tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Freitag, 5. September 2014

Sechelt

Schon wieder Polizeiautos fotographiert, neugierig, ob wieder was passiert...
Do.,4.9.
Noch eine Woche, bis Ellinor kommt.
Da niemand erschienen ist, um mich zu verabschieden, verlasse ich das Grundstück gegen 08:00h, ohne ein weiteres Wort. 

Es ist inzwischen deutlich Herbst geworden. Der Morgentau hat sich über alles gelegt. Das Zelt ist nun jeden Morgen nass, bis zum Abbau wird nichts mehr trocken und ich muß separat packen.
Entgegen der Fahrtrichtung 1,5km zurück zu Petro Canada, Kaffee und einen frischen Applefritter für 3,50$ Und sofort bin ich im Gespräch. Der Tankwart kennt alle Kunden mit Vornamen, freundlich erkundigt er sich woher/wohin des Wegs.
Faxen dicke, Anstieg...

Buzzard sagte gestern Abend in seinem Rausch etwas von 30km bis nach Sechelt, stand einfach mit laufendem Motor seines Pickups vorm Zelt und wirkte nicht ganz nüchtern. Wir unterhielten uns lange bis die Dunkelheit einsetzte, dann verschwand er auf irgendwelchen Forstwegen. Auch er war sichtlich pikiert, das ich das angebotene Bier ablehnte.
über Anstieg, schiebend nach oben

Natürlich sind es nicht 30km, in Canada fällt es den Einheimischen Autofahrern verflixt nochmal schwer Entfernungsangaben treffsicher vorherzusagen. 10km sind heute schon auf und ab, da kommt das erste Schild noch 30km.Die Berge machen mich fertig.
Und mit dem Schild kommt die Frustration pur. Später wird Ellinor sagen, vielleicht bis Du einfach körperlich zu erschöpft. Nein, bin ich nicht, nein,nein; das hier sind Steigungen, eben richtige Steigungen. Ein wenig mehr als der Berg in der Holstenstrasse.
...wat können 40km eine Tortur sein

Ich hätte es einfacher haben können. Ich saß bei Craig auf dem Sofa und hätte nur den Berg herunter rollern müssen und schon wäre ich auf der Fähre gewesen. Aber mir war ja noch nach etwas Bewegung. Seit ich die Sunshine Coast fahre, ahne ich, das es ein Fehler gewesen sein.

Natürlich ist das möglicherweise eine eingeschränkte Sichtweise, zu glauben Küste und Küstenstrasse, das bedeutet eine flache Strasse am Meer. 

Und in Norddeutschland ist das tatsächlich auch so. Hier nicht. Aber in meinen Gedanken ist das wirklich so, ich bekomme das nicht in meinen Kopf, das jede Strasse eine Art Passstrasse sein soll.

Obwohl die Strasse nicht mal 500m von der Küste entfernt ist, gibt es keine flachen geraden 300m langen Teilstrecken, ich schiebe den Berg hoch, und rase ihn mit 65km/h wieder herunter. Yippieayeah. Unten fange ich von vorne an. Selten sind die Steigungen so gelegt, das ich sie sitzend parieren kann. Die Spätsommersonne matert in vollen Zügen. Von den fehlenden 40km schiebe ich gefühlt 10km an diesem Tag. Ich habe viel über den Sunshine Coast Highway gelesen, gefährlich sei er, kaum Randstreifen, man wolle ihn 4spurig ausgebaut haben, ja, tödliche Unfälle gab es.Von steil stand da nix.
Landepiste der Harbour Air, tägliche Flüge nach Victoria und Vancouver
Ich erlebe das heute anders, es gibt Verkehr, aber in diesen Morgenstunden richtet sich das Verkehrsaufkommen nach dem Einlaufen der Fähre in Earls Cove. Ist der Tross an mir vorbei in Richtung Horseshoe Bay, ist der übrig bleibende Rest mehr als harmlos. Was viel mehr frustriert, ist das Streckenprofil. Ich hadere mit den Bergen. Als die Strecke in den 60er Jahren angelegt wurde, waren die Autos größer und die Motoren durstiger, an Tourenfahrradfahrer dachte man nicht. Ich bin ziemlich am Ende, als mir ein Tandem entgegenkommt und ich bringe nicht mehr die Kraft auf, mehr als nur kurz Hallo zu grüßen. Die 30km ziehen sich elendig hin. Als ich endlich den westlichen Vorort Sechelts erreiche, ist es wie eine Befreiung.
Was für ein Tag; um 12:00h erreiche ich das VisitorCenter.
Sechelt Lake


Ich brauche Zeit das Zelt und den Schlafsack zu trocknen.
Ellinor wartet schon auf mich, nebenbei hänge ich Bilder im VisitorCenter auf, weil die Ladys etwas kleinwüchsig sind und eine Leiter nicht vorhanden ist.
Zeiten der Anspannung, Zeiten der Entspannung.
Sechelt First Nation Versammlungshaus

