tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Mittwoch, 4. Juni 2014

Icefield Parkway, Hwy93


Castle Mountain Massiv am Sonntagmorgen

So.,1.6.
Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach
Ich kann die Zahl 3,1° auf dem ostertag’schen Küchenthermometer um 4:45h ablesen und beschließe spontan liegen zu bleiben. Obwohl ich eigentlich zur Elchpirsch nach Castle Mountain kam, aber die Temperatur lässt den Geist willig erscheinen, allein das Fleisch ist schwach. Lass’ so viele Elche in Moose Meadows erscheinen, ich bleibe hier.
Rocky Mountaineer westbound
Selbst später um 07:45h ist es immer noch nicht angenehm. Ellinor spricht dann immer von den Eisheiligen, jener  mysteriösen Bande, die für kalte Witterungseinbrüche im Mai verantwortlich sein soll.
geschlossener Campingplatz

Einen Kaffee im Castle Mountain Chalets-store und ich begebe mich auf die Pirsch. 3 Tage habe ich gewartet, heute soll der Mountaineer wieder hier durchgehen. Also setze ich mich neben die Schienen und warte. Um 10:10h geht alles ganz schnell, ein kurzes Horn, das Schrankensignal und der letzte verbliebene transnationale Personenzug erscheint.-Fast Leer!

Ich mache mich auf den Weg, die Fahrt soll heute nur bis Lake Luise gehen, dem zweiten touristischen Höhepunkt im Nationalpark, Ich habe es nicht eilig.
Die erste Fehlentscheidung des Tages ist, nicht den Highway1 zu nehmen, sondern die more scenic road, Highway 1A,durch das Bow Valley.

Vom Schwerlastverkehr befreit verspricht die Strasse tolle Ausblicke und die Sicht auf Wildtiere. Was immer verschwiegen wird, die Strasse ist der Natur angepasst und schon nach 5km muss ich 3x vom Rad. Die Begeisterung für die more scenic road sinkt gewaltig.


Bei Km 27 kommen jede Menge Freizeitsportler auf ihren MTB entgegen. Herangekarrt aus Jasper wollen sie einen 25km Ausflugsritt unternehmen, dann werden sie wieder eingeladen und es geht zurück nach Norden. Fahrradfahren in Canada. Ich habe inzwischen Mühe diese Art der Fahrradfahrer in Canada ernst zu nehmen. Da sind mir doch die TransCanadafahrer und weltreisenden erheblich lieber.
Bow Valley Highway 1A
Der zweite Fehler des Tages ist ein Gesamtproblem. In Lake Luise ist nämlich eigentlich nicht der Ort den ich erwarte, sondern mehr eine Pausenstation für Tagestouristen. Zunächst übersehe ich auf der Abfahrt in den Ort das vor mir lauernde Viehgitter, ein sogenanntes Texas Gate. In Norwegen sind in den Berggebieten die Strassen durch querlaufende Stahlrohre unterbrochen. Ferrist heißen die in Norwegen; in Kanada gibt’s die also auch, ich muß das Schild übersehen haben und rase mit 45km/h über diese Viehbrücke. Fast 10cm Abstände zwischen den Stahlrohren. Zum Glück bleibt alles heil und vor allem am Rad.
In der Visitor Information des Jasper Nationalparks ist die Touristenfrau ungemein empathisch. In einem Satz zusammengefasst sagt sie, wir haben keine Saison, die beginnt erst Ende Juni und der einzige geöffnete Campingplatz befindet sich 138km von hier. Ach und Verpflegung auf der 230km langen Strecke bis Jasper ist besser hier zu kaufen. 


Zurück nach Castle Mountain



Sa.,31.5.
Allein zu Haus 
Vorab:Donna aus Hargrave;MB hat sich gemeldet und das freut mich sehr. Es ist schon eine ganze Weile her, das ich von Ihnen zu Essen eingeladen wurde und noch immer denke ich an das von Les zubereitete Steak. Sie schreibt, das Boyd, der Wanderer und Shaymin der korean. Nordamerikafahrer von ihr nach Lesen des Blogeintrags auf dem Highway entdeckt wurden und ebenfalls auf ihrem Hof übernachtet wurden.
Ich finde, ein tolle Story, Donna!

