tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Samstag, 5. Juli 2014

Morley Recreational Park-no pain, no gain



So.,6.7.
Die Aristokratie einzelner Yukonfahrer
Der zweite Tag der Rückfahrt steht an. Der Highway ist an diesem Sonntag wie leergefegt. Nur wenige RV’s sind unterwegs. Der Himmel ist bewölkt, die Stimmung ist immer noch unmotiviert. Ich will nach Watson Lake, aber diesem geringen Verkehr wird das trampen wieder nichts und ich muss wohl doch selber fahren.

Im Grunde ist das gut so, das Fleisch ist schwach, der Geist ist willig, jetzt dem Fleisch nachgeben und in ein Auto steigen, wird die Stimmung in nächsten drei Tagen nicht heben. Also überrede ich mich zu einem Kompromiss, erstmal bis Teslin selber fahren und dann hoffen, das dort ein Pferdeanhänger nach Süden steht.
Zunächst einmal komme ich überhaupt nicht in Schwung und erreiche mit Mühe Johnsons Crossing, die mit dem teuren Kaffee. Ne, heute nicht, obwohl, es reizt mich ungemein. Ich fahre dran vorbei und hoffe auf schnelle 50km bis Teslin.
Ich stelle unterwegs fest, das ich kaum etwas wieder erkenne. Sieht doch irgendwie alles unbekannt aus. Also ist es wie eine neue Begegnung und damit im Grunde auch egal in welche Richtung ich fahre.
Ich freue mich auf Teslin, Kaffee satt, eine neue, leider teure Ladung Kekse und eine wifi Nachricht für Ellinor.
Teslin ist 270km von Watson Lake entfernt und damit so etwas wie gefühlte Halbzeit.

Ich treffe auf einen Biker aus Slowenien in einem adretten, sauberen Markentrikot und obwohl ich mich immer auf Gespräche unter Kollegen freue, muss ich nun zum dritten Mal feststellen, hier im Yukon auf der Alaska-ab-in-den-Süden-Strecke sind viele ein wenig von einer überdurchschnittlichen Leidensbereitschaft beseelt. Andauernd dieses ja, das muss eben so sein, ja, das ist eben nicht europe, ja, das ist Nordamerika.
Ist das wirklich ein Argument sich mit rudimentärem Service zufrieden geben zu müssen, weil man eben in Nordamerika ist und es nicht möglich zu sein scheint im waldreichsten Land der Erde auf einem Rastplatz eine Sitzgarnitur bereit zu halten, nur weil alle mit dem RV kommen, indem bekanntlich genug Sitze vorhanden sind.
Und es für Biker authentischer wirkt, wenn man auf das bischen Komfort verzichtet und stattdessen mit den Armen fuchtelnd vor den Müllcontainer auf und ab läuft.

10min höre ich mir dieses ich bin gerne bereit, entbehrungsreich zu reisen an, weil es dazu gehört, dann habe ich genug und stelle klar, ich bin hier nicht im Wettbewerb wer hat am meisten leidet auf dem Weg nach Vancouver.
Von Hugo aus Antwerpen angefangen, Will aus London und nun dieser arrogant Heini aus Slowenien, die es alle voll cool finden Lebensmittel über 100er von Km mitzuschleppen, Schlechte Strassen vor zu finden und die permanente Anwesenheit von Mücken als Normalität zu begreifen. Wahrscheinlich bin ich in ihren Augen nicht leidensfähig genug wahrscheinlich habe ich in ihren Augen einen unberechtigten hohen Bedarf an Reisekomfort, der allerdings in meinen Augen schon deutlich zu wünschen übrig lässt.

Es ist schon eine gewisse Aristokratie, die hier herrscht. No Pain, no Gain, das scheint das Motto einiger Fahrer hier zu sein, aber vielleicht passe ich einfach nicht in diese Welt, mit meinen europäischen Ansprüchen. Nur in Europa gefahren zu sein, ist in den Augen einiger Fahrer nicht das wirkliche Fahrradreiseerlebnis. Da muss es schon ein wenig mehr sein.
Vielleicht bin ich auch einfach zu alt und vergnügungssüchtig. Und so beende ich  Gespräch und ziehe mich in das Restaurant zurück. Ich werde in nächster Zeit solche Gestalten meiden.  
Jeden Tag175km on the road(srry Boys, I forget your names)
Das es auch anders geht, zeigt das Beispiel von gestern Abend, als ich beim Abendessen von 2 Österreichern aus Graz besucht werde. Die beiden sind in Anchorage gestartet und sind auf dem Weg nach Calgary. Mit einem Unterstatement in der Stimme planen sie jeden Tag 175km zu fahren, um ihren 3 WochenPlan zu erreichen. Freundlich, nicht aufdringlich, und ohne Allüren .                                                                   
Ich breche nach 1h wieder auf. Die Sonne steht noch hoch und ich könnte noch 30km fahren. Lieber auf der Strasse, als Menschen mit solch ihrem Gehabe eine Bühne zu geben. Ich erreiche den Recreational Place Morley River und baue mit Vollschutz das Zelt auf. Wenn ich auch den Tag lange darüber nachgedacht habe, ob es zu früh war den Yukon zu verlassen, jetzt hier beim Zeltaufbau brauche ich keine 3 Sekunden, um die Antwort zu finden. Nein, es war absolut richtig.