Im hochpreisigem Supermarkt am Ort kann man eigentlich nicht einkaufen, also nur das Nötigste und zum Frühstück an den Strand. Dummerweise entdecke ich erst am nächsten Tag einen Extrafoods am Ausgang des Ortes. Ich hätte einfach gezielt fragen sollten. Dumm gelaufen. 
Jamie aus Halfmoon Bay, proud to be First Nation
Der Strand besteht auch hier aus Steinstrand, mit langer Promenade.
Mein Traum an diesem Tag am Strand zu schlafen, erweist sich als unrealistisch. Zwar ist auch hier der Strand direkt für alle frei zugängig, aber jedes Grundstück ist bebaut.
Will ich in Sechelt bleiben, muß noch ein Campingplatz her, die offiziellen Anlagen liegen für mich viel zu weit vor der Stadt entfernt.
Also weiterhin Guerilla Camping. An Auswahl ist es kein Problem, nur eben wohl nicht direkt am Strand vor den weissen Strandhäusern der wohlhabenden Einheimischen. Obwohl, viele Häuser stehen zum Verkauf, Die Immobilienkrise hat auch Sechelt erreicht.
Etwas abseits der gutgepflegten Strandpromenade ist eine First Nation Siedlung und mich interessieren die Totems am Strand. Auf dem Weg dahin läuft mir Jamie aus Halfmoon Bay über den Weg. In deutsch übersetzt sagt er so etwas wie Alter, was hast Du denn da alles auf dem Rad? Gut, ich kenne diese Bemerkung inzwischen. 
 
Er gehört zu den Sechelt First Nation und freut sich über die gerade im Meer gefangenen großen Fische zum Abendessen. Er begrüßt mich mit dem Zeichen der Faust, so wie Etoile das bei seinem Erscheinen im Dienst immer tut. Stolz zeigt er mir das Haus seiner Eltern und hier wohnt mein Bruder, da mein Cousin, da mein Onkel…
Family Business. Sechelt First Nation
Etwas weiter die Strasse hinauf stehen große Totems direkt am Meer, dahinter eine kleine, geduckt wirkende katholische Kirche. Als ich die Kirche erreiche, fährt mir ein roter SUV entgegen und ich schreie den Fahrer an, hey, bist Du der Pastor?, ne, ist er nicht, aber was ich wollte, na, einen Blick in die Kirche werfen und schon sind wir im Gespräch. Ohne was gesagt zu haben, fragt mich Gave, brauchst Du einen Campingplatz, ja schon, aber keinen Offiziellen. 
Das Auto von Gave, zunächst nicht beachtet, später plötzlich very importet

Ja, dann komm doch zu mir, ich wohne etwas vor der Stadt, wie weit? Ungefähr 1Km, halbfertig gestrichener Zaun, grünes Holzhaus. Gibt’s auch ne Nummer?. 5880. Da ist es wieder.  Dieses ca. 1km, was ist, wenn auch dieser Fahrer eine nicht-erkennbare Km/Miles-Entfernungsschwäche hat. Aber ich gehe das Risiko ein. Wenn Du kommst ist gut, wenn nicht, ist auch gut und so ist der Deal und so ich noch Zeit am VC meinen Blog zu schreiben, bevor ich das Haus suche. 
Detail Totem

Kleindale



Mi.,3.9.
Es gibt Regeln, die gelten auch für Frank
So ein kuscheliges Motel Queenbed verführt eben doch zu langem Schlafen, aber an diesem Tag ist das mehr als unpassend, denn die Fähre aufs Festland läuft um 10:15h aus. Und zwischen der Fähre und dem Motel liegen noch gute 10km Strecke und der unsympatische, unvermeidbare Berg in der Ryan Road.
Nur ein kurzes Gespräch mit Ellinor, dann muß ich los. Die Ereignisse in der Ukraine haben erneut an Dramatik gewonnen, Ellinor spricht das erste Mal sorgenvoll von Angst. Vor 75 Jahren und 3 Tagen ist mein Großvater als Berufssoldat mit 28Jahren in den Krieg marschiert. 
Es läßt mich nicht kalt. 
Ich habe nach dem Aufstehen CNN geschaut und sie bringen in aller Ausführlichkeit Nachrichten aus Europa und berichten von Obama's Rede, We want american boots on the ground. Amerikanische Bodentruppe im Baltikum. Ich bin ziemlich oft im Baltikum gewesen, um deren Sorgen zu verstehen.

Bevor ich mein Deposit wiederbekomme, gibt es erst einmal eine Stubenkontrolle. Die Zeiten ändern sich. 

Und die Wirtin ist äußerst kritisch mit dem von mir zweckentfremdeten Waschlappen und will sich mit mir einigen, das ich den nun verschmutzten Waschlappen extra zu bezahlen hätte. Dabei hatte ich mit diesem Frotteetuch versucht ihren Laminat Fußboden zu schützen, der durch den Transport meiner nassen Taschen extrem angefeuchtet war.
Undank ist der Welt Lohn.
70 Cent, wäre das vielleicht angemessen? Ich habe für sowas heute morgen wenig über. Und antworte gleich in deutsch, wichtiger als die Diskussion über den angeblichen Reinigungsbetrag ist mir meine Fähre.
Immerhin besinnt sich die Wirtin und nach 4min bin ich auf der Strasse; der Berg wartet. Die einheimischen Biker hatten recht gehabt, dieser Berg, und dann geht es nur noch bergab bis zur Fähre.
Ich bin eine Stunde zu früh am Fährhafen. Es weht das erste Mal seit längerer Zeit ein steifer Wind. An diesem Morgen machen finden sich viele Golfer hier an der Fähre ein. Sie machen ihre Witze über mein Gepäck und befinden sich doch alle in einem Alter, wo man das fahrradfahren vielleicht schon eingestellt hat, vielleicht sind sie auch nie gefahren.
Auch an dieser Fähre gelten strenge Regeln. Nix da mit ich fahre mal eben so auf die Fähre mit dem Rad. BC Ferries verlangt von seinen radelnden Kunden das sie das Rad schiebend über die Anlegebrücke bringen, danach ist das Fahren wieder erlaubt. Zu diesem Zeitpunkt gibt es auch keinen Fahrzeugverkehr, erst die Fußgänger und Biker, dann werden die Gitter wieder geschlossen und der Fahrzeugverkehr ist dran. Ordnung muß sein. 
 
