tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Dienstag, 10. Juni 2014

Highway 40-scenic road



Fr.6.6.
141km nichts außer Bären
Die Zelttür ist so gefroren, dass ich sie aufklappen kann, als ich um 4:00h vor die Tür gehe. Eine zu ende gehende sternenklare Nacht, es dämmert bereits, noch immer sind die Positionslichter der großen Ketten am Highway voll erleuchtet. Ohne Probleme erkenne ich das Logo von McDonalds und Tim Horton’s grelle Leuchtreklamen. Im Gegensatz zum Nationalpark wird hier wieder 24h rund um die Uhr gearbeitet. Und während im Nationalpark Werbetafeln und grelle Werbebanner strikt verboten sind, gibt es hier keine Hemmungen.
Um 08:30h bin ich bei Tim. Die Warteschlange ist ellenlang, das ergibt Möglichkeiten mit seinem Hintermann ins Gespräch zu kommen. Heute Richtung Grand Cache, ach was willste denn da, bis dahin sind es 141km und es gibt nichts außer Bären
Man muß sich das als Norddeutscher mal auf der Zunge zergehen lassen, 143km Nichts, auf einer Strecke von Lübeck nach Westen, weiter über Harburg hinaus nichts, gar nichts, richtiges Nichts. 
Highway 40, ist ein Highway, der entlang der auslaufenden Rocky Mountains verläuft. Er beginnt im Süden am CrownestHighway und führt von dort nach Norden nach Canmore. Bis zum 15.Juni jeden Jahres ist er gesperrt.  Foothills nennen sie das hier. 340km von Hinton nach Grande Pairie, dazwischen nur eine Ortschaft sonst nichts, eben, außer Bären. Gleich zu Beginn warnt ein Schild, achten sie auf ihren Benzinstand. Nächste Tankstelle in 143km.

Ich erinnere mich noch gut an Ontario, an den Lake Superior PP. 83km nichts, gar nichts,
diesmal will ich besser vorbereitet sein und führe Essen und Getränke mit.

In der Psychologie nennt man das glaube ich angstbesetzte Worte. Scenic Road, ich erwarte nichts Gutes von dem heutigen Tag, rauf und runter, weiß aber auch das die einzige Alternative über Whitecourt gut 150km Umweg bedeutet. Highway 40, diese Strasse führt nach Alaska.

Ich verlasse Hinton gegen 09:30h, zunächst sind die ersten Kilometer flach, nach der Brücke über den Athabasca River steigt die Strecke dann allerdings mörderisch an. Gute 400 Höhenmeter steigt die Strecke innerhalb der nächsten 8km, der Scheitelpunkt ist ziemlich genau beim Beginn des William A. Schwitzer Provincial Park.
Die Oberfläche der Strasse ist grottenschlecht, von Frostaufbrüchen des letzten Winters heimgesucht, die sich zu Kratern entwickeltet. Der Seitenstreifen ist auf maximal 2 Fuß breit, meistens jedoch nicht mal 30cm zusammengeschrumpft. Seit dem ich on-the-road hatte ich nicht eine so schlechte Strasse. Nur sehr vereinzelt gibt es für wenige Kilometer eine Neuanlage.
Ich habe es geahnt, bei beschleunigten Abfahrten muss man höllisch aufpassen, um nicht in die Schlaglöcher zu geraten, die urplötzlich, schlecht sichtbar auftauschen, die Strasse ist eng und keinesfalls vom Schwerlastverkehr befreit. Und es geht munter rauf in einer 1:1 Übersetzung, um danach zügig wieder herunter zu rasen. Scenic road. Ich bezweifele, ob es eine gute Idee war, hier heute aufzukreuzen. Sollte ich wieder die Chance haben auf dem Transcanada zu fahren, küsse ich notfalls jeden einzelnen Meter.
Drei Dinge haben den Tag geprägt, zwischen Kilometer 54-58.

