tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Mittwoch, 15. Oktober 2014

Patrick's Point Hiker&Biker Place

Wie sie sehen, sehen sie nichts, Blick auf den Pazifik im Morgenneben
Mo.,13.10.
Redwoods satt
Der Tag startet früh in St.Pauls. Die Deutschen sind bereits um 6:30h in der Küche und bereiten ihr Müsli undwasweißichnochalles vor. Noch nicht mal 07:00h und schon in die Gänge. Ich quäle mich mühsam hoch, die präfinale Isomatte darf nicht zu doll aufgeblasen werden, sonst füllt sich das immer größer werdende Aneurysma zu stark. Ich habe mir ein wenig bekloppst in den Kopf gesetzt jetzt nicht mehr in eine neue Matratze zu investieren, sondern die Alte bis LA zu benutzen und dann vor Abfahrt zu entsorgen.

Um 08:30h kommt Bewegung in die Garage. Sue&Ron packen bereits, die Berliner sind ebenfalls draußen und das Itzehoeer Tandem ist das erste Fahrzeug, das St. Pauls verläßt. 
Mit vielen guten Wünschen, dem obligatorischen Emailaustausch starte ich um 09:00h bei besten Wetter nach Süden. Das heutige Ziel steht noch nicht fest.
Nach 5km kommt der von vielen mit bangen Kommentaren erwartete Berg. Gute 7km Anstieg, Robert wird hinterher einen zeitweiligen Ansttieg von 11% ermitteln, dann rauschen wir hinunter nach Klamath.
Ron aus New York State

Unterwegs stoße ich auf Basia, die als Architektin in einem renomierten Büro in Seattle arbeitet und auf dem Weg nach San Francisco ist. Auch sie hat eine Biographie, die für drei Leben reicht, mit 18Jahren aus der Gegend um Krakow nach England mit wenig Geld und noch weniger Englischkenntnissen, dann in Edinburgh studiert und nun in Seattle zu Hause. Während wir uns unterhalten kommt das Itzehoer Tandem von hinten angerauscht. 

Basia verlässt uns und wir beschließen eine Zeit zusammen zu fahren. Der nächste Gast, den ich unterwegs treffe ist Brad aus Australien, der ebenfalls auf dem Weg nach Argentinien ist.
Kurz nach Crescent City im Anstieg durch den Morgennebel
Nach Katie's Empfehlung verlassen wir hinter Klamath den 101er und folgen einem regional Highway direkt in den Redwood Nationalpark, eine letzte anständige Steigung und der Weg führt ohne weitere Steigungen zu Tal. Quer durch den Redwood Forrest.
auf dem Weg zum Gipfel
Was sich gestern schonm Jedediah Park andeutete, setzt sich heute fort. Baumriesen, manche mehr als 100m hoch, so eindruckvoll, das man es kaum beschreiben kann. Und an diesem Tag herrscht kaum Autoverkehr. Immer wieder stoßen wir auf Radfahrer, die das schöne Wetter ausnutzen, so auch Gordon, 71Jahre alt, der eine Tagestour unternimmt und mir eine Viertelstunde lang vieles über den Wald erzählt.
das Tandem auf dem Weg nach Süden
Gordon, 71, Waldforscher
Er spricht über die CO2 Speicherkapazität und die rücksichtslose Abholzung in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Man unterscheidet zwischen oldgrowth und younggrowth, und old.. meint in diesem Fall 1000-2000Jahre als. 

Vor hundert Jahren war der Bestand der oldgrowth deutlich größer. Heute sind nurmehr 3% des ehemaligen Bestandes erhalten. Vieles ist während des Wiederaufbau San Francisco's nach 1906 ohne Rücksicht gefällt worden, gerade verschwenderisch sei man mit dem wertvollen Holz umgegangen. Es sei ein nie wieder zu ersetzender Schaden entstanden.

Einige Km weiter kommt das Hinweisschild Big tree, rechts. Als ob die Bäume nun nicht groß genug sind, stehen wir, inzwischen wieder vereint vor einem unglaublichen Exemplar der Redwoods. Auch dieser Baum stand einst zur Disposition und nur eine große Bürgerinitiative hat ihn gerettet. Mehr als 100 steil aufsteigend und mit einem Umfang von 20m ist der Anblick atemberaubend.
Humboldt County Source :cuttenrealty.com
Ich verabschiede mich einstweilen, weil ich einen Kaffee will und fahre nach Orick vor. Treffpunkt an diesem Tag sind die Lagoon genannten kleinen Innenseen im Humboldt County. 