Oben an Deck wieder ein mal ein Sponsorenfrühstück, gar nicht schlecht für eine Fähre, aber die Portionen sind leider viel zu klein. Viel zu bieten hat die Fähre nicht, es gibt einen Seisenraum und einen großen Salon. Draußen nehme ich Abschied von Vancouver Island, es ist wieder ein Stück Norwegen in meinen Erinnerungen, wieder denke ich an die Fährüberfahrt von Moskenes nach Bodo, wo sich die grauen Lofoten Berge langsam am Horizont entfernen.
Die Überfahrt dauert gut 75 Minuten, dann gehen die Fahrradfahrer als erstes an Land. An der ersten Strassenkreuzung gibt es leider kein Hinweisschild auf die erwarteten Walmart&Co.
sunshinecoast BC, source: bcferries.com

Auf dem sunchine Coast Highway
Die Wirtin des Eckkaffees sagt aber deutlich, ooh, mit dem Fahrrad, ne, das sind 2 Block up the hill und dann 4 blocks left. Besser wäre es einfach nach rechts zur Fähre zu fahren, dort gebe es noch genügend kleinere Stores. Was sie allerdings verschweigt ist die Tatsache, das es eben dort auch Berge gibt und nicht zu knapp.

So lasse ich mich überreden und verlasse Powell River, bevor ich überhaupt richtig angekommen bin und denke, es sind ja nur 28km. Bis zum nächsten Fährhafen in Saltery Bay werde ich später mehr als 3,5h brauchen. 
Fluchend schiebe ich die Berge hinauf, dabei dachte ich doch, die Zeit läge hinter mir. Die Strasse verläuft meist durch den Wald, nur selten ist die Küste zu sehen. 
Zwei Läden gibt es entlang der Strecke, ich entscheide mich für den falschen, da ich nicht mit einem weiteren rechne. Doch der Store in LangCreek ist weitaus besser sortiert. Die Besitzerin grinst, als sie mich den Berg hinauf schindern sieht. 
 
Where are come from?, was heute oder überhaupt?,  I'am from Germany. Aah, Germany, they are the crazy ones. Und wir beiden lachen, die verrückten deutschen Biker, ob sie selbst auch hier fährt, wer ich? ich bin doch nicht verrückt. 
In der Tat, bei meinem Talent und dem faible für anstrengende Strecke ist das hier heute wieder ein Volltreffer. 

Kurz vor Saltery Bay öffnet sich der Wald und der Blick schweift über die Küste und zum ersten Mal spüre ich, was diese Strecke hier so besonders macht. Es ist die Magie des Augenblicks, der verzaubert. 




In meiner imaginären Wunsch/Wahlheimat Norwegen gibt es diese Bilder an den großen Westfjorden zuhauf. Nun bekomme ich sie hier das erste Mal zu sehen. Fjord Canada. Ein unglaubliches Glücksgefühl nach 3 Stunden tachycardem Fahren auf den letzten Gängen und der bangen Frage kommt nach der nächsten Kurve der nächste Berg.Und plötzlich  Norwegen pur, hier in Canada. Atemberaubend. Ich bin längst stehengeblieben und kann die Camera nicht ruhen lassen.

Aber das war nur die Overtüre, von der Sahne auf dem Eis ahne da noch nichts. Ich rolle abwährts und muß wieder das Sicherheitstamtam von BC Ferries über mich ergehen lassen. Ich komme ein wenig zu spät. Nun würde überall in Europa nicht dagegen sprechen, den Biker kurz mal raufrollern zu lassen, hier ist der Gedanke unnötig. Ich warte bis alle an Bord und bin der letzte, der die Fähre betritt. 
Ich lasche an und wundere mich, das niemand die Autos verläßt. Fast alle bleiben in ihren Autos, obwohl die Fahrt über 1h dauern wird. Es gibt auch keine Lautsprecher Durchsagen, die die Leute auffordern ihre Fahrzeuge zu verlassen. Also gut, dann ich ein Foto vom Bug bestimmt zu machen und ich tanke mich zwischen den geparkten Fahrzeuge durch und erreiche den Bug mit seiner flachen Fahrbahn. Was ich dann zu sehen bekomme, läßt einen den Mund sprachlos werden. Die Fähre gleitet über den Fjord und majestätisch erheben sich die Felsen aus dem Wasser, nun bin ich endgültig im Hardanger Fjord angekommen. Es ist nicht mit Worten zu beschreiben. Das ganz große Postkartenalbum wird vor meinen Augen aufgeblättert.
An Steuerbord erscheint so etwas wie eine Aquafarm und ich frage den Fahrer im T4 neben mir, hey Sir, ist das eine Aqua Farm? Ich würde das aus Norwegen kennen, wieso haben sie das hier nötig, ich dachte, es gäbe genügend Lachs hier? Und nun bekomme ich einen Lehrvortrag über Pacific Salmon, die Vor und Nachteile der Aquafarmen,die sich übrigens alle unter norwegischer Kontrolle befinden und mit norwegischen Know How erbaut wurden und über die Auswirkungen auf den Fischbestände hier an der Küste. 
Tom hat norwegische Vorfahren