Es liegt nicht zu übersehender Raureif auf dem Zelt, als ich um 06:00h wach werde. Das Thermometer fällt morgens immer noch einmal so tief herab, das ich mich in Schlafsack verkrieche und ihn so eng wie möglich zu ziehe.
Um 08:00h ist von alledem keine Spur mehr. Die Sonne zaubert warme Farben auf die nackte Felsenlandschaft.

Zusammenpacken, und ab zu Tim. Den post senden und danach frühstücken fahren; den Tag genießen. Einen Dreiviertel Tag freimachen und dann am Nachmittag nach Norden.
Tim teilt sich seine Filiale hier mit der Unternehmenstochter Wendy, vulgo, eine Frittenbudenkette auf hochglanz. Home of the burgers.

Canmore, Mainstreet
Bis 10:00h ist es sogar relativ gemütlich bei Tim, dann öffnet irgendjemand bei Wendy die Tresengitter und irgendwie scheinen diesen Zeitpunkt viele, vor allem junge Kunden sehr genau zu wissen. Es herrscht ab 10:05h eine unglaubliche Unruhe, es ist fürchterlich laut; viele ordern ein Burger Frühstück mit Fritten und Cola für 10$. Ich bin ein ausgesprochene Burgergegner(ich liebe Döner), aber auch die bevorzuge ich nicht mit Fritten an einem Samstagmorgen um 10:00h. Ich frage mich, wie man so etwas genießen kann und ob und Deutschland auch bei McDonalds um 10:00h so ein Andrang herrscht.
Die Idee mit meinem Frühstücksrestaurant hatten heute Morgen anscheinend auch andere und so ist der ausgesuchte Laden bis auf einen Platz vollständig ausgebucht. Wait here, to be seated.
Nein, ich bin gönnerhaft und warte keine 10min auf die gestresste Bedienung, sondern überlasse den letzten freien Platz einem Pärchen hinter mir.
Dann doch lieber ein Frühstück in einen Park auf einer Bank. Ham&eggs müssen eben warten.
Canmore ist noch viel mehr als Banff das Radsportzentrum der Rocky Mountains. Überall sieht man Biker mit ihren MTBs und ebenso viele Racebikes. Es gibt öffentliche Fahrradluftpumpen auf der Hauptstrasse des kleinen Ortes und mehrere gut ausgestattete Bikeläden. Canmore lebt ebenso von 2 Saisons; im Winter vom Skibetrieb und im Sommer haben wir viele Fahrradtrails, sagt die unschwer an ihrem Akzent aus Österreich stammende Touristenfrau.
Paul der veritkal denkende
An einer Straßenecke treffe ich auf Paul, 100% coolness. Hey, Touri, ruft er von der Seite, wo kommst Du denn her? Toronto, ne ist nicht möglich, zeig mal das Rad. Und sofort fummelt er an der Bremse und sagt, das müssen wir machen, hast Du sonst ein Problem? heute sind wir zwar voll ausgebucht, aber Montag geht wieder was. Ne’ danke Paul, im Moment bin ich noch bedient von Winnipeg. Und ich erzähle ihm die Geschichte der beiden Radläden.

Jaaa, Winnipeg, da ist es flach, so ist auch deren Mentalität, eher flach. Wir hier denken eher vertikal. Und deutet auf die Berge. Lol. Verstehst Du. Ich kann Dir alle Teile, die Du willst, innerhalb 24h besorgen, ruft er noch , verabschiedet sich dann zum Lunch; komm nächstes Jahr wieder mit Deinem MTB, das lohnt sich hier!
Paul's Radladen reboundcycle.com/
Jason aus Taiwan
Natürlich, ja, das hat echt Atmosphäre hier, ich denke darüber nach, aber nur so zum Spaß in die Berge, das geht eigentlich auch in Tschechien, keine 8000km entfernt und da gibt’s dann sogar noch ein Svijani obendrauf.