Montag, 13. Oktober 2014

Crescent City-St. Paul

Die Tankstelle für wahre Patrioten
So., 12.10.
Das Radler Lagezentrum
Wieder war die Nacht vollkommen ruhig. Man mag über das Motel denken was man will, aber ich bin unerwartet angenehm überrascht. Und der Boß läßt es sich zum Abschied nicht nehmen, unterbricht sein zimmermachen, eilt auf mich zu und verabschiedet mich mit Handschlag.
St. Paul in der Mackenstrasse

Doch ich hab' wenig Zeit, der Gottesdienst der Episcopalgemeinde beginnt bald. Ich muß in den Norden der Stadt. Das Gotteshaus liegt in einem unscheinbaren Wohnviertel, die Lutheraner sind einen Block entfernt, auch nicht weniger unauffällig. Im großen Gemeindemehrzweckraum sitzen 9 Biker beim Frühstück. Alles muß danach zusammengeräumt werden, nach dem Gottesdienst ist hier Kirchenkaffee. Episkopalkirche

Neun Biker! Katie heißt die Frau, die die Sache hier leitet. Wir haben doch so einen großen Raum, warum sollten wir den nicht nutzen? An den Raum angeschlossen sind zwei Bäder und eine volleingerichtete Küche mit riesigem Herd.
Es ist wenig Zeit für eine Unterhaltung, Katie sorgt für den Gesang im Gottesdienst, aber Father David erscheint und er Zeit für einen kurzen Smalltalk.
Katie

Die Liturgie der Episcopalgemeinde unterscheidet sich deutlich von der United Church of Canada. Vieles bleibt mir unklar. Es gibt auch ein Abendmahl und alle Gemeindglieder werden aufgefordert nach vorne zu kommen und jeder bekommt den persönlichen Segen des Herrn, wer nicht zu Speis und Trank aufgelegt, soll sich sichtbar ddie Hände vor der Brust verschränken empfiehlt Father David.

Dann ein persönliches, intimes Gebet. Da nicht viele Gemeindeglieder vorhanden und die Biker eine beträchtliche Größe an diesem Morgen darstellen, hat jeder die Chance, darf mit seinen Sorgen in die Mitte der Kirche kommen und Father David legt ihm mit anderen Gemeindemitglieder die Hand auf die Schulter. Es erinnert ein wenig an das vielstimmige Beten in einer Pfingstgemeinden. Auch für Daniel ist Zeit an diesem Sonntagmorgen, jener Biker der von einem Pickupfahrer in Brookings mit samt seinem Anhänger über den Haufen gerollt worden ist. Zum Schluß des Gottesdienst wieder Beethoven Ode of joy aus der 9.Synphonie.

Nach dem Gottesdienst und Kirchenkaffee nimmt sich Katie etwas Zeit und weiht mich in die Regeln der RadlerHerberge ein. Und sie empfiehlt einen Besuch des Jedediah Redwood State Parks, gleich am Ausgang des Ortes. Eine super Attraktion, umsonst und draußen. Und ein absolutes Muß. 1000Jahre alte Bäume verspricht sie.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Crescent City-Rückflug organisieren

Driving dog
Sa.,11.10.
Warmshowers St.Paul
Zunächst verschlafe ich wieder in den Tag und wache erst um 08:00h auf.
Es war unerwarteter Weise sehr ruhig sehr ruhig. Zwar gab es ab Abend ein auf-und abfahren der Oldtimer auf dem Highway und es verirrte sich auch jemand in meinen Raum, aber der Rest der Nacht blieb ereignislos.

Es gibt Kaffee im Office und der Boß hat Donuts besorgt. Eine nette Geste, aber der Kaffee schmeckt nicht.
Ich drücke ihm erneut 40$ ohne Quittung in die Hand; so richtig weiter mit meiner Rückreise bin ich noch nicht gekommen.