Der Weg zurück-Versuch zu trampen



Sa.,5.7.
Und dann bin ich doch gefahren
Ich bin als erster im 8bett Dorm auf, im Haus herrscht noch Ruhe.
Leise räume ich die Fahrradtaschen in die Bibliothek. Alle anderen müssen heute ebenfalls das Haus verlassen, falls die vorbestellten Gäste eintreffen.
Trotz meines Elans habe ich es im Grunde nicht eilig. Ich werde frühstücken aus dem Ort rollen und mich hinter der Kreuzung an die Strasse stellen. Ich bin total unmotiviert, 454km bekannte Strecke, denselben Weg zurück, es lässt mich kalt.
Ne, ich will im Grunde so schnell wie möglich nach Watson Lake zurück.
 
Die Stimmung ist düster, ich treibe mich an, bin aber eigentlich total gelangweilt.

Herzliche Verabschiedung von Nancy, und den anderen Gästen, die nun am Frühstückstisch Platz genommen haben. Dann bin ich draußen.
15min dauert es bis ich auf dem Alcan bin. Rad angelehnt und den Daumen in den Wind. Das Ergebnis ist ernüchternd. Eine halbe Stunde bin ich noch da und niemand hält an. Also gut fahren wir einige Km. Es fällt mir schwer in die Gänge zu kommen, ich habe ganz andere Vorstellungen, versprochen von denen, die lautstark betonten, geht ganz schnell, dann biste weg.

Als in den Außenbezirken, kurz vor Wolf Creek der Reifen innerhalb von 4Sek platt ist, ist die Stimmung endgültig dahin. Es ist ein Graus, nicht jetzt, nicht heute, eigentlich nie nich.
Um ein Zitat meines Lieblingsarztes, Diagnose vor Spekulation, das ich immer dann höre, wenn ich mit neuen Krankheitsideen in seinem Büro sitze, mache ich mich widerwillig an die Arbeit. Wie auch immer, alle Speichen sind noch an Ort und Stelle, aber ein großer, scharfer Flintstein steckt im Mantel. Nun also zur Unlust auch noch Pech.

Derweil halte ich wieder mal den Daumen raus, und es passiert wieder nichts. Plötzlich hält eine Frau in der Seitenstrasse, schade, falsches Auto, Are you ok? Ich schon, aber das Rad nicht. Sie würde 2 Strassen weiter rechts den Berg herauf wohnen und hätte eine Garage, vielleicht würde das helfen. Helfen würde mir ein schneller Lift nach Watson Lake, sage ich und wir beiden grinsen. Wenn ich einmal ein Gedanken festgelegt habe, fällt es mir schwer, ihn wieder zu verwerfen und heute würde ich gerne schnell in den Süden.

Nach 10min ist die Sache getan und ich rolle davon und entdecke einen Mann vor seinem Auto stehen. Hattest Du gerade eine Panne, meine Frau hat mir davon erzählt, ich wollte Dir entgegen fahren. Willst Du auf einen Kaffee mitkommen? Und Zack lande ich eine Meile später im Wohnzimmer von Margret und Ken. Milchkaffee mit selbstgebackenen Keksen.
Toll, zwar bin ich erst knappe 20km gefahren, aber so eine Einladung kann man nicht ausschlagen. 

Whitehorse-Rainfuckerdays

angekommen mit dem Nachtbus
Fr.,4.7.
Flucht ins BeezKneez
Es regnet seit gestern Abend 18:00h, seit meiner Ankunft auf dem Berg. Terroristischer Regen, mal hört es kurz auf , dann faengt es wieder an. Seit heute Morgen um 4:00h herrscht starker Dauerregen. Ununterbrochen. Ein Rainfuckerday.  Es regnet Blasen. Dann hört es gleich auf. Von 06:00- 8:30h saß ich bei Tim vor dem Flackerkamin im bequemen Ledersessel, ohne das die Schuhe trockener wurden,  das nasse Zelt genau eine Schaufensterscheibe getrennt von mir.