Bei Km 54 geriet ich unversehens in einen Hagelschauer, verzweifelt versuchte ich zu begreifen, welche Wolke dafür verantwortlich war und gleichzeitig die offenen Sachen auf dem Hinterradträger zu sichern. 5min später war der Schauer vorbei, 3km weiter war die Strasse nicht mal feucht.
Danach sprang die Kette ab, was im Grunde nicht besonders ärgerlich ist, aber in Folge des Mangels an Anlehnmöglichkeiten, musste ich den Trecker eine ziemlich lange Strecke schieben, bis wieder ein Kurvenwarnschild auftauchte. Die Verkehrsschilderdichte ist in Kanada wirklich gering. Das gilt auch für Entfernungsangaben. 143km ohne menschliche Spuren, keine Siedlungen nur ab und zu der Hinweis auf einen Zeltplatz. Bei dem Maßstab meiner Karte bleibt vieles am Tag im Ungefähren.
Das wichtigste passierte jedoch bei Km 58. Es war wie so oft. Irgendein Vollidiot hatte es zu eilig und versuchte auf gerader Strecke 4 Autos zu überholen. Jemand, dem die Geschwindigkeit der anderen Verrkehrsteilnehmer möglicherweise 4km/h zu langsam war.

Nun könnte man annehmen, das wenn jemand bei solch einem Ansinnen Gegenverkehr wahrnimmt, er den Überholvorgang beendet, abbricht, oder zumindest seinen Wagen jenseits der erlaubten 100km/h beschleunigt. Leider passierte nichts von alledem. Das Auto schoss auf mich zu, der Highway ist nicht sehr breit und seelenruhig ohne jede Regung versucht der Fahrer auch das letzte Auto zu überholen. 100km/h, schneller zu fahren wäre ja ein Verkehrsregelverstoß.

Ich hasse solche Momente, abbremsen, an den Rand stellen und hoffen, das es passt.
Angebrüllt hab ich das A…, und das böse internationale Mutterwort geschrien, den besonderen Finger der linken Hand gezeigt, geändert hat es nichts, danach war wieder stille. Ich brauchte ne Pause. Die another day.
Ich brauchte einige Minuten, um die Situation sacken zu lassen, danach war alles wie vorher.

Die Schönredner unter den Lesern werden jetzt sicher die Sache wieder relativieren und sagen, der hat geträumt, die Sache unterschätzt, ‚nen schlechten Tag gehabt; wie auch immer, lustig ist so was nicht und ein Risiko allemal. Und eigentlich gibt’s da wenig zu beschönigen.

Ist wieder nichts passiert, im Baltikum passiert so was an schlechten Tagen mehrmals am Tag. Und wirklich, nach 5000km ist es erst die dritte ernsthafte Situation; in Kanada zu fahren ist extrem sicher. Ganz im Gegenteil, kaum steht man als Fahradfahrer irgendwo an der Leitplanke hält bestimmt alsbald jemand an und fragt, do you need help? ‚are you ok?

Aber es zeigt auch wieder, ist nicht alles gold was glänzt, solche Auswüchse erden, erhöhen wieder mehr die Aufmerksamkeit. Und das ist gut so.

Gegen 17:00h kam Sturm auf, der Himmel verfinstert sich merklich und der angepeilte Campingplatz Big Berland River kommt einfach nicht in Sicht, so sehr ich auch Km um Km gegen den Wind ankämpte. Theoretisch müsste ich nicht mal 2km vor dem Campingplatz liegen, aber es wird mühsam jede weitere Kurve anzufahren, um endlich den erhofften Platz entdecken zu können. 
Der Tag hat viel Kraft gekostet und so breche bei knapp 90km ab und finde riesige Lichtung, auf dem Highway ist Wildwechsel angekündigt. Vielleicht wird das heute ja doch noch was mit Tierbeobachtung.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Road to Alaska

Ein Wort das Angst macht
 Do.,5.6.
Endlich wieder glasierte Donuts
Kaum biste aus dem Nationalpark heraus, öffnet sich die bunte Warenwelt wieder. Herrlich, 10km, viel mehr wird das heute nicht mit dem fahrradfahren.
Es hat die Nacht stark geregnet und die Wiesen des Zeltplatzes sind überwässert. Karges Frühstück in der Zelthütte. Es herrschen kalte 2° um 09:00h. Schlechtwettertag. Ich habe alles angezogen, selbst die Winterhose wieder herausgewühlt. Diese permanenten Witterunmgswechsel zerren an den Nerven. Auf nach Hinton.

