tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Freitag, 25. Juli 2014

Prince George



Do.,24.7. 
Der geschlossene Park
Um ehrlich zu sein, es hält mich nichts in Vanderhoof und so bin ich nur zum Skypen bei Horton geblieben. Ansonsten will ich los. 
Der Tag wird lang genug werden.
Gleich nach der Kurve am Ortsausgang geht es steil bergan. Der klassische WarmmacherBerg. Aber oben angekommen ändert die Strasse nach gut 6km ihre Richtung nach Osten und damit gibt es jetzt eine fette Portion Rückenwind.

Seit Beginn der Woche hatte WeatherCanada eine Schlechtwettervorhersage herausgegeben. Mit dem Höhepunkt am heutigen Tag. Dauerregen. Zwar ist das Wetter kühl, aber trocken und  zum Fahrradfahren geradezu ideal. Gute 17° bei durchgehend grauem Himmel. So, als könnte es jeden Moment anfangen zu regnen. Aber noch halten die Wolken dicht.
Knappe 100km ist die Strecke bis Prince George lang, aber durch den guten Wind fliegt der Trecker nur so über den Yellowhead. Was auch immer Fabien mir in Whitehorse verkauft hat, die momentane Kassette läuft wie Butter, allerdings gehen mir nun bei voller Fahrt die Gänge aus, ich könnte ruhig noch einen schwereren Gang mehr gebrauchen. Während der Kaffee auf dem Tisch steht, erscheint die Paramedics Frau, die ich in Houston traf, ja, sie hätten das Fahrrad wieder erkannt und wollten nur kurz „Guten Tag“ sagen. Oh ja, Prince George, da gibt’s aber reichlich Berge. Mal abwarten, et kütt wie et kütt.
auch unterwegs wieder Suchplakate von Madison

Die Strecke im District Vanderhoof ist keine Strecke für Genießer, nahezu alle 15min überholt mich ein großer Holzlaster. Den gesamten Tag geht das so. Holzlaster nach Holzlaster und dazwischen diese überhohen, geschlossenen Holzspänelaster Doppelzüge.
Aus irgendwelchen Gründen auch immer ist der Seitenstreifen hier nur meist einen Fuß breit geteert, der Rest ist loser Kiesel und darüber hinaus an vielen Stellen mit etlichen Bitumenlagen geflickt. Es ist in der Tat heute sehr eng. 
Zwar kann ich mir sicher sein, das die, wenn’s irgendwie geht, auf mich aufpassen, aber bei dem erhöhten Verkehrsaufkommen und dem vielen Gegenverkehr haben die Trucker hinter mir ziemlich häufig nicht die Möglichkeit auf die Gegenfahrbahn auszuweichen.
Am heutigen Tag ist das hier nichts für ängstliche.
Die Situation ändert sich erst nach knapp 40km, als sich der neue District ankündigt. Nun ist der Seitenstreifen wieder erheblich breiter. Aus Sicherheitsgründen wechsele ich sowieso wann immer es geht bei Hochgeschwindigkeitsabfahrten auf die Fahrbahn. 
 Wikipedia.org Prince George BC
Gute 20km vor Prince George kündigt sich wieder ein Anstieg an. Trucker werden aufgefordert in der nächsten Bucht die Schneeketten anzulegen. Damit ist klar, es geht wieder steil bergan. Mud River heißt der Berg, aber auch er hat am heutigen Tag mit Rückenwind seinen Schrecken verloren. Die nachfolgende Abfahrt rollt dann bis nach Prince George hinein.

Unglücklicherweise befindet sich die Zone d`Activitè genau in der 9% Abfahrt. Ich muss erkennen, wie Tim Horton’s Kaffeestube einem Umbau unterzogen wird und wieder so ein Mobilausschankwagen vor der Tür steht. Aber ich wäre wohl doch nicht zurück gekommen und 9% bergan gefahren. Auch Walmart kann ich heute abschreiben, liegt genau dahinter. Mal sehen was übrig bleibt. 