Um 09:00h habe ich dann die Reißleine gezogen.
Das Bienenstock Hostel
The BeezKneez, der Bienenstock. Hostel 15bett, Dormbed für 30$. Ein Stolzer Preis, aber gut.
Den Bewegungsspielraum erweitern, Sachen abwerfen, mückenfrei auf richtigen Stühlen an richtigen Tischen essen und dann mit einem Abschlusskaffee in einen superbequemen Sessel. Äußerst gemütlich in einem älteren 1Familienhaus mitten in der Stadt. Die Memorials zeugen von Gästen aus der ganzen Welt und Nancy, die hier im Haus wirkt, strahlt mit ihrem in Rente gegangenen Schlittenhund Wärme und Seele aus.
Gott sei Dank war ein Bett frei und zum Glück fragen sie bei Ankunft nicht, ob ich an Schnarchstörungen leide. Fuer gewoehnlich schlafe ich tief und gut.

Ich fremdel' ein wenig mit einem Hostel, aber dieses smarte kleine Haus ist anders. Es gibt Gaeste wie  Muetter mit Kindern, die hier Urlaub machen, bis hin zu Dave und Marshall, die aus den US Neuenglandstaaten mit ihrem Faltkanu gekommen sind und den Yukon abwärts wollen. 1600km bis nach Alaska.

Dave ist 72!, ein ehemaliger GE Turbinenfachmann, der die Facebookeintraege seiner heranwachsenen Enkel redigiert. Wow, da biste wirklich platt.
Gestern abend kamen pitschenass zwei weitere Biker und baten um Asyl, eigentlich ist hier fuer Wochen ausgebucht.

Freitag, 4. Juli 2014

Whitehorse-zweiter Tag



Do.,3.7.
Off the beaten path
Es ist eine meiner Lieblingideen für Stadtaufenthalte. Mal ein wenig hinter die Kulissen schauen. Den Terminus habe ich, glaube ich, aus dem Lonely Planet aufgeschnappt. 
Der Pferdezüchter aus Alberta gab mir ja den Tip unbedingt mal bei einer Dump Station nach Hinterrädern vorbei zu schauen. Natürlich liegen dort keine Shimano XTHinterräder auf dem Schrottplatz und erst nach gewisser Überzeugungsarbeit zeigte mir die Tourismusfrau den Weg, aber ich bin auch ganz anderen Dingen auf der Spur.
Raven Recycling heißt der Entsorger hier und der Besuch erklärt das Recyclingsystem. Man zahlt nämlich für jede Getränke-Plastikflasche 1x einen Pfandbeitrag und dann zweitens einen Umweltbeitrag. Neulich habe ich einen solchen Posten durch Zufall auf meinem Bon entdeckt. Zwar gibt’s keine Mehrwegsysteme wie im alten Europa, aber sie tun wenigstens so und haben ein Netz von Entsorgern in der Peripherie der Städte, die Dosen und Plastikflaschen ankaufen. Im Baltikum läuft das auch so.
Glassammler’s Heaven.
Glassammler's Heaven
3ct pro Dose und die Leute kommen heute Morgen mit Säcken voller Dosen. 
Innen haben sie einen großen Raum, den sie freestore nennen, alles umsonst, nichts zu gebrauchen, aber für die, die wenig haben, eine riesige Fundgrube.

Hat ein wenig was vom Recycling Hof bei mir um die Ecke nur Riesengroß.

Whitehorse Foodbank
Der zweite Tagespunkt passierte eher zufällig, als ich auf der Suche nach Foto Motiven unvermittelt vor der Food Bank stand. Und während ich die Kamera suchte, kam ein Client (so der offizielle Sprachgebrauch) und Angehöriger der First Nation mit Tüten aus dem Gebäude und lud mich ein. Geh da mal rein, die haben guten Kaffee! Sprach’s und stieg in seinen von Rost übersähten,deutlich in die Jahre gekommenen Pickup. Darf ich da auch rein,? klar, der Kaffee ist für alle und umsonst. Was erwartet mich also hinter diesen fensterlosen Mauern?

Entweder willste 'ne Kreuzfahrt machen oder was erleben, also los hinein.

Und drinnen sitzen zwei Volunteer und mustern mich. Hi, ich will eigentlich nix, nein, ich bin nicht gekommen, um Lebensmittel zu besorgen. Dave erklärt mir ganz locker, wie die Sache abgeht. Lebensmittel gibt es ohne Ansehen der Person, Stand und Status. Nicht nach Einkommen, nicht nach Wohnort. Sie erheben nur statistische Werte.