Es ist bereits 10:00h, als ich endlich aufbreche. Ellinor will in wenigen Tagen nach Norwegen, heute bei drohendem  Regenwetter noch 90km zu fahren zu wollen ist ein waghalsiges Unternehmen. Zumal, der Wetterbericht bietet warme Temperaturen ab morgen früh. Also bleibe ich wohl in Hinton stecken.Zumal das Wort senic road macht mir inzwischen Angst, aber es führt kein Weg daran vorbei.
Highway 40 ist der einzige Zubringer aus den Rockies nach Alaska. Seit Tagen sehe ich vermehrt Autos mit amerikanischem Kennzeichen.
Goood bye Rockies
Schon von Weitem sind die großen Werbebanner zu sehen. Tim hat seine Filiale direkt am Yellowhead. Free wifi, danach zum Visistorhaus. Die bieten auch free wifi und frischen Kaffee ab 09:00h. Gar nicht schlecht. Und es gibt eine original Milepost Karte für lau. Hinton hat ein Schwimmbad mit Duschen für 3$, eine Bücherei und einen Walmart. Also endlich wieder glasierte Donuts. Gestern habe ich sie schon gesehen in Jasper, zu Horror-Preisen. Und heute unerwartet Walmart direkt vor der Tür.

Meine Koordinaten beim Besuch Kanadischer Städte. Es gibt einen guten Lagerplatz am Rande der Stadt.

Die Skype Verbindung zu Ellinor in den Büchereien ist unglaublich gut. Sie bieten den Service um mehr Besucher in ihre Häuser zu bekommen. Die örtliche Bevölkerung ist ebenfalls dankbar für dieses Angebot. Viele wollen sich den festen Betrag von 60-80$ für die RundumVersorgung nicht leisten.
Ansonsten ist Hinton eine dieser typischen Städte an den großen Highways. Vom Asphaltband zerschnitten, ein Motel nach dem anderen reiht sich am Yellowhead an das nächste. Zu Beginn eine riesige Mall , dann irgendwo Wohnsiedlungen und insgesasmt früchterlich in die Länge gezogen. Schön ist das nicht. Aber nach dem Nationalpark sehr praktisch mit Preisen auf einem endlich wieder normal vertretbareem Niveau.

Morgen geht es also los. Es sind 340km bis Grande Prairie, also ca. 5Reisetage, der einzige Ort dazwischen ist Grand Cache.
Es gibt wenig Möglichkeiten zu kommunizieren, aber viel Natur. Ich denke vor Grand Prairie werde ich mich nicht wieder melden. Bis dahin
Milepost Karte Alalska(Ausschnitt)
  

Abschied aus dem Nationalpark



Mi.,4.6.
Jasper am nächsten Morgen
Ich bin nur geblieben, um die Akkus aufzuladen, da ich das Motel sparen wollte, mußte also ein erneuter Besuch der Büchewrei sein. Jasper ist nicht weniger touristisch als Banff.
Ich schlafe draußen immer unruhiger und da es gegen 5:00h hell wurde, entschied ich mich das Lager früh zu räumen und den um 6:00h aufmachenden Horton zu besuchen, um die posts abzussenden. Damit würde genug Zeit bleiben, um gegen 08:00h wieder mal ein Sponsorenfrühstück zu probieren.
Heute ist schlecht Wetter, die Touristen bummeln durch den Ort, für trips in die Berge raffen sich die wenigsten auf. Permanent stehen irgendwelche Leute gaffend vor dem ´schwer beladenen Rad dund machen Fotos. Hi hi, ist das seltsam, ein Fahrrad mit Gepäcktaschen und noch 2 Taschen obendrauf. Adipöse Mitmenschen zücken die Kamera und machen ein Erinnerungsfoto mit dem hageren Mann daneben. Ich komm mir vor wie ein außerirdischer. Außerhalb der hochtouristischen Regionen kommt sowas nicht vor, sind halt auch deutlich weniger Touristen anzutreffen. Irgendwann nervt das und ich werde zur nächsten asiatischen Gruppe deutlich, Ja, es ist ein Fahrrad und es rollt sogar. Nix anders alas ein Fahrrad.