In der Zentrale in Lübeck hat Ellinor aufregende Minuten während meiner Nacht gehabt und mit der Serviceline von AirNewZealand gesprochen. Obwohl im Kleingedruckten eindeutig verneint, hat Ellinor es irgendwie hinbekommen, doch einen Platz in einer ausverkauften Maschine der Kiwi Airline nach London unter Teilanrechnung meiner bereits bezahlten Beträge zu ergattern. So hält sich der Verlust in Grenzen. Und Air NewZealand fliegt ziemlich schnell. Vergleichbare Anbieter zu diesem Preis brauchen gut 12 Stunden länger. Allerdings auf dem Weg nach Hmaburg noch einmal umsteigen in London. Mit einem blauen Auge davon gekommen. So scheint es.

Denn ich spüre dieses unangenehme Gefühl, diese Vorahnung, die einen beschleicht, wenn man spürt, es läuft was aus dem Ruder, schaue noch einmal ganz genau auf das Visa, entdecke das Furchtbare und spüre, wie das Herz kurzfristig stehen zu bleiben droht. Verdammt. Es gibt ein Problem

Die Immi Offizierin hat mir einen Tag geklaut. Für mich waren die 90Tage immer am 22. 12. endend, nun entdecke ich eine 21. Nochmal nachgezählt. Ich komme nach dem WaiserVisaProgramm auf den 22.12.
Es hilft nichts, im Pass steht was anderes. Ellinors Bemühungen waren umsonst. Böser Fehler, hätte ich bloß jemals zuvor das Visum angeguckt.

Ich brauche eine Pause und gehe an Wasser. Die Küste liegt noch im Nebel und scheint bereits die Sonne. Im Hafen ist es ziemlich ruhig. An diesem Samstag wird nicht gearbeitet.
Ellinor muß erst nach Hause kommen, um die Sache in Ruhe zu bewerten. 
Mir ist es egal, ich bin frustriert und lasse es auf 24h illegalen Aufenthalt in den USA ankommen. Sollen sie doch. 1day overstay heißt sowas. Passiert alle naselang irgendwelchen Träumern und Schusselbirnen. Und wird dann in der Regel mit einem Wiedereinreiseverbot gebüßt. für längere Zeit!
Will ich das? Will ich bald wiederkommen? Was aber, wenn sie die Faxen satt haben und eine Geldbuße anordnen?

Ellinor sieht das anders und in einer hochangespannten Phase telefoniert sie erneut mit Neuseeland.
Nach 15 Minuten ist die Kuh vom Eis. Einer neuer Heimflugtermin ist jetzt fix. Nun ist Zeit sich über den Anschlußflug aus Heathrow nach Hamburg Gedanken zu machen. Die erste Hürde ist genommen. Commin' home

Samstag, 11. Oktober 2014

Crescent City

Tempo reduzieren, Fritten voraus
Fr.,10.10.
Leaving Oregon
Weiterhin keine Wetterbesserung. Obwohl noch im Kleingedruckten des Motels vermerkt, findet kein Frühstück mehr statt. Der Wirt sagte gestern schon so verschwommen, Coffee and...Ich hatte das als sprachbarrieres Problem gewertet. Aber das Genuschel hieß wohl nur(!)Kaffee. Und der ist so derartig ungenießbar, das es bei einem Pappbecher belasse.

Los gehts um 09:00h, von allen Tagesetappen an der Oregon coast ist heutige Strecke mit Abstand die Anspruchsvollste. Gleich hinter dem Ort windet sich der Highway wie erwartet hinauf in den 9° feuchten Nebel.
Es ist auch heute keine wirkliche Herausforderung, verglichen mit Alberta und BC; aber es ist unangenehm kühl. Drei Anstiege der ersten Kategorie sind heute zu fahren. Von weiteren Radfahrern ist heute nichts mehr zu sehen. Oben endlich angekommen ist die Sicht auf 50m gefallen, Nebelbänke kommen mir entgegen. Ich überlege, ob ich die einzige erhaltene Lichtquelle, meinen chinesischen Flasher, für hinten, aus den Taschen wühlen soll. Die Loggingtrucks fahren in hohem Tempo an mir zu sehen, ich kann nicht einschätzen, wie weit die Fahrer in den Kurven Sicht haben.
Abfahrt vom ersten Gipfel