1x im Monat hat jeder die Möglichkeit Lebensmittel für 2-3 Tage zu bekommen. Auch ich übrigens. Viele Klienten haben durchaus einen Vollzeitjob, aber es reicht eben nicht zum Leben. 

Es gibt auch hier so viele, die einen Job haben, den keiner will, schlecht bezahlt wird und von dem doch viele profitieren. Dave nennt die Beispiele der Kassierer und die vielen Beschäftigten in den Drive thru stores. Ja, das stimmt, auch ich profitiere von den Kaffeeshops.
Komme ich früh am Morgen zu Tim, sehe ich fast nie weisse Canadier, es sind fast immer nur Menschen, die aus anderen Teilen der Welt emigriert sind. Auch bei Walmart arbeiten selten Menschen mit weisser Hautfarbe an der Kasse.
Niedriglohnjobs. Oder minimum wage. Und sehr häufig steht an vielen Eingangsbereichen, we hire all positions. Wer was Besseres gefunden hat, zieht weiter. 8,93$ pro Stunde ist der Mindestlohn im Yukon und er gilt mit als der höchste in ganz Canada.
 
  Whitehorse Foodbank
In der Foodbank arbeiten alle freiwillig. Nur eine bezahlte Stelle haben sie, aber die Regierung des Yukon hat ihnen gerade das Gebäude übereignet. Ich hätte noch viele Fragen an Dave und bin so beeindruckt, dass ich übersehe, dass hinter mir 3 Personen warten. Höflich entschuldigt sich Dave für die Unannehmlichkeit, warten zu müssen.
    Yukon Standard of Living
The cost of living in Whitehorse is generally higher than in southern Canadian communities. It is lower on average, however, than the cost of living elsewhere in the Yukon or in communities in many parts of northern Canada. . Average personal yearly income in the Yukon exceeds $45000, making it possible to maintain a high standard of living that matches other areas of Canada.

Verlagsgebäude des Whitehorse Star
A major portion of work in the Yukon is done on a seasonal basis, and standard weekly earnings exceed the Canadian average. In addition, the Yukon has no territorial sales tax. The minimum wage has just been increased to $8.93/hr, making it among the highest in Canada.[canadavisa.com]

Whitehorse-Games Center


Mi.,2.7.

Erholen und genießen in der Wilderness City
Der Tag beginnt früh und der Zeltabbau geschieht in Eile, der Feind hat mich bereits wahrgenommen. Die Stadt aber schläft noch. Da wo gestern bis spät in die Nacht Canada Day gefeiert wurde, liegen heute nur noch die Hinterlassenschaften. Es ist auf den ersten Blick eine andere Feierkultur, es herrscht keine unbedingte Alkoholvernichtungsmentalität wie bei uns. Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit, mit der Bierbüchse durch die Stadt laufen, gilt hier als schwer verpönt.
Man sieht sehr wenig geleerte Alkoholflaschen, die Plätze wirken nicht verwüstet.

In meiner Heimatstadt geraten ähnliche Tage wie Christi Himmelfahrt bereits am frühen Nachmittag außer Kontrolle und es kommt zu Polizeieinsätzen. Die Bilanz solcher Tage ist meist verheerend, Sinnbild ist die Festwiese in unmittelbarer Nähe unseres Hauses.
Schulterzuckend wird die Vermüllung zu diesen Ereignissen hingenommen und dann von minibezahlten Kräften tagsdrauf entsorgt.
Was tun um 4:30h? Man besorgt sich Kaffee bei Tim, der hier einen 24h Betrieb aufrecht erhält. So eben ist der Greyhound Nachtbus aus Watson Lake eingetroffen, zwei tschechische Backpacker auf dem Weg nach Alaska entsteigen dem Bus und checken erstmal die emails bei Tim. Lilo aus Agentinien ist auch angenommen und lädt die letzten Video Nachrichten von der Fußballweltmeisterschaft herunter, während ich versuche die letzten Tage online zu stellen, höre ich permanent Messi, Messi, Messi…..
Canada Games Center

Beginne den Tag anständig mit einer warmen Dusche nach 4 Tagen. Warum mussten sie die Schwimmhalle ausgerechnet auf den Berg bauen. Das Canada Games Center residiert seit 9 Jahren als riesiger Komplex auf der anderen Seite des Ortes, dort wo die Durchgangsstrasse wieder an den Alaska Highway anschließt. Two mile hill heißt die Auffahrt, wobei der hill eher ein Mount Everest ist. Die Canadier sind absolut schmerzfrei. 
Büro des Regierungspräsidenten