Merkwürdigerweise kennt sich der Fahrer gut in Norwegen aus. Und es stellt sich heraus, das Tom Rukkerberg's(?) Großvater in den frühen 1920er Jahren aus der Gegend von Lillehammar in die Prairies emigrierte und hier als Farmer eine neue Karriere startete. 

Er selbst ist öfter in Norwegen gewesen und liebt das Wandern im Gebiet des Jontuheimen. Schnell gibt ein Wort das andere. Na klar, er kennt die styrke Proven, er war öfter in Trondheim. Und dann steht er neben mir und bietet mir ein Bier an, nein Tom, no alk und er ist fast ein wenig pikiert, aber er läuft um den Wagen und ruft ich muß Dir jetzt noch was zeigen und holt ein Tshirt heraus. Wuppertal- die Schwebebahn, stolz zeigt er mir sein Shirt, ein Geschenk, das Freunde für ihn gemacht haben, als Erinnerung für seinen letzten Besuch in dieser Stadt. 
Wuppertal, ausgerechnet Wuppertal.

Ellinor war gerade dort. Und Tom, der in Kopenhagen nordische Geschichte studiert hat, paliert glänzend über Harald Schönhaar, der das norwegische Königreich zu Beginn des Mittelalters einigte. Und über den Roten Erik, der als Mörder verdammt, das Land verlassen mußte und auf seiner Odysee erst Island, dann Grönland entdeckte und dann um das Jahr 1000 Amerika entdeckte.

Es wird die kurzweiligste Fährfahrt, die ich je hatte. Mir wird warm um Herz. 

Mittwoch, 3. September 2014

Courtenay im Regen

Bescherung am frühen Morgen
Di.,2.9.
Und der Tag ist nicht mein Freund
Es regnet, das Stimmungsbarometer sinkt. Einziger Lichtblick, es hätte schon seit 2 Tagen regnen sollen. Hat es aber nicht.
Während ich im Nieselregen aus dem Zelt klettere, entdecke ich, das der Hinterreifen wieder platt ist. Grauer Himmel, Nieselregen, wieder mal einen Platten. Nein, das kann nicht sein. Kann nicht sein, darf nicht sein und doch ist es so.
Es braucht viel Kraft, um sich den heutigen Tag schön zu reden.
Und eigentlich wollte ich heute die Fähre nach Powell River nehmen. Noch einmal kurz in die Stadt und dann los. Rüber auf die andere Seite.

Ich erreiche den Horton Store am Highway gegen 08:50h. Es regnet noch immer. Da aus unerklärlichen Gründen das Visitor Center mehr als 10km außerhalb der Stadt sein soll, brauche ich wifi, um die Abfahrtszeiten heraus zu bekommen. 03:15h leaving Little River außer Mittwoch.

Damit sind es noch knapp 6h abzüglich einer 10km Strecke mit den Berg an der Ryan Road. Und es regnet. So wie ich die Sache einschätze, gibt es keine großen Events in Little River, heißt also, im Ort bleiben und hoffen, das das Wetter sich legt. Und Frühstück bei Walmart auf der Bank mit Dachunterstand.
Um 10:30h regnet es noch immer und ich bin auf dem Weg zur Bank. Und da ist der Reifen das zweite an diesem Tag platt. Irgendwann sind Wutausbrüche und Verzweiflungen nur noch stumm. Ich stehe auf einer 4spurigen Kreuzung im Dauerregen, es regnet gerade mal cats&dogs und ich fahre auf der Felge. 2x innerhalb von 24h Glasschnitt.
Wenn der Tag nicht Dein Freund werden will
Der Tag ist nicht mein Freund. Irgendwas läuft gerade gewaltig schief, jemand hat seine Voodoo Puppe gepiekt oder wasauchimmer und ich schiebe das Rad quer über die Starsse im Verkehr zum ehemaligen Safeway Supermarkt. Wieder kein Stein, Stahl oder Scherben zu sehen.

Courtenay

Walmart Courtenay, wir haben nur an einem Tag geschlossen
Mo.,1.9.
Wer hat eigentlich frei am Tag der Arbeit?
Irgendwann muß ich eingeschlafen sein und wache erst wieder gegen 7:00h auf. Nach der Party vor meinem Zelt gab es noch den akustischen Einakter, nachts im Wohngebiet und ich flipp’ mal aus.