Jonas hatte the other pow, eine Kaffee/Bäckerei in der Mainstreet empfohlen. Leider war das irgendwie nichts mit Frühstück, aber der Kaffee und der Kuchen waren eine echte Geschmackssensation.
Wie ich also entspannt am Kaffee schlürfe spricht mich jemand auf meine Reisepläne an. Bald kommt sein Freund dazu, beides MTBfahrer im NP und den trails um Jasper und schnell kommt das Gespräch auf Hr. Cardinal, der, auch Biker, am 24. Mai glimpflich einen Grizzly-Angriff überstand. Schon wieder das Bären Thema.
Er wurde interviewt, ich habe den Artikel später in der Bücherei gelesen. Er war mit dem Rad unterwegs, als er den Bären aufschreckte, der Angriff kam völlig überraschend und in Sekundenschnelle hatte der Bär ihn schon zu Boden geschlagen. Bevor er überhaupt reagieren konnte. Das Bärenspray erwies sich als nutzlos und alles was Hr. Cardinal erinnerte, war ein Woah!woah!
Ich bin mir darüber im Klaren, das ich wenigstens 10 Sekunden brauche, bis ich den Schlafsack auf habe, beide Zelttüren auf sind und ich das Spray im Dunklen gefunden habe. Diese 10 Sekunden sind im Zweifelsfall zu lang!
Was heißt das also, es bleibt ein gewisses Restrisiko, für alle die außerhalb der vier Wände im Freien schlafen. Das gilt übrigens auch für Besucher von offiziellen Campingplätzen. Und das heißt vor allem nicht Bärenspray, wie immer propagandiert, sondern erstmal möglichst viel Abstand. Was natürlich bei biken irgendwie schnell unmöglich ist.
Auch heute ist das Essen wieder weit entfernt vom Zelt untergebracht. Aber es gibt in der Wildnis eben keine Antibärenschränke, also hängt die Tüte am Baum. Ob das aureicht bei der kletternden Begeisterung der Schwarzbären. Es  bleibt ein mulmiges Gefühl.
 
Ansonsten ist nicht viel passiert an diesem Mittwoch, als ich aus der Bücherei kam, regnete es bereits. Also alles umpacken, Regensachen raus etc. Letztlich dauerte der Regen nur 10km. Die Fahrt lief in flussabwärts nordöstlicher Richtung dem Nationalparktor entgegen. Immer wieder drohte leichter Regen, der aber nie einsetzte. Wie schon öfter gab es das Phänomen, das auf der Fahrbahn und rechts neben mir alles trocken ist und knapp 300m gegenüber der Wind graue Regenwolken in das Nebental drischt.

Es gab bei der Ausfahrt aus dem NP keine Kontrollen, die befürchtete Nachzahlungsaufforderung fand nicht statt. Nur in der Einfahrt wurde kontrolliert. Jeder.
Ziel war ein Campingplatz 15km vor Hinton.

Doch bei Ankunft entdecke ich ein Schild auf der Strasse: Full
Also doch weiter nach Hinton? Ich bin fast daran vorbei, und erhasche ein Blick von dem überfüllten Campingplatz. Nichts, gar nichts, der Platz ist leer. Nun hätte man weiter fahren können, doch der drohende Regen hatte aufgeholt und mit Eroberung des Platzes setzte der Regen ein.
Parkgate
Das feuchte Zelt vom Morgen aufgebaut und in der Schutzhütte umgezogen.
Sommer in Canada. 3°. Zwei Schritte vor und dann eine Rolle rückwärts.
Es regnet jetzt seit 4 Stunden Bindfäden. Alles steht nach wie vor in der Schutzhütte. Das Zelt ist verwaist, etwa 100m vom Netbook entfernt zu sehen. Ich sitze in der fensterlosen Hütte, es zieht durch die Löcher und ich hab alles angezogen, was Wärme verspricht.
Die Hütte ist der einzige Luxus auf dieem Campingplatz, Self Registration, 2 Plumpsklos, Wasser, geschweige denn warme Duschen sind nicht vorhanden. Ich staune immer wieder, das diese Campingplätze überhaupt existieren können. Nahezu Servicefrei, etwas für hardcore Camper.
Waschen im Fluss, kochen über echtem Holzfeuer.