Als ich keuchend den Empfangstresen erreiche, frage ich die Blondine mit der rauchigen Stimme, wieviel ältere Mitbürger jeden Tag hier mit dem Fahrrad einlaufen. Oh, wir haben hier mehrere- es kann nur eine glatte Lüge sein!
Für 7,30$ ist der Einlass frei, aber sie sagt, der Preis reicht bis 10:00pm. Ich bekomme ein Armband und kann das Center so oft besuchen, wie ich den Berg hochschaffe. lol

Ein relativ teuerer Duschpreis, aber eingeschlossen ist auch ein Dampfbad, Jacuzzi, Riesenrutsche und Sauna. So lässt sich’s leben. Leider entspricht die canadische Ausgabe der Sauna eher einer Kindersauna. Ich denke angestrengt darüber nach, ob ich dem Bademeister sagen soll, eyh Meister, deine Sauna ist kaputt, sie wird nicht warm.
Mainstreet mit pseudoalt Fassaden

Danach wieder zurück zu Tim, zu Hause anrufen, aber aufgrund der fortgeschrittenen  Zeit, wird Skype wieder zur Farce. Ellinor hört mehr Nebengeräusche, als meine Stimme und wir entschließen das Gespräch in Bücherei zu verlegen.

All meine Vorfreude der letzten Tage wird zunichte gemacht, als sie mir nur eine freie Stunde gewähren. Schlechte, langsame Verbindungen und dann auch noch zeitbegrenzt. Insgesamt wechsele ich an diesem Tag 4x den Ort, um mein Tagebuch aktualisieren zu können. Der Kontakt in die Welt ist im Yukon etwas kompliziert. 
Yukon steht für Geduld im Internet

Yukon, das ist inzwischen für mich gleichbedeutetend mit Nichtweb: Einwählzeit selbst bei Tim Horton zu Stoßzeiten gestoppte 17min, im VisitorCenter machen sie zwar auf dicke Hose und haben großflächig we have wifi plakatiert, aber dort sind die uploaddzeiten länger als bei Horton.
Es ist die besondere Form der Unruhetherapie, ruhig bleiben, auch wenn nix passiert!

Wichtigster Tagespunkt heute ist der Besuch bei Icycle, dem Radladen des Yukon.

Leicht zu finden im Industrieviertel zwischen Walmart und RealCanadian. Sie haben nicht das was ich suche, aber sie haben überhaupt etwas. Natürlich könnte ich hoch qualifizierteres Material bestellen, aber sie bestellen nur 1x Wo im 2600km entfernten Vancouver und ihre Mindestbestellsumme ist noch nicht erreicht.
Der Radladen des Yukon

Also muss ich nehmen, was sie da haben und ich lass' alles für den Tag der Abreise zurücklegen. 3x betone ich unbedingt zurücklegen, nicht das es am Samstag ausverkauft ist. Die Felge hat nun doch gehalten und nach wie vor bin ich unsicher, wann ich wechseln sollte, denn bei Icycle sagen sie ziemlich deutlich, südlich ihres Ladens ist die nächste Möglichkeit auf dem Highway 37 in Smithers/BC, gute 1300km. 

Donnerstag, 3. Juli 2014

Whitehorse-Ankunft

Jake's Corner

Di.,1.7.
Canada Day
Ich sag’s nicht gern, aber ich hab gefroren und musste mal ganz schnell um 3:00h morgens den Schlafsack zuziehen, anders als in den letzten Tagen wurde es heute Nacht richtig kalt. Gegen 07:00h ist der Spuk vorbei und die Sonne strahlt herrlich warm.
Die Mücken halten sich stark in Grenzen und kann man heute sogar ungeschützt einige Minuten im Freien stehen.
Bis zu Jake’s Corner sind es nur 15km, ein kleiner Warmmacher für den Kaffee.
Es geht sogar meist bergab. Doch dann werden aus 15km immer mehr und Jake erscheint nicht.
Als Ich endlich auf den Tankstellenhof rolle, wirkt die Szenerie seltsam still. Oh ne, nicht schon wieder. Alle Türen abgeschlossen, bei genauerem hinsehen, ist die Passage Kaffee, Restaurant, etc. im Druck geblasst worden. Ich gehe hinüber zum Zapfsäuleninsel.
Na hoffentlich ist noch jemand da

Eine ältere Frau sitzt mit ihrem Sudoku Heft und schaut kaum auf. Ist wirklich alles zu? Ja, schon seit einem Jahr, aber ich habe doch Schilder auf dem Highway gesehen? 