Obwohl ich nichts verstanden habe, musste sich irgendwer mal so richtig Luft machen, bei geöffnetem Fenster, versteht sich. Highway Rastplätze in Wohngebieten sind irgendwie eine schlechte Idee für Wildcamper.
Hat allerdings für die örtliche Bevölkerung echte Vorteile. Da ist etwas, was ich bis heute nicht verstanden habe. Zwar stehen überall in ganz Canada große Schilder mit dem Hinweis, die Mülltonnen sind nur für den Reisebedarf und keinesfalls für Hausmüll und es drohen drakonische Strafen, ja die Bevölkerung wird aufgerufen Missetäter telefonisch zu petzen, aber hält man sich zu frühen Morgen -und Abendzeiten auf einem Rastplatz auf, erlebt man immer wieder Leute, die mit ihrem Auto vorbei kommen und seelenruhig ihren mitgebrachten Müll vor Ort entsorgen.
Austernfischer in Union Bay
Vor dem Visitorcenter in Nainamo wurden sogar alle vier Insassen der Nobelkutsche während meines Frühstücks benötigt, um behände den Müll in die 3 großen Tonnen zu stopfen. Was also bitte treibt Leute an, ihren Hausmüll illegal in den Tonnen der Rastplätze zu entsorgen? Hat deren Tonne zu Hause ein Loch?

Ich bin früh auf dem Rad; der seit Tagen für dieses Wochenende angekündigte Regen ist noch nicht erschienen. Zu meiner Freude ist bereits 2km später im Dorfzentrum von Union Bay ein Generalstore offen, es gibt frischen Kaffee mit ausdrücklich erlaubten Re-fill. 

Was wiederum nun ebenfalls bemerkenswert ist, denn eigentlich ist Feiertag in Canada. Tag der Arbeit. Ich laufe also mit dem Kaffee in die gemütliche Sitzecke und bevor ich in den Genuß der auf jedem Tisch ausliegenden aktuellen Zeitung komme, heißt es schon, eh komm’ rüber und setz' Dich zu uns. Howard, der aus England stammt und Doug aus Hamilton/ON sitzen beim Kaffee am Tisch, es ist ihr Treffpunkt, normalerweise sind es einige mehr.
früher 1. Haus am Platze, heute Post in Union Bay

Kaum bin ich wieder mit dem Rad unterwegs, werde ich wieder angesprochen und darf erzählen, in Nanaimo hat niemand mit mir geredet, was beweist, bis Du einsam, schaff’ Dir 'nen Hund an oder fahre mit einem Tourenrad über die Dörfer. Zwischendurch kommt kommt ein neuer Gesprächspartner dazu. Holy cow, what a much shit you carrying with yo on your bike? 

Ich kann den Leuten nicht die Story mit dem Traktor aus Clinton zumuten. Nach zwei Pott Kaffee für 2$ will ich weiter. Und nach 17km erscheint das Ortsschild von Courtenay, beginnend mit Handelszone I, Walmart ist am Ort mit einem Supercentre vertreten. Auch hier sind die Parkplätze wohl gefüllt.
In Handeslzone II hinter der Flußquerung hat Real Canadian seine Dependance. Und überall sind die Parkplätze gefüllt, Business as usual. Dabei ist wie gesagt Feiertag.
Firefighter werden immer gesucht
Canada hat so seine eigene Art der Feiertagsbewertung. Wie sagte die Frau im Walmart Store als ich schüchtern fragte, ob sie vielleicht am zweiten Osternfeiertag öffnen würden. Also erstens, gibt es keinen Ostermontag und zweitens hat Walmart nur an einem Tag geschlossen. Und es ist nicht Heilig Abend oder der zweite Weihnachtstag, genannt Boxing Day. Wie Craig sagte, sind die Geschäfte dann sogar voller, als zu jedem anderem Tag des Jahres. Also, Walmart hat(fast) immer auf, von 07:00-2300h. Und die anderen eben auch, mehr oder weniger.
Im Grunde bin ich ein überzeugter Verfechter der offenen Ladenöffnungszeiten. Mich fragt auch niemand, wie ich mich um 04:00h morgens bei einer spontan auftretenden Arbeitsspitze fühle. Dieses Gerede über den angeblichen heiligen Sonntag und der Sonntag gehört der Familie ist mir zu scheinheilig und zu durchschaubar. Aber hier, im Land der offenen Kaufhaustüren, geht es mir dann doch ein wenig zu weit. Was sind Feiertage noch wert, wenn immer alles gleich ist? Da habe ich es doch eher mit den Polen, vorm Kirchgang ist alles zu, ist die Messe erstmal gelesen, geht es ein Haus weiter in die Shopping Mall. Niemand scheint das zu stören im stark religiösen Polen.

Montag, 1. September 2014

Bowser-Back on the road again

Die Jakobsmuschel, Zeichen der Pilger
So.,31.08.
Party in der Nacht
Die Zeit ist überfällig, eigentlich schon seit (vorvor)gestern. Viel zu lange gewartet. Zum Schluß war es in Nanaimo nur noch abwarten; Neues kam nicht mehr vor.

Ein letztes Gespräch mit Ellinor, gleich nach Vancouver oder doch den Umweg nach Norden. Mach' nochmal was, lautet die Antwortet. Ja nicht zu früh in die Metropole.
Um 10:40h verlasse ich das Haus. Die ersten Minuten sind eine Katastrophe.
Ich denke an Tom, der seine Pilgertour morgen starten will, hoffentlich hat er weniger zu schleppen, materialistisch gesehen.