Wäre ein Frau heute hier, hätte ich mich fürchterlich blamiert, zwar gibt es Holz im Übnerangebot, aber es gelang mir nicht mit den 6 Streichhölzern ein  warmes Feuer zu entfachen. Voll geloost.
Auf diesem Campingplatz gibt es keine Antibärenprogramme, keine Antibären-Lebenmittelschränke. Mitten vom Wald umgeben, allein, nur der Highway in Hörweite. 
In der dunklen Schutzhütte sehe den weißen Atem.Kommt der Bär heute?

Sollte sich das am morgigen Tag nicht ändern, verschiebt sich die Fahrt nach Norden. Dann bleibe ich in Hinton.
Und wie sooft, ich kriege noch Sommer, ganz bestimmt, ich krieg noch Wärme. ganz sicher!
Also wieder mal durchhalten.





Brummt eigentlich ein Bär?



Mi.,4.6.
Die Nacht im Freien
Oder anders gefragt, wie macht ein Bär. Deutsche Spielzeugbären brummen. Um Jasper herum sind viele trails gesperrt, Bären verseucht so zusagen. Am Servicehaus hängen viele Maßstabskarten mit rot schraffierten( gesperrte) Bereichen. 
Zusätzlich zur Eingangsfrage muß man wissen, das auf den Main Highways rechts von der weißen Begrenzungslinie in den Asphalt Kerben eingelassen sind´, alle 10cm eine große Kerbe. Ist der Randstreifen eng und es herrscht starker Wind, neigt man als Fahrradfahrer dazu, andauernd in diese Kerben zu geraten. Aber darum geht es nicht.

Die Aufmerksamkeitshilfen gegen den Sekundenschlaf machen je nach Entfernung zum Ohr des Betreffenden brummende Geräusche. Trucks mit fetten Reifen andere als kleine Pkws.
Ich liege also in meinem Zelt, habe sorgfältig die Umgebung abgesucht und schrecke hoch, da war doch ein Brummen. Hektisch umgedreht Spray gegriffen und den Zeltreißverschluß aufgerissen. Nichts. Doch nur wieder ein anders klingender Autoreifen? Oder doch ein Tier. Ich gebe zu, solche Momente fördern keinen gesunden Schlaf. Unbekannte Geräusche machen Angst. Passiert das mehrmals, liege ich wach und lausche.
So witzig das ist, es hat einen ernsten Hintergrund. Neulich vor Canmore muß ich in einer Wildbahn gelegen haben. Plötzlich höre ich ein lautes Schnauben. Ein Bär!? Nein, ein Reh stand 20m vor dem Zelt und irgendwie wollte es nicht weiter. Machte nach langem Schnauben schließlich einen Umweg.
Das ist der Deal, es gibt kein Abenteuer ohne Einsatz. Und unruhiger Schlaf ist ein verhältnismäßig geringer Einsatz
Parks Canada Informationsschrift 
Wie also macht nun ein Bär? 
Trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Jasper



Di 3.6.
Cola ist billiger als Mineralwasser
Es ist eiskalt, das Thermometer steht bei -0,8°, als ich den Rest Müsli zum Frühstück bewältige. Ich mag seit langem kein Müsli mehr, immer gibt es Müsli, wenn wir unterwegs sind, aber fast jeder glaubt, es verleiht einfach mehr Kraft, als so’n olles Brot. Ich auch.
Es dauert heute länger, bis es warm wird, hohe Tannen auf diesem Campingplatz stehen der Sonne an diesem Tag im Weg. Kurz nach 08:00h bin ich auf der Strasse. Einige Womos vom Platz überholen mich und grüßen freundlich. Wir sehen uns  in Jasper. Drive safety. Noch 77km.

