nein, Hartmut, bitte nicht, ich bin jetzt schon mit den vielen Dinge überladen und ich könnte im Zweifelsfall ein Geschenk dann nicht loswerden. Und dann fällt sein Blick auf den sich immer mehr auflösenden Helm.
eine Oase im Grünen

Oh, wir haben noch einen Helm, unsere Tochter wollte ihn nicht..., nun denn, besser ein undiskutabler Bell Helm der ersten Generation, mehr Styroportopf, als ein ästhetischer Helm, aber immer noch besser, als ein sich  fragmentierender KAD Helm, den man mit fragwürdigenden Eigenschaften nur für die Polizei aufsetzen kann, um allein optisch der Helmpflicht hier in BC zu genügen. 
Mandy&Hartmut
Du kannst jederzeit wiederkommen, Du bist immer willkommen. You are more than welcome.... Zwei sehr von Herzen kommende Aussagen, zweier sehr liebevoller Menschen. 
In einem Land, in dem so manches oberflächlich und floskelhaft wirkt, glaube ich zu spüren, die Sätze ehrlich gemeint sind.
Nochmals oberherzlichen Dank für die Einladung liebe/r Mandy und Hartmut., es waren zwei sehr schöne Tage, die schönsten Tage, die ich bei Euch in Kanada erleben durfte.

Aber der Weg führt weiter.


Schon bald hat mich der Highway verschluckt. Es herrscht bereits um 08:45h lebhafter Wochenendreiseverkehr. Mitfahren heißt die Devise, Mandy war sehr besorgt, ob überhaupt eine Erlaubnis für Fahrradfahrer zur Benutzung bestehen würde. Aber alle Ängste scheinen auf den ersten 45km unnötig. Der Radverkehr wird mit genügend Schildern auf dem Seitenstreifen geleitet.
Erste Station ist Chilliwack nach 45km, ein Ort, auf der südlichen FraserFlussseite, der sich entlang des Highways in mehreren Stadtteilen über viele Kilometer ausbreitet. 

Tim Hortons sehe von vom Highway aus, doch nach dem ich den Highway verlassen habe, finde ich genau diesen Horton nicht wieder und stehe plötzlich vor einem  ganz anderen Gebäude. Es ist Mittagszeit. Bei Horton kommen die Leute der umliegenden Stores auf einen Kaffee herüber, die Schlange reicht schnell bis auf den Bürgersteig nach draußen. Das wifi Netz ist dem Zusammenbruch nahe. Die Attraktivität dieser Kaffeestube bleibt ein Phänomen, zumal etliche vergleichbare farblose Anbieter zu Fuß erreichbar wären.
MIghty Fraser River
Bei der nächsten Auffahrt ist dann plötzlich der Fahrradfahrer draußen. Es hagelt nun Verbotsschilder. Stattdessen gibt es eine Serviceroad, die parallel läuft.
Der Verkehr hat jetzt stark zugenommen, ich bin im Großraum Vancouver angekommen. An diesem Wochenende gibt es mehrere Großveranstaltungen in der Region. 
 
Unter anderem eine Flugshow in Abbotsford. Erinnerungen an die Flugshow in Rammstein vor einigen Jahren werden unweigerlich wach, als ich die Jets in der Ferne durch die Luft jagen sehe.
IKEA läßt grüßen

Was nicht ausdrücklich verboten ist, ist in den Augen des Radlers immer erlaubt und so bin ich bei der nächsten Auffahrt, diesmal ohne Verbotsschilder, wieder auf dem 1er zurück. Welcome back, Frank

Wie dramatisch solche Argumente sein können, spüre ich dann 10km später am Vedder Creek, als die Seitenspur plötzlich aufhört und der Verkehr sich nun über eine 4spurige Brücke zwängt. 700m vorher erscheint das Schild paved Shoulter ends, hey, das könnt ihr doch nicht machen und nun wird’s aber richtig eng.
ein letzter Blick zurück in BC's Schneebedeckte Berge
In Osteuropa hätte man solche Nummern nicht bringen können, hier aber geht das gerade mal wieder gut, den Arm raus und mal 200m vor einem 63to herum tanzen, dessen linke Ausweichspur durch Wochenendverkehr blockiert ist. Die Strafe folgt auf dem Fuß, auf der Brücke rase ich in ein Stahlgürtelreifenfragment und schaffe es mit der letzten Luft auf den rettenden nachfolgenden Seitenstreifen. Wieder hatte der liebe Gott gerade Mittagspause. 
Stahlgürtelreifen vs Fahrradreifen