Obwohl, seit dem ich losgefahren bin, habe ich keinen Alkohol mehr getrunknen. Ich hatte es Ellinor versprochen und so erstaunlich das für mich ist, ich vermisse es auch nicht. Der Aufwand hier Bier zu besorgen oder russische Seele ist mir einfach zu hoch, ich bin unbewußt in einen Konsumentenstreik getreten.
Jason's PR Koffer
Auf dem Weg zurück treffe ich auf Jason. Von weitem nicht zu übersehen, ein  Weltreisender, das Rad an die Hausmauer gelehnt. Mit Flaggenmast. Er lacht, als er mich sieht und fragt, was seien das denn für Flaggen, bester Hockey und Footballclub Canada’s.

Er kommt aus Taiwan und ist seit Oktober 2013 unterwegs. Seine Finanzierungsidee beruht auf Straßenmusik, die er auf einem traditionellen chinesischen 2Saiteninstrument darbietet. Ich hatte ihn schon tags zuvor in Banff gehört und um fair zu sein, es ist schon sehr gewöhnungsbedürftig. Aber er macht einen sehr fröhlichen Eindruck und vermarktet sich selbst sehr gut mit der Musik.
Bow River Valley
Mir wird immer bewusster, das zu einem Projekt Weltreise eben auch eine gewisse Portion PR in eigener Sache gehört. Es ist einfach wichtig, nach langen Perioden der Einsamkeit, fern ab der bekannten Umgebung mit Leuten ins Gespräch zu kommen.
5000km
Verkriechen in die Einsamkeit geht auf Dauer nicht.
Die Fahrt nach Castle Mountain zurück ist nahezu ereignislos. Ich benutze den Highway1, nur am Nationalparkeingang muss ich schleunigst vom Highway verschwinden, einmal cross über 8Spuren und den Mittelstreifen, um nicht schon wieder Parkmaut zu bezahlen. Der Radweg wird nicht kontrolliert, jedoch ist er nicht so schön flach und bereits kurze Zeit später muss ich vom Rad, um einen Berg zu bewältigen. Natürlich ist das kein Problem für Rennräder.
Wenig später bin  ich wieder auf dem Highway.

Montag, 2. Juni 2014

Liebe Blog-Freunde und -Leser, Frank ist seit gestern, auf dem Weg von Banff nach Jasper, rund 300 km, und er geht davon aus, dass er sich erst wieder aus Jasper melden kann, wenn er sowohl Strom als auch Internet zur Verfügung hat.
Er lässt alle herzlich grüßen!
......ich habe erst gedacht, es erhöht die Spannung ohne diese, meine Mitteilung, aber Spannung hat ja bekanntlich zwei Seiten; also warten wir alle - gespannt - auf Neuigkeiten.
Gruß von Ellinor

Samstag, 31. Mai 2014

Canmore



Fr. 30.5.
Kananaskis Mountains
Es ist genau 4:12h, als der Wolf 3x hintereinander heult. Irgendwo da draußen, aber laut und so kraftvoll, als wäre es nicht weit entfernt. Lang und unheimlich, ein unbekanntes schauerndes Gefühl. Man erschrickt und dann läuft einem ganz langsam ein kalter Schauer über den Rücken.
Er hat mich gestern schon als Eindringling in seinem Revier ausgemacht. Lange hat er mich aus der Ferne beobachtet immer wieder blieb er stehen und schaute in meine Richtung.
Banff Mainstreet früher Morgen

Dann ist wieder Stille.
Um 06:15h breche ich das Lager ab.
Es ist kalt an diesem frühen Freitagmorgen, ich bin froh, als ich endlich bei Tim sitze.
Dort hat die Belegschaft zu früher Stunde ein faible für Hardrock; während ich den Post Korrektur lese, kommen die Arbeiten auf einen Kaffee herein. Es ist Sturmzeit.
Nun ist der Akku fast alle und ich mir muß die Zeit vertreiben, bis die Bücherei auf macht. Akku aufladen.
Das Thermalbad hat schon seit 09:00h geöffnet. Um 11:00h mache ich mich auf den Weg. Es gibt auch in Canmore eine  Bücherei mit wifi. Die Touristenfrau machte sich die Sache leicht; 3km leicht uphill. Bevor ich mich auf uphill mache, noch kurz einen Absteccher ins Spring Hotel.