Die Strasse geht flussabwärts, nach den beiden vergangenen, anstrengenden Tagen fährt sich das Rad heute fast wie von selbst. Es gibt einige längere Abfahrten, aber mehr als 58km/h kommen leider nicht dabei heraus.
Erste Station ist das Sunwapta Falls Resort. Ich mache die Augen zu, als ich die $3,35 für den lütten Kaffee auf den Tisch lege. Es wird Zeit, das ich aus dem NP verschwinde, mir geht dieses zahlen-sie-ruhig-etwas-mehr,-sie-sind-schließlich-im-NP auf die Nerven.
Aber es läuft gut an diesem letzten Tag auf dem Icefield Parkway, ich komme gut voran und könnte sogar schon um 13:00h in Jasper sein. Ganz ohne Anstieg geht es dann doch nicht, kurz hinter den Athabasca Fällen kommen 5 bissige ca.100m Anstiege, die jedesmal den Rhythmus kosten. Mit voller Fahrt hinunter und dann im ersten Gang wieder oben ankommen. Aber im Gegensatz zu gestern nicht atemlos.
14km vor Jasper setzt dann schließlich die finale Abfahrt ein und sie reicht fast bis ins Ziel, zum Glück entdecke ich 6km Jasper eine Autokolonne seitlich auf dem Standstreifen stehend. Von weitem sehe ich Leute mit riesigen Kameraobjektiven im Wagen stehend aus dem Sonnendachfenster in die Natur blickend. 
Ich weiß, was jetzt kommt und versuche bei voller Fahrt die Kamera aus der Jacke zu manövrieren.
Bär Nr.2 ist ein Grizzly, direkt am Abhang 6m von der Strasse mit Schnauze dicht über dem Erdboden schnüffelt. Er guckt gar nicht hoch, schert sich nicht im Geringsten um die vielen Zuschauer bei seiner Mahlzeit und könnte doch rasant schnell die 6m überwinden. Keiner der am Rand stehenden tut etwas für die Eigensicherung. Und der puschelige Freund Petz steht im Moment wohl mehr auf Löwenzahn, als auf Frischfleisch. Wildlife Safari, mittendrin als nur dabei.
auf geschlossenem Camping: warten auf den Sommer

Nach einer guten Serie Bilder geht die Fahrt weiter und ich entdecke auf dem Bahnhof wieder einen Personenzug. Wieder sind Hobbyfotographen da und ich bemerke, alles Quatsch, was ich neulich noch für die Realität hielt. Es ist der Canadian, der hier einen Lokwechsel erhält und er ist der einzige durchgehende Expresszug, Der Rocky Mountaineer fährt nicht bis Toronto.
Ich mache mich auf zum Bahnhof. Der Zug ist gesichert durch Maschendrahtzaun, niemand soll dem Zug unbemerkt zu Nahe kommen, vielleicht gibt es irgendwo ein besseres Foto. Im Bahnhof warten die Passagiere. Für Europäer biete sich ein merkwürdiges Schauspiel. Alle haben ihre Koffer wiegen lassen müssen, sie sind nun versiegelt und nun warten sie geduldig bis sie zum boarding aufgerufen werden.
Das Durchschnittsalter liegt geschätzt eher zwischen 65-75Jahren. Junge Leute sehe ich kaum welche. Wahrscheinlich Leute mit Herzproblemen oder Flugangst, oder beides.
Warum macht man das, wenn  man nicht gerade passionierter Eisenbahnjunkie ist? Und lässt vor allem, die überaus aufwendige Prozedur über sich ergehen. Aber wie neulich schon zu beobachten, alle nehmen ihre Sache hier sehr ernst, auch wenn sie aus europäischen Augen höchst merkwürdig erscheint.
Der drohende Platzregen lässt zur Parkverwaltung eilen, es gibt wenig neue Informationen, aber das Angebot des free wifi, allerdings ist der Server so überlastet, das bei meinen letzten Akkureserven Minuten vergehen, ohne das der Seitenaufbau gelingt.
Ich bin gereizt. Ich brauche Strom und ich lese nur …verbinden mit…
Also einpacken und zu Tim  Horton eilen, endlich wieder bezahlbarer Kaffee; der Laden ist gerammelt voll, überall sitzen vor allem junge Treckingpeople mit Laptop oder Smartphone. Es ist für mich ein Phänomen; das Essen ist nicht besonders großartig und der Kuchen überhaupt nicht mit Junge (Lübecker Cafe Kette) zu vergleichen, aber der Laden brummt. Man steht hier gern in der Schlange an nur einen Pappbecher mit etwas Fettgebackenem zu bekommen.