Donnerstag, 7. August 2014

Hope-Hartmut's Dampfmaschine

Fr.,8.8.
Nicht präsente Skandale  
Es war gestern einfach nicht de Zeit etwas in Hope anzusehen. Die Zeit war einfach zu kurz und viel zu kostbar, als irgendwelche Innenstädte zu besichtigen.
Deswegen nehme ich das Angebot allzu gerne an, noch einen weiteren Tag in Hope bleiben zu dürfen.
Es gibt ein von Mandy selbst zubereitetes, klassisches canadisches Frühstück. Immer noch sind zwei Skandale Gespächsthemen in ihrer Welt.



Einem großen Minenkonzern ist wider besseres Wissen der Damm der Mount Polley Mine gebrochen, 10 Mio m³ verseuchtes Abwasser ergossen sich in Richtung Quesnel River und es gibt eine Umweltkatastrophe größeren Ausmasses im Norden BC's, die Umwelt ist für Jahre geschädigt. 
Genauso aufregend jedoch ist das Thema der Hindu Delegation auf dem Torontoer Pearson Airport.
Hope, Mainstreet

Eine hochrangige Hindu Delegation besucht Kanada und die religiösen Führer bitten im Vorwege, sämtliche diensthabenden weibliche Officers an dem Tag zu beurlauben. 
Und die Story wird totgeschwiegen, bis auf einen kleinen Radiosender, der die Sache in wikileaks Manier mit verzerrten Stimmen etc. herausbringt. Offiziell findet das gar nicht statt. 
Hartmut's Meisterwerk
In einem Land in dem Frauen ein weitaus höheres Ausmaß an beruflicher Gleichberechtigung als in Deutschland erreicht haben, ist das für Hartmut ein Affront. Frauen fahren hier auf den Highways die größten Dumper oder bedienen Fährrampen. Es scheint keine Unterschiede zwischen Mann und Frau im Berufsleben zu geben. Für ihn als bekennenden Atheisten ist das ein Rückschritt der Entwicklung und Kniefall vor der Religion zugleich. Ich frage mich wie wohl die Sache in Norwegen ausgegangen wäre.
Titanic 3fach Expansions Dampfmaschine  bei Harland and Wolff, Belfast

Bevor es nach dem Frühstück in die Stadt geht ist Zeit Hartmut's Talente zu bewundern. Ich kann Sie 3h nonstop mit technischen Knowhow langweilen beginnt der Senior die Vorstellung seines Meisterwerkes und Mandy verdreht die Augen, Hartmut, he wants to go to town, aber Hartmut kommt nun in Fahrt. Vor mehr als 40Jahren begann er sich für englische Pläne einer 3 zylindrischen Dampfmaschine zu interessieren und baute die Dampfmaschine im Modell nach. Jedes Teil ist maßstabgetreu nach alten vergilbten Plänen von Hand hergestellt. Es sind englische Maße, die der Feinmechaniker orginal umgesetzt hat. 
Was meine Begeisterung steigert ist der technische Bezug dieses Modells. Heute ist diese Antriebsart wieder verlassen worden, damals, so sagt Hartmut, war es state of the art. Die HMS Titanic war mit 18 dieser ZylinderBlöcke ausgestattet. Da ist das Zauberwort: HMS Titanic.  
Dampfmaschine, source:wikipedia.org
Aber auch die Schiffe der Liberty Flotte, Amerika's Wettlauf gegenüber der Deutschen UBootWaffe im 2 Weltkrieg. Die Logik war einfach. Mit Hilfe eines standartisierten Schiffstyp, dem Liberty Schiff, Konvoi Frachter schneller in NordAmerika herzustellen, als die deutschen Wölfe sie im Atlantik versenken konnten.
Hope Treffpunktuhr
Das Marine Museum in Vancouver würde sich glücklich schätzen, dieses Modell besitzen zu dürfen, donated by..., aber es soll in der Familie verbleiben. Einmal in Fahrt gekommen folgt ein Antriebsmodell dem Nächsten und es zeigt die Fähigkeiten Hartmut's; für mich, als nur bedingt technisch zu begeisternden Menschen wird es nicht langweilig, wir sprechen über den Sterling Motor.
Hope Kino
Irgendwann im Gespräch sagt er bei seinen betrieblichen Bewerbungen in den 50er Jahrern hat allein sein typisch deutscher Nachname sofort Tür und Tor geöffnet, ein deutscher Name, und Mechaniker, das klang für viele damals wie absolute Präzision. Man glaubt's auf Anhieb.