Spring Hotel Banff
Legendäres, mondänes Banff, hier lebt es noch weiter, in einer Zeit, als die Leute noch mit der Eisenbahn anreisten. Und die Starbucks und BostonPizza noch nicht in diesem Ort existent waren. Ein grauer aus Felsstein gemauerter Bau, viel zu groß für eine Nahaufnahme. Während ich nach dem besten Winkel für wenigstens 40% Hotel suche, schnackt mich jemand von hinten an, looks very heavy, ja ist es auch, antworte ich auf deutsch und suche weiter, wer did you startet, Niagara Falls, Oh my god, ne mit Gott hat das auch nicht so viel zu tun. 
Lynn und Steve aus Washington

Ich drehe mich um, hinter mir stehen Lynn und Steve aus State Washington/US, sind zum Nordic Walking hier herüber gekommen sind . Bilderbuch Amerikaner. Aber trotz meiner lakonischen Antwort bleiben sie hartnäckig. Kann man denn nicht in Washington walken? Nein, hier wären so wunder schöne trails. Ob sie in dem Hotel da wohnen, nein, sie sind nur für das Wochenende hier und logieren in Canmore. Lynn will die blogsite und ich glaube die beiden waren wirklich interessiert.
Dann stöckeln die beiden los, die Strasse vor dem Hotel ist breit markiert, caution crosswalking heißt das hier. Na, denn.
Anfahrt zum Wärmepool

Ich habe derweil andere Sorgen, Die Strecke ist nicht 3, sondern handgestoppt 4,1km lang, natürlich kein Problem für einen Pickup. Aber der Anstieg ist, weil auf so gemeine Weise unangekündet, richtig steil und unangenehm. Verd…., warum müssen die Bäder grundsätzlich mit 8% Steigungen erreicht werden. Völlig am Ende komme ich da oben an, als eine gut gelaunte Asiatinnengruppe mich bewundert, oh, das sind aber schwer aus, ne isset nich, sollen wir ein Foto von Dir und Deinem Rad vor dem Pool machen? ne bloß nicht, gerade jetzt nicht, wo ich kaum Luft hole und 200 Puls habe. Das fehlt mir jetzt noch.

40° Thermalbad uphill Banff
7$, inklusive Touristenaufschlag, kostet das Banff Bad, ein wenig mehr als in Radium, dafür gibt es erdige 40°, beim ersten Kontakt habe ich das Gefühl, man, ist das heiß. Eigentlich bin ich in erster Linie zum Duschen gekommen. Es ist deutlich kleiner als Radium, hat aber dafür eingebaute Massagedüsen. Und nach kurzer Zeit stellt sich absolutes Wohlgefühl ein, egal, was die nun für chemische Elemente in ihrem Wasser haben. Wunderbar. Mehr als eine halbe Stunde nonstop halte ich das nicht aus, mir wird schwummerich. Nach 90min verlasse ich das Bad. Inzwischen ist das Rad vom netten Kassenteam bewundert worden, ich beantworte geduldig die Fragen, dann muß ich zum skypen. Zweiter Auftritt Horton. Ellinor wartet bereits.
Blick vom Thermalbad

In Banff gibt’s nun nichts neues mehr zu sehen, man kommt nach Banff , um sich auf die trails zu begeben. Im Ort sind alle großen Ketten, aber das unterscheidet Banff auch nicht von anderen Orten. Der von Bergen eingefasste Ort lebt in zwei Saisons von seiner Umgebung. Die Leute bringen ihr MTB im Wohnwagen mit und fahren hier Rad. Oder wandern. Oder fahren eben Ski.
Nostalgiezug Banff-Calgary
Wer gerade mit einem Trecker und 50kg Gepäck Station macht, für den erschöpft sich das Ambiente bald. Ich kann im Moment keine weitere Last mitnehmen.
Geschenke einkaufen fällt deshalb vorerst flach.
Ich habe deshalb beschlossen nach Canmore für einen Tag zu fahren. Der Hauptort der Kananaskis Region ist schnell 23km bergabwärts im nächsten Tag zu erreichen.