Der Alte Mann und der Berg


Morgenstimmung Watefowl Lakes

Mo.2.6.
No pain, no gain
An diesem Tag wird es keine Ausflüchte geben, es gilt nur den unglücklicher Weise im Weg stehenden Sunwapta Pass zu überwinden. De Sunwapta ist sogar noch etwas höher als der gestrige Bow Pass Wikipedia.org Sunwapta Pass
Es ist wie immer kalt. Der Blick auf das Thermometer zeigt weniger als 1°. Es ist 7:30h morgens, nicht im Februar, sondern im Juni 2014.

Die Saison startet jeden Sommer hier sehr spät, ich begreife allmählich warum, kann auch gut sein, das es heute noch mal schneit.
Um 08:00h jedoch kommt die Sonne über die Berge und da bin ich schon marschbereit.
Der Weg führt zunächst gemütlich flach bis abwärts, dann werden die Bilder immer großartiger und zum Finale rast das Fahrrad zum Durchbruch des Saskatchewan Rivers auf Flussniveau hinunter. Hier ist die Ausstiegsmöglichkeit nach Osten, der Highway 11 führt heraus aus dem Nationalpark, allerdings ist ungewiss, ob die Strecke danach flacher wird.
Vom Fluß geht es mühsam bergan zur einzigen Tankstelle im Nationalpark vor Jasper. 

Motel, Tankstelle, Restaurant und Souvenirladen in einem, das ist Sasketchewan River Crossing. Es ist ruhig an diesem Montagmorgen, doch die Stille trügt, während ich nach Postkarten schaue, erreichen 4 Reisebusse mit asiatischem Inhalt die Auffahrt. Es wimmelt nun voller Menschen, an einen Besuch des WCs ist nicht mehr zu denken, vor dem Kaffeeausschank bilden sich lange Schlangen. Zu spät! Der Laden ist binnen Minuten überfüllt, alles abbrechen, nur raus hier. Der Kaffee war ohnehin überteuert.
Ich fahre weiter und träume in mich hinein, als auf der anderen Seite ein Liegeradler auftaucht. Nein, das ist wirklich groß, mit dem Liegerad durch die Berge. Nein, was es alles gibt!
Die meisten Leute , die mich sehen, halten mich eh für bekloppt, mit so viel Zügs hier durch zu müssen, aber auf einem Liegrad, das ist selbst für mich unvorstellbar. 

Es ist Jonas aus Karlsruhe, der von Edmonton nach Vancouver radelt. Der Ingenieur hat seinen gesamten Jahresurlaub genommen, mehr als 4 Wo sind einfach nicht drin, sagt er lächelnd, als ich meine, 4 Wochen sind ja ein wenig knapp für die Landschaft.
Jonas aus Karlruhe
Jonas's Reiseseite 
4 Wochen im Liegerad durch Kanada. Yeah, meinen absoluten Respekt. Jonas hat einige Insider Informationen für mich was Jasper betrifft und ich werde auf jeden Fall das von ihm empfohlene Frühstück ausprobieren.
Bald nach Jonas's Abfahrt mache ich eine ungewöhnlich parkende Autoreihe am linken Strassenrand aus. Als ich näher komme, schreien mir die Leute zu, vorsicht! da ist ein Bär. 
Gemütlich tapst ein Schwarzbär durch die Wiese und die Leute hängen aus ihren Autofenstern. Also ehrlich, ein wenig größer hätte ich mir den schon vorgestellt. Im Grunde ist er auf allen vieren nicht größer als die Deutschen Doggen meiner Kollegin. Nur vielleicht etwas besser gebaut. Der Bär würdigt uns keines Blickes und ist ausschließlich mit seinem Lunch beschäftigt
Bär No.1