Hope

Do.,7.8.
Durch den Fraser Canyon
Da isser-unverkennbar John J Rambo in Hope mit Tim Horton Becher     Source: filmosphere.com

Guten Morgen aus Hope, BC!
Ein sonniger Tag startet hier, nach Tagen der Einöde gibt es endlich wieder einen Hortons store. Leider ist das wifi Netz (fast)am zusammenbrechen. Der Laden brummt. Es ist die falsche Zeit, um 08:36h bei Tim auf einen mediumdoubledouble einzukehren. 37 Pickups, RV's Motobikes und 1(meins) Fahrrad sind durch die großen Fenstersscheiben zu sehen. Wie im Taubenschlag, und eine irre Lärmkulisse. Die 6000 Einwohner große Kleinstadt im Schnittpunkt der großen Highways am Mighty Fraser erwacht gerade.
Der Fraser Canyon liegt nun hinter mir. Jede Menge Aufregung, enge Strassen, viel zu viel Verkehr, technische Probleme, etc.  Ich brauche nun ein wenig Zeit, die neue Route abzustecken , 
Filmplakat souce: ernieputto.de
 um nicht sofort in den Sog Vancouvers zu geraten.
Wikipedia.org Hope

Außerdem werde ich 2 Tage in Hope verbringen müssen, denn die kleine unscheinbare Stadt in den Bergen ist Filmstadt und damit die Information, auch wenn es mir ein wenig peinlich ist, Rambo1 wurde hier vor 30 Jahren abgedreht. Da ist es als sozusagen Pflicht, ein wenig auf den Spuren von John J. und Co. zu wandeln.
Seitderm ist Hollywood immer wieder zu Gast in der Stadt am Fraser. Auch mördererischer Vorsprung mit Sidney Poitier wurde hier Ende der achtziger in der Region gedreht.
Was Ystad für Wallander Fans und Bad Segeberg für die Winnetou Fans ist, ist Hope für die Fans des UrRambos. Unvergessen, wie er sich nach einer Verletzung in der Wildnis selbst operiert. Natürlich gefühlt im Fraser Canyon.
Früh geht an den VCs übrigens gar nichts, please come again, natürlich ab 09:00h.

Totem am Fraser River
Dann aber geht alles in die richtige Bahn. Nach einem ausführlichen Gespräch mit Ellinor vor dem Gebäude ist endlich Zeit für Frühstück, Coopers heißt der Lokalmatator am  Old Priceton Hope Highway hier, die Altbekannten sind nicht da.

Und dann kommt es zu einer folgendenreichen Entdeckung. Zunächst aber prollt wieder irgendwer lautstark aus seinem laufenden Auto über den Parkplatz eyh, wo willst Du denn hin, man wie schwer ist denn Dein Rad, oh, mein Gott, was für ein Bike, ich blicke den wohlgenährten Zeitgenossen an und bin geneigt zu sagen, mit Gott hast das relativ wenig zu tun, nein, ich habe das Rad gepackt und dann sage ich einfach 5kg. Ruhe. Lautstark über den Parkplatz rumbölken ist mir ein graus.