Freitag, 30. Mai 2014

Banff



Do.29.05.
Dem Wolf auf der Spur
Es regnet die ganze Nacht und tut es auch noch, als ich am Morgen um 07:00h aufwache.
Die beiden anderen Gefährten schlafen noch. Wir werden uns heute wieder trennen. Sie wissen, ich werde nicht auf sie warten. Das Thermometer zeigt inzwischen 4,2°, wahrlich kein reizvoller Tagesbeginn. Die Hände frieren. Der Himmel ist grau, Regenschwaden wabern über den Pass, die Sicht beträgt nicht mehr als 200m.
Ich bin gereizt, fürchterlich gereizt. Das Wetter war schon so gut, und nun die bekannte Rolle rückwärts. Erneuter Kälteeinbruch, wieder muß die lange Radhose herausgewühlt werden. Wieder das Zwiebelprinzip, erst alles anziehen, dann wieder langsam ausziehen.
Kann das nicht endlich mal warm werden und vorallem bleiben in diesem Land?
Die Hände frieren fürchterlich, mir ist zum shcreiben zu Mute. 
Es braucht noch 180 Höhenmeter und die Passspitze ist erreicht. Hier ist die Kontinentale Wasserscheide der Rockies. Alberta Flüsse fließen nach Osten, BC’s Flüsse fließen nach Westen zum Pacific. Der Vermillion Pass ist seinen kanpp 1700m überhaupt der erste Pass der Rockies, über den eine Autostrasse in Betrieb genommen wurde.Für alle diese Details und den Provinzwechsel zurück nach Alberta habe ich heute morgen wenig Beachtung. Nieselregen, Kälte, erst in Alberta wird es 
um 10:00h langsam besser. Es gibt eine sagenhafte Abfahrt nach Castle Mountain. Gaby und Geoff hatten von dem Hostel und den beiden Campingplätzen in Castle Mountain erzählt. Das Hostel ist überfüllt. Full steht auf dem  Schild am Beginn der Strasse. Dafür steht mitten auf einer Lichtung ein imposanter Hirsch. Und läuft nicht mal weg! Irre, steht da und nimmt mich nicht ernst. In Manitoba sind die alle Wildtiere bisher geflüchtet. Einen Kaffee zum Wachwerden, obwohl reichlich spät für $2,50, immerhin wieder 16Unzen. Der Frau an der Kasse gehören die Castle Mountain Chalets. 200$ für 2-4Bett Cabins, kein schlechter Preis, aber sie versteht, das ich in einer anderen Liga unterwegs bin. 
Ich komme nach draußen und bin wieder mal wie so oft 3 min zu spät. Es lärmt das Horn des Zuges und ich denke an einen Güterzug und dann rast der Mountaineer Express durch Castle Mountain.
Der einzige Personenzug, den ViaRail auf der Strecke zwischen Tornto und Vancouver noch ins Rennen schickt. Alle anderen Langstreckenzüge der großen Eisenbahn Geschichte Kanadas sind inzwischen eingestellt. Der Mountaineer führt ein Alibidasein und jeden den man anspricht entfährt als erstes, Railway, viel zu teuer.  

Und nun fährt er vor meiner Nase an mir vorbei, und die Kamera wegen des Regens verpackt ist. Wie bei dem Buggy der Amish in Ontario, wenns drauf ankommt, gibt’s kein Foto. Später werde ich als erstes in Banff nach den Abfahrtszeiten des Zuges am Morgen fragen und da gibt’s dann die zweite Entäuschung. Der Mountaineer erreicht Banff nur alle 3 Tage, also nix mit Fotos auf dem Bahnhof.
Banff ist der Hauptort des namensgleichen Nationalparks. Eine Touristen-Hochburg. Es wimmelt voller Menschen aus allen Kontinenten und es herrscht eine ziemliche Sprachvielfalt. Tim Horton ist in der Nähe des Bahnhof, merkwürdigerweise der einzige im Ort, aber völlig überlaufen, also ziehe das geschäftliche vor, Geld muß besorgt werden, vielleicht hat das VisitorCenter hier auch kostenlos wifi(leider nein, völlig überlaufen), aber immerhin bekomme ich den Tip mit der Bücherei und dem heißen Bad. Yeah! Schon wieder eine warme Badewanne. In der Bücherei ist man zwar zum kostenlosen Internet bereit, erwartet aber vorerst eine Spende. Soviel zu kostenlos. Bleibt noch Starbucks. Deren kostenloses wifi wird mit einem Kaffee minimal nicht unter 4,50$ bezahlt. Im Vergleich zu Horton 1,39$ fast 3x so teuer. Mc Donalds wifi Netz hatte ich schon kommentiert.