Icefield Parkway, Hwy93


Castle Mountain Massiv am Sonntagmorgen

So.,1.6.
Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach
Ich kann die Zahl 3,1° auf dem ostertag’schen Küchenthermometer um 4:45h ablesen und beschließe spontan liegen zu bleiben. Obwohl ich eigentlich zur Elchpirsch nach Castle Mountain kam, aber die Temperatur lässt den Geist willig erscheinen, allein das Fleisch ist schwach. Lass’ so viele Elche in Moose Meadows erscheinen, ich bleibe hier.
Rocky Mountaineer westbound
Selbst später um 07:45h ist es immer noch nicht angenehm. Ellinor spricht dann immer von den Eisheiligen, jener  mysteriösen Bande, die für kalte Witterungseinbrüche im Mai verantwortlich sein soll.
geschlossener Campingplatz

Einen Kaffee im Castle Mountain Chalets-store und ich begebe mich auf die Pirsch. 3 Tage habe ich gewartet, heute soll der Mountaineer wieder hier durchgehen. Also setze ich mich neben die Schienen und warte. Um 10:10h geht alles ganz schnell, ein kurzes Horn, das Schrankensignal und der letzte verbliebene transnationale Personenzug erscheint.-Fast Leer!

Ich mache mich auf den Weg, die Fahrt soll heute nur bis Lake Luise gehen, dem zweiten touristischen Höhepunkt im Nationalpark, Ich habe es nicht eilig.
Die erste Fehlentscheidung des Tages ist, nicht den Highway1 zu nehmen, sondern die more scenic road, Highway 1A,durch das Bow Valley.

Vom Schwerlastverkehr befreit verspricht die Strasse tolle Ausblicke und die Sicht auf Wildtiere. Was immer verschwiegen wird, die Strasse ist der Natur angepasst und schon nach 5km muss ich 3x vom Rad. Die Begeisterung für die more scenic road sinkt gewaltig.


Bei Km 27 kommen jede Menge Freizeitsportler auf ihren MTB entgegen. Herangekarrt aus Jasper wollen sie einen 25km Ausflugsritt unternehmen, dann werden sie wieder eingeladen und es geht zurück nach Norden. Fahrradfahren in Canada. Ich habe inzwischen Mühe diese Art der Fahrradfahrer in Canada ernst zu nehmen. Da sind mir doch die TransCanadafahrer und weltreisenden erheblich lieber.
Bow Valley Highway 1A
Der zweite Fehler des Tages ist ein Gesamtproblem. In Lake Luise ist nämlich eigentlich nicht der Ort den ich erwarte, sondern mehr eine Pausenstation für Tagestouristen. Zunächst übersehe ich auf der Abfahrt in den Ort das vor mir lauernde Viehgitter, ein sogenanntes Texas Gate. In Norwegen sind in den Berggebieten die Strassen durch querlaufende Stahlrohre unterbrochen. Ferrist heißen die in Norwegen; in Kanada gibt’s die also auch, ich muß das Schild übersehen haben und rase mit 45km/h über diese Viehbrücke. Fast 10cm Abstände zwischen den Stahlrohren. Zum Glück bleibt alles heil und vor allem am Rad.
In der Visitor Information des Jasper Nationalparks ist die Touristenfrau ungemein empathisch. In einem Satz zusammengefasst sagt sie, wir haben keine Saison, die beginnt erst Ende Juni und der einzige geöffnete Campingplatz befindet sich 138km von hier. Ach und Verpflegung auf der 230km langen Strecke bis Jasper ist besser hier zu kaufen.