Es wird so weitergehen die nächsten 40km bis nach Brookings. Rauf und runter, Erinnerungen an Canada werden wach. Irgendwann fängt es an zu nerven. Kurz vor Brookings, dem letzten Ort in Oregon auf dem Weg nach Süden, dann auch noch eine Baustelle. Prepare to stop, gleich 3 riesige Schilder auf dem Radweg. Und wieder Flagger. Allein 6 Flagger werden an dieser Baustelle aufgeboten. Ich arbeite mich an der langen Schlange nach vorne durch, dort steht Leslie.

Was ist hier los?, natürlich muß ich warten, bis der letzte an mir vorbeigefahren ist. Leslie erzählt währenddessen, sie bauen einen neuen Radweg für mehrere Millionen hier an dieser Stelle, was?, Das ist doch eine Superstrecke.
Ja, aber man will vor Brookings die Radler separat auf einem Radweg in die Stadt leiten. Leslie ist meiner Meinung und sagt im selben Moment, ist mir egal, Hauptsache, ich hab einen Job. Und so wie der Baufortschritt voran geschritten ist, hat sie den Job auch noch weitere Monate.

In Brookings einen Kaffee an der Tanke und dann zu Fred Meyer. Marschverpflegung. Die 47km bis zur ersten Pause haben bös' Kraft gekostet. Die Abfahrten durch den kalten Nebel haben den Deltamuskel über der rechten Schulter sofort wieder zugezogen. Es schmerzt auf Dauer den Lenker halten zu müssen.
Anstieg zum Cape Sebastian

Nach Brookings ändert plötzlich sich das gesamte Bild. Der Himmel reißt auf, die Berge verschwinden. Die Sonne erscheint kurz und die Fahrt geschieht nun durch eine agrargeprägte Region. Da stellt sich doch gleich ein euphorisches Fahrgefühl ein. Der Trecker beschleunigt und wir fliegen Crescent City entgegen.

Freitag, 10. Oktober 2014

Gold Beach

Do.,9.10.
Beautiful Oregon Coast
Der Parkplatz vor dem Motel ist noch regennaß, es muß stark geregnet haben, nun nieselt es nur noch. Der Himmel grau, reichlich Herbstnebel, 9°, in einem Wort suboptimale Motivation für einen Tagesritt nach Gold Beach.

Da Mills einen großen Teil meiner Pläne vom Tisch gefegt hat, ...Junge, da oben ist schon Winter, die Parks in der Höhe schließen demnächst oder sind es schon, habe ich viel Zeit auf dem Weg nach San Francisco.
Start um 09:00h, nach einem längeren Gespräch mit Ellinor und einem andauernden Kontrollblick, vielleicht kommt ja doch noch der Wetterumschwung. Kommt aber nicht. 
Nicht heute. Und so setze ich mich mürrisch in Bewegung. Dabei bin ich gar nicht allein, ich entdecke merkwürdigerweise eine ganze Reihe von Fahrern auf den ersten Kilometern, allein, die wenigsten sind für längere Touren ausgerüstet.

Erste Pause in Langlois am örtlichen Grocery, der zugleich wieder mariniertes und frittiertes anbietet.Während es in Canada meist nur Burger&Co gab, ist die die Speisekarte hier deutlich ausgedehnter. Es findet sich immer irgendwo eine Ecke mit mehreren Tischen und Stühlen und die Leute kommen in Läden um zu junkfuttern. 
Materiallager für die langen trüben Wintermonate

Unvorstellbar in Deutschland, das zwischen Milch und Brot ein Essensbereich inklusive Frittenbude im Edeka integriert ist. Bei uns beschränkt sich das eher auf das Angebot der Bäckerei Ketten, aber dann nach der Kassenzone.
 
Ich treffe John, der zu einer 10Tagestour an der Oregon Coast aufgebrochen ist.