Viel zu schwer ist der Lenker in den Händen im Gegensatz zu den letzten Tagen auf dem leichten Kuwahara. Ich habe das Gefühl ich komme überhaupt nicht weg vom Fleck. Es dauert einige Km bis ich mich an das Gewicht gewöhnt habe. Ein letzter Zwischenstop am Real Canadian und Äpfel kaufen. 2 Äpfel 2,99$, 12 Äpfel für 5,99$ und schon sind es wieder 3,5kg mehr. Preisbewußtes Einkaufen ist eine Gewichtsfrage. Nein, beschweren kann ich mich nicht.
Baseball in Parksville

Die Strafe folgt bald darauf. Inzwischen sind 4%Anstiege eine Herausforderung. Es gesamt gibt es 4 nennenswerte Anstieg bis zum Abend.

Neben Walmart ein letztes Einkaufszentrum, dann ist Nainamo abgeschüttelt. Und los geht's, ruff' auf den Highway 19 Richtung Norden. Der 19er verbindet das eher unansehnliche Port Hardy im Norden mit Victoria, der Hauptstadt BC's. Immer an der Ostseite der Insel entlang. In Port Hardy laufen die Fähren aus Prince Rupert in North BC ein, es wäre damals eine Alternative gewesen, um sich den Highway 16 zu ersparen, aber ich wollte nicht. Michael aus Victoria ist diese Strecke gefahren. An diesem Sonntag herrscht lebhafter Reiseverkehr. Aber es tut gut wieder auf der Strasse zu sein. Der Lärm der Trucks, das Dröhnen der Motoren, den Kaffee wieder an der Tankstelle, wieder das Gefühl für Strecke und Entfernung. Hi there, i'am back again.
Qualicum Beac,10km nördlich von Parksville
Erste Station ist Husky in Parksville. Hier zweigt der 4 spurige 19er vom küstennahen 19a ab. Die Radfahrer haben nun keine Erlaubnis mehr zur Weiterfahrt. Irgendwann kommt man auch in BC zu der Einsicht, das die Duldung auf dem Highway mit fast 2m Randstreifen für Radfahrer wesentlich sicherer ist, als der angeblich so verkehrsberuhigte 19A mit einem Randstreifen von 60cm Breite bis nicht vorhanden.

Es gibt jedenfalls bis 17:00h reichlich Verkehr auf der Küstenstrasse, die dafür weitestgehend am Strand, bzw. durch den Uferwald entlang führt. Zu beiden Teilen der Strasse ist Bebauung vorhanden. Große unbebaute Flächen zwischen den einzelnen Küstenorten gibt es nicht.

Zum Abend erreiche ich Fanny Bay, hier ist die Austernfischerei ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.
Austern werden von hier in die Staaten und nach Europa importiert. 
Ich konnte diesem glibberhaften Zügs bisher nichts abgewinnen. Es war mir immer suspekt. Während der Urlaube in der Bretagne, in den teuren Restaurants der Starndorte einen Teller voller Austern und eine Flasche Weißwein. Nein, danke.

Nanaimo-malade

Färhe aus Gabriola
Fr.,29.8.
Allein zu Haus
Es ist 06:00h, als Leben in die Bude kommt, Craig hatte noch am Abend seinen ehemaligen Truckerkollegen gebeten, ihn die Strecke nach Courtenay hinauf mitzunehmen, was die Busfahrt sparen würde. Er ist zu einem Ehemaligentreffen nach Powel River und von dort aufs Land.
Und weg ist er. Es ist  06:30h.

Ich bleibe allein zurück, allein in diesem fremden kellerlosen Souterrain.
immer wieder zu entdecken Kleinod in Holzbauweise
Es ist ein für mich nie erlebtes Vertrauen, Du hast meine Hausschlüssel, ich bin am Sonntag irgendwann zurück. Mach' was draus. Und Craig sieht nicht so aus, als ob er sich das nicht vorher überlegt hat. Warmshowers extrem.


Nachbahrschaftssportfeld
Aber der Tag ist heute nicht mein Freund. Wieder mal intestinale Probleme, schon wieder das Falsche nicht vertragen. Ich gebe die Schuld dem regular Hot Dog, oder der Tunke auf dem Eisbergsalat. Leben von der Hand-in-den-Mund und ohne Kühlschrank ist ein Risikogeschäft.

Und überhaupt, die gestrige Abstinenz vom Koffeein, egal was auch immer, ich hab' das Gefühl von einem Truck gerammt worden zu sein. Meine Rehabilitation zieht sich über Stunden hin.

Samstag, 30. August 2014

Nanaimo-wasting time

Noch immer Pause in Nanaimo
Do.,28.8.
Und doch sitzig geworden. Ich hätte heute fahren sollen. Einfach endlich fahren sollen und doch verzögert sich die Abfahrt auch heute schon wieder aufs Neue. Noch gestern waren die Wetternachrichten bei yr.no voll mit kraftig regn, es gab also gute Gründe einen weiteren Tag dran zu hängen, anstatt in einem Motel oder im Regen draussen zu übernachten. Also den Start verschieben. Und dann startet der Tag zum Mittag mit angenehmen 24°. Kein Tropfen Regen.
Die Gefahr sitzig zu werden ist im Moment extrem hoch.
14$ bezahlt und Amerika hat ja gesagt, bald geht's los

Ab morgen bin ich allein. Da Craig von morgen früh an bis zum Sonntag verreist, bleibe ich hier und halte Stallwache. Am Montag zu reisen ist sowie in Craig's Augen der helle Wahnsinn, denn dann ist Feiertag, Canada feiert den Labour Day, dem Tag der Arbeiter, so wie in Europa die Feiern zum 1. Mai und die Straßen und Fähren sind aufgrund des longweekend extrem voll .

