tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Sonntag, 20. Juli 2014

Smithers-die Entscheidung wieder zu früh getroffen

Der Hausberg am frühen Morgen
Sa.,19.7.
Das Sub für harte Männer
Eines vorweg, der erste Teil ist nichts für -öko, -ovolacto, -veggie -etc. Befürworter, sorry, jetzt geht es um Fleisch und Wurst, um viel Fleisch und Wurst.

Der Tag beginnt wieder einmal früh, ein Regenschauer nach dem anderen treibt der Wind aus Westen über unseren Hausberg hier in Smithers. Es ist eine atemberaubende Wolkenkulisse. Nachdem ich ich gestern ein wenig ziellos durch den Ort gefahren war, das Nichtwifi-Motel abgelehnt hatte, fand ich einen wunderschönen Platz auf dem Gelände eines ehemaligen Gartenbaubetriebes. Feinste Wiese mit Blick auf die Berge. Selten habe ich in der letzten Zeit so weich geschlafen.

Ein wenig getrieben war mir nach Kaffee und Blog aktualisieren bei Tim und die neugierige Beobachtung, wie die Stadt erwacht.
das Männersub
Die Timbesatzung war an diesem Morgen noch nicht  lustig aufgelegt, nur wenige Kunden erschienen bis 07:00h. Was macht die Dorfjugend in einem 5600Einwohner Ort in North BC an einem Wochenende, wenn der nächste 100.000Einwohner Ort immerhin 3,5h Autofahrt entfernt ist? Die Strassen sind wie leergefegt und das Leben beginnt erst gegen 08:00h.
Zeit für einen Ortswechsel, Safeway hat gerade aufgemacht, wie wär's mit einem leichten Frühstück. Etwas mit Obst und Gemüse und frischen Brötchen?
Bahnhof Smithers

Wie alle großen Ketten beginnt auch bei Safeway hier am Ort das Lebensmittelparadies gleich hinter dem Eingang mit jeder Menge einige Deli Regalen, also frisch Hergerichtetes und viel togo. Und dann fällt mein Blick auf das Sub, eyh, was ist das denn?

 Da liegen frische Riesensubs in der Kühle für 10$ das Stück. Okay, streichen wir Obst und Gemüse und ordern das Riesensub. Das Sub für harte Männer. Netter Weise gibt es bei Safeway immer einen Indoor Starbucks und die Sitzgarnitur gleich vor der Tür, das spart Wege. Auf geht's, ein Blick in das Innenleben zeigt, hier liegen mindestens 3,5cm Protein übereinander mit jeder Menge Grünzeug und Cheddar.
Bücherei

Um es kurz zu machen, nach der Hälfte war schon Finè. Der Magen revoltiert bei diesen Mengen. Aber für 'nen 10er gar keine schlechte Preisleistung.
Feuerwehrzentrale
Es regnete den halben Morgen und das Zelt war naß, schlimmer aber, wir erwarten für die nächste Woche 4 Tage usseliges Wetter. Bis 11:00h habe ich gewartet und dann doch wieder zu früh im Motel eingecheckt. Wettervorhersagen sind wie bei uns in der Tiefebene eine schwierige Sache, hier aber scheint der Einfluss der Berge das Wetter noch schwieriger berechnen zu können.

Seit 14:00h läßt der Regen nach, mehrheitlich kommt blauer Himmel und Sonnenschein zum Vorschein.
Wer kann auch ahnen, das die vorhergesagten 70% Regen heute nicht mehr zusammen kommen. Wieder das Geld zu früh eingesetzt. Was soll's, das Motel ist sauber und sogar das Internet funktioniert wider Erwarten. So blieb nach einem Skypegespräch mit Ellinor immerhin Zeit für Personen -und Materialpflege. Auch habe ich wieder einmal versucht Reifen zu flicken, allerdings mit einem frustranen Ergebnis. Ellinor hätte es sicher besser hinbekommen. Ich bin da einfach 100% talentfrei.