Deutlich leichter bestaunt er den ganzen Plunder an meinem Rad, mensch, wenn du wüßtest.lol

Weiter gehts mit einem kurzen Ausflug nach Dänemark, Denmark heißt der Ort, großspurig in der Radkarte eingezeichnet, allerdings beim Durchfahren genau aus 2 Häusern bestehend. Wie sagte Steve in Bandon noch, Denmark ist ein Cafe, mehr nicht, manchmal ist es auch geöffnet.
Der Himmel verändert sich nicht, immer wieder wabern Nebelwolken vom Meer kommend die Steilküste herauf, den Highway entlang. Aber es bleibt trocken.
Nächster Ort ist Port Oxford, ein kleiner Fischerort, den der Highway 5spurig zerschneidet. Wieder ein großer Einkaufsladen, mehrere Tankstellen, eine Art Max Bahr für alles, ein paar Gotteshäuser und ansonsten nicht viel, dafür aber viel Mittelmäßigkeit und Trostlosigkeit.


Ein Ort um einzukaufen, der Tourismus hat bisher anscheinend einen großen Umweg gefunden. Ich treffe neue Biker, das junge Pärchen will zelten auf dem näher gelegen State Park.

Nach Port Oxford kommt der Highway zum ersten Mal an diesem Tag in Küstennähe, der Pazifik ist sichtbar, jedenfalls so etwa, Sichtweite weniger als 50m, vieles bleibt unkenntlich. Das ist jetzt nach 4 Tagen ein wenig frustran. Was haben nicht alle sich für mich gefreut, oh yeah the oregon coast, beautiful, einfach beautiful. Heute eher neblig.

Es ist wie immer, alles ist theoretisch beautiful, nur eben jetzt nicht und dummerweise gibt es kein zweites Mal für mich. 
Wäre ich in den Augen der Naturfreunde dem vie zu verkehrsträchtigen, inländigen Highway gefolgt, wäre die Infrastruktur der Starbucks, Motels, etc. deutlich größer, der Verkehr wäre allerdings auch deutlich unangenehmer. Nun fahre ich durch smalltowns, in denen die Saison inzwischen vorbei ist und muß mir die Natur denken. Beautiful Oregon findet in diesen Tagen im Nebel statt. Fotografische Highlights sind spärlich.

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Bandon, Zeit zum Nachdenken

auch in den Bandon,OR  populär, der Selfie Stick
Mi.,08.10.
Die Entscheidung ist gefällt
Das Wetter hat sich nicht verändert. Feuchter Morgenebel wabert am frühen Morgen durch den Ort.
Start ist für 10:00h geplant. Es folgt ein langes Gespräch mit Ellinor. Die Informationen der letzten Nacht klangen nicht wirklich ermutigend. Hast Du Dir eigentlich Gedanken gemacht, wie Du zurück kommen willst? Die

Beste aller Ehefrauen hat nach Stunden kapituliert, eine preislich vertretbare Lösung für das comin' home des gesamten Materials von Asutralien einschließlich des Fahrrades nach Europa zu finden.
Ich habe die Sache in Lübeck nie wirklich zu Ende gedacht, da immer nur der eventuelle Besuch in Melbourne im Raum stand. Nun stehen wir ein wenig vor vollendeten Tatsachen. Der rabiate Preiskampf im Flugverkehr weltweit führt dazu, das an allen Ecken und Kanten gespart werden muß, um ein billiges Ticket zu generieren. Und gespart wird dann am mitzunehmenden Gepäck, jedenfalls in der Holzklasse.

Da die firstclass Passagiere naturgemäß ein vielfaches meiner Ticketpreise zahlen, haben sie mit dem Gepäck in der Regel keine Not. Der Holzklasse bleibt aber nur meist 23kg erlaubt und das eventuelle Übergepäck wird, von mir heute morgen erstaunt entdeckt, mit KgPreisen von 60-80$ berechnet. Wohlgemerkt Preis pro Kg. lol
Das Fahrrad zählt übrigens bei den von mir favourisierten Airlines als normales Übergepäck.
Eine Ausnmahme scheint in diesem Fall Air Berlin zu sein, die das Fahrrad extra berechnen. Oder eben die unglücklichen Malaysian Air, in der Hoffnung, das sie nicht wieder über die Ostukraine fliegen. Aber es gibt nicht viele Ausnahmen. Ich krieg' echt 'nen Horn. Ich hatte das so einfach vorgestellt. Einreisen, rumfahren und dann nach Hause jetten, mit vollem Zügs.