Was kann ich dafür, das sie die Schilder nicht wegnehmen.
100:1 in Polen wäre es möglich gewesen einen Kaffee zu bekommen, zumindest vor einigen Jahren noch. Hier, herrscht nur verbitterte Apathie. Das Gelände steht zum Verkauf. 12 Acres, gute 5 Hektar und sie finden auch keinen, der es mieten will.

Es hilft nichts, sie will in ihrem Sudoku nicht unterbrochen werden und jetzt spontan einfach einen Kaffee anzubieten, ist auch nicht ihr Ding.
Ich verlasse die trostlose Szene. Tanken nur bei eigener Befüllung, mehr Angebot gibt es nicht mehr in der langen Geschichte der Raststätte Jakes Corner.
Also wieder 110km ohne irgendeinen Support. Mit dem Auto ist es gut 1 Stunde Fahrzeit, den Rest hatten wir schon. Wer braucht da einen Kaffee in Jakes Corner, wenn Whitehorse sogar ein TwoTim Town ist, das heißt gleich zwei Stores im Ort vorhanden sind.

Meine Motivation sinkt ins unterirdische. Dazu die stärker werden Schmerzen beim Bewegen der rechten Hüfte. Links geht das nun auch los. Ich brauch’ einfach mal ne Pause.
Aber immer nehme ich mir vor nicht abzubrechen, ich will Whitehorse mit dem Fahrrad erreichen.
die canadische Antwort auf den russischen GAZ
Whitehorse, der nördlichste Punkt meiner Reise. Insgeheim will ich in den Süden. Natürlich macht das voll Spaß ohne großen Verkehr auf dem Highway einsam herumzugondeln, aber einen Hauch von bezahlbarem Luxus hätte ich dann doch gerne.
Ohne große Pausen erreiche ich die Vororte von Whitehorse. Das erste Begrüßungsschild kommt bei 20km vorher. Von da an geht es eigentlich nur noch bergab, mir wird klar, warum Tamekano als erstes nach downhill fragte. Sollte mein Plan nicht aufgehen, steht mir das auch bevor. Ich habe mir längst vorgenommen, nicht dieselbe Strecke zurück zu fahren.
SS Klondike
Nach 20km Whitehorse wird die Sache ernster. Inzwischen habe ich ein halbes Dutzend RV Plätze, einige Tankstelle und einige Motels passiert. Nun teilt sich der Highway und das Schild City Center taucht auf. In einer 5 km langen Abfahrt erreiche ich den Ortskern und rolle beim letzten originalen Yukon Schaufelraddampfer aus. Ein sogenannter Sternwheeler, also die Antriebsräder am Heck. Die MS Klondike,1921 gebaut, befuhr den Yukon von hier bis nach Dawson City in einer wechselvollen Geschichte, seit… ist sie ein nationales Monument. SS Klondike wiki Link
Whitehorse 1914
Heute ist Canada day, nationaler Feiertag, das merkt man deutlich, die Strassen sind voll,  die Menschen sind in den Parks. Bei der Unruhe ist es etwas schwierig einen Platz für die Nacht zu finden und wieder hinaus, vor die Stadt, den berg herauf will ich heute nicht mehr. Die erste Station ist das Visitor Center, man merkt, man ist in der Hauptstadt der Provinz, alles ist deutlich größer, üppiger als in der zweitgrößten Stadt Watson Lake. Watson wirken da eher wie die armen Vettern hinter den Bergen. Man ist sehr bemüht und offeriert kostenlos unbegrenzt wifi, es scheitert aber an zweierlei Dingen, erstens scheint das Visitor Center auch Treffpunkt von eher hilfsbedürftigen Personen zu sein und deshalb möchte ich das Rad in diesem Fall nicht unbeaufsichtigt lassen und zweitens haben auch andere Gäste die Idee kurz mal ins Netz zu
schauen. 


Johnson's Crossing-Gibt es eine Steigerung von Wildnis?



Mo.,30.6.(Nachtrag)
Neuer Kaffee Rekordpreis!
Der Zeltabbau geschieht in Vollzeug und trotzdem habe ich mich vorher im Innenzelt eingesprüht. Was wäre der Yukon ohne diese Mengen an Mücken. Hätte Noah nicht wenigstens ihnen den Zutritt verwehren können?

Dennoch die Stimmung ist heiter, das Wetter auch, Start in Regenkleidung, später auf der Strasse dann ein geplanter Kleidungswechsel.
Die ersten 38km verlaufen sowie gestern, die erste Station ist Teslin. Gute 450 Menschen leben hier ganzjährig am Nisutlin Fluss. Der Zutritt zum Ort geschieht über die Nisutlin Brücke, mit fast 600m die längste Brücke des Alaska Highways. Slippery, when wet, auch dieser Bodenbelag besteht aus einem Stahlteppich und man kann schön den Fluss unter einem hindurch sehen.
Die Aussicht in die Ferne ist enorm. 
 