Dieser Stillstand macht mich unruhig. Irgendwann komme ich überhaupt nicht mehr in die Gänge.  Mein Zeitspiel dauert nun schon nahezu 9Tage.
Nun stehen zwei Tage in eigener Fewo in Aussicht, leider Gottes in Nanaimo und nicht in Böhmen, aber immerhin. Irgendwie ist die Situation ein wenig verkorkst, der einzige Trostpreis besteht darin, das ich keines Falls 10Tage in Ucelet hätte bleiben können, ohne viel Geld ausgegeben zu haben.
Wholesale Sports, der andere Männerladen

Jeden Tag klicken nach der Wiederaufnahme immer noch gut 55 Leute diesen Blog. Nachdem selbst Lukas sich beschwerte, blieb mir nichts übrig, als die Zeilen wieder online zu stellen. Banale Zeilen, es gibt nichts neues. Es tut mir so leid, ich kann Euch nichts erzählen, weil nicht viel passiert. Nach dem Wochenende wird sich das ändern, aber im Moment ist purer, unspektakulärer Alltag.

Das Highlight des Tages war die Entdeckung eines weiteren Männerladens. Craig hatte plötzliche Eingebung und fragte spontan ob ich schon Wholesale sports kennen würde. Nein, außer das ich an einigen Stores dieser Kette vorbei gefahren wäre, ne, betreten hatte ich sie nie.

Und was soll ich sagen, ein echtes Outdoor Ausstatter Paradies. Absolut alles was Wolf in einem braucht. Neben allem erdenkbaren in Sachen Camping, hiking, und Anglerbedarf, alles was der Jagdtrieb so verlangt. 20m Ladenfläche Wummen und Ballerei und jede Menge Tarnkleidung und was noch so fehlt. Ich hatte sie immer wieder gesehen, die Elchlockpfeiffen. Nach dem ich die Moose allerdings in realer Größe sah, glaube ich, das es keine praktische Idee ist, mit einer Elchlocktröte einfach so durch den Wald zu rennen.
Das schlimmste an diesem Nachmittag war jedoch die Entdeckung, das mein bisher heimlicher Favorit in Sachen Männereinkauf, der Canadian Tire, die gleichen Artikel 40% teurer anbietet. Welch ein Verrat. Da renne ich seit 5 Monaten immer in diese Stores und dann stellst ich kurz vor Schluß fest, alles gnadenlos überteuert.

Craig hatte für meine frustranen Erkenntnisse wenig über. Eh, das weiß man doch, Canadian Tire ist nicht billig...
Nach einem ausgiebigem Bummel durch die bunte Welt der Outdoor Ausrüstung, wobei ich wirklich gerne echte Boots mitgenommen hätte, ist es Zeit für Lunch in unserem gemeinsamen Restaurant.
Und als wenn ich es nicht geahnt hätte, einmal die falsche Wurst, einmal regular statt polish style und schon den Magen verdorben. Der Geschmack war nicht doll und die Freude kurz.

Donnerstag, 28. August 2014

Nanaimo-der selbstbau Fahrradcaravan

Mi.,28.8.
German Mercedes in Kenya
Den Tag wieder mal finnisch beginnen. Leider ist die Sauna immer noch kaputt. Und der wifi Server im Gebäude arbeitet auch nicht mehr. Es ist ein Ärgernis.
Letzte Woche hatten sie in der Cafeteria noch ein excellentes wifi, seitdem taucht der Server in der Suchmaske nicht mehr auf. Die Frau an der Rezeption kann ebenfalls nicht weiterhelfen. Also zurück zu Craig und Handtücher gegen daypack und Foto ausgetauscht. Der Versuch die Ereignisse des gestrigen Tages aufzuschreiben gestaltet sich frustriend. Das die Wand durchdringende Internetsignal ist heute zu schwach. Ich brauche 3Stunden bis die spärlichen Bilder und der Text im Netz stehen.
inzwischen bin ich Stammgast im VC an der Northfield
Craig ist erneut zu seinem Freund zum helfen. Ich bin allein. Nach 3 Stunden habe ich die Faxen dicke und fahre zum VC in die Northfield Road. Es bleibt anstrengend, das ständige rochieren, um Nachrichten zu lesen bzw. zu verschicken kostet Energie. Nie hätte ich mir zu Hause vorstellen können, das die ganze Geschichte so zeitaufwendig ist. Immerhin der Internetstream des VC läßt ein Skypen in guter Qualität zu.
Hunter of the hidden treasures