Der Hausberg am Nachmittag
Ich werde morgen weiterreisen, es gibt einfach in Orten dieser Größe nichts zu sehen. Die Fotomotive reduzieren sich auf wenige Objekte. Die RV Karawanen benutzen solche Orte zum Auftanken nach langen Etappen. Die Attraktion ist hier einfach die Natur.

Florence Motel
Die Orte, es tut mir liebe Canadier, sind gleich, uniform, austauschbar, meist Durchgangsorte an den großen Highways. Überraschendes fehlt meist. Wenn ich zurückdenke, gab es nur wenige Orte, wo ich gerne länger geblieben wäre. 
Da macht auch das von mir hoch erwartete Smithers keine Ausnahme.
Das nächste große Etappenziel ist Prince George, ca. 370km, über Yellowhead und dann Caribou Hwy sind es dann bis Vancouver nur noch 1000km.
Der ursprüngliche geplante Ausflug nach Dawson City fehlt jetzt als Zeitfaktor. Ellinor wird erst am 11. September(oh mein Gott, was für ein undenkbares Datum...) mit BA in Vancouver landen. Zu früh in Vancouver zu sein macht daher kein Sinn.

Samstag, 19. Juli 2014

Smithers



Fr.18.7.
Die Sommerhitze hat Pause
Gegen 05:00h fängt es stark an zu regnen. Zwar hört sich das unter einer dünnen Zeltwand immer eine Spur bedrohlicher an, aber diesmal ist es dem Regen ernst.
So verschiebe ich meinen geplanten Frühstart.
Liegenbleiben und weiterschlafen, selbst wenn es auf dem Platz der Highway Straßenmeisterei ist.
In einer Regenpause gegen 08:30h ist es an der Zeit das Zelt abzubauen und aufzusatteln. Das Wetter stellt auf kontinuierlichen Nieselregen um. An solchen Tagen ist mir nicht nach Fahrradfahren. Die Sommerhitze hat erstmal Pause. Stattdessen tiefhängende  Regenwolken. Unlustig komme ich in Tritt.

Nach meinem Garmin müsste bald Moricetown kommen und danach nur noch weitere 30km. Aber Moricetown kommt nicht. 

Es zieht sich so zäh wie ein dreiTage altes Kaugummi. 100 um 100m, Km für Km. Nach 9km dann ein verlassenes Motel und einige Häuser. Skeenamarket. Kein Kaffee in Moricetown. Auch Moricetown ist eine First Nation Siedlung. Die Bewohner gehören hier zu den Wetsuweten First Nation
Größer könnte die Demotivation an diesem Morgen nicht ausfallen. Das Motel ist wie so oft eine umweltversaute völlige Ruine. Aber spannend und beim näheren Betrachten entdecke ich im Inneren eine leuchtende Kontrolllampe einer Eistruhe. Alter Falter!!! Das Haus ist akut einsturzgefährdet und jemand hat eine Eistruhe am laufen. 
In Thrillern befinden sich dann immer Körperteile von Mordsopfern in solchen verlassenen Truhen. Und das auf dem Highway 16. Ach Du grüne Neune! Trotzdem, es gibt nichts zu gebrauchen, und die vielenVorbesucher der letzten Jahre vorher haben die ganze Arbeit geleistet.
 
Ich verlasse den Ort, über den nächsten Hügel und noch einen und plötzlich ESSO. Ne, was für eine Freude, 5km weiter gibt es doch Kaffee. 
Ich überziehe die Pause gewaltig, schaue aus den riesigen Glasfronten in den trüben, regnerischen Tag.
Auch ein First Nation Business. Am Tresen stehen nur farbige Gesichter. Moricetown ist berühmt für seinen Canyon, durch den sich der lachsreiche Bulkley River über Stromschnellen einige Kilometer außerhalb des Ortes zwängt. Man kann die First Nation beim traditionellen Fischfang beobachten. Ganz ungefährlich ist die Sache nicht an den Ufern des reissenden Flusses nicht. 