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Bandon

Super8 am frühen Morgen
Di.,7.10.
BurgerKing's wifi
Ich werde ohne Wecker wach. Erster Gedanke, es gibt Frühstück seit 06:00h. Wieder so ein Continental Breakfast; Gedanken an das erste Motel in Nordamerika werden wach; es war auch ein Super8 und es gab auch ein Continental Breakfast. Das heute hat allerdings den Zusatz umfangreich. 
Also raus aus dem Bett und den Frühstücksaal gestürmt. Bei der Menge an Gästen in diesem Riesenmotel kann ein wenig early-bird-Gedanke nicht schaden.
Antiker Cruisertraum

Der Weg über den Hof läßt einen erschaudern, es nieselt, der Himmel ist grau, der Nebel hängt so tief, als könnte man ihn greifen. Wo ist die Sonne der letzten 4Tage hin? Es gibt schönere Gedanken, als heute an eine Ausfahrt über 80km.
Moe und Moe von Moe's Bike shop

Ist man der erste am Frühstückstisch gehört einem die volle Auswahl, inclusive riesiger Waffel, wenn schon kein Internet, dann wenigstens den Bauch vollschlagen.
07:15h, wieder zurück und den Entschluß gefasst, vor der Abreise zurück nach North Bend zu radeln um Moe's Bikestore einen Besuch abzustatten. Sollte sich was ergeben, nehme ich die Felge mit. Am späten Abend als ich das Maleur mit den 4gerissenen Speichen notdürftig geflickt und zu zentrieren versuchte, war ich so optimistisch, das mich die Felge aus dem Yukon noch einige hundert Kilometer weiter bringen würde. Gleich 4 Speichen alle auf der linken Seite, da muß man sich fragen, wie ich überhaupt über die Brücken gekommen bin. Ehrlich, ich hab es nicht gemerkt und vor allem nichts gehört. Vielleicht sollte ich das nächste Mal vor einer Abfahrt mit 55km/h kurz vorher mal einen Blick nach unten werfen.

Moe macht erst um 09:30h auf. Ich stehe seinem Laden und warte. Typ Dorfladen mit erweitertem Angebot. Alteingesesseneer Laden. Nie im Leben haben die eine Felge für mich. 09:25h tut sich was, ein junger Bursche betritt den Laden und schiebt Dekorationsfahrräder hinaus. Einen Beachcruiser mit 36''Rädern.  

Bist Du Moe?, ja, aber ich bin der junge Moe, mein Vater kommt gleich, aha das ist der echte Moe. What's up? Ich brauche unter Umständen ne Felge für 10erCassette(habt ihr bestimmt nicht) Aber, als wäre es das normalste der Welt, sagt er ok 26'', holt einen Haken und reicht mir die Felge, willst Du schwarz oder silber? Können wir gleich montieren. 

Und nach 5min ist die Cassette schon drauf, der alte Moe ist inzwischen gekommen, seit den 80er Jahren betreibt er hier den Laden, der Vorbesitzer eröffnete ihn gleich nach dem Krieg. Im Sommer ist mehr los, aber jetzt im Herbst herrscht hier SaureGurkenZeit. Die Leute haben nicht mehr so viel Geld wie früher. Drüben in Eugene ist mehr los, aber hier dreht sich sich alles um's Holz und nachdem einige Sägewerke dichtgemacht haben, müssen die Leute sparen. Die fahren lieber Räder von Walmart.
Moe Laden ist eine Zeitreise in eine andere Zeit, Schickimicki ist hier fremd, hier hat alles noch eine Seele.

Mit neuer Felge zurück, aufgesattelt, ein letzter Versuch; sie haben das wifi noch nicht wieder am laufen.
Ich nehme mir vor nicht ohne Nachricht zu fahren. Also zuerst ins VisitorCenter. Hey Lady, ich brauche euer Passwort und und den Servernamen. Also, sie können auch dort drüben in dem Kaffeestore... nein, ich will bei Euch ins Netz, also wie ist das Password? weiß ich nicht! ich glaub es gibt keines, aber ich kann ja mal meinen Boss fragen. 
Eine großartige Idee. Aber anscheinend weiß auch der Boss das Password nicht, als die persönliche Betreuerin nach 5min wiederkommt, sind wir beide nicht schlauer, es gibt wohl keines, gut welchen Server soll ich nehmen? irgendwas mit City! Lady, ich habe hier einiges mit City und die brauchen alle ein Password.

