tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Sonntag, 27. Juli 2014

Der Feuerwerksladen in Cinema

Morgenstimmung am Fraser River


Sa.,26.7.
Das Countryfestival in Cinema
Ich komme verspätet los. Nach dem Einkaufen und dem Frühstückskaffee bei Horton fahre 
Gladys Foode, ein Name ist Programm
ich noch mal zu Goode Food. EIn Truckerfrühstück für 10$, sehr lecker und weil's einfach direkt auf der Strecke liegt. Um 10:00h herrscht Hochbetrieb, diverse Plätze sind noch nicht abgeräumt und zeugen von vergangenen Gästen.

Ich komme hinein, Gladys, erkennt mich und ruft von weitem hey Buddy, how is it going?
Wie ein alter Bekannter, dabei begann unsere Frühstücksbeziehung erst gestern.
Sie ist die warme Seele in diesem Laden, direkt am Highway. Für jeden hat sie ein Ohr und oft verabschiedet sie sich mit den Worten bis nächste Woche. Ich habe inzwischen in einigen Shops gefrühstückt, aber das hier das hier ist einfach outstanding, wie man so sagt.
Also nocheinmal ein breakfast special. Irgendwann muss ich trotzdem los.
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Anmerkung:am 2.Sept. 2014 beschädigte ein Feuer das Restaurant schwer, eine Wiedereröffnung ist zur Zeit nicht in Sicht.
Gott spricht auf dem Highway

War die Fahrt nach Prince George fast wie ein Selbstläufer, ist das heute anders. Zwar gibt es keinen Bonebraker Mountain, aber mindestens 5mal wird die Strasse zweispurig, um dann den Berg mit einer Kriechspur hinaufzuführen. Mit Rampen zwischen 1,8-3,4km.
Der Cariboo, auf dem Weg in den Süden
Erste Station an diesem Tag ist Hixon nach 60km. Zwar hatte Gladys drauf bestanden sich unbedingt den Ort anzugucken, aber es fällt mir partout nix auf, was einen längeren Aufenthalt rechtfertigen sollte. Einen ausgedehnten Kaffee in der Tankstelle, die gleichzeitig den örtlichen Lottoladen, Lebensmittel und Werkzeug beherbergt und die Hoffnung, das der Regen an mir vorbei zieht.
Ortszentrum Hixon

Seit Stunden baut sich über mir einen Regengebiet zusammen. Es ist schwül warm und bis zum Niederschlag auch wieder windstill. Leider fällt kein Tropfen in Hixon, erst als ich den Ort wieder verlasse und den nächsten Berg hochklettere, geht’s los. Pech gehabt, zu früh gestartet.

Schlagartig öffnet der Himmel seine Schleusen, eine 3km Rampe und mittendrin gibt es eine Vollschüttung am Berg. Muss das denn sein? Hätte es nicht während meines kaffeetrinkens passieren können? Auf das Wetter ist einfach kein Verlass.
Ich fluche und schnaube, mürrisch schleppe ich mich den Hang hinauf. Pitschnass erreiche ich den Gipfel und auf der Abfahrt hört es auch schon wieder auf. Ich gehe mit mir eine Wette ein, in Cinema, 20km weiter, ist es längst wieder trocken, als wäre nichts passiert.
Regen kündigt sich an
Ich will an diesem Tag Quesnel gar nicht erreichen, mir reichen ein Bett im Feld nach 90km. Dann gibt’s am nächsten Tag die Chance auf Kaffee.
Die Tankstellenkraft in Hixon hatte gesagt Cinema, da gäbe es nur einen Feuerwerksladen, sonst nichts. Einen Feuerwerksladen???

15min hardcore Schauer am Berg, pitschnaß
Ich werde lustlos und will abbrechen, aber Cinema, das muss schon noch sein.
Und dann kommt der Hammer, ich biege um die Ecke und sehe einen Parkplatz voller RV’s, und ein Campingsplatz, dann ein Schild free Camping. Ich zweifele, reiss’ mir die Stöpsel aus den Ohren und höre Country Musik. Der Platz  wimmelt voller Leute.