Selbst auf den letzten Kilometern vor Smithers, mit dem gefühlten ich bin doch schon da, bleibt einem nichts erspart, der Regen wird wieder stärker und es gibt unmittelbar vor dem Ortsschild noch einmal kräftige Anstiege. Ich bin gereizt.
Smithers mit seinen 5600 Einwohnern ist der größte Hauptort hier im Umkreis von 100km. Der Highway 16 durchschneidet den Ort 4spurig. Zu beiden Seiten sind Wohn und Wirtschaftsquartiere. Erster Programmpunkt ist das Visitorcenter, diesmal wieder hoch professionell besetzt, innerhalb von 5min hab ich alles zusammen, inklusive der Öffnungszeiten der Bücherei und einem wifi Zugang im Konferenzraum des Hauses.

Leider gibt’s hier keinen Kaffee und ich stehe vor der Qual hier oder nebenan bei Tim. Skype mit Ellinor, dann zum Radladen, es gibt sogar derlei zwei im Ort.

Zwar handelt McBike Bike Stoe Smithers auch mit Snowboard Zubehör und FischereiArtikeln, zu Hause würde das zu Abwertungen führen, aber das täuscht, ein Blick in die Werkstatt zeigt, gar nicht schlecht sortiert sind sie. Ich trage mein Anliegen vor, ich will Antiplattbänder, also diese durchstichfesten Einlagen zwischen Mantel und Schlauch, um diesen scharfkantigen Steinen nicht permanent ausweichen zu müssen.  
 
Hm, so recht weiß die SeniorChefin nichts damit anzufangen. Sie fragt sicherheitshalber den Schrauber und ganz ehrlich, sie kommt mit einem Band zurück und sagt, das hat der Schrauber gerade in den Müll geworfen, war ihm unbekannt, konnte er nichts mit anfangen, ist es so was, was Du meinst? Jo, hat der Schrauber vielleicht gerade noch zweites weggeworfen. Sie eilt nochmals in die Werkstatt und kommt mit dem zweiten Band zurück.
Was soll man da noch sagen?  
Freundlicherweise gibt es eine Regenpause im Ort verziehe mich auf einen nahen Schulhof.
Nun geht’s los, Reifenwechsel, Einlegebänder, Kassettenwechsel, Kettenwechsel, Speichenreparatur. Fehlt noch aufpumpen, also wieder zurück und ordentlich Dampf rauf. Fertig. Im Moment läuft es.
Letzter Programmpunkt des Tages, ist das versprochene Hühnchen. Ich hatte es mir in den Bergen versprochen und erwerbe den Broiler in toto für stolze 9,50$. Mach’ den Park zum Open air Restaurant und genieße mit Blick auf den Highway. 2Tage Erholung in Smithers.

The Hazelton


Do.,17.7.
Highway der Tränen
Um das lokale Business zu unterstützen, trinke ich meinen Kaffee vor Abfahrt in Kitwanga und nicht an der Großtankstelle direkt am 16er, obwohl der Pächter wahrscheinlich auch ein Lokaler ist.
Dann geht’s los.

Ehrlich, ich war wirklich gespannt, wie das Tor zur Wildnis aussieht und wie sich der Weg zurück in die „Zivilisation“ anfühlt.

Bevor es jedoch um die Ecke geht, fällt der Blick auf ein riesiges Schild mit einer unvermißverständlichen Warnung. Wer z.B. in Whitehorse bei Google "Trampen und Canada" eingibt, kommt irgendwann auf einen Artikel den Welt veröffentlich hat. 

Ich habe im Yukon der Sache keine Aufmerksamkeit gewidmet, aber an der Tankstelle an diesem Tag durchzuckt es mich. Das gibt's doch nicht. Den ganzen Tag werden mich alle paar Km und besonders rund um Hazeltonn diese Hinweise begleiten. Es fordert mein bisheriges Weltbild von Canada heraus.
Die Welt Artikel Highway-16-die-Strasse-der-Traenen


Das Ergebnis ist ernüchternd. Ein großes Holzschild mit dem Hinweis North Alaska, einige Karten, das ist fast alles. Zurück in der Zivilisation, wieder auf einem "richtigen" Highway, ist die Vorfreude schnell dahin. Die Strasse ist an den Rändern ausgefranzt und der Pannenstreifen existiert vollständig nur noch an wenigen Stellen. Winterfröste und die dauernde Bearbeitung mit 8achsigen 63toer haben die 80cm Seitenasphalt an vielen Stellen aufgerieben. Ich fahre Slalom durch riesige Mengen Schotterseine, die sich wie Haifische sich meinem letzten Hinterradschlauch entgegen stellen. 

Das geht 20km gut, dann kommt Skeena River Crossing, Flusskreuzung und gleichnamiger Ort. 
Der Name ist Programm. 

Skeena Crossing source:railpictures.ca
Die Skeena, ein äußerst lachsreicher Fluß, wird an dieser Stelle durch den Highway und die Eisenbahnstrecke überbrückt, und wie die Natur das so will, gab's gleich einen echten Bonebraker dazu.
 Die Skeena
Dutch Shell wird hier demnächst Probebohrungen durchführen und die lokalen Patrioten rüsten sich dagegen, aber ihre Macht scheint begrenzt. 

Da ich spät losgekommen bin, ist es jetzt richtig heiß. Gute 60%Skeena Berges schaffe ich, dann fahre ich doch über einen Stein. F...., keine 5Sekunden, dann ist das HR platt. Und der Weg nach oben ist noch so lang, ich stehe auf dem Seitenstreifen, schaue nach hinten, was ist das verdammte Steigerung?
Hitze, Berg, Platten und nur noch 22km laut Karte bis nach Hazelton. Oh, das kann doch nicht wahr sein. Hier jetzt einen Reparaturshow hinlegen?
Und dann gibt es nicht nur einfach Hazelton, nein, -south,-new-old Hazelton, natürlich alles über Km verstreut. The Hazelton ist der Sammelbegriff für mehrere administrativ von einander getrennte First Nations Siedlungsgebiete gleichen Namens. Wikipedia.org TheHazelton, British Columbia. 
Und die ersehnte Bücherei liegt im Ort Old Hazelton gut 7km vom Highway entfernt.

Ich spiele und pumpe den Reifen auf, vielleicht muß man nur 4x pumpen und dann kann ich in Ruhe wechseln. Ich bin mit Ellinor verabredet. Und die Zeit in Deutschland läuft gegen mich.
Natürlich reichen 4x pumpen nicht aus, aber so kurz vor dem Ziel, will ich nicht stecken bleiben. Mehr auf Felge, denn auf Schlauch erreiche ich das VisitorCenter. Es gibt zum Glück wifi und so kann ich Deutschland erreichen.

Das VisitorCenter wirkt nicht überlastet. Zwei Deerns spielen an ihren Smartphones, Ich muß meine Fragen sehr genau stellen, um die Antworten zu bekommen. In diesen Momenten frage ich mich, warum solche Leute diesen Job machen, damit ist im Grunde keinem gedient. Das das wifi Netz in der Bücherei viel schwächer ist und vorallem die Bücherei 7km steil bergab liegt erfahre ich erst unterwegs.

Denn natürlich ist es ein gewaltiger Unterschied zu sagen, it's not far, just 7km, oder Du fährst Dir 'nen Wolf und das Internet funktioniert hier oben viel besser. Bleib' lieber gleich hier. War aber nicht und so rase ich zu Tal und die Bibilothekarin gestattet 30min slowly Internet.

Und doch ist der Besuch der Bücherei richtig gut, weil sie nämlich Zeit hat und ich dummerweise frage Walmart ist wohl nicht in Smithers? Ne, sagt sie, zum Glück nicht, was willste da, kannste überhaupt auch alles bei lokalen Geschäften kaufen und nicht bei diesem Preistreiber. 
Das Angestellte in Büchereien aber auch oft so einen sozialökologisch angehauchten Lebensstil haben müssen und so entwickelt sich ein 30min Gespräch über Hazelton, 
Lebensgewohnheiten, Ernährung, quasi alles rundum.

Mehr Internet gibt's trotzdem nicht, aber eine Einladung auf ihren Resthof mit vielen Tieren, 10km vor der Stadt. Von dem letzten Gedanken bin ich fasziniert, dann aber glaube ich an diesem Tag nach der Hitze und mit neuem Schlauch weiter fahren zu müssen und lehne ab. Schade, aber ich will weiter als nur 10km an Smithers heran.

Und so starte ich nach erfolgreicher Reparatur den Weg den Berg hinauf. Auf halber Strecke liegt ein erst 14Tage vorher eröffneter Supermarkt. Es riecht noch nach neu. Die Besatzung ist vollständig First Nation. Ein Indianer Laden, pardon. Um Hazelton herum gibt es eine ganze Reihe Communties.


Donnerstag, 17. Juli 2014

Kitwanga

Moore entstehen in alten Rodungsflächen


Mi.,16.7.
(Fast)Am Ende des Highway 37
Nichts gibt langweiligeres, als tägliche Wiederholungen. Und doch hat sich auch heute Morgen nichts verändert. Die Mücken haben sich über Nacht im Vorfeld gesammelt, der Wind hatte am gestrigen Abend zwar für 3h auf Sturm gemacht, aber nun herrscht wieder die hinreichend bekannte, stickige Flaute. Bevor das Fahrrad überhaupt auf der Strasse ist bin ich bereits in den Regenklamotten durchgeschwitzt.
freie Sicht bergab für 7,8km
76km stehen heute auf dem Plan, dann ist der Highway 37 Geschichte und schließt an den Yellowhead Highway, Hwy No#16, an. Wie immer, kann ich mich auch heute auf relativ kurzen Strecken einstellen, ich will es dann immer gerne (zu)schnell hinter mich bringen, zu verlockend ist die Aussicht bereits gegen Mittag bereits in Kitwanga zu sein.

Ich merke meine eigene Ungeduld, dabei ist es heute fürs erste der letzte Tag in der Wildnis. Und heute ist sogar der mit Abstand einfachste Tag, was das Streckenprofil angeht. Bis auf zwei schwere Anstiege geht es im Grunde  nur sachte bergab, bei erstklassiger Strassenqualität.
Also im Grunde ein letzter Tag zum Genießen. Aber der Genuss will sich nach 4 Wochen Mücken und Strapazen nicht so recht einstellen, selbst heute bleibt es bis 30km vor Schluss ein Kampf mit den Insekten.
Möglicherweise hatte der Koch des Beaver Post Motels doch Recht mit der Behauptung, es viel leichter den 37er nach Süden, als den AlCan nach Norden zu fahren.
Dabei ist es nicht allein das Streckenprofil, sondern eine ganze Reihe von beschriebenen Widrigkeiten, die die Fahrt zur Strapaze werden ließen.
ehemalige Anglikanische Kirche

Um deutlich zu machen, was ich meine ein Beispiel: Wenn ich auf dem Oder Neiße Radweg 3 Tagen lang mit 180km/tag längst düse, ist das auch eine Strapaze, aber eben keine mit Mücken, witzigen Steigungen und fehlendem Essen.

Ich spüre, dass ich zu wenig zu trinken habe, aber es lässt sich an diesem heutigen Tag nichts mehr auftreiben. Kein Wasserfall kommt aus der Wand, kein RV hält neben mir. Und auf den letzten 30km klebt die Zunge am Gaumen. Das dauernde Durstgefühl peinigt. 
Im Grunde müsste man bei dieser Anstrengung zwischen 6-7Liter täglich zu sich führen. Es ist auch heute unbeschreiblich heiß. Heiß und schattenlos.
Dollops alte Tankstelle
Später am Abend werde ich erfahren, dass zur Zeit über 100 Waldbrände im Norden BC's wüten.


Die finale Schussfahrt beginnt bei Km 9 vor Schluss und endet in einem fürchterlichen Gegenberg, erst danach wird Kitwanga angeboten, zu früh gefreut.
Ich rolle im Ort aus und stoppe mitten im Ort direkt vor dem Einkaufsladen. 13:00h, Kitwanga,knapp 500Einwohner. Die Luft steht, die Hitze brennt auf der nackten Haut.

Zwar fehlen noch tatsächlich noch 4,7km bis zum Anschluß an den Highway 16, aber gefühlt ist der 37er jetzt Geschichte. Kitwanga, das ist der Sprache der Gitxsan First Nation Gitwangak heißt kann auf Spuren einer mehr als 5000 Besiedlung  zurückblicken. Gitxsan First Nation

Einen Tag früher als geplant, es entwickelt sich ein hohes Zufriedenheitsgefühl.
Und ich höre zum ersten Mal wieder die Canadian National Rail, die Zivilisation ist nahe.
Im Dorfladen gibt es 2 Kaffee zur Auswahl, ein breites Sortiment an Glücklichmachern und ein gut gepflegtes Generalstore Programm, von der Schaufel bis zum Kupferdraht.   

Der Meziadin Pass



Di.,15.7.
Die Kantine in der Wildnis
Was nützt die schönste Grünanlage, wenn der Nachbar zu laut ist; irgendwann in der Nacht stellt sich ein 63to mit einem Mutanten-Kühlaggregat im 10m Abstand auf den Rastplatz und das Ding macht einen irren Lärm. Gegen 02:00h wache ich auf, öffne die Zelttür und starre auf eine graue Wand. Ich muss etwas tun, was ein absoluter NoGo ist, Earprops in der Wildnis. Entweder schlafen oder dem Kühlschrank lauschen.
Wenn schon, dann will ich den Bären wenigstens hören.
Elch am Morgen

Gegen 06:30h ist Arbeitsbeginn für den Trucker, danach ist es wieder still.
Um 07:00h erscheint ein Charterbus von First Canada, übermüdete Touristen in langen Hosen steigen aus, haben eine Rauch/WC-Pause und bestaunen die drei kleinen Zelte wie Zoobesucher.
Auch das geht vorbei.

Heute könnte es unangenehm werden. Clink, der amerikanische Biker, zeigte mir sein Streckenprofil und Hidashi fuhr gestern nur 38km, wegen des Passes, wie er sagte. Gleich hinter der Brücke geht es hoch. Nur knapp 40km ist er gefahren, heja, hört sich nicht gut an.
Ich muss darüber, nützt ja nichts. Irgendwie muss es gehen und ich rechne mir mind. 60km für den heutigen Tag aus, jeder Kilometer mehr wäre besser. Hätte Clink mir bloß nicht das Streckenprofil gezeigt.
Hidashi geht nach Norden, will aber noch warten, weil seiner Meinung nach die Bären morgens so aggressiv sind und Tanekomo braucht dringend Essen, er überlegt ins 60km entfernte Stewart zu fahren.
Ich bin als erster unterwegs und schnell wird klar, das geht an diesem Morgen richtig zur Sache. Ein echter Bonebraker Anstieg, ich bin froh, das ich früh losgefahren bin, zu einem späteren Zeitpunkt wäre die Hitze kaum auszuhalten.
Und jetzt kommt etwas, das ist typisch für Canada. Die Amerikaner haben mir erzählt, da wäre eine Riesenbaustelle und wenn man da fragt, kann man Essen und Getränke kaufen. Vor allem aber Kaffee schlappern. Natürlich gibt es keinerlei Hinweis auf eine Cuisine, als ich das Baufeld erreiche. 

Vielleicht in einem Jahr, wenn die Zapfsäulen angeschlossen sind. Zur Zeit sieht man nur reichlich Wohnbaracken und eine sich entwickelnde Großtankstelle. Es ist dem europäischen Betrachter nicht ohne weiteres klar, warum hier im Nichts so eine Tankstelle entstehen muss, aber der Blick in meinen Alt-Milepost zeigt früher war hier mal ESSO.

Enttäuscht stolpere ich über das Baufeld, bis einer der Maurer schreit, eyh,brauchst Du Hilfe? Ne, aber ich hatte gehofft es gibt einen Kaffee. Und jetzt kommt’s, jo, dann geh mal da in das große Haus, das ist unsere Kantine, da bekommst Du alles, was Du willst. Über den Bauschutt geklettert und tatsächlich, Schlaraffenland ist direkt hinter einer Bautür versteckt.
Die neu entstehende Tankstelle
Es gibt verschiedene gekühlte Säfte, Kaffee satt, Sandwiches, Joghurt und obendrein eine  perfekt eingerichtete Großküche. Für alle Malocher in der Umgebung arbeitet diese Küche, man kann sich registrieren lassen und schon geht’s los. Für mich gibt’s Kaffee für 2$ und die Küchenkraft fordert mich auf nimm Dir noch ne Banane. Nun, nach drei obstlosen Tagen, darf man auch mal ungienant sein. Vor allem aber gibt es Frischwasser. Das ist das Wichtigste an diesen heißen Tagen. Mit 7Liter geht’s los.
Jeremy aus Lille

Ich bin mir nach wie vor nichts sicher, ob meine Richtung, von nord nach süd, die Leichtere ist, zu mal meist Südwind weht, wenn er denn weht. Heute nur stundenweise. Den mir nun bekannten Weg nach Norden würde ich jedenfalls im Moment nicht noch einmal fahren wollen.

Bell1 Highwy Restplace-ich gebe nichts mehr auf Streckenprofile



Mo.,14.7.

Et kütt wie et kütt
Wir erwarten den heißesten Tag des Juli. Da ich gestern gut vorgearbeitet habe, ist es heute nicht weit bis zur Bell 2 Lodge. 

Nur knappe 40km. Zunächst geht es im Schatten der Berge den Fluss entlang. Die Strasse bleibt weitgehend flach. Vermehrt sind Flächenrodungen zu sehen. Große Areale der Natur sind an die Holzwirtschaft verkauft worden. Zurück bleiben kahle Flächen, oder neu gebildete, moorähnliche Seen mit Baumstümpfen.
10km vor der Lodge beginnt dann eine wunderschöne Abfahrt und man rauscht über die metallgedeckte Brücke des Bell Rivers auf den Hof des Anwesens. Auch heute wieder reinste Postkartenmotive.
Die Lodge bietet eine rundum Versorgung. Von Tankstelle bis Campingplatz. Alles mitten im Nichts. Es gibt sogar 50Mb wifi für lau. Mit 2$ für einen guten Kaffee kann ich mich zum Aufladen meines Rechners zurückziehen.


Ellinor spricht ernst über die anhaltende Mangelernährung. Ja, so muss man das wohl sehen. Bewußt in Kauf genommene Mangelerährung. Wie willste auch zu Deinen Kalorien kommen? Zwar zähle ich manchmal die Packungsangaben zusammen, aber es reicht hinten und vorne nicht. Und man kann eben nur das kaufen, was angeboten wird. Frucht und Gemüse zählt nicht dazu. Seit der Fahrt von Radium Hotsprings nach Banff gab es nun immer wieder Phasen ohne Möglichkeit Essen kaufen zu können. Essen musste für mehrere Tage mitgeschleppt werden.
Da kann da ein Tag im Vollangebot nichts ausgleichen.
Alles ein Problem der Logistik. Deshalb bestelle ich zur Feier des Tages in der Lodge Burger mit Fries. Es sieht für die nächsten 3 Tage knapp aus mit der Möglichkeit unterwegs einkaufen zu können.Der Burger ist dann aber auch so klein, dass die ganze Kalorienrechnung nichts taugt.
Clink aus den USA

Wieder auf dem Highway kommen mir 10min später zunächst Clink und dann noch zwei amerikanische Fahrer entgegen. Auch sie gehören zu einer 10köpfigen Gruppe, die adventurecycling.com ins Rennen schickt. 
Auch Ihr Ziel ist der Denali NP in Alaska. Anreise auf eigene Kosten. Bemerkenswert an Ihnen ist, das sie alle ein Alter jenseits der 60 haben. Da biste echt platt. Gut, die sind nicht so beladen wie ich, aber immerhin. Meinen absoluten Respekt. Da bin ich echt begeistert. 
Die Parade der 60jährigen...

Außerdem sind deutlich mehr Amerikaner auf dieser Strecke unterwegs als Canadier.
Natürlich sind Vorurteile wenig hilfreich im allgemeinen, aber welches Wort assoziiert man mit Amerika und Fortbewegung, alles, aber jedenfalls nicht Fahrrad.

Mein Ziel ist der Bell I Highway Rastplatz, aber mit einem Burger im Magen und mehreren guten Kaffee sind 60km in der Mittagszeit bei Hitze, genauso weit, wie der Weg zum Mond. Ich verhandele mit mir, ob es nicht ein bisschen weniger sein darf. 
Es herrscht auch heute kein Wind. Sobald ich stehen bleibe, dauert es 2 Minuten und ich bin umschwirrt von Beißfliegen. Neu am Start ist am Nachmittag eine Art güngelber, 4mm groß, den Silberfischen in den Schmutzleisten der Badezimmer ähnelnder Flieger, der ebenfalls sticht. Es hat so etwas von bayerischen Holzschuhtänzen, man sitzt auf einer Leitplanke und kann sich im 10Sekunden Takt die Arme und Beine klatschen. Nach 10min steht man auf und fährt frustriert weiter.Seit 3 Tagen geht das nun schon mit dieser Beißfliegen Welle. 

Auf dem Alaska Highway waren die nicht zu sehen.
Gegen 15:00h dann wieder völlig spontan Bärencrossing. Bisher habe ich jedes Mal Glück gehabt. Immer gab es genug Abstand im Vorwege. Von einer erhabenen Lässigkeit quert der große Schwarzbär die Strasse.
Mein Pfeifen lässt ihn kurz in meine Richtung schauen, dann geht er weiter und setzt sich an den rechten Straßenrand. Ja und nu? Kein Auto, kein nichts, Bärenpause. Es dauert gefühlt 15min bis das nächste Auto erschein und Meister Petz ins Dickicht scheucht. Es bleibt dann immer die spannende Frage: ist er weg?
Man kann es nicht leugnen, an diesem Tag verläuft der Streckenabschnitt ziemlich eben. Grund genug auch an diesem Tag ein wenig mehr zu tun und für den morgigen Tag vorzubauen.
Clink hatte mir das Streckenprofil seines Veranstalters gezeigt. Es sieht nicht gut aus. Es sieht nach schieben aus. Genau da ist das Problem. Wenn die Senioren das wuppen, darf ich mich dann hinstellen und sagen, ich hab kein Bock mehr, ich hoffe auf einen Pickup? 

Eben, geht nicht.
Da fahren 69jährige den Pass hoch und das heißt ein wenig Radfahrehre muss schon noch sein.
Wenn ich eines wirklich  in nächster Zeit missachten werde sind es Wettervorhersagen und Streckenprofile. Haste erstmal so was im Kopf, macht es nur nervös. Et kütt wie et kütt. Es kommt wie es kommt, sagt der Rheinländer.
Am Abend treffe ich dann noch zwei Amerikanos. Don fährt auf einem wunderschönen Atlantis Bike, wirklich schick und seine Begleiterin Sally ist mit 67 Jahren die Älteste der Gruppe und gleichzeitig der Tourleader, dieser 10erGruppe. Sie sind 5h später dran denn sie brachten einen Teilnehmer ins 70km entfernte Stewart zum Arzt. Diagnose Körperliche Überlastung.
Wenn die Viecherei nicht wäre hätten wir noch ein wenig mehr geschnattert, so sind wir alle froh, wieder in Bewegung zu sein.