Donnerstag, 29. Mai 2014

Kootenay Nationalpark



Anstieg zum Sinclair Pass

Mi.,28.5.
Auf der Suche nach dem Bär
Vorweg, für alle, die jetzt eine spannende Bärengeschichte erwarten, hab ich leider nur eine Enttäuschung. Es gab trotz aller Aufregung keinen Bären zu sehen.
Die Frau an der Nationalparkschranke lächelt mich gütig an. 9,80$ pro Nase kostet der Eintritt in den Nationalpark. Ein moderater Preis in den Reisetag, ich zahle in bar für die Erlaubnis mich die nächsten 11-13km quälen zu dürfen. Regen inklusive.

Die meisten Radfahrer würden die 138km lange Strecke nach Banff an einem Tag machen, meint die Rangerin. Ich erwidere nichts, denke nur, die meisten Radfahrer haben auch nicht mehr als 50kg unter  dem Sattel. Ich will sehen wie weit ich komme.

Ellinor hat geraten noch einen Tag in Radium zu warten, allerdings gibt es auch keine Garantie, dass der erwartende Regen nur heute erscheint. Geoff hat um 08:00h sich gewundert, das es immer noch nicht regnet, eigentlich sollte schon Dauerregen herrschen. Aber bisher sind nur tiefhängende, dunkle Regenwolken von der Küste erschienen.

Das ist das Startsignal; schnell aufbrechen, solange fahren und die Zeit genießen, bis es richtig los geht.
Den Weg bis zum Schwimmbad kenne ich nun schon, es bleiben mit 11% auch die steilsten 2,5km der Gesamtstrecke, der Rest verteilt sich zwischen 6-8%.

Aber auch 6%  mit 11km Länge gehen in die Beine, mehr als 90min brauche ich für den Anstieg, immer mal wieder Pause machend und den Puls beruhigen. Dann bin ich oben, Yeah!, Beckerfaust, aber es folgt Ernüchterung. Auf dem Scheitelpunkt ist nichts zu sehen, kein Kreuz, kein Gedenkstein,  nur die Ermahnung an die Trucker, ihre Bremsen noch einmal zu kontrollieren.

Es hängen Fandungsfotos von dem Grizzlyweibchen aus. Der Rastplatz ist abgesperrt. Am 20. Mai wurde sie hier gesehen, seit dem erscheint sie regelmäßig mit ihren zwei Jungen am Rand der Strasse. Nur eben heute nicht.
Nach 15min Pause geht es rasant zu Tal, der nächste Rastplatz ist ebenfalls abgesperrt, vor mir eine Autoschlange auf dem Seitenstreifen. Noch einmal Hoffnung. Ein Ranger Pickup rauscht heran. Vielleicht doch noch ein Foto. Viele Leute stehen im Wind und schauen angestrengt in die Berge. Ja, sie sei hier sagt der Ranger, people love bears, nur zur Zeit ist sie nicht da. Hoffnung regiert die Runde der Wartenden. Mir wird nach 15min kalt, nichts passiert und ich rausche talwärts nach Olive Grove, einem markanten Aussichtspunkt. Der Blick ist überwältigend. Das gesamte Columbia Tal ist vor dem Besucher ausgebreitet. Jeder Ankommende Fahrer wird nach der Bärin befragt.

Dann geht die Abfahrt zum Flussufer hinunter. 58km/h, mehrere Km lang, ein absoluter Adrenalinschub. Geschwindigkeitsrausch. Noch ist das Wetter vor mir prima, doch von hinten kommt jedoch das Regengebiet immer näher. Es herrscht Rückenwind und ich hoffe dem Schlechtwetter davon zu fahren, bei km 65 werde ich müde, die Beine, können das hohe Tempo nicht mehr halten und das Regengebiet kommt immer näher. 