Nach 15min im Visitor gebe ich auf, wir kommen nicht weiter, ich packe zusammen, entweder konnten oder wollten sie mir nicht helfen, ich verlasse das VisitorCenter und bin gereizt. Wieso schaffen es immer wieder derart blasse, inkompetente Gestalten in die Tourismusbranche?

Dienstag, 7. Oktober 2014

Coos Bay

Gottes Umzugshelfer


Mo.,6.10.
Our wifi is down
Ich verlasse den Platz gegen 7:30h. Die sternenklare Nacht mit Fastvollmond verlief ohne Probleme. Erst gegen morgen wurde ich von einigen Hörnchen geweckt, die laut um mein Zelt herum kommunizierten.
Erster Programmpunkt an diesem Tag ist der gestern nur unzureichend besuchte Fred Meyer Store am Ortseingang. Auf dem Weg dahin passiere ich die Aufräumarbeiten nach einem Verkehrsunfall mit einem Umzugstruck. Der Arme ist voll in die Böschung gesemmelt, Bergungstrupps versuchen die umgeknickten Strommasten  aus dem Dickicht zu bergen.
eine Nacht im outback
Fred Meyer ist einer dieser typischen riesigen all-in-one-stores. So was wie Walmart, nur qualitativ besser, was die Lebensmittelabteilung angeht. 
Und freundlicher. Auf dem Weg vom Obst zur Wurst werde ich allein von 3 Verkäufern angesprochen, haben sie alles gefunden? ist alles in Ordnung? Und das um 07:45h. Man muß sich das mal bei uns vorstellen, spätestens beim dritten höflichen Erkundigen würden die zu hören bekommen, oh, lot mi doch mit din gesabbel tofreden.
Auch Fred Mayer verkauft Jagdwaffen
Dann der erste große Frust an diesem Tag. Es gibt trotz der beachtlichen Größe des Ortes keinen Starbucks Drive thru. Wieder sind ist der Store im Safeway mit untergebracht. Alles nicht so schlimm, doch ich kann da nicht für eine Stunde entspannt sitzen, weil ich das Fahrrad nicht im Blick habe. 

Dabei hatte ich mich so einen gemütlichen Plausch gefreut. Herrjeh, mit Tim wäre das nicht passiert, die hätten mindestens einen Laden hier am laufen. Also bleibt nur der Kaffee bei Shell. Demnächst werde ich das Profil erweitern, werde zu Mcdoof müssen. Aber wenn das mit dem Motel heute gut läuft, habe ich am Nachmittag wifi und alles wird schön. 
Ein warmer Tag zieht herauf, das Thermometer wird über 20° in der Mittagszeit steigen.
Die Beine sind schwer, da hilft auch Selbstsuggestion an diesem Morgen nicht. 335km in drei Tagen verlangen ihren Tribut. Außerdem habe ich in den letzten Tagen mir ein blödes Handgelenksproblem angelacht, die Handwurzelknochen schmerzen an diesem Morgen aufgrund der langen Belastung.
Die Strecke verläuft inländig durch den Wald, der Wind kann deshalb heute nicht helfen. Mehrere Anstiege sind zu überwinden, oben angekommen sieht man das ganze Ausmaß der Holzfällerei. Zwar hat der Neubewuchs bereits begonnen, aber es wird Jahrzehnte dauern, bis der Wald wieder da ist. 
wenn schon Wahl, dann aber richtig
Den ganzen Morgen überholen mich Logging Trucks. Die Macht des schnellen Geldes. Niemand kann heute trotz alles Computerklimaberechnungen sagen, welche Auswirkungen der Verlust der Wälder hier auf das globale Klima hat. Natürlich haben alle smalltowns hier eine lange Loggingtradition, aber früher wurde das Holz mit Pferd und Wagen bewegt, die Logger waren zahlreich, heute erledigt das Fällen meist nur ein Mann, viel Personal ist nicht mehr nötig.