24Zoll sieben Gang seiner Zeit weit voraus












Dann bemerke ich wie ein älterer Mann ein 70er Jahre Klappfahrrad aufschließt und ich sage im vorbeigehen, oh, man, was für ein kultiges Rad und wir fangen an zu reden und der Senior lädt mich spontan zu einem Kaffee zu sich nach Hause ein.

Ich bin unsicher, skeptisch, weiß nicht, ob ich einfach ja sagen soll, dann aber geht alles ganz schnell. Ich sitze auf dem Rad und versuche dem mit einem irren Tempo entfliehenden Mann zu folgen. Hatte ich nicht erwähnt, ich bin nicht so schnell? haut der Kerl echt ab mit dem Minirad. Ein Kurzstreckenrennen in Hope.
Hartmut und Mandy
5min später stehen wir in einer gutsiutierten HolzhausSiedlung und ich werde seiner Ehefrau vorgestellt, Fahrrad in den Garten und es gibt Sandwiches. Alles ein wenig improvisiert, wir überraschen die Dame des Hauses bei der Gartenarbeit. Junge, Junge, das erste Mal eine Einladung angenommen, hätte ich mich nicht so störrisch angestellt, wäre das schon öfter der Fall gewesen; so wohnt also gut situiert Canada.
Es ist ein mir sehr behaglich, wohlig bekannter Wohnstil. Accessoires sind wohl dosiert, es wirkt sehr gepflegt.


Fraser Canyon

Mi., 6.8.
Jack Ass[engl. blöder Esel, Vollidiot, o.ä.]
So richtig einschlafen, geht in diesen Tagen nicht, es ist viel zu heiß im Zelt. Trotz aller Versuche eine gewisse Durchlüftung angesichts des starken Windeszu erreichen, bleibt die Innentemperatur schlafunfreudig.
Um 01:00h stehe ich wieder vor dem Zelt, denn Sturm hat die vorderen Häringe herausgerissen und das Zelt flattert im Wind. Es ist jeden Abend dasselbe Drama, Zelt mit Stangen versorgen, einen großen Granit besorgen und die in die Erde gedrückten 10cm Stahlnägel hereinschlagen, aber an diesem Abend funktioniert selbst das kaum. Beim nächsten Zelturlaub unbedingt eine Camping-Hilti mit einplanen.
Kaum bin ich wieder im Zelt, erscheint der örtliche Sheriff und dreht eine Runde mit dem Pickup, aber ein persönlicher Kontakt kommt nicht zu Stande.
Kommt um 05:00h wieder, dann steh’ sowieso auf. Der Wind lässt nicht nach, all die Wochen im Gebirge mit den Stechern hatte ich mich so nach ihm gesehnt und jetzt, erst jetzt, hier in Lytton, ist er da.

Im Morgengrauen schiebe ich das Rad zurück auf den Highway, Kräfte sparen, nach nur wenigen 100m ist die Ortsausfahrt so steil geworden, dass ich selbst zu Beginn chancenlos bin. Und dann auch noch Jack Ass Mountain an diesem Tag. Um 5:40h stehe ich auf dem Transcanada gegenüber dem örtlichen Friedhof am Start.
Es geht windig los und verdirbt die Laune, 10km/h maximal, wie soll das heute enden?
Dann die erste nennenswerte Bergwertung und ich freue mich auf der Abfahrt Jack Ass geschafft zu haben Yeah! Km 10, sagte die Frau im VC nicht, der Pass kommt unmittelbar nach Lytton?
Jack Ass Abfahrt
Als dann bei Km18 eine weitere lange Steigung kommt ist mir klar, die Freude war viel zu früh, die Langholzlaster schieben sich nun im Schritttempo mit Warnblick an mir vorbei, luftnötig und mit reichlich Bauchschmerzen keuche ich den Berg hoch. Ja, kein Zweifel, das wird er sein.  

Und er wird länger und länger. Dann, als endlich das Summit-Schild um 07:18h erscheint, falle ich fast vor Lachen vom Rad. Der Vollidiotenpass ist nur 361m hoch. Dafür, dass ich schon in diesem Land auf 2100m gestanden bin, ist das Siegerbild vielleicht doch ein wenig lächerlich. 