Die Strasse rollt genau an der Kreuzung des Cariboo Highways, Hwy 97south in der rush hour aus. Es ist nach vielen Tagen der Einsamkeit und der Fahrt durch die Dörfer schon etwas ungewohnt sich in einer 100.000Einwohner Stadt zu bewegen. 
rush hour
Der erste Eindruck von Prince George ist keine Liebeserklärung. Aber vielleicht ist auch die Sicht nach 100km etwas getrübt. Viel Verkehr, einige Grünflächen; eine intakte Innenstadt ist so nicht zu erkennen. Um auf den Cariboo Hwy zu gelangen führt der Weg zunächst in die Stadt um dann zu den Brücken über den Fraser River zu gelangen. Prince George ist Zentrum der Holzindustrie in Northern BC, die Verbundenheit wird durch das PG Männchen ausgedrückt, einst aus Holz, nun in der Neuanfertigung langlebiger aus Stahl.
Cariboo Highway Kreuzung
Die 1914 erbaute Eisenbahn Hebebrücke über den Fraser River

Das Visitor Center liegt im Bahnhof am anderen Ende der Stadt, gefühlt fast ein wenig außerhalb. 
Es geht alles hochprofessionell zu. Morgens schon ab 08:00h und das Fahrrad darf mit hinein. Das wifi funktioniert gut und ich beschließe, noch einen Tag in der Stadt zu bleiben.

Donnerstag, 24. Juli 2014

Vanderhoof-Ländliches Canada


Mi.,23.7.
Eine Stadt sucht eine junge Frau
Vor dem Start noch einmal schnell ins Visitor Center, Ellinor hat Geburtstag. Um 09:00h bin ich der erste Besucher. Neben einer excellenten Verbindung gibt es sogar frischen Kaffee. Feine Sache.
Die Distanz heute beträgt nur knapp 60km+ Zuschlag, eine kurze Sache. Die Bedingungen sind optimal, 18°, heiteres Wetter, flache Strecke und leichter Rückenwind. Eine Angelegenheit für das große Blatt. Fahrradfahren in Canada kann sogar richtig geil sein. Die Tachonadel schlägt des öfteren bei 30km/h an.  Ich scheine über den Highway zu fliegen.
Andererseits gibt’s eben auch heute nicht viel zu sehen, Ländliches Canada, große Felder mit Rundballen, ansonsten gibt’s nichts.
Zwei Ereignisse gibt es bis Vanderhoof. 
Bei Km 30 gibt’s eine Premiere, an einer 4km langen Baustelle mit single lane traffic steht ein neues Schild follow pilot car. Jo, das wird spannend mit dem safety car durch die Baustelle.
Ich entdecke den bunten pickup, während ich mich nach vorne arbeite. Noch einmal genaue Instruktionen, achte auf die Arbeiter, da stehen Baufahrzeuge, immer rechts fahren.

Ohhh, sie nehmen das wirklich ernst. Sicherheit wird hier mit dem ganz großen Bleistift geschrieben. Aber so wollen sie das hier.
Dabei bin ich nun schon 9000km on the road. Dann geht’s los.

Die Riesenschlange setzt sich in Bewegung, das Auto fährt 40km/h, ich echte 6,8km/h und am Berg verliere ich sie alle. Nach kurzer Zeit bin ich allein im BaustellenNiemandsland. 

Die Baukolonne lacht sich einen, während ich den Berg hochkeuche. Nur nicht aufgeben, jetzt für die Galerie fahren.

Der Vorteil solche einseitig geführter Strecken ist, das es später stoßweise Verkehr mit langen Pausen gibt.
Babette aus den Niederlanden

Der zweite Highlight des Tages passiert 10km vor Vanderhoof. Eigentlich hab ich’s eilig. Diese verdammte Zeitverschiebung. Und dann kommt doch noch ein Biker entgegen. Der erste am heutigen Tag. Ich will nur schnell grüßen, doch dann ist es eine Frau und daraus wird nichts, denn dem Lachen von Babette konnte man nicht entgehen.