Danach noch einmal zum Recyclinghof und nach gebrauchten Reifen für Craig gesucht. Auch an diesem Tag gibt's nicht zu holen. Also zu Costco. HotDog Nr.6. Heute herrscht hier Hochbetrieb. Es gibt nur noch Stehplätze in meinem Lieblingsrestaurant.
Und während ich so stehe winkt jemand von den hinteren Tischen und bietet mir einen Platz an. Es ist Phil. 
Thankyou, Sir, very kind und schon beginnt: Lifestory in 15min. Where you come from?- Germany, ah, German!, Ich habe viele Freunde in Sindelfingen, bei Mercedes Benz. Where you come from? Kenya. Meine Familie lebt in Nairobi. Ich hätte gedacht Keynaner sind more black coloured. Ja, wir stammen aus Indien und sind vor drei Generationen aus Indien nach Kenya eingewandert. Autohandel. Mein Neffe ist der CEO bei DT Dobie Kenya Ltd., dem größten Mercedes Händler in Ostafrika. Ich bin sehr häufig in Deutschland gewesen. Gute Leute, Deutschland sehr gut. Wir verkaufen Autos in 6 Länder.
Phil arbeitete sein Leben für Mercedes Benz
Hier erspare ich mir die (häßliche)Frage, wer DT Dobie's Kunden sind und wie die Autos bezahlt werden. Ein Mercedes kostet wohl auch in Ostafrika keine Kleinigkeit.
DT Dobie Kenya
Und Phil erzählt und erzählt, ich sitze da und höre mit dem HotDog in der Hand zu. Sein ganzes Leben hat er für und mit Mercedes gearbeitet, es ist spannend ihm zu zuhören. Dann ist es vorbei. Die Zeit ist um und Phil verabschiedet. Ein letztes Photo und schon ist sein Platz leer. Zurück bleibe ich und amüsiere mich erneut; es sind diese kleinen Begebenheiten, die dieses Land so überraschend machen. Leute mit mutmaßlich einem haufen Geld in der Tasche stellen sich an einem Schnellimbiß im Supermarkt in die Schlange, essen von Papptellern und erzählen irgendwelchen Fremden ihre Geschichte. Einfach so, diesmal sogar ohne mein Bike gesehen zu haben.

Nanimo-das Ende der Recyclingkette

...und es gibt doch eine Eisenbahn, nächstes Jahr sogar wieder Passagierverkehr
Di,.26.8.
20' Reifen für Craig
Irgendwas in meiner Erziehung ist gewaltig schief gelaufen. Wahrscheinlich haben die Eltern zu gewisser Zeit nicht energisch genug das ist bäh, oder fass' das nicht an gesagt, und so hat es sich eben verselbstständig. Ich habe etwas über für Sperrmüll. Ich mag es, zu suchen, selbst wenn zu 100,3% die Gewissheit besteht, es gibt nichts zu finden.

Loppis in Sweden allgegenwärtig, www.placetostayinsweden.com
Und so kann ich im Urlaub schwer an Gebrauchtem oder Entsorgtem vorbei gehen. Möglicherweise ist da ja doch etwas, was unbedingt erhaltenswert ist. Und wenn nur vorübergehend.
Ist natürlich nicht.
Aber es bleibt zumindest der Traum eines Tages doch den ganzen großen Schatz zu finden. Natürlich vor allen anderen.

Übrigens sehr zu Ellinors Leidwesen. Merkwürdigerweise hält sie unsere Wohnung für viel zu klein.
Schweden ist eines der Traumländer für Schatzsucher, überall auf den Bauernhöfen, in kleinen Dörfern findet man das Schild Loppis und genau das ist es, das sich hier auf Erden befindliche Paradies des Gebrauchten für Schatzjäger. In vielen Städten gibt es neben den Privaten auch die Erik's Hilfe, Erikshjalpen.se, eine karikative Einrichtung, die mit dem kleidersammeln anfing und inzwischen in großen Hallen in den industriellen Vorstädten des Landes verkauft.
Gut, Kanada ist ein teures Reiseland. Aber auch die Einheimischen stöhnen wegen der hohen Preise. Deswegen haben Läden wie Value Village hier Hochkonjunktur.
Verkaufen das Gerümpel der Mitmenschen, Gebrauchtes und Verbrauchtes, getragene Kleidung genauso wie Kücheneinrichtung. Bücher sowieso. Wer immer etwas abzugeben hat bringt es solchen Institutionen vor die Tür.
Donation heißt das dann. Man klingelt an der Tür und unscheinbare Volunteers nehmen Dir die Sache gerne aus der Hand. Während in Lübeck die Brockensammlung eher von Kunden am unteren Ende der Wohlstandsleiter besucht wird, ist in Schweden und hier in Canada es eher normaler gelebter Alltag bis Volkssport.

Craig hat mich kürzlich einer Illusion beraubt. Value Village wäre trotz deiner Hochglanzflyer und ihres Images doch kommerziell, das wäre im Land ein offenes Geheimnis.
Der Besitzer sei mindestens Millionär. Alles Show. Und die Mitarbeiter würden schlecht bezahlt. Es ist tragisch, wenn Gedankengebäude zusammenbrechen. Aber Craig weiß alles.

Karikative Sammlungen haben immer einen gewissen Beigeschmack.
Daneben gibt es hier am Ort die karikativen Sammelstätten zur Unterstützung von Krankenhäusern und Hospizen und natürlich die Salvation Army, die gleich 3x Flagge zeigt.
Am untersten Ende steht dann der Recyclinghof und wie es der Zufall so wunderbar wollte, cruise ich am Nachmittag auf den Hof.