Aber es gibt einen wunderschönen Ausblick auf das Fraser Flusstal. Bei der Abfahrt muss ich warten, bis die Trucks sich heruntergebremst haben, danach kann ich frei abrollern, jedoch der Wind ist so stark, das nicht mehr als 61km/h dabei herauskommen.
Friedhof am Highway am frühen Morgen
Erste Station an diesem Tag ist Boston Bar, 3 Tankstellen, 2Motels,  ein indisch geführter Grocery und einige wenige Holzhäuser, enttäuschend wenig für den ersten Ort.Aber Kaffee beim Inder.

Spuzzum, so heißt das Ziel, 25km weiter, aber alle sagen, da ist nix, was willste da?
Nächster Ort ist dann Yale, und der Inder sagt wieder, der ist genauso groß wie Boston Bar. Es irritiert ja schon ein wenig, da bewegt man sich auf eine Metropole zu, aber knapp 300km vorher ist nuscht. Da hasste schon Glück, wenn Du einen frischen Joghurt bekommst und nicht den letzten nimmst. Canada provinziell.  Es bleibt wie jedes Mal die Hoffnung, das es am nächsten Ort ein wenig besser ist. 

Zunächst aber kommt der nächste Idioten Berg, wieder mit bemerkenswerter Steigung, Hell’s Gate. Der Pelzhändler Simon Fraser, der als ersten den Flusslauf für die Nachwelt 1808 beschrieb, nannte diesen schwer passierbaren, mit reichlich Stromschnellen bedachten Flussabschnitt Hell’sGate.  Wikipedia.org Simon Fraser 
Heute ist oben auf dem Berg eine Seilbahn installiert, deren Gondel sich für Touristen auf der Suche nach etwas Thrill zur Talstation über dem Fluss absenkt. Ganz billig ist dieser Schuß Endorphin nicht, die nachfolgende Abfahrt in Gesellschaft einiger Trucks durch die nachfoilgenden Tunnel gibt es dafür umsonst.
Boston Bar
Wenn ich richtig mitgezählt habe, sind bereits alle Tunnel absolviert. Die Tunnel auf dieser Strecke entstanden allesamt in den 60er Jahren und es beginnt mit knapp 650m leicht bergauf. Bei dieser Länge hat Canada sich etwas richtig Gutes einfallen lassen, Biker werden gebeten, eine Blinkanlage in Betrieb zu setzen.

Trotzdem bleibt das Fahren in einem Tunnel ein echter Stressfaktor. Es gibt 30cm Randstreifen und die anderen Tunnelbenutzer fahren Endgeschwindigkeit.

Es herrrscht ein infernalischer Lärm, der immer lauter wird, sobald sich ein 63to sich von hinten heranschiebt. Man kann sich nicht umdrehen und starrt gebannt auf den entgegenkommenden Verkehr. Lass’ jetzt die andere Spur frei bleiben, bis ich wieder heraus bin
Tunnel mit Blinkanlage

den Thrill gibt's kostenlos obendrauf
Bei den kürzeren Tunneln ist es dann mit der Begeisterung für Sicherheitskanada auch schon wieder vorbei. Keine Blinkanlage mehr.
Die meinen das echt ernst, schieben sie ihr Rad, sofern keine Gefahr besteht, auf den Bürgersteig der anderen Seite und schieben sie bis zum Ende des Tunnels. Fahrradfahrer dürfen ausdrücklich nur diesen seitlichen Bürgersteig benutzten(sinngemäß übersetzt) Jawohl! ich steige jetzt ab, und schiebe das Rad auf dem mit Dreck übersähten kanpp 50cm breiten Sidewalk entlang. Ja, das tue ich, NEIN! 
Natürlich nicht, aber auch bei kürzeren Tunnel bleibt der Streßfaktor hoch.
An Spuzzum fahre ich unbewußt vorbei, es ist nun 12:30h und ich entschließe mich für Yale.
Yale ist ein für Canada sehr wichtiger, historischer Ort an der Goldschürfer Strecke. Nur noch 18km in der Mittagshitze, das muss möglich sein.
Wikipedia.org Yale British Columbia