Gegen 13:30h hat der Regen mich eingeholt. Die Flucht ist zu Ende. Der Regen ist da. Vor mir liegt der Visitorcentre Vermillion Crossing. Mit Kaffeeverkauf, er ist genau 3km zu weit entfernt.
Wie schon erwähnt ist der Kaffee in diesem touristischen Topgebiet erheblich teurer, als bisher gekannt. Das ganze ist nicht anders als Wucher zu nennen. Hier gibt es den 8Unzen Becher zu unverschämten Preisen. 


Schade, das Geldgier so Besitz von den Wirten ergriffen hat. Es verdirbt einen den Appetit. Wahrscheinlich muss hier auch jeder nehmen was er kriegt. Die Saison ist kurz. Es bleibt allerdings auch die einzige Möglichkeit überhaupt Kaffee zu bekommen. Nach dem Regen geht’s weiter nach Marple Canyon. Längst ist klar, das die entfernte Möglichkeit doch noch durch Nationalpark an einem Tag zu kommen nicht realistisch ist. Es ist kalt, regnerisch und auf 1500km  liegt auch noch reichlich Schnee. Die Strasse führt nun vorbei an kmlang an Waldbrandschäden der letzten Jahre vorbei. Die kahlen Hänge der Berge sind von verkohlten Stämmen übersäht. Unten im Tal beginnt neuer grüner Wuchs.

Die Bären mach sich rar. Einige Hasen sind zu sehen, mehr nicht. Es ist eben doch nicht so, dass an der Strasse alle 5km die Bären auf die Besucher warten, nein, es sind eher Zufallsbekanntschaften, glückliche oder eben unglückliche. Heute gibt es gar keine. So sehr ich mich auch anstrenge, ich entdecke keine Bären.

Ein Spaziergänger mit Fernglas rät, es morgen früh über den zweiten Pass zu versuchen. Vielleicht sind am Morgen mehr Bären zu sehen. Geoff hat den zweiten Pass beschrieben, er beginne kurz hinter Marple Canyon und endet ziemlich genau an der Provinzgrenze zu Alberta. Der zweite Pass sei auch harmonischer, nicht so steil, obwohl er gleichwohl höher ist als der Sinclair Pass am frühen Morgen sei..
Unterwegs treffe ich Micha und Daniella, die aus Victoria mit Rennrädern auf dem Weg nach Neufundland unterwegs sind. Auch sie wollen erst morgen nach Banff, und wir verabreden uns auf dem geschlossenen Campingplatz von Marpel Canyon.

Wie beschrieben herrscht immer noch keine Saison in BC. Der Campingplatz der Nationalparkverwaltung  ist verwaist und abgesperrt, aber ich habe ja so eine Art quasi Erlaubnis. Aber im Gegensatz zu den Restplaces am Highway, wirken die Campingplätze ungemütlich. Ein geschotterter Stellplatz mit Sitzbank und Feuerstelle. Feuerholz wird für $9 angeboten.
Die Plätze unterscheiden sich total von skandinavischen Plätzen, es sind rustikale Waldplätze, um nicht zu sagen, sie sind äußerst spartanisch. Auch dieser arbeitet wieder auf Vertrauensbasis, es gibt keine großen Gebäude mit Kochgelegenheiten oder Aufenthaltsräume  mit TV. Ein großes Schutzhaus, das an drei Seiten geschlossen ist und Holztische mit Kaminen bietet, ist der einzige Luxus auf diesem Platz.

Der Bärenschrank
zusammen und ermöglichen so eine Liegefläche. Der Zugang ist nicht abgesperrt durch ein Tür. Ich denke instiktiv darüber nach was passiert, wenn sich ein Bär in den Innenraum verirrt. Die Nahrungsmittel deponieren wir in dem Feuerlöschmittelschrank, der jetzt leer, aber verschließbar ist.
An diesem Abend ist es sehr kalt geworden, auf dem Campingplatz liegt noch reichlich Schnee. Wir befinden uns auf  knapp 1500m. Der Himmel ist regnerisch- neblig, die Spitzen der Berge sind nicht mehr zu sehen. Die Temperatur wird in der Nacht auf 3,3° fallen. Ich wache nachts auf und sehe meinen Atem. Tiere sind nicht zu hören. Der Sommer hat heute Pause.