Allein ist sie in Vancouver gestartet, sozusagen als one-woman- ride und will in Anchorage ankommen. Babette ich muss 
telefonieren, aber sie ignoriert das völlig und sagt, bist gleich bei Horton, ist nicht mehr weit und so dehnen wir das Gespräch auf 20min aus und tauschen Tips und Fotos aus.
www.britishcolumbiam.name
Babette macht sich ein wenig Sorgen, wegen der Fahrt auf dem Highway der Tränen. Alleine auf einem Campground, als Frau macht das hier Angst.

Dazu muss ich sagen, vor 3Tagen habe ich am Hungrigen Berg einen 63to Tanklaster mit einem Konterfei eines jungen Mädchen fotographiert, missing Madison, hab’ aber keine weiteren Gedanken daran vertan. Missing Madison
Madison, eigentlich Madison Scott  kommt ausVanderhoof und ihr Foto ist hier allgegenwärtig. 

TouristenHinweis am Ortseingang
Eine Stadt sucht eine junge Frau, die auf einem Campground am 28. Mai 2011 verschwand.
Am Ortseingang mit den Touristenhinweisen genauso, wie bei ExtraFoods, an Tankstellen und dem örtlichen Baseballclub. 

Privatautos fahren mit ihrem Foto am Heck durch die Stadt. Überall und in allen Größen Suchaufrufe von Madison. Die Belohnung wurde inzwischen auf 100.000$ festgesetzt.
Wenn schon nichts los, Lust auf Kino?

Allein, Maddy verschwand schon vor 3 Jahren.Spurlos bis zum heutigen Tage.
Vanderhoof indes ist ein kompletter touristischer Rohrkrepierer. Ich erreiche Tim’Kaffeestube, medium doubledouble, aber nach einer Stunde fragt man sich und nun?
Es gibt kein Schwimmbad in dem 5000Einwohner Dorf.

Der Touristenverein rät zum Campingplatz, ein geschotterter Platz für 23$, Duschen extra, oder einem Bad im Fluss, für Leute die sparen wollen oder müssen. 

Es gibt zwei große Einkaufsläden und ein wenig gefühlte Innenstadt drum herum.
Auf den Plätzen jeden Menge Fist Nation.
Ortsdurchfahrt Vanderhoof Hwy16
 
Der Highway 16 durchschneidet 4spurig diese Stadt in zwei Teile, parallel neben ihm läuft die CN Railroad Prince Rupert-Toronto, jede Stunde ein überall im Ort gleichmäßig zu hörender Krach.

Ich habe viel Zeit fahre länger durch die Stadt. Fazit, es gibt nichts, was auch nur von minimaler touristischer Bedeutung sein könnte.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Fraser Lake

Burnt Bikes

Di.,22.7.
Zweimal Dichtigkeit bestanden
Bevor es losgeht, laufe ich Kevin in die Arme. Hast Du das Motel in Fraser Lake angerufen? Warum? Weil unter Umständen alles voll ist wegen der Brände.
Also noch mal zum Breefing ins VisitorCenter. Dort aber gibt  man sich betont gelassen. Der Highway ist frei, ja und es gebe reichlich Feuer, aber die hiesigen sind im Nationalpark 200km in-the-bush. Kein Grund zur Sorge. 
Die Homepage des Radladens in Burns Lake verwies auf eine Öffnungszeit um 09:00h, eigentlich eher ungewöhnlich für kleine Spezialgeschäfte in Canada. Also bin ich um  09:00h unterwegs und will die Schaltung besprechen. Es läuft ja, aber ich habe das Gefühl, die unteren Gänge rutschen. Vielleicht ist die Kette doch zu lang. Wäre doch bloß Jens in der Nähe, vieles wäre einfacher.

Ich stürze aus dem