tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Samstag, 24. Mai 2014

Manchmal scheitert es an Kleinigkeiten

Morgenstimmung über dem Oldman River


Fr.,23.5.
Auf dem Weg zum Crowsnest Pass
Es ist noch sehr früh um 5:00h, als ich aufwache, ich will heute schnell sein; Ellinor erreichen, bevor sie sich noch mal vor der Nachtwache hinlegt.
Also schneller Zeltabbau, den Trecker den Schotterweg hochschieben und ein kurzer Lift nach Pincher Creek. Tim Horton aufsuchen, einloggen, skypen.
Aber die Beine sind schwer an diesem Morgen, der gestrige Tag wohl doch zu fordernd und das rechte Knie schmerzt mehr, als ich mir eingestehen will. Immerhin nicht geschwollen.
Schwere Beine, alles psychisch. Nun quäl Dich mal ein wenig für Ellinor. Es fällt jedoch schwer und ich bin heilfroh die Kaffeestube zu erreichen. 
Sitze also mit Rechner und dann ist der Akku nach 10min fast leer. Herrjeh, gestern Abend stand da noch 1h. Hektische Blicke nach einer Steckdose, aber in diesem Laden gibt's nur die hölzerne Wandverkleidung. Dann ist der Rechner schwarz.
Nach kurzem Gespäch und Einkauf kann zum Crowsnest Pass durchgestartet werden. Gute 1450m über Meeresniveau, das ist für den schwerbeladenen Trecker schon ein Wort, auf der anderen Seite, wenn nicht diesen Pass, dann kann ich gleich zur Küste fahren.

So leicht sich das sagen läßt, so schwer bleibt die Umsetzung. Schon nach 10km muß ich das erste Mal vom Rad.

Die Landschaft ist immer wieder durch tiefe Canyons durchschnitten. Da ist beim besten Willen kein hochtrampeln, da hilft nur absteigen und schieben. 
Lundbreck Hotel

Nach 20km Lundbreck, danach beginnt die Crowsnest Gemeinde, in der mehere Orte zusammengefasst sind. Allesamt haben eine lange Bergwerkstradition; im ausgehenden 19.Jh. Steinkohle hat man hier abgebaut. 
Ich habe für mich beschlossen über den Pass zu wollen, um dann in der Nähe ein Motel zu finden. Keine zweite Gewalttour, wie am gestrigen Tag. 

Ich brauche dringend Netzstrom, auch der Fotoapparat benötigt seit gestern das Reserve Akku.
Und wieder mal eine warme Dusche.
Es ist ein schwerer Tag. Der Wind ist nicht besser geworden, erbarmungslos fegt er mich vom Seitenstreifen, ich habe Mühe, das Rad gerade zu halten.
Meine Unlust steigert sich von Tag zu Tag, irgendwann muß jede Serie reissen, irgendwann muß es auch für mich Rückenwind geben.

Später werde ich ein Biker treffen, der behaupten wird, bist Du erst in BC, hört das schlagartig auf mit dem Wind. Allein, mir fehlt seit Tagen die Hoffnung.

Dafür ist die Vorgebirgslandschaft unsagbar schön zu beobachten. Ein warmer Wind bläst mir entgegen. Ich habe seit gestern aufgerüstet. Sonnenschutzfaktor 60, Typ Baby. Trotz reichlichem Verbrauch hatte ich gestern eine nicht zu übersehende Blasenbildung auf dem der Sonne zugwandtem linken Oberarm. Bei dem Sturm ist der Sonnenbrand eben erst spät zu spüren.

Ich will vorbereitet sein und entsinne mich meines seit längerem verstauten Garmin. Wofür ein Garmin hier in der Prärie, geht ja nur gerade aus, war vor Tagen mein Credo und dann haut's mich schier vom Rad: das Garmin verzeichnet 1265m über Meereshöhe. Ein unglaubliche Zahl. Ungläubig starte ich das Ding neu und tatsächlich, ich bin inzwischen über 1200m. Die Chancen steigen, den Pass zu überwinden.

Dann erscheint das Ortsschild Crowsnest Pass und die Enttäuschung ist groß. Es wird keine Serpentinen geben, keine Passhöhe, sowie ich das aus der Schweiz kenne. Die ganze Region benutzt diesen Namen als Samtgemeinde. Am Ende der Gemeindestrasse bin ich in BC. Aber noch sind es 18km. Ich komme nach Bellevue, dem ersten Ort. Von nun an geht es ineinander über. Der Highway ist umsäumt von hohen schneebedeckten Bergen. Jeder dieser Orte hat seine eigene Geschichte und die hängt stark mit mit dem Kohleabbau zusammen.

Die Rockies tauchen auf



Do., 22.5.
Der Tag der Becker-Faust
Der Tag ist heute zweigeteilt und wie so oft gibt es keine zwei Schokoladenseiten. Aber zunächst beginnt der Tag nach Maß.
Gegen 07:00h ist es schon so warm, das es Zeit wird, das Zelt zu verlassen. Zurück auf den Crowsnest Highway. Was gestern schon zu sehen war, heute muß es bewältigt werden, die Ausfahrt bergan aus dem Oldman Talkessel.
Eine Wand taucht vor mir auf. Direkt hinter dem Edelcampingplatz, den ich für canadische Verhältnisse zu nachtschlafender Zeit begutachten kann. Lauter Riesen Caravans, Mutanten Treff. Wer schon einen Pickup besitzt, dem wird ein Andock Anhängerwohnmobil offeriert. Auch bezechnet als fifth wheel, das fünfte Rad, ich würde eher sagen, rocks on the leg, den Klotz am Bein. mindestens 7m lang und ausfahrbare Seitenteile. Zelter sind keine zu sehen.
21min im ersten Gang bei nicht mehr als 8km/h, handgestoppt. Dann ist die Bergankunft erreicht. Der Schweiß läuft in Strömen, keine halbe Stunde nach Abfahrt. Und da geht sie raus, die Becker-Faust, yeah, das erste Mal seit Ontario. Diese Wand ist besiegt. Was für ein Tagesbeginn.
In Coalshurst gibt’s an der Esso den ersten Kaffee, 5km nach Überwindung der Oldman Schlucht und für eine Sekunde abgelenkt, übersehe ich eine Schwelle, kann das Rad nicht halten und es gibt den ersten Sturz in Kanada. Das rechte Knie blutig aufgeschlagen, einige Schürfwunden, tanze ich ein wenig vor der Zapfsäule, oohhh, wie ein Idiot. Gestern noch im Feierabendverkehr vor den Lastern balanciert und heute zu doof sein Rad bei Esso zu abzustellen. Humpelnd am Tankwart vorbei in den Essoeigenen Washroom, um die blutigen Knie vom Strassenstaub zu befreien. Danach einen Kaffee.
Kurz danach geht es dann los. Ein Blick nach links und ich trau' meinen Augen nicht, da sind sie. Es herrscht großartiger Fön an diesem Tag mit großen Fernweiten und man sieht deutlich die schneebedeckten Gipfel der Rockies, gut 120km entfernt. Was für ein Anblick. That’s why I’am here. Zumindest teilweise. Ist das geil.  Die Sonne strahlt, der Wind hat Pause und die gesamte linke Flanke wird von den Rockies begrenzt. Soweit das Auge sich auch dreht. Mir fehlen die Worte. Zu diesen Bilder fällt mir nichts ein.  Es rührt mich an. Du fährst in der schönsten Landschaft, auf einem fantastischen Radweg, es ist wunderbar kuschelig und kriegst ein Panorama gratis, das ist Porno. 
Es sind 42km bis Fort Mc.Leod einem frühen Aussenposten in der Besiedlung Kanadas durch den weissen Mann und seinem Drang nach Westen. Die Hälfte der Tagesstrecke, allerdings, wenn das Wetter so bleibt ist auch mehr drin.
Im Ort gibt es das erhaltene Orignalfort,allerdings eine Spur zu gut erhalten und eine durchaus nett wirkende Innenstadt.
In Ft.McLeod gibt auch Tim Horton sich die Ehre und ich schaue permanent auf die Uhr, Ellinor hat Nachtdienst, mit ein wenig Glück, erreiche ich sie vor Abfahrt noch. Manchmal ist die Zeitverschiebung echt störend. Während es hier zu Mittag geht, verlässt Ellinor in Lübeck das Haus zum Dienst.

Ich versuche Tempo zu machen, die Zeit wird eng, ich sehe das Ortsschild und dann passiert wieder nichts. Wieder Leere, Kilometer um Kilometer Brache, Industriegebäude, los, Tim zeig Dich endlich! Die Zeit verrinnt, endlich taucht das markante ockerfarbende Gebäude mit dem typischen roten Schriftzug auf, ich bin fast da und dann spielt mir meine geliebte Eisenbahn einen Streich. Ortsdurchfahrt westbound, genau 100m vor dem Kaffee, die Lampen blinken, ich könnte durchbrechen, aber ich halte mich an die Regeln. es dauert.
Ich komme zu spät.

Während ich die Posts absende und schnell die mails durchgehe, verändert sich unbemerkt das Wetter, ein gewaltiger Wind kommt auf. Als ich nach einer Stunde die Kaffeestube wieder verlasse, ist nichts mehr so wie es war. Starke Westwinde liegen mir jetzt auf der Brust, mehr als 10km/h sind nicht mehr drin. Das kann doch nicht war sein! Ich habe auf der baumlosen Hochebene nicht die Spur einer Chance dem Wind zu entgehen. Wieso muss das so sein. Wie so oft droht mein Tagesziel ein Opfer der Widrigkeiten zu werden. Warum kann dieser Wind nicht wenigsten kurzfristig mal nachlassen.
In der ersten Stunde bin 9km von McLeod weiter gekommen, noch 39km bis Pincher Creek. Was sind schon 39km. Und ich brauche nur das Rad umzudrehen, um ein Foto nach zu holen, und es rollt von allein. 
Ab es soll nicht sein. Die Natur ist an diesem Tag wieder gegen mich. Ein ostwärts fahrender Fahrer kommt mir entgegen, schnell, ohne sich anzustrengen, während ich verbissen um jede 100m kämpfen muss. Jeder Km eine Ewigkeit.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Wieder im Wind

Shaymin(?) auf seiner Nordamerika Tour


Mi.,21.5.
Der zweite Tag in den Badlands.
Es ist schon um 08:00h kuschelig warm, jedoch erheblich frontwindiger, so das die kurze  Strecke sich hinzieht; mehr als 14km/h sind einfach nicht drin.
Da der Schrotthändler erwartungsgemäß nicht mit einem Becher Kaffee erscheint, müssen diese 15km bis zum heißen Schwarzen zunächst abgespult werden.

Auf dem Weg nach Taber kommt mir Shaymin entgegen, koreanischer Abstammung ist er in Victoria gestartet und nun auf dem Weg in die Gegenrichtung, Direction Toronto, später will er nach New York und er macht einen großen Handkreis, durch die USA zurück nach Victoria. Grob geschätzt 20000km. Er fährt Gespann, hinter seinem Rad ist ein alter Kinderanhänger montiert. 

Sein Fahrrad hat bessere Tage gesehen, aber er wirkt fröhlich und optimistisch und läßt keine Zweifel an seinem Vorhaben aufkommen. Ehrlich, unter uns, mit dem Rad würde ich nicht zu Aldi fahren. Leider betreibt Sahmin nur eine koreanische Website und ich kann den Namen nicht verstehen, aber er verspricht mir ein Foto zu senden. 
Pauline in Taber
In Taber gibt’s sogar einen Foodshelf Walmart, ich bin aber versorgt und Donuts gibt’s nur in den Supercentern. Mich nervt mein Herpes und so versuche ich es in der Drogerieabteilung. Where to find Zovirax. Es ist echt erstaunlich, was so alles rezeptfrei im Regal lagert und einfach so in den Korb geworfen werden darf. Der gutmütigen Verkäuferin kann ich das sowieso nicht erklären, Herpes simplex labialis und zeige einfach auf die Lippe, aahhhh, cold Sor, na, gar kein Problem und schwubs führt sie mich zu 8 verschiedenen Produkten zwischen 7-18$. Überall nicht mehr drin. Hilft die teurere nun besser, als die billigere? ich werde die cold Sor Therapie noch ein wenig aufschieben und bei nächster Gelegenheit im web erst nach der geeigneten Übersetzung schauen.

Die Gelegenheit kommt bald, denn Tim hat nebenan eine Dependance. Und da unterläuft mir doch trotz aller Abgebrühtheit im Umgang mit Tim, ein Fehler, ich übersehe das fehlende wifi Schild. Dieser Kaffeeladen ist nicht an die Welt angeschlossen. Ich renne mit meinem Netbook in den Laden, medium, two milk, two sugar, kurzer check, wenig Leute hier, gibt 'ne gute Verbindung, schon vorm Bezahlen Rechner anschalten und - keine Verbindung. Herrjeh, da sitzt man nun mit dem Kaffee und dem Headphone in der Hand und der Laden ist offline. Das ist doch nicht zu glauben.

Wichtiger jedoch, das mich Pauline beim Auspacken draußen gesehen hat und sich nun reichlich Zeit beim zubereiten nimmt. Wohin des Wegs? Alaska und woher Toronto, ne ist ja nicht möglich, wirklich? Und wir unterhalten uns auf einer persönlichen Ebene, ich erwähne die website, schreib’ das mal auf und reicht mir ein Papier. Sie sagt, seit mehr als 15 Jahren arbeitet sie für Tim, erst in Medicine Hat, jetzt hier und kann sich das gar nicht vorstellen mit dem Rad bis Dawson City. 
Ich sage, muss ein verdammt stressiger Job sein, 15 Jahre, ja, sagt sie trocken, sehr stressig, aber sie wirkt dabei überzeugend resilent. Ich habe am Sonntag ein Eis bei McDonalds gekauft, es war unfreundlich, aber darum geht es nicht, mein Blick fiel auf die Innenseite des Drive Thru Schalters. Dort war ein großér, weißer Zettel angebracht, cars targets today 110sec. Es ist der Tagesrichtwert für das Autoschalterteam. 110 sec. Schriftlich fixierter Druck, es wird bei den Konkurrenten nicht anders sein.
Häuser auf Rädern
Ich sage Pauline, ich gehe lieber zu Tim Horton, als zu McDonalds, die Leute sind netter, ja antwortet sie wieder, sie würde auch niemals bei Walmart arbeiten, das sind Amerikaner, nur bei Tim, das ist schließlich canadisch. Ja, vielleicht ist da was dran.
Alle Mitarbeiter haben neben ihrem Namen die Betriebsangehörigkeit in Zahlen auf dem Revers, ich werde in Zukunft bei älteren Mitarbeitern darauf achten. Das wäre auch eine Idee für meinen Arbeitsbereich und  würde unter von offizieller Seite gewünscht, unter Umständen das Selbstwertgefühl aufwerten.
Am Nachmittag bin ich in Coaldale schlauer und frage erst die Verkäuferin, wifi vorhanden,? wieder was dazugelernt.

Alberta Badlands



Di.,20.5.
Am Tag danach
Na, wie fühlst Du Dich heute am Tag 50+1Tag? fragt Ellinor als Einleitung. Gut, ich habe bis 3:30h geschlafen, dann wurde ich durch meinen tierischen Mitbewohner geweckt, der nun gefangen unter einem Papiereimer im Badezimmer seinem traurigen Schicksal entgegen harrt. Es gibt einfach wenig bekannt gewordene Freundschaften zwischen Motelbesitzern und grauen Feldmäusen. Genau genommen, keine.
Ich fühle mich nicht gut dabei, aber immerhin, mehrfach habe ich der Maus die Freiheit angeboten, die Tür stand stundenlang auf und meine glasierten Donuts, 6 Stück für 1$ waren noch nie zum Teilen mit grauen Mäusen gedacht. Mit dem dreisten Versuch meine Donuts anzuknabbern, hat die Maus eine rote Linie überschritten.

Aber das ist auch nicht die Beantwortung der Frage. 50Jahre alt sein ist gut, besser ist es, wenn sich dieser Zustand jetzt noch lange erhalten lassen würde. Ja, wenn ich den Gedanken zulasse, dann macht er mir Angst und nimmt Besitz von mir. 50. Manche Zeitgenossen haben danach nur 20, 21, Jahre, bis sie für immer gehen. 50 ist also so zu sagen nicht die Mitte, sondern die Tatsache, das sich die Waage schon erheblich zu neigen beginnt. Bis 50 hat man gewöhnlich, so man sich ausreichender Gesundheit erfreut, immer das Gefühl auf der besseren Seite zu sein. Nun ist der faktische Beweis erbracht, die Mitte, mein Lieber, die hast du nun deutlich überschritten.
Nur noch 21mal Weihnachten, nur noch 21mal Gänsebraten am 2. Weihnachtstag. Viel ist das nicht, deswegen, wie fühlst Du Dich heute? Es geht mir gut, aber es macht mir zu schaffen, wir haben gelernt erwachsen zu werden, Familien zu gründen, Besitzstand aufzubauen, die einen mehr, die anderen weniger geschickt, eines haben wir nicht gelernt:
Alt zu werden. 
Und deshalb, liebe Blogleser, genieße ich dieses Jahr hier in Canada trotz aller bisherigen Pannen und Probleme und bin froh, diesen Schritt gegangen zu sein.
Bevor es am heutigen Montag nach Westen geht, führt der Weg diesmal leider mit vollem Gepäck noch einmal in die Einkaufsmeile, da ich gestern morgen zunächst die Sonnencreme vergaß, oder nicht bereit war 8,49$ dafür auszugeben und am Nachmittag mir einbildetet,  keine 10 Pferde en in der Lage sein, mich ein zweites Mal die 14km zu Walmart zu  zerren.

Um 10:00h bin ich zurück am Motel, im Besitz von 237ml Sonnenmilch Faktor 30, Typ Sport und die Reise kann starten. Es wird eine warme Woche. Ich freu mich riesig, endlich so was wie Sommer. Ein zweites Mal kann ich mir den Lapsus nicht erlauben, ohne Creme stundenlang auf dem Highway zu sein.

Erste Station ist Seven Persons, es bleibt unklar ob im Ortsnamen gleichsam die Anzahl seiner Bewohner angegeben ist. Eine Räucherei am Straßenrand in einem auf den ersten Blick renoviert aussehenden Getreidespeicher, könnte aber auch neu erstellt sein, er wirkt einfach eine Spur zu geleckt. Apropos geleckt, das Wasser läuft einem im Munde zusammen, wenn man den Verkaufsraum betritt, leckere Düfte, und noch leckere Fleischwaren, ein halbes Dutzend Angestellte ist mit herrichten und abpacken der Waren beschäftigt. Es erinnert mich an die Plunkauer Räucherei in Ostholstein, die ich als Junge mit meinem Großvater oft besuchte, allerdings hängen hier keine Schinken von der Decke.

Kurz zuvor sehe ich auf einer Querstrasse einen Pickup, der einen uralten Trecker transportiert. Es ist Ron, der seinen verkauften 1946er Ford Traktor seinem neuen Besitzer liefert. Ein wunderschöner alter Traktor, aus der Zeit, als in Kanada die Felder noch kleiner waren. 1hour dauert der Transport, also ungefähr 100km,  Ron ist Rinderfarmer, ungefähr 6km landeinwärts und er hat mich heute schon bei Walmart gesehen. Einige Minuten halte ich ihn auf, Ron will auch wissen wohin die Reise geht, es gibt ein Foto und dann will ich weiter.

rote Scheunen, fast wie in Schweden
Die Fahrt durch die Badlands verläuft insgesamt flach, ausgedehnte Viehweiden wechseln sich mit frisch gepflügten Feldern ab. Die Bauern sind am Sähen, Leslie aus Hargrave, MB hat mir gemailt und erzählt er ist ebenfalls dabei und hat am Montag 325Acre bestellt. Hier in Kanada ist das ein Arbeitsgang. Der Laster kommt aufs Feld, Saatgutspender wird gefüllt und hinter ihm ist eine riesige Egge nachgekoppelt. 

Alberta Felder sind zu trocken
Trotzdem sind am Highway auch immer wieder kleine, romantisch wirkende Höfe mit ihren typischen dunkelroten Schleppdachscheunen zu sehen.  
Albert muss ein Trockenheitsproblem seiner Felder haben, überall stehen auf den Felder Beregnungsanlagen, das ist mir in Sask. und Manitoba so nicht aufgefallen.

Der Crowsnest Highway( No.3) ist pro Richtung nur noch einspurig, allerdings weiterhin mit großer beidseitiger Pannenspur. Das bedeutet auch, dass die Trucker nicht mehr in die zweite Spur in meiner Gegenwart wechseln, aber durch den unglaublich breiten Seitenstreifen ist die Gefahr sehr gering. Allerdings haben hier breitere Fahrzeuge immer ein safetycar vorweg, das bei Annäherung sachte hupt. Für Deutschland ist das nicht vorstellbar, eine wichtige Bundesstrasse, nur einspurig und dafür zwei Seitenstreifen aufgeben, niemals.

In Bowland Island gibt’s den zweiten Kaffee des Tages, wieder sehr moderat für 1,50$, bei Huck Finns, Oliver Twist lässt grüßen. Allerdings lässt Huck sich in seinem   TankstellenVideothekConvienience Store nicht die Butter vom Brot nehmen, draußen warnt ein eindeutiges Schild, no shirts, no shoes – no service. Alter, an einer Tankstelle!

Montag, 19. Mai 2014

Die Maus am Geburtstag, Medicine Hat, Victoria Day

RV, garantiert mausfrei und die Perversion des Outdoorerlebens
Noch So.,18.5.
Die Sache mit der Maus
Irgendwas ist ja immer. Grundsätzlich eigne ich nicht mich dazu, das Haar in der Suppe finden zu wollen, ich will eine stressfreie Unterkunft, wenn möglich einen Kaffee am nächsten Morgen und unbedingt ein Hi-speed wifi., wie draussen angekündigt. Dafür zahle ich gerne Geld und machmal ist das gar nicht so wenig.

Pals Motel schien nun wie dafür gemacht, den Erwartungen zu entsprechen, wenn man weiss, wo es liegt, ist es sogar ganz leicht zu finden.
Auf meiner OSM Kanada Karte für das Garmin Oregon fehlen leider die meisten Motels, auf der Garmin Orginal Kanada für 160 Eisen sind die natürlich alle zu finden, habe ich aber nicht. Egal.

Das Zimmer ist sauber, das wifi funktioniert einwandfrei und ob die Betten jedesmal komplett neu gemacht werden, hinterfrage ich schon länger nicht mehr. Wird wohl. Lieber nicht so genau nachschauen.

Und dann sitze ich gestrigen Abend, draussen wird das Hoflicht eingeschaltet und ich ertappe mich dabei,  war das jetzt eine falsche Lichtreflexion oder eine Maus? Aufgestanden unter das Bett geguckt, nix, dann eine halbe Stunde das ganze nochmal. Herrje, hab ich Halluzinationen? Nix zu finden.
Und dann habe ich einen Boxenstop in der Nacht und sehe wie im fahlen Schein der Nachttischlampe ein kleines graues Feldmäuschen vor meinen Augen durch das Zimmer läuft und unter dem Bett verschwindet. Also doch.

Am nächsten Morgen sind in meiner meiner geöffneten Racpacktasche meine mühsam gehorteten french Vanilla Milchtütchen leckgeschlagen, die Tüte ist angeknabert. Ich bin nicht so empfindlich, Ellinor meint sogar, vielleicht habe ich die Maus selber eingeschleppt, vielleicht kam sie aber auch hier auch durch die ebenerdige Tür über den weitläufigen Hof.

Das Motel Office jedoch ist am nächsten Morgen ganz anderer Ansicht, obwohl ich sie nur informieren wollte, mich stört die Maus nicht, habe keine Zeit mehr zu packen, sondern bekomme augenblicklich ein neues Zimmer. Und das nur wegen einer kleinen Maus. Morgen hätte vollkommen gereicht.

Und die Pointe: Ich komme aus Downtown Medicine Hat. Da sehe ich doch beim hineingehen schon wieder einen kleinen 5cm grauen Schwanz im Bad verschwinden. Sofort die Tür zu und versucht das Mäuseken zwischen WC und Heizung einzufangen. Allein man glaub nicht wie schnell Mäuse sein können und ergo eben Katzen. Nun sitzt das Tier hinter dem Ammoniakbehälter in der Rückwand des Kühlschranks. Da bin ich chancenlos. Gewonnen. Und morgen sage ich zum Chef einfach nichts. Der leieb Gott hat auch die Maus erschaffen.

Willkommen in Alberta

So., 18.05.
Die Rockies rücken näher
Ab 02:00am setzt starker Regen ein, der bis etwa 06:00h anhält. Ich liege auf meiner zur Strandmatte degradierten, platten Isomatte und erwarte den Tag.
Durch den Regen zu früh geweckt, sitze ich danach zu früh auf dem Rad.

Nach 4000km erreiche ich Alberta, die Nationalparkprovinz. Nicht weniger als 4 weltberühmte NP liegen auf Alberta Gebiet in den Rockies. Es ist einer der geplanten, absoluten Höhepunkte der Reise, wenn gleich die bisherige Reise meine Erwartungen mehr als übertroffen hat. Das Visitor Centre Alberta ist noch geschlossen. Vielleicht hätte es hier einen Kaffee gegeben. Die beiden Tankstellen in unmittelbarer Nähe befinden ebenfalls noch im sonntäglichen Schlaf. Walsh schläft.

 Gestern habe ich die Hitze einfach falsch kalkuliert. Nur 5h in kurzer Hose in dieser baumlosen Gegend haben ausgereicht, um die nakte Haut deutlich zu röten. Wie ein Anfänger. Fühlt sich im Kunstfaserschlafsack fürchterlich unangenehm an. Außerdem habe ich die Getränke falsch eingeschätzt, den weiten Weg von Maple Creek bis Walsh wollte ich nicht weitere 2l Wasser mitnehmen, nun haben die Tankstellen unerwartet zu. Ich habe flüssigmangelbedingt heftige Kopfschmerzen. Alles nicht so richtig angetan, eine 60km Tour in der Wärme zu starten.
Auch in Irvine gibt es nichts. Bleibt nur noch Dunmore, 15km vor Medicine Hat. Hinter Walsh bleibt die Strasse flach und ist äußerst angenehm zu fahren. Ein wie geleckter Seitenstreifenbelag.  Ich sehe wieder zwei Reiseradler eastbound, wir winken uns über den Highway zu.
In Dunmore kommt endlich die Erlösung, ein 20 Unzen Kaffee extra roast mit Mich und Zucker, und 2l Coke Zero, die im Schatten an der Tankstelle gleich entleere. Angeblich sind es plötzlich nur noch 10km. Es wäre das erste Mal, das ich mich in meiner Streckenberechnung irre.

Und doch kurz nach Dunmore gibt das Tal den Blick frei auf Medicine Hat. Die 60.000 Einwohner zählende Stadt im südosten Albertas ist nur noch 300km von Calgary entfernt. Der Olympia Stadt. Das Wahrzeichen der Stadt ist das 65m hohe Stahlgerüst Tipi, das für die Olympischen Spiele 1988 in Calgary angefertigt wurde und der Stadt übereignet wurde.
Hier in Medicine Hat werde ich den Trans Canada verlassen. Nach über 3000km werde ich auf dem Highway 3 nach Südwesten weiterfahren, nächster größerer Ort ist dann Lethbridge, am Rande der Rockies. Wenn die Sache gut geht und der Verkehr es zu läßt, werde ich über den Highway 93/95 über Radium Hot Springs nach Banff fahren, so zu sagen durch die Hintertür, wobei fahren vielleicht nicht das richtige Wort ist. Im Roadbook steht eindeutig schieben.

Auf der anderen Seite muß man feststellen, das ich bereits jetzt den Trecker, vollgepackt wie er ist, auf 670m über Meereshöhe getreten habe und das zumindest in den letzten Tagen kaum bemerkt habe.
Die meisten Trans Canadafahrer bleiben auf dem Highway 1 der über Calgary die Rockies erreicht. Ich werde sehen müssen, wie die Sicherheitslage am Straßenrand ist und notfalls doch durch die Großstadt Calgary in die Berge fahren.
Ich werde aus bekannten Gründen 2 Tage in der Stadt beleiben und erst am Di morgen weiterfahren. Die Isomatte muß getauscht werden und ich werde das wichtigste Ereignis des Jahres hier erleben.

Medizine Hat bietet gute Gelegenheiten dazu, vielleicht mehr, als kleinere Dörfer entlang der Strecke. Es gibt jede Menge Möglichkeiten zur Unterhaltung in der Stadt und die Motelauswahl läßt keine Wünsche offen.

Pals Motel, das preiswerteste Motel in der Stadt, ist im Dschungel der vielen Motelschilder auf dem TransCanada nicht einfach zu finden.Und es herrscht wirklich Betrieb für einen Sonntag. Nix unterscheidet den Verkehr hier zum Wochentag. Es herrscht long weekend. Am morgigen Tag, dem Victoria day,(montag) haben viele Leute frei und deswegen sind die Parkplätze der Shopping area richtig gut gefüllt. Baumärkte, Alkostores, Walmart, alle haben Hochbetrieb.
Vom Ortsanfang east bis zum Highway 3 ziehen sich die in funktionsbauweise errichteten Shoppingcenter und Malls hin. Alles äußerst autofreundlich geregelt. dazwischen dann der den Highway 1 nutztende Schwerlastverkehr. Es gibt schönere Fahrradstrecken am frühen Sonntagnachmittag.
Zunächst muß der Highway 1, der die Stadt durchschneidet, fast bis zum Ende durchgefahren werden., dann ein Wechsel auf den Highway 3, verfl..., wieder übersehen, ich stehe mal wieder auf der falschen Seite, über die Abfahrt hinausgefahren...
Mit dem Pickup fährt man jetzt weiter, wendet und kommt zurück. Mit zwei Tüten Walmarteinkauf am Lenker baumelnd und 4kg Getränke zusätzlich hinten auf dem Bock schon seit 5km auf dem Highway, gibts nur eines:cross, einfach illegal querfeldein.
Es ist eines dieser Probleme für mich als europäischer Fernfahrer. Walmart war am Anfang des Ortes, mein Motel kommt im selben Ort allerdings 6km später. Jedesmal entsteht die Frage erst einkaufen und mitnehmen oder später wieder los. Denn eines ist sicher, biste erstmal da, gibt es garantiert nichts in deiner Umgebung. Und dann ist es eine Erleichterung, nicht wieder zurück zu müssen.
schlafende Highwaygesellen auf dem Husky Parkplatz

Es ist 20:00h in Deutschland, als ich Ellinor das erste Mal nach 3 Tagen wieder spreche. Diese Nacht, das erste Mal nicht neben dem Highway oder der Bahntrasse, sondern neben dem Flughafen. Es gibt kein Nachtflugverbot für den Hut des Medinziners.

Der Tag in der Prärie

Morgenstimmung im PrärieviewMotel


Sa. 17.5.
Auf dem Weg zur Provinzgrenze 
Es gibt Dinge die machen mich richtig wütend. Und zwar dann, wenn ich entgegen meiner inneren Überzeugung gehandelt habe und die Sache schief geht. So was nehme ich persönlich und da nehme ich auch kein Blatt vor den Mund.
Kauf Dir einmal was richtiges, 'hast Du später kein Ärger. Ein klassischer Liebhaber Satz der Markenfetischisten.
Wir haben einige Isomatten auf dem Speicher, verlässlich sind die alle nicht und deswegen sollte unbedingt eine neue her. Gekauft bei einem großen Outdoor Händler.
Therm-a-rest, mit Lifetimegarantie.
Das Lifetime schien gut genug und vertrauenerweckend für ein Jahr ohne Probleme, allein nach 15 Einsätzen ist die Matte in der Nacht imn Tompkins platt. Die Luft ist buchstäblich raus. Nach 15maligen Gebrauch.
Nun, der gemeine Kurzzeit Outdoorer begibt sich in solchen Fällen einfach in die nächste Filiale oder nimmt zu mindest mit der Serviceabteilung Kontakt auf.
Zusammenrottung der Blumenkohlbande(J.Kachelmann)
Hier, im Süden SASK. nützt das alles nichts. Ich liege auf dem harten Fußboden und es ärgert mich. Montagsprodukt, Pech gehabt, umgerechnet auf den Kaufpreis immerhin €5 pro Nacht, hätte ich auch bei Lidl haben können, aber es musste ja unbedingt Therm-a-rest mit Lifetime sein. Es bleibt nicht anderes übrig, das nahezu unbenutzte Ding wegwerfen und doch eine neue bei Walmart kaufen. Das Material der Reise steht einfach unter keinem guten Stern.

Die Gaststätte der Tankstelle öffnet um 08:00am. Und man glaub es nicht, der Parkplatz füllt sich rasant mit Pickups. Können die alle keinen Toast zubereiten. Aber hier geht es auf um Kontaktpflege unter den Dörflern. Bis dahin ist bereits bei mir alles am Rad, nur noch einen Kaffee und dann geht’s los. Es ist mild und der Wind weht das erste Mal von hinten, nach 20km ist Premiere auf dieser Reise, es ist bereits so warm um 10:00h, das ich ab jetzt in kurz fahre. 
Unglaublich, gestern dieser Regen, heute, 20° und das erste Mal Schubwind.
Was ist das geil, 55 Tage habe ich auf diesen Tag gewartet und er entschädigt für so einige harte Etappen. Die Landschaft euphorisiert. Begrünte Hügelketten wechseln sich mit nicht endenden Feldern ab. Der Mensch verschwindet in dieser Landschaft, so unglaublich groß ist sie. Er wird hier bedeutungslos.

Nach 55km kommt auf dem Highway der Abzweig nach Maple Creek. Viele Orte werden direkt durch den Trans Canada zerschnitten, Maple liegt nun dummerweise 8km abseits in einem anderen Tal.
Wenn es also heute Abend etwas preisgünstiges zu essen geben soll, führt der Weg nur über diese Stichstrasse in der Mittagshitze, 8km hin und wieder zurück. 16km für Salat.
Meine Hoffnung vielleicht über eine Feldstrasse wieder an den Highway anzuschließen, wird von den örtlichen Coop Leuten leider nicht befürwortet.
Canadian Pacific-und gleich kommen die Desperados aus der Prärie