Cinema besteht tatsächlich nur aus sehr wenigen Häusern mit Gravelstrassen. Alles wird dominiert von dem Generalstore. Vor 9Jahren wollten sie eine Feier  anlässlich des 20jährigen Bestehens ihres Ladens machen. Sie organisierten eine Band und jagten am Abend ein schönes Feuerwerk in die Luft. Und das Rührende ist, alle fanden das so gut, das ab jetzt jedes letzte Wochenende im July alle Freunde und Geschäftsfreunde des Hauses eine Party feiern, und alle anderen sind auch eingeladen. Inzwischen haben sie professionelle Band abbestellt und irgendwie macht hier jeder der Gäste Musik.

Aus allen Dörfern kommen die Leute mit ihren Instrumenten. Mütter und Kinder kommen mit ihren Gitarren und es gibt eine Settinglist, die bis nach Mitternacht reicht. Jede Dorfband hat eine halbe Stunde. Jeder, wie er kann und mag.
Das ist workinclass Canada, wie es die Pauschaltouristen nicht erleben.
Die Besitzer des Generalstores Cinema

Samstag, 26. Juli 2014

Ruhetag in Prince George

Fr.,25.7.
Standpunkte
Die erste Begegnung des Tages geschieht schon um 3:35am. Da muss man kurz vor die Tür und... und guckt in die Augen von Bambi, die genauso überrascht, keine 10m entfernt neben dem Zelt frühstückt. Wenn schon keine Tiere auf dem Highway, dann wenigstens vor meinem Zelt mitten im Industrieviertel.

Eyh tut mir leid Bambi, keine Zeit für Unterhaltungen, ich muss noch 3Stunden schlafen.
Um 06:45h ist die Lage im Kranverkauf gegenüber immer noch ruhig und ich verlasse den Platz.
Einen Kaffee bei Coop, genauer gesagt bei Goode Food, weil's direkt auf dem Weg liegt. Und mein Blick fällt auf die Menütafel und zack order ich ein breakfast special. Special ist eigentlich das übliche und es glingt mir ohne äh's inzwischen alles zu bestellen, bacon, hashbrownes, eggs over easy and brown toast.

Mit dem Bestellen eines Menü's ist ausserdem der Kaffeenachschub legalisiert. Denn nun kommt die Wirtin und fragt mindestens zweimal, 'have some more coffee? und man muss sich nicht ungienannt selbst bedienen.
Da essen, wo die Asphaltscowboys einkehren

Vor dem Bezahlen ein obligatorischer Washrooms Besuch, um das Reiebestecck abzuwaschen und ich entdecke eine saubere Dusche. Für lau!. Na, das spart doch glatt den Besuch im örtlichen Schwimmbad.
Was für ein Tagesbeginn.

Nächster Termin ist das Visitor Center in downtown; den gestrigen post hochladen.
Wieder ein Sponsorenfrühstück und oberherzlichen Dank
Ich stehe im Entscheidungs zwang danach loszufahren oder wie geplant noch einen Tag länger zu bleiben.
Irgendwie muss es doch noch ein wenig mehr interessantes in dieser Stadt geben, als die minimale touristische Ausgabe am gestrigen Abend.  
So fahre Ich in den Fort George Park, eine riesige gut gepflegte Anlage mit englischem Rasen, aber nachts ab 11:00pm geschlossen. Frühstück im Park, nebenan ist wieder Senioren    Qigong. Geht auch im Sitzen.
Es muß ein neuer Platz für die Nacht her und ich folge dem Fluss bis zur Fraser Brücke. Sollte es regnen, werde ich im Motel absteigen, ich hoffe aber auf wilderness Übernachtung.


Symbol der innerstädtischen Fahradaktivitätr
Am Flussufer ist ein Angler zu sehen und er zeigt mir zu meinem Erstaunen die Wanderung der Sockeye Lachse, Rotlachse in Scharen.
Rotlachse im Fraser River
Die Wanderung den Fraser River flussaufwärts hat längst begonnen. Um sich mal bloß zu stellen, Frage: woher kommt der Lachs? Antwort: bei Aldi aus dem Kühlregal in Scheiben geschnitten.
 Hier aber, nicht mal 2Meter vom Ufer entfernt schwimmen dutzende Rotlachse, zum Greifen nah, in beachtlicher Größe, richtig große Fische.
Natürlich kennen alle die Bilder wie die Bären in den Strommschnellen Alaskas stehen und die von der Wanderung matten Lachse fangen.
Marc, der Firefighter aus Kamloops, hat mir vom Adams River erzählt. Eine gute Fahrstunde von seinem Ort mitten in die Berge von BC. Im August/September gilt der Adams River als lachsreichster Fluss BC's, wenn nicht sogar ganz Canadas. 
Adams River, source:backroadsmapbooks.com
Der Lachs kehrt an den Ort seiner Geburt zurück, um dort zu laichen und dann zu sterben. Das wissen auch die Bären. Und die Petze sind vom Überangebot so verwöhnt, das sie laut Marc nur die Augen und den Rogen fressen, den gesamten Rest verschmähen sie.

Im Frühherbst würde die ganze Gegend fürchterlich nach verrottendem Fisch stinken.(das übrigens steht nicht in der touristischen Reiseofferte)Kamloops Rotlachswanderung 
Was also unternehmen in einer Stadt wie Prince George?
Fahrfreie Tage sind eben nicht automatisch aufregende Tage. Es sind in erster Linie Tage der Enspannung.
Es gibt keine Notre-Dame de Chartres und es auch keine Tyske Bryggen, oder irgendeine Prachtstrasse in Prince George. Es wird schmale Kost geboten. Und kaufen will ich noch nichts, der Frachtraum ist begrenzt. 
Und doch passiert noch etwas besonderes.

Heute ist Streiktag, die Lehrer streiken, für bessere Arbeitsbedingungen, ich treffe Dave der ebenfalls streikt und auch aktives Mitglied bei warmshowers.org ist, allerdings heute Nacht Taxi fährt, weil er befürchtet, der Streik geht im September weiter. Sozusagen als finanzielle Vorsorge Versicherung. Und Dave rät zu Ruckus, dem Radladen der Stadt. Da sowieso nicht viel mehr passiert, also schnell mal zur Hinterradinspektion.

Alles abladen und der Mechaniker nimmt noch einmal den Zahnkranz von der Nabe. Die Nabe ist so knapp, das es unbedingt notwendig ist, das Gewinde so sauber wie möglich zu arretieren. 15min Arbeit, 5$.
Trotzdem fühle ich mich nicht so richtig wohl. Der Laden ist zu glatt, zu unpersönlich, zu edel. Um nicht sagen zu müssen, zu arrogant.

Danach zurück nach downtown, bevor es nach dem Schreiben endgültig raus geht aus der Stadt. Ich werde Zeuge der zweiten Demonstration des Tages. Diesmal pro palästinenserisch.
35 Sympathisanten marschieren lautstark mit Tafeln und Slogan durch die Stadt. Its a crime-Israel out of Palastine. Doch hier bleibt es friedlich. Nicht einmal eine Polizeieskorte wird aufgeboten.
Garry und seine Israel Flagge

Und dann entdecke ich eine halbe Stunde später an einer alten Tankstelle einen Mann auf einer Leiter an einer riesigen Israelflagge. Hast Du nicht Angst um Dene Fensterscheiben?

Garry nimmt gerade die Flagge herunter. Die Verantaltung ist gelaufen meint er, eine halbe Stunde vor Beginn hat er die Flagge dort angebracht, er wollte unbedingt ein Zeichen setzen. Letzte Woche war er selbst in Israel und es ist ihm sehr ernst. Er will seinen Standpunkt vertreten. Freunde aus den Niederlanden, die hier einen Druckershop betreiben, haben gestern noch an dem Banner gearbeitet. Wir unterhalten uns eine ganze Zeit lang, dann muß er los, die restlichen Flaggen in der Nähe des Gerichtsgebäudes abzubauen.
Der Gemeinschaftsgarten in der Hauptstrasse

Auf meiner Fahrt durch die Innenstadt entdecke ich dann noch eine Geschichte, wie sie europäischer nicht sein könnte, da liegt eine Fläche seit einigen Jahren brach und dann occupiert eine Community von mehreren Hobbygärtnern friedlich diese Fläche und macht daraus einen parzellierten Nutzgarten.
Prince George Community Gärten
15 Gärtner sind sie, in den steinigen Boden können sie nichts sähen, deshalb ist alles in riesigen Kübeln und fantasievoll bemahlten Wassertonnen. Es könnte genausogut Copenhagen oder Berlin Prenzlauer Berg sein.

Seit 10Jahren sind sie hier an dieser Stelle, nun ist die Fläche verkauft worden. Es soll bebaut werden. Aber sie sind nicht allein. Es gebe in Prince George 5 Nachbahrkommunengärten. Sie suchen gegenwärtig eine neue Bleibe, sprich einen neuen Boden. 

Downtown mit seinem schachbrettmusterartig angelegten Strassen hat in 3. und 4. Ave so manches Kleinod zu bieten. Was fehlt in dieser Stadt sind die aus Mitteleuropa bekannten Marktplätze, die für Aufenthaltsqualität sorgen.

Wie zum Beispiel der Rynek in Breslau. Aber wer in einem Pickup unterwegs ist, braucht vielleicht keine Bänke. Prince George hat großartige Parks, aber es fehlt einfach wie so oft Canada ein Zentrum. Plätze zu verweilen.

Am Nachmittag auf meinem Weg zum Visitor Centre den letzten Kaffee des Tages. Natürlich standesgemäß an der Tankstelle, heute Mohawk Oil an 1.Ave. und wieder habe ich Glück, die sehen mein Rad und sagen für Dich ist der Kaffee heute free of charge. Danach ein letztes Mal ins VC. Auch heute ist hier nicht allzu viel los. Bilder senden und den Tag beenden. Danach geht es raus aus der Stadt. Zurück in Richtung Highway. Ich habe eine wunderbare Stelle direkt neben dem Park am Fluss gefunden. Wildnis keine 200m neben der Strasse.Morgen geht es weiter nach Süden.

Freitag, 25. Juli 2014

Prince George



Do.,24.7. 
Der geschlossene Park
Um ehrlich zu sein, es hält mich nichts in Vanderhoof und so bin ich nur zum Skypen bei Horton geblieben. Ansonsten will ich los. 
Der Tag wird lang genug werden.
Gleich nach der Kurve am Ortsausgang geht es steil bergan. Der klassische WarmmacherBerg. Aber oben angekommen ändert die Strasse nach gut 6km ihre Richtung nach Osten und damit gibt es jetzt eine fette Portion Rückenwind.

Seit Beginn der Woche hatte WeatherCanada eine Schlechtwettervorhersage herausgegeben. Mit dem Höhepunkt am heutigen Tag. Dauerregen. Zwar ist das Wetter kühl, aber trocken und  zum Fahrradfahren geradezu ideal. Gute 17° bei durchgehend grauem Himmel. So, als könnte es jeden Moment anfangen zu regnen. Aber noch halten die Wolken dicht.
Knappe 100km ist die Strecke bis Prince George lang, aber durch den guten Wind fliegt der Trecker nur so über den Yellowhead. Was auch immer Fabien mir in Whitehorse verkauft hat, die momentane Kassette läuft wie Butter, allerdings gehen mir nun bei voller Fahrt die Gänge aus, ich könnte ruhig noch einen schwereren Gang mehr gebrauchen. Während der Kaffee auf dem Tisch steht, erscheint die Paramedics Frau, die ich in Houston traf, ja, sie hätten das Fahrrad wieder erkannt und wollten nur kurz „Guten Tag“ sagen. Oh ja, Prince George, da gibt’s aber reichlich Berge. Mal abwarten, et kütt wie et kütt.
auch unterwegs wieder Suchplakate von Madison

Die Strecke im District Vanderhoof ist keine Strecke für Genießer, nahezu alle 15min überholt mich ein großer Holzlaster. Den gesamten Tag geht das so. Holzlaster nach Holzlaster und dazwischen diese überhohen, geschlossenen Holzspänelaster Doppelzüge.
Aus irgendwelchen Gründen auch immer ist der Seitenstreifen hier nur meist einen Fuß breit geteert, der Rest ist loser Kiesel und darüber hinaus an vielen Stellen mit etlichen Bitumenlagen geflickt. Es ist in der Tat heute sehr eng. 
Zwar kann ich mir sicher sein, das die, wenn’s irgendwie geht, auf mich aufpassen, aber bei dem erhöhten Verkehrsaufkommen und dem vielen Gegenverkehr haben die Trucker hinter mir ziemlich häufig nicht die Möglichkeit auf die Gegenfahrbahn auszuweichen.
Am heutigen Tag ist das hier nichts für ängstliche.
Die Situation ändert sich erst nach knapp 40km, als sich der neue District ankündigt. Nun ist der Seitenstreifen wieder erheblich breiter. Aus Sicherheitsgründen wechsele ich sowieso wann immer es geht bei Hochgeschwindigkeitsabfahrten auf die Fahrbahn. 
 Wikipedia.org Prince George BC
Gute 20km vor Prince George kündigt sich wieder ein Anstieg an. Trucker werden aufgefordert in der nächsten Bucht die Schneeketten anzulegen. Damit ist klar, es geht wieder steil bergan. Mud River heißt der Berg, aber auch er hat am heutigen Tag mit Rückenwind seinen Schrecken verloren. Die nachfolgende Abfahrt rollt dann bis nach Prince George hinein.

Unglücklicherweise befindet sich die Zone d`Activitè genau in der 9% Abfahrt. Ich muss erkennen, wie Tim Horton’s Kaffeestube einem Umbau unterzogen wird und wieder so ein Mobilausschankwagen vor der Tür steht. Aber ich wäre wohl doch nicht zurück gekommen und 9% bergan gefahren. Auch Walmart kann ich heute abschreiben, liegt genau dahinter. Mal sehen was übrig bleibt. 

Die Strasse rollt genau an der Kreuzung des Cariboo Highways, Hwy 97south in der rush hour aus. Es ist nach vielen Tagen der Einsamkeit und der Fahrt durch die Dörfer schon etwas ungewohnt sich in einer 100.000Einwohner Stadt zu bewegen. 
rush hour
Der erste Eindruck von Prince George ist keine Liebeserklärung. Aber vielleicht ist auch die Sicht nach 100km etwas getrübt. Viel Verkehr, einige Grünflächen; eine intakte Innenstadt ist so nicht zu erkennen. Um auf den Cariboo Hwy zu gelangen führt der Weg zunächst in die Stadt um dann zu den Brücken über den Fraser River zu gelangen. Prince George ist Zentrum der Holzindustrie in Northern BC, die Verbundenheit wird durch das PG Männchen ausgedrückt, einst aus Holz, nun in der Neuanfertigung langlebiger aus Stahl.
Cariboo Highway Kreuzung
Die 1914 erbaute Eisenbahn Hebebrücke über den Fraser River

Das Visitor Center liegt im Bahnhof am anderen Ende der Stadt, gefühlt fast ein wenig außerhalb. 
Es geht alles hochprofessionell zu. Morgens schon ab 08:00h und das Fahrrad darf mit hinein. Das wifi funktioniert gut und ich beschließe, noch einen Tag in der Stadt zu bleiben.

Donnerstag, 24. Juli 2014

Vanderhoof-Ländliches Canada


Mi.,23.7.
Eine Stadt sucht eine junge Frau
Vor dem Start noch einmal schnell ins Visitor Center, Ellinor hat Geburtstag. Um 09:00h bin ich der erste Besucher. Neben einer excellenten Verbindung gibt es sogar frischen Kaffee. Feine Sache.
Die Distanz heute beträgt nur knapp 60km+ Zuschlag, eine kurze Sache. Die Bedingungen sind optimal, 18°, heiteres Wetter, flache Strecke und leichter Rückenwind. Eine Angelegenheit für das große Blatt. Fahrradfahren in Canada kann sogar richtig geil sein. Die Tachonadel schlägt des öfteren bei 30km/h an.  Ich scheine über den Highway zu fliegen.
Andererseits gibt’s eben auch heute nicht viel zu sehen, Ländliches Canada, große Felder mit Rundballen, ansonsten gibt’s nichts.
Zwei Ereignisse gibt es bis Vanderhoof. 
Bei Km 30 gibt’s eine Premiere, an einer 4km langen Baustelle mit single lane traffic steht ein neues Schild follow pilot car. Jo, das wird spannend mit dem safety car durch die Baustelle.
Ich entdecke den bunten pickup, während ich mich nach vorne arbeite. Noch einmal genaue Instruktionen, achte auf die Arbeiter, da stehen Baufahrzeuge, immer rechts fahren.

Ohhh, sie nehmen das wirklich ernst. Sicherheit wird hier mit dem ganz großen Bleistift geschrieben. Aber so wollen sie das hier.
Dabei bin ich nun schon 9000km on the road. Dann geht’s los.

Die Riesenschlange setzt sich in Bewegung, das Auto fährt 40km/h, ich echte 6,8km/h und am Berg verliere ich sie alle. Nach kurzer Zeit bin ich allein im BaustellenNiemandsland. 

Die Baukolonne lacht sich einen, während ich den Berg hochkeuche. Nur nicht aufgeben, jetzt für die Galerie fahren.

Der Vorteil solche einseitig geführter Strecken ist, das es später stoßweise Verkehr mit langen Pausen gibt.
Babette aus den Niederlanden

Der zweite Highlight des Tages passiert 10km vor Vanderhoof. Eigentlich hab ich’s eilig. Diese verdammte Zeitverschiebung. Und dann kommt doch noch ein Biker entgegen. Der erste am heutigen Tag. Ich will nur schnell grüßen, doch dann ist es eine Frau und daraus wird nichts, denn dem Lachen von Babette konnte man nicht entgehen.

Allein ist sie in Vancouver gestartet, sozusagen als one-woman- ride und will in Anchorage ankommen. Babette ich muss 
telefonieren, aber sie ignoriert das völlig und sagt, bist gleich bei Horton, ist nicht mehr weit und so dehnen wir das Gespräch auf 20min aus und tauschen Tips und Fotos aus.
www.britishcolumbiam.name
Babette macht sich ein wenig Sorgen, wegen der Fahrt auf dem Highway der Tränen. Alleine auf einem Campground, als Frau macht das hier Angst.

Dazu muss ich sagen, vor 3Tagen habe ich am Hungrigen Berg einen 63to Tanklaster mit einem Konterfei eines jungen Mädchen fotographiert, missing Madison, hab’ aber keine weiteren Gedanken daran vertan. Missing Madison
Madison, eigentlich Madison Scott  kommt ausVanderhoof und ihr Foto ist hier allgegenwärtig. 

TouristenHinweis am Ortseingang
Eine Stadt sucht eine junge Frau, die auf einem Campground am 28. Mai 2011 verschwand.
Am Ortseingang mit den Touristenhinweisen genauso, wie bei ExtraFoods, an Tankstellen und dem örtlichen Baseballclub. 

Privatautos fahren mit ihrem Foto am Heck durch die Stadt. Überall und in allen Größen Suchaufrufe von Madison. Die Belohnung wurde inzwischen auf 100.000$ festgesetzt.
Wenn schon nichts los, Lust auf Kino?

Allein, Maddy verschwand schon vor 3 Jahren.Spurlos bis zum heutigen Tage.
Vanderhoof indes ist ein kompletter touristischer Rohrkrepierer. Ich erreiche Tim’Kaffeestube, medium doubledouble, aber nach einer Stunde fragt man sich und nun?
Es gibt kein Schwimmbad in dem 5000Einwohner Dorf.

Der Touristenverein rät zum Campingplatz, ein geschotterter Platz für 23$, Duschen extra, oder einem Bad im Fluss, für Leute die sparen wollen oder müssen. 

Es gibt zwei große Einkaufsläden und ein wenig gefühlte Innenstadt drum herum.
Auf den Plätzen jeden Menge Fist Nation.
Ortsdurchfahrt Vanderhoof Hwy16
 
Der Highway 16 durchschneidet 4spurig diese Stadt in zwei Teile, parallel neben ihm läuft die CN Railroad Prince Rupert-Toronto, jede Stunde ein überall im Ort gleichmäßig zu hörender Krach.

Ich habe viel Zeit fahre länger durch die Stadt. Fazit, es gibt nichts, was auch nur von minimaler touristischer Bedeutung sein könnte.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Fraser Lake

Burnt Bikes

Di.,22.7.
Zweimal Dichtigkeit bestanden
Bevor es losgeht, laufe ich Kevin in die Arme. Hast Du das Motel in Fraser Lake angerufen? Warum? Weil unter Umständen alles voll ist wegen der Brände.
Also noch mal zum Breefing ins VisitorCenter. Dort aber gibt  man sich betont gelassen. Der Highway ist frei, ja und es gebe reichlich Feuer, aber die hiesigen sind im Nationalpark 200km in-the-bush. Kein Grund zur Sorge. 
Die Homepage des Radladens in Burns Lake verwies auf eine Öffnungszeit um 09:00h, eigentlich eher ungewöhnlich für kleine Spezialgeschäfte in Canada. Also bin ich um  09:00h unterwegs und will die Schaltung besprechen. Es läuft ja, aber ich habe das Gefühl, die unteren Gänge rutschen. Vielleicht ist die Kette doch zu lang. Wäre doch bloß Jens in der Nähe, vieles wäre einfacher.

Ich stürze aus dem Motel und stehe um 09:03h vor verschlossener Tür, denn das Schild an der Ladentür verweist nun auf eine Öffnungszeit von 10:00h. Klassischer Fehlstart. Was stellt man eine Stunde lang in diesem Dorf an?
Dummerweise fällt Dave auch nicht viel dazu ein, als eine Stunde später erscheint. Eine verlorene Stunde. Danach kann es sofort losgehen.
Der Tag ist kurz heute, nur knappe 70km, ein schneller Lift nach Fraser Lake, nur nicht mehr als nötig machen. Ein wenig Zeit schinden. Noch knapp 950km nach Vancouver, selbst wenn es dumm läuft, mehr als 15 Tage sind nicht mehr nötig.
Die Strecke beginnt mit einem 810m WarmmacherBerg und bleibt dann flach. Obwohl nicht viel zu erwarten ist, wird es doch an diesem Tag eine der schönsten Tagesstrecken, was das Fahrgefühl angeht. Großes Blatt aufgelegt und kickdown. Tempomatenwetter. Lässiges Pedalieren.

Heute steht auch kein wirklicher Berg mehr im Weg, was schon allein daran zu bemerken ist, das vor jedem Hügel die chain up! und später die chain off! Schotterflächen für die dicken Brummer fehlen. Für den heutigen Tagesabschnitt sieht die BC Straßenverwaltung für die Anstiege keine Schneekettenpflicht vor.
Xavier aus Frankreich

Ein ereignisarmer Tag bis 15km vor dem Ziel.
Eigentlich bin ich schon Ziel beschäftigt, da passiert dann doch noch einiges. Zuerst kommt die Trikolore um die Ecke gefegt. Im holländischen Liegrad erscheint Xavier, Student aus der Nähe von Paris und auf dem Weg von Vancouver nach Anchorage. 

Alter Falter, im Liegerad die Berge bis nach Watson Lake, eher würde ich mich erschießen, als ausgerechnet im Liegen da hoch zu treten. 

Bonjour Monsieur, wohin des Wegs? 130km will er heute machen, in Burns Lake absteigen. 4 Monate will er im Land bleiben, dann geht’s zurück nach Europa.

10min erscheint die Anzeige ESSO, das verspricht den ersten Kaffee auf der Strecke. Die Tankstelle liegt im Reservat und während ich draußen in der Sonne sitze, kommt so einer mit typischen Gehabe daher. Lauter Motor, Baseballkappe schräg und seine Kumpels mit fetter Sonnenbrille.
Es gibt in Deutschland Gegenden, da mag man solche Leute nicht treffen; es gibt Gegenden in Deutschland, die meidet man unter Umständen lieber.
Malcolm aus Endako

Dieses könnte eine solche Begegnung sein, 3 dunkelhäutige Typen umringen mich und einer fragt, eyh man, wo hast Du das Shirt her? Darf ich mal anfassen?  
Ich bin im Stella First Nation Gebiet, hohe Arbeitslosigkeit, geringer Lebensstandart und doch besteht überhaupt keine Not nervös zu werden. Malcom, 40Jahre alt, ist stolz First Nation Angehöriger zu sein und er sagt you are here in my Reservation. Ich frage ihn ob er einen Job hat und dann holt er aus und erzählt seine Lebensgeschichte. So wird aus mal-5min-sitzen 20min. Und es erfolgt Malcolms Monolog.

Beth,Volunteer des VC
Es sind vom Reservat bin nach Fraser Lake noch 5km. Ein kleiner weisser Ort am Highway 16. Das VisitorCenter befindet sich auf der anderen Seite des Ortes. Ein Blockhaus in Kombination mit Museum. Ich stürme hinein, um Ellinor zu erreichen.

Das Ziel schon erreicht nach 3,5Stunden. Wo ist das Personal, im Office steht nur eine alte Frau. Was macht die Oma hier? 

Die Oma ist das Personal. Beth ist 83Jahre alt und arbeitet hier als Volunteer.
Seit dem es das VisitorCenter gibt, ist Beth hier tätig. Und sie strahlt Autorität aus. Beth sagt, am See ist der Municipal Campground, umsonst, für max. 2 Tage Aufenthalt. 

Auf dem Gelände der ehe
maligen Sägemühle. Klasse. 
Canadian National Rail
Zwar erwarte ich nicht viel, aber nach dem Einkauf noch schnell in die Bücherei und Trinkwasser besorgt und dann geht’s herunter an den See. Anschauen kostet nichts.

Aber dort ist etwas, von dem sich ganz viele Gemeinden etwas abgucken könnten. Eine großzügige Grünflächenanlage mit 8RV Buchten, Stromanschlüssen, Kinderspielsplatz und Versammlungsgebäuden.
Campingplatz mit Bahnanschluss
Einziges Manko, wie so oft ist in unmittelbarer Nähe entweder ein Main Highway oder eine Bahnlinie.In diesem Fall die CN Hauptverbindung Toronto-Prince Rupert, Canadas größten Container Hafen am Pacific.Absolut was für Eisenbahnromantiker mit 6 Durchfahrten inklusive Horn in der Nacht, in jede Richtung.

historic Foto, source delcampe.net
Wunderschön gelegen. Um 17:00h ist noch niemand da und ich baue das Zelt auf. Obwohl es nun seit Tagen immer wieder regnet, ist der Boden knochentrocken.

Als alles fertig ist, entdecke ich den platten Hinterradreifen. F...verdammt,oh nö, nicht schon wieder. Irgendwann muss doch die Serie doch mal reißen. 
Drei Tage Ruhe ohne Probleme und nun geht das schon wieder los. Es ist doch wie verhext. Und es ist einfach demütigend. Inzwischen überlege ich, ob ich das Rad tauschen sollte, das ist zwar reichlich sinnfrei, aber jede Woche mehrfach den Reifen zu flicken, ist auch nicht origineller.
Da es noch früh am Abend ist, nehme ich mir ohne Hoffnung einen meiner geflickten Schläuche. Kann man ja wieder ausbauen, aber und da gibt’s dann doch noch die Beckerfaust, der Schlauch hält unerwartet die Luft. Sieg! Es gibt doch einen Gott, ein Schlauch, eine Packung Flickzeug, egal!
Der Tag endet wie gestern, es gibt ein orchestrales Gewitter von 2Stunden Dauer mit anschließendem Wolkenbruch und Regenbogen. 

Nur diesmal steht das Zelt bereits. Danach ist alles so, als ob nichts gewesen war. Das Zelt ist nach 20min trocken. Dichtigkeit ebenfalls bestanden.