tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Freitag, 17. Oktober 2014

Fortuna

Do., 16.10.
Fortuna dankt seinen Kriegern, Strassenplakat
Das Haus am Ende des Weges
Frühstück um 08:00h, trotz der frühen Zeit bestand Iris darauf, ein kräftiges Frühstück mit Eier und Schinken selbst zu zubereiten, für eine Fahrradtour bräuchte man schließlich ein ordentliches Frühstück. Auch Gordon ist schon in Radkleidung anwesend, er nimmt sich heute die Zeit mich aus dem Ort zu begleiten, sagt er und er versuche jeden Tag auf dem Rad zu sitzen.
Nun also, der Senior hat sein Liegerad schon vor der Garage geparkt, als ich den Trecker unter dem Vordach herausmanövriert habe.

Und dann darf ich doch noch kurz einen Blick in sein Heiligtum werfen.
Es ist ein Leben, was ich nicht kenne; als freier Schriftsteller führt er ein ganz anderes Leben als, der oft bemühte Durchschnitt, sagt aber auch, er muß für jeden cent selbst etwas tun. In seinem Office sind große Computer für graphische Anwendungen zu sehen, die neueste Auflage seines letzten Massagebuches liegt stapelweise auf dem Tisch. Ich halte ein großformatiges Paperback über Massagen zu zweit in deutsch in der Hand.
Amazon.de Werbung

Nein Gordon, ich kann es nicht transportieren, solltest Du nächstes Jahr nach Deutschland kommen, dann bringe es bitte mit. So bekomme ich ein 5x7cm großes Minibuch in deutscher Sprache mit persönlicher Widmung geschenkt und nehme mir vor bei nächster Gelegenheit im Amazonas nach ihm zu suchen.

Zwei Fragen brennen mir auf der Zunge und ich kann nicht anders, ich muß das noch loswerden,      1. lieber Gordon, kann man wirklich von diesen Büchern  leben? Anscheinend ja und gar nicht mal schlecht. Und dann die Frage, ob in einem Land, das mit dem Vorurteil ein wenig prüde zu sein leben muß und indem man mit Badehose in die Sauna geht, ob dieses Land also Deine Bücher nicht ein wenig in Richtiung Softpornographie betrachtet? Aber Gordon wehrt entrüstet ab, nein, es gebe überhaupt keine Probleme.
auf dem zum Meer
Dann geht es los und Gordon rollt auf seienm Liegerad davon. Ich folge in größerem Abstand. Wieder habe ich Mühe dem Senior zu folgen. Wir fahren hinaus in Richtung Meer, die erste Station ist das ehemalige Samoa Cookhouse, die Kantine der Logger um die vorherigte Jahrhundertwende. Samoa, der kleine Ort westlich von Eureka direkt hinter den Dünen ist eine Company Siedlung, also eine Werkssiedlung, gleich den Krupp'schen Siedlungen in Essen. 
Samoa Cookhouse

Und im Speisehaus wurden die Arbeiter verpflegt, bevor es in den Forst ging,
auch heute noch ist das Cookhouse ein Ausflugslokal und es gibt das von mir so geliebte Truckerfrühstück.

Natürlich kein Vergleich zu dem was Iris heute morgen zauberte.

Ein kleines Museum ist dem Speiseraum angeschlossen in dem die Geschichte der Loggingindustrie rund um Eureka dokumentiert ist.

Dann geht's es weiter mit einem kleinen Umweg über den kommunalen Fischereihafen auf der WoodleyInsel nach Eureka.

Vor dem ehemaligen Haus eines der goßen Holzbarone ist es Zeit sich zu verabschieden. Wir werden uns wiedersehen und Du bist immer gerne herzlich mit Ellinor eingeladen sagt er zu Schluß und ich ahne doch gleich, es wird wohl nicht passieren.
Bilder aus der großen Zeit Samoa's
Wie so oft in diesem Jahr bleibt es bei den gegenseitigen Versprechen und auch wenn wir am gestrigen Abend lange über die Oder-Neiße Tour gesprochen haben, es bleibt eben nur eine Begegnung auf Zeit. Aber die war sehr schön.
Ich spüre der Wärme nach, die ich als fremder Gast in seinem Haus genoß. Dann umschließt mich die Freiheit und das alleinsein erneut.
im Fischeriehafen von Eureka
Ich nehme das Rad und mache mich auf den Weg. Grocery Outlet, einige Lebensmittel zum Sonderpreis, obwohl ich nicht weiß, was am Abend passiert. Dann ein wenig Zeit für einen großen Fohmarktladen, zum Schluß einen Kaffee bei Chevron auf dem Bordstein am Stadtausgang.
Caution extra high cofffienated. Harter Stoff also. Gab's in Canada nicht. Muß hier aus rechtlichen Gründen mit einer extra Warnung versehen werden. Wegen Herz und so. Extra bohnig. Genau das richtige vor dem Start, doch der Tankwart winkt müde ab, 12Meilen nur, Klasse! und die Unterkunft ist schon gesichert. Das Zeug braucht an diesem Tag wirklich 'ne Warnung, ich habe das Gefühl es brennt sich gerade ein Loch ins Mediastinum.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Arcata,Tag 2

Mi., 15.10.
Football mit Gordon
Sorry,
Irgendwie ist der Beitrag verschwunden muß ich mit Entsetzen feststellen, wird demnächst nocheinmal einfügt.

Arcata

Mi.,15.10.
Arcata Marsh
Die englische Übersetzung des deutschen Wortes Waschbär ist nicht etwa washbear, sondern racoon.

Basia war ob der möglichen, nächtlichen Besuche von Schwarzbären, so in Sorge, das sie unsere Lebensmittel in den Lebensmittelschrank brachte. Leider übersah sie die Motelkaffeefiltertüte auf dem Tisch. Kurz nach Mitternacht ging es dann los.

Laute Geräusche auf dem Tisch, an den Satteltaschen, etc., raus aus dem Zelt, niemand zu sehen. Mehrfach in der Nacht aufgeschreckt und die Umgebung abgeleuchtet, immer ohne den Übeltäter zu entdecken. Hab' ich Halluzinationen?
Washbear
Am nächsten Morgen entdecke ich dann die Spuren auf der Satteltasche und auf dem Tisch. Hmm, war doch wer des nachts zu Besuch? Und dann kommt so mir nichts, dir nichts, ein Waschbär aus dem Gebüsch, ahh, also Du warst das! Kaum größer als mein Kater, der erste Washbear, pardon racoon, den ich live erlebe.

Wir starten im amerik.poln.deutschen Verband zu fünft. Auch eine neue Erfahrung mit mehreren Leuten zusammen zufahren. Bis Arcata werden wir gemeinsam fahren, dann werden alle wieder ihre eigenen Wege gehen.
Barbara' Video von dem Tag
[eingestellt bei youtube, thank you Basia]
Nach 5km kurz vor Trinidad, benannt nach dem dem Ort, an dem die spanischen Erforscher um Juan Francisco de la Bodega als erste Europäer im 18. Jh an Land gingen und dem Landstrich den Namen gaben, liegt ein großer Felsen im Meer auf dem eine Kolonie Seehunde ruhen. Ihre nächtlichen Rufe waren noch auf dem Campground zu hören.
Seelöwen Kolonie, man fragt siech wie die schweren Tiere den Felsen hochkommen

In Arcata trenne ich mich als erster von der Gruppe, McDonalds am Ortseingang lockt mit seinem wifi Angebot, aber ich habe hier eine Warmshower organisiert, die meisten in der Gruppe wollen weiter nach Eureka.
Ich irre ein wenig durch den Ort, unerklärlicherweise verpasse ich das große M und stehe im sonstwo. An der nächsten Tankstelle weist man mich 5km zurück aus der Richtung, aus der ich gerade kam.
Source: cuttenrealty.com

Also dann lieber in den Ort. Arcata ist mit seinen 15000 Einwohnern Universitätsstadt, knapp die Hälfte der Einwohner sind Studenten. Da man cleverer Weise den 101er um die Stadt herumgelegt hat, gibt es einen intakten Ortskern mit viereckigem Park in der Mitte des Ortes. Es wirkt geradezu europäisch, viele kleine Geschäfte säumen den Platz. Die großen Ketten wie BurgerKing&Co haben im Ort ein Ansiedlungsverbot.

Ich muß mich zu einem Kaffeestore durchfragen und treffe auf Patrick, der das Rad bewundert. Wieder antworte ich, es ist nicht spektakulär, sieht nur schwer aus, 65kg, nicht mehr und Patrick warnt mich vor dem Verkehr auf dem Highway. Ja, aber ich bin ohne Angst, nur gestern Abend hätte ich ein Kreuz gesehen.
Patrick aus Arcata
Und Patrick kennt das Kreuz, er kannte auch John Mello, jeder hier in der Umgebung kannte John Mello. Er soll ein äußerst liebenswerter Kerl gewesen sein, bis zu jenen tragischen Tag, als er von hinten ausgerechnet durch einen jungen, drogenbeeinflußten Anstellten der Parkverwaltung über den Haufen gefahren worden ist. 
Chris und Stephen im Jitter Bean
Patrick kann plötzlich nicht mehr weitersprechen, man spürt, es geht ihm sichtlich nahe. John's Bruder betreibt im Ort eine Autowerkstatt. Weißt Du, wir sind eine kleine Gemeinde, jeder kennt hier jeden. Die Erinnerung an John's Tod scheint noch zu frisch.
Arcata Plaza

Wir wechseln das Thema und ich begleite Patrick zu Fuß zur Bank, Patrick will auch einen Kaffee im Jitter Bean und bevor ich das Rad abgestellt habe, hat er bereits meinen Kaffee bezahlt, als ich den kleinen Store betrete, spricht er mit Constance und sie sagt, komm' such' Dir einen Kuchen aus, Patrick hat Deinen Kaffee bezahlt, ich bezahle Deinen Kuchen. Ich bin sprachlos.
ältestes Kino der USA

Kaum sind die beiden weg, treffe ich Chris wieder, den ich in St.Pauls kennengelernt hatte und der eigentlich auf dem Weg nach Patagonien ist. Leider vergaß sein Mechaniker in England die Endmuttern seiner Rohloff Nabe festzuziehen. Nun hat sich ein gewissen Spiel ergeben und die Nabe ist hinüber. Er wird warten bis Ersatzteile eingetroffen sind, aber die Schrauber in Arcata zeigten sich ihm gegenüber zuversichtlich.
Gordon
 
Während wir im Cafe sitzen, beobachten wir die homeless people im Park gegenüber, die gerade Besuch von der Polizei haben. Irgendwann erscheint auch Stephan, den ich einige Tage vorher kurz vor Bandon kennengelernt habe.
Hotel Arcata, erstes Haus am Platze

Obwohl ich erst kurz in der Stadt bin, sind eine un über sehbar große Zahl home less people zu sehen. Ohne Zweifel, je weiter ich nach Süden komme, desto mehr nimmt ihre Zahl zu. Die letzte große Comunnity traf ich in Olympia.

Foto aus den 1920er Jahren
Ich habe eine Verabredung mit Gordon an diesem Tag, nachdem ich seinen warmshowers acount gelesen hatte, stieß ich auf zwei merkwürdige Zeilen, die Jahreszahlen waren unlogisch, etwas stimmte nicht. Und siehe da, Gordon hatte vor 2 Jahren seinen Status auf vorrübergehend unerreichbar gestellt und danach schlichtweg vergessen. So bin ich der erste Radler seit zwei Jahren. Mich hatte es gereizt einen Senior auf einem Liegerad zu besuchen.

little library in Arcata mit Iris , Source:arcataeye.com
Gordon's Anwesen liegt ein wenig südlich von Arcata abseits des Highways, er nennt es amerikanische Mittelklasse, es stehen mehrere Häuser auf dem weitläufigen Grundstück, und es gibt eine  komplette ebenerdige Gästewohnung. Im riesigen Wohnzimmer hat man einen unverbauten Blick über die Bucht von Arcata. Verglichen mit den Häusern meiner Freunde ist das höfliches Understatement.

Besonders nett, an der Grundstücksauffahrt befindet sich eine litte library, zur freien Bedienung, bring a book-take a book, ganz so wie in meinem Kiez in Lübeck.

Patrick's Point Hiker&Biker Place

Wie sie sehen, sehen sie nichts, Blick auf den Pazifik im Morgenneben
Mo.,13.10.
Redwoods satt
Der Tag startet früh in St.Pauls. Die Deutschen sind bereits um 6:30h in der Küche und bereiten ihr Müsli undwasweißichnochalles vor. Noch nicht mal 07:00h und schon in die Gänge. Ich quäle mich mühsam hoch, die präfinale Isomatte darf nicht zu doll aufgeblasen werden, sonst füllt sich das immer größer werdende Aneurysma zu stark. Ich habe mir ein wenig bekloppst in den Kopf gesetzt jetzt nicht mehr in eine neue Matratze zu investieren, sondern die Alte bis LA zu benutzen und dann vor Abfahrt zu entsorgen.

Um 08:30h kommt Bewegung in die Garage. Sue&Ron packen bereits, die Berliner sind ebenfalls draußen und das Itzehoeer Tandem ist das erste Fahrzeug, das St. Pauls verläßt. 
Mit vielen guten Wünschen, dem obligatorischen Emailaustausch starte ich um 09:00h bei besten Wetter nach Süden. Das heutige Ziel steht noch nicht fest.
Nach 5km kommt der von vielen mit bangen Kommentaren erwartete Berg. Gute 7km Anstieg, Robert wird hinterher einen zeitweiligen Ansttieg von 11% ermitteln, dann rauschen wir hinunter nach Klamath.
Ron aus New York State

Unterwegs stoße ich auf Basia, die als Architektin in einem renomierten Büro in Seattle arbeitet und auf dem Weg nach San Francisco ist. Auch sie hat eine Biographie, die für drei Leben reicht, mit 18Jahren aus der Gegend um Krakow nach England mit wenig Geld und noch weniger Englischkenntnissen, dann in Edinburgh studiert und nun in Seattle zu Hause. Während wir uns unterhalten kommt das Itzehoer Tandem von hinten angerauscht. 

Basia verlässt uns und wir beschließen eine Zeit zusammen zu fahren. Der nächste Gast, den ich unterwegs treffe ist Brad aus Australien, der ebenfalls auf dem Weg nach Argentinien ist.
Kurz nach Crescent City im Anstieg durch den Morgennebel
Nach Katie's Empfehlung verlassen wir hinter Klamath den 101er und folgen einem regional Highway direkt in den Redwood Nationalpark, eine letzte anständige Steigung und der Weg führt ohne weitere Steigungen zu Tal. Quer durch den Redwood Forrest.
auf dem Weg zum Gipfel
Was sich gestern schonm Jedediah Park andeutete, setzt sich heute fort. Baumriesen, manche mehr als 100m hoch, so eindruckvoll, das man es kaum beschreiben kann. Und an diesem Tag herrscht kaum Autoverkehr. Immer wieder stoßen wir auf Radfahrer, die das schöne Wetter ausnutzen, so auch Gordon, 71Jahre alt, der eine Tagestour unternimmt und mir eine Viertelstunde lang vieles über den Wald erzählt.
das Tandem auf dem Weg nach Süden
Gordon, 71, Waldforscher
Er spricht über die CO2 Speicherkapazität und die rücksichtslose Abholzung in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Man unterscheidet zwischen oldgrowth und younggrowth, und old.. meint in diesem Fall 1000-2000Jahre als. 

Vor hundert Jahren war der Bestand der oldgrowth deutlich größer. Heute sind nurmehr 3% des ehemaligen Bestandes erhalten. Vieles ist während des Wiederaufbau San Francisco's nach 1906 ohne Rücksicht gefällt worden, gerade verschwenderisch sei man mit dem wertvollen Holz umgegangen. Es sei ein nie wieder zu ersetzender Schaden entstanden.

Einige Km weiter kommt das Hinweisschild Big tree, rechts. Als ob die Bäume nun nicht groß genug sind, stehen wir, inzwischen wieder vereint vor einem unglaublichen Exemplar der Redwoods. Auch dieser Baum stand einst zur Disposition und nur eine große Bürgerinitiative hat ihn gerettet. Mehr als 100 steil aufsteigend und mit einem Umfang von 20m ist der Anblick atemberaubend.
Humboldt County Source :cuttenrealty.com
Ich verabschiede mich einstweilen, weil ich einen Kaffee will und fahre nach Orick vor. Treffpunkt an diesem Tag sind die Lagoon genannten kleinen Innenseen im Humboldt County. 

Montag, 13. Oktober 2014

Crescent City-St. Paul

Die Tankstelle für wahre Patrioten
So., 12.10.
Das Radler Lagezentrum
Wieder war die Nacht vollkommen ruhig. Man mag über das Motel denken was man will, aber ich bin unerwartet angenehm überrascht. Und der Boß läßt es sich zum Abschied nicht nehmen, unterbricht sein zimmermachen, eilt auf mich zu und verabschiedet mich mit Handschlag.
St. Paul in der Mackenstrasse

Doch ich hab' wenig Zeit, der Gottesdienst der Episcopalgemeinde beginnt bald. Ich muß in den Norden der Stadt. Das Gotteshaus liegt in einem unscheinbaren Wohnviertel, die Lutheraner sind einen Block entfernt, auch nicht weniger unauffällig. Im großen Gemeindemehrzweckraum sitzen 9 Biker beim Frühstück. Alles muß danach zusammengeräumt werden, nach dem Gottesdienst ist hier Kirchenkaffee. Episkopalkirche

Neun Biker! Katie heißt die Frau, die die Sache hier leitet. Wir haben doch so einen großen Raum, warum sollten wir den nicht nutzen? An den Raum angeschlossen sind zwei Bäder und eine volleingerichtete Küche mit riesigem Herd.
Es ist wenig Zeit für eine Unterhaltung, Katie sorgt für den Gesang im Gottesdienst, aber Father David erscheint und er Zeit für einen kurzen Smalltalk.
Katie

Die Liturgie der Episcopalgemeinde unterscheidet sich deutlich von der United Church of Canada. Vieles bleibt mir unklar. Es gibt auch ein Abendmahl und alle Gemeindglieder werden aufgefordert nach vorne zu kommen und jeder bekommt den persönlichen Segen des Herrn, wer nicht zu Speis und Trank aufgelegt, soll sich sichtbar ddie Hände vor der Brust verschränken empfiehlt Father David.

Dann ein persönliches, intimes Gebet. Da nicht viele Gemeindeglieder vorhanden und die Biker eine beträchtliche Größe an diesem Morgen darstellen, hat jeder die Chance, darf mit seinen Sorgen in die Mitte der Kirche kommen und Father David legt ihm mit anderen Gemeindemitglieder die Hand auf die Schulter. Es erinnert ein wenig an das vielstimmige Beten in einer Pfingstgemeinden. Auch für Daniel ist Zeit an diesem Sonntagmorgen, jener Biker der von einem Pickupfahrer in Brookings mit samt seinem Anhänger über den Haufen gerollt worden ist. Zum Schluß des Gottesdienst wieder Beethoven Ode of joy aus der 9.Synphonie.

Nach dem Gottesdienst und Kirchenkaffee nimmt sich Katie etwas Zeit und weiht mich in die Regeln der RadlerHerberge ein. Und sie empfiehlt einen Besuch des Jedediah Redwood State Parks, gleich am Ausgang des Ortes. Eine super Attraktion, umsonst und draußen. Und ein absolutes Muß. 1000Jahre alte Bäume verspricht sie.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Crescent City-Rückflug organisieren

Driving dog
Sa.,11.10.
Warmshowers St.Paul
Zunächst verschlafe ich wieder in den Tag und wache erst um 08:00h auf.
Es war unerwarteter Weise sehr ruhig sehr ruhig. Zwar gab es ab Abend ein auf-und abfahren der Oldtimer auf dem Highway und es verirrte sich auch jemand in meinen Raum, aber der Rest der Nacht blieb ereignislos.

Es gibt Kaffee im Office und der Boß hat Donuts besorgt. Eine nette Geste, aber der Kaffee schmeckt nicht.
Ich drücke ihm erneut 40$ ohne Quittung in die Hand; so richtig weiter mit meiner Rückreise bin ich noch nicht gekommen.

In der Zentrale in Lübeck hat Ellinor aufregende Minuten während meiner Nacht gehabt und mit der Serviceline von AirNewZealand gesprochen. Obwohl im Kleingedruckten eindeutig verneint, hat Ellinor es irgendwie hinbekommen, doch einen Platz in einer ausverkauften Maschine der Kiwi Airline nach London unter Teilanrechnung meiner bereits bezahlten Beträge zu ergattern. So hält sich der Verlust in Grenzen. Und Air NewZealand fliegt ziemlich schnell. Vergleichbare Anbieter zu diesem Preis brauchen gut 12 Stunden länger. Allerdings auf dem Weg nach Hmaburg noch einmal umsteigen in London. Mit einem blauen Auge davon gekommen. So scheint es.

Denn ich spüre dieses unangenehme Gefühl, diese Vorahnung, die einen beschleicht, wenn man spürt, es läuft was aus dem Ruder, schaue noch einmal ganz genau auf das Visa, entdecke das Furchtbare und spüre, wie das Herz kurzfristig stehen zu bleiben droht. Verdammt. Es gibt ein Problem

Die Immi Offizierin hat mir einen Tag geklaut. Für mich waren die 90Tage immer am 22. 12. endend, nun entdecke ich eine 21. Nochmal nachgezählt. Ich komme nach dem WaiserVisaProgramm auf den 22.12.
Es hilft nichts, im Pass steht was anderes. Ellinors Bemühungen waren umsonst. Böser Fehler, hätte ich bloß jemals zuvor das Visum angeguckt.

Ich brauche eine Pause und gehe an Wasser. Die Küste liegt noch im Nebel und scheint bereits die Sonne. Im Hafen ist es ziemlich ruhig. An diesem Samstag wird nicht gearbeitet.
Ellinor muß erst nach Hause kommen, um die Sache in Ruhe zu bewerten. 
Mir ist es egal, ich bin frustriert und lasse es auf 24h illegalen Aufenthalt in den USA ankommen. Sollen sie doch. 1day overstay heißt sowas. Passiert alle naselang irgendwelchen Träumern und Schusselbirnen. Und wird dann in der Regel mit einem Wiedereinreiseverbot gebüßt. für längere Zeit!
Will ich das? Will ich bald wiederkommen? Was aber, wenn sie die Faxen satt haben und eine Geldbuße anordnen?

Ellinor sieht das anders und in einer hochangespannten Phase telefoniert sie erneut mit Neuseeland.
Nach 15 Minuten ist die Kuh vom Eis. Einer neuer Heimflugtermin ist jetzt fix. Nun ist Zeit sich über den Anschlußflug aus Heathrow nach Hamburg Gedanken zu machen. Die erste Hürde ist genommen. Commin' home

Samstag, 11. Oktober 2014

Crescent City

Tempo reduzieren, Fritten voraus
Fr.,10.10.
Leaving Oregon
Weiterhin keine Wetterbesserung. Obwohl noch im Kleingedruckten des Motels vermerkt, findet kein Frühstück mehr statt. Der Wirt sagte gestern schon so verschwommen, Coffee and...Ich hatte das als sprachbarrieres Problem gewertet. Aber das Genuschel hieß wohl nur(!)Kaffee. Und der ist so derartig ungenießbar, das es bei einem Pappbecher belasse.

Los gehts um 09:00h, von allen Tagesetappen an der Oregon coast ist heutige Strecke mit Abstand die Anspruchsvollste. Gleich hinter dem Ort windet sich der Highway wie erwartet hinauf in den 9° feuchten Nebel.
Es ist auch heute keine wirkliche Herausforderung, verglichen mit Alberta und BC; aber es ist unangenehm kühl. Drei Anstiege der ersten Kategorie sind heute zu fahren. Von weiteren Radfahrern ist heute nichts mehr zu sehen. Oben endlich angekommen ist die Sicht auf 50m gefallen, Nebelbänke kommen mir entgegen. Ich überlege, ob ich die einzige erhaltene Lichtquelle, meinen chinesischen Flasher, für hinten, aus den Taschen wühlen soll. Die Loggingtrucks fahren in hohem Tempo an mir zu sehen, ich kann nicht einschätzen, wie weit die Fahrer in den Kurven Sicht haben.
Abfahrt vom ersten Gipfel

Es wird so weitergehen die nächsten 40km bis nach Brookings. Rauf und runter, Erinnerungen an Canada werden wach. Irgendwann fängt es an zu nerven. Kurz vor Brookings, dem letzten Ort in Oregon auf dem Weg nach Süden, dann auch noch eine Baustelle. Prepare to stop, gleich 3 riesige Schilder auf dem Radweg. Und wieder Flagger. Allein 6 Flagger werden an dieser Baustelle aufgeboten. Ich arbeite mich an der langen Schlange nach vorne durch, dort steht Leslie.

Was ist hier los?, natürlich muß ich warten, bis der letzte an mir vorbeigefahren ist. Leslie erzählt währenddessen, sie bauen einen neuen Radweg für mehrere Millionen hier an dieser Stelle, was?, Das ist doch eine Superstrecke.
Ja, aber man will vor Brookings die Radler separat auf einem Radweg in die Stadt leiten. Leslie ist meiner Meinung und sagt im selben Moment, ist mir egal, Hauptsache, ich hab einen Job. Und so wie der Baufortschritt voran geschritten ist, hat sie den Job auch noch weitere Monate.

In Brookings einen Kaffee an der Tanke und dann zu Fred Meyer. Marschverpflegung. Die 47km bis zur ersten Pause haben bös' Kraft gekostet. Die Abfahrten durch den kalten Nebel haben den Deltamuskel über der rechten Schulter sofort wieder zugezogen. Es schmerzt auf Dauer den Lenker halten zu müssen.
Anstieg zum Cape Sebastian

Nach Brookings ändert plötzlich sich das gesamte Bild. Der Himmel reißt auf, die Berge verschwinden. Die Sonne erscheint kurz und die Fahrt geschieht nun durch eine agrargeprägte Region. Da stellt sich doch gleich ein euphorisches Fahrgefühl ein. Der Trecker beschleunigt und wir fliegen Crescent City entgegen.