Zwei Kaffeeverkaufsstätten konkurrieren um die Kundschaft, ich drehe beim, RV Park mit Restaurant und Tankstelle bei. Großer Treffpunkt der Biker und Trucker auf staubigen Platz. Üppiges Mittagstischangebot. Ich freue mich riesig auf Kaffee und entdecke etwas abseits einen Biker, der seine Flaschen mit Wasser füllt. Kanetoma aus Japan hat seinen Trucker Job an den Nagel gehängt und sich aus Rad gesetzt.
Vor zwei Tagen ist er in Whitehorse gestartet. Where is your final destination? Argentina. Das höre ich oft in der letzten Zeit, die Panamericana Strecke. Gute 5 Jahre will er unterwegs sein. Sein Weg wird ihn danach auch nach Europa bringen. Ob es nach Teslin endlich bergab gehen würde? Er wäre die Strecke von Whitehorse nur bergauf gefahren. 

Oh, was sagt man da, richtige Berge gab’s die letzten Tage im Grunde nicht, aber über Steamboot muss auch er und der Blick auf sein Rad zeigt, auch er hat schwer geladen.
Beim Bezahlen entdecke ich einen wifi Hinweis neben der Kasse. Mist, hätte ich beim Eingang fragen sollen, 30min Gratisweb für zahlende Gäste, ich hätte Ellinor einen Gruß schicken können. Nun ist es zu spät. Draußen auf dem Parkplatz sehe ich wieder einen dieser riesigen Pferdeanhänger. Diesmal northbound. Aber mein Entschluss steht fest. Ich will nun unbedingt selbst nach Whitehorse kommen.  
Wikipedia.org Teslin
Kanetoma
Dann lieber en-bloc zurück im Auto.Nächste Station die 1928 gegründete Nisrutlin Trading Post, Grocery, Lotto, Bank, Fast Food Restaurant und Generalstore in einem. Etwas weiter die Strasse entlang. Meine Kekse für unterwegs kosten hier das Dreifache des Walmartpreises, ich bin entsetzt.


Gleichzeitig bin ich froh, dass ich doch die meisten Sachen dabei habe, der Preisanstieg hier ist enorm.

Dann beginnt mit der Fahrt nach Johnsons Crossing, der zweite und schönste Teil des Tages. Entspanntes Fahren, beste Strasse, großes Blatt, leichter Rückenwind, immer am langezogenen Teslin Lake entlang. Die Gegend erinnert stark an Fjordnorwegen, aber es ist ein Binnensee. Erinnerungen an Andenes, an unsere Hochzeitsinsel, die zu den Vesteralen zählt, werden wach.
Wie schon öfter erlebt, zieht sich der Himmel plötzlich vor mir zu, es beginnt zu nieseln, während mir die Sonne auf den Rücken brennt. Nur so wie Kanetoma geschildert ist es dann doch nicht, es gibt durchaus einige ordentliche Anstiege.


Morley River Lodge



So.,29.6.(Nachtrag)
Hätteste mal genauer geguckt
Von der gestrigen Euphorie ist wenig geblieben. Ich kann heute schlecht laufen, die linken Adduktoren sind merkwürdigerweise sehr schmerzhaft. Der Himmel ist grau, der Sommer macht wie angekündigt für einige Tage Pause. Ich komme nicht recht los und kann zudem nicht richtig sitzen, Diagnose, der Wolf ist da.

Das kommt natürlich auch durch die Wildcamperei. Abends ist der Fluß nicht immer in der Nähe und die Nachbereitung nicht so wie zu Hause. Wildnis halt. Nun ist das Maleur da. Wundgescheuerter Sitzbereich oder einen Wolf gefahren.
Da hilft nur noch mehr Gesäßsalbe und Zähne zusammenbeißen. Aber es wird nichts, die Kilometer tröpfeln nur so und meine eigene Erwartungshaltung ist an diesen Tag zu hoch. Wenn es doch nur einen Kaffee geben würde, aber die erste Lodge ist seit längerem geschlossen. Bleibt nur noch Swift River, obwohl nicht auf meinem Zettel gelistet, behauptete die Tresenkraft gestern Abend, da ist was. Der Ort ist viel größer. 
Wahrscheinlich haben wir uns falsch verstanden. Denn Swift River ist ein Highway maintance camp, eine Autobahnmeisterei und eine seit mehr als 5Jahren brachliegende, verlodderte Ruine.
ehemaliges Motel Swift River

Immerhin Grund für eine Pause und eine Exkursion, leider ist niemand an diesem Sonntag zu sehen und Kaffee gibt’s auch nirgendwo im Angebot. Alles zerstört, nichts ist in irgendeiner Weise noch zu gebrauchen. 

Wieso muss das bloß immer alles zerstört werden? Der Verfall hat längst eingesetzt in den durchgeweichten Deckenverkleidungen brühten jetzt Schwalben.

Der Blick auf meinen Zettel zeigt nächste Station in 84km. Oh, das kann doch nicht wahr sein, am Ende des Tages erst einen Kaffee. Erst nach 100km, das demotiviert zusätzlich. Es hat angefangen zu regnen, so schwinge ich mich missmutig auf den Sattel, hin und her rutschend auf den Weg. Natürlich sind das hier Luxusgedanken. 
In der Wildnis gibt es keinen Kaffee. Wenn Du das nicht aushälst, fahr zurück in den Süden.
Gestern Abend hat das Schicksal mit dem Zaunpfahl gewunken und kam in Form eines dieser Mutanten Pferdeanhänger auf mich zu. Fährst Du nach Norden? Ne, southbound. Warum? das Rad ist kaputt und ich weiß nicht wie lange es durchhält. Ich will nach Whitehorse.
Photo aus der Vergangeheit der Lodge source: Sue Thomas auf yukonsights.ca
Der freundliche Canadier kam aus Alaska, wo er in einem Lager der Koch war, mitten in-the-bush. Nun wollte er nach Lethbridge auf seine Pferdefarm zurück. Falsche Richtung, ich will die Felge. Heute nach 4 Stunden im Dauerregen, kann ich nur mit der Faust auf den Lenker schlagen. Lethbridge, gute Fahrradläden, Süden, Kaffee, keine Mücken und Du läßt ihn gehen. Und wenn Du im Pferdeanhänger gesessen hättest, oh man Frank.
altes Abschleppmobil
Es passiert nichts an diesem Sonntag. Die Strasse ist fast leer, in den ersten 3 Stunde fahren 35 Autos in meine Richtung. Wirkliche Möglichkeiten: 4, der Rest RV’s
So sehr ich mir das auch wünsche an diesem Tag nach Whitehorse mitgenommen zu werden, von alleine klappt heute gar nichts. Also fahre ich weiter, unlustig stampfe ich auf und ab. 

Bin ich etwas übersättigt? Liegt es daran, dass es zu viele Tage am Stück waren? Brauche ich eine Pause. Wenn die Motivation nachlässt ist häufig eine Pause dringend nötig. Ich versuche mich selbst zu motivieren, alle 10km einen Leckerlie, das schafft einen Rhythmus, aber ich bin zu abgelenkt, warte auf den rettenden Truck.
Es wird 6h regnen, dann trocknet die Strasse ab. Die Strecke wird nicht kürzer, endlich kommt das Hinweisschild Morley, Moment, war da nicht auch eine Lodge? Und auch da stellt sich heraus, auch diese Lodge ist seit langem zu und der Zettel listet den Morley River Recreational Park als nächste Lokalisation. Oohhh ne. So’n doofen Picknic Park, statt Kaffee und die Lodge 2 km später ist genauso eine malerische Ruine, wie am Vormittag.
Es erinnert mich an einen Satz, den der Besitzer der Contact Creek Lodge um 13:00h zu seinem Freund sagte, the rush for today is done. Will meinen, der Ansturm ist durch, jetzt kommt nichts mehr, wohlgemerkt mittags um 13:00h.

Ein unbemerkt epischer Satz, denn er drückt das aus, was ich seit Tagen bemerke. Es gibt kaum Verkehr hier. Viel zu wenig Verkehr, um alle satt zu machen, alle am Leben zu halten und so fahre ich an fast jedem Tag an Ruinen vorbei. Zeugen einer alten Highway Vergangenheit, eine alte Hauptverkehrsader, die heute eher ein Dornröschendasein führt.
Vor einigen Tagen hatte ich ein tolles Gespräch mit Dave Gregg dem Chef des Beaver Post Motels. Er erklärte mir früher war die Strasse so schlecht, dass man dringend alle 50km eine Lodge mit Werkstatt, etc. brauchte. Das war Überlebensnotwendig. Heute tankt man einmal voll und bei der Straßenqualität fahren die Leute die nächsten 600km durch.
Das hat heute mit I survive the Alcan nicht mehr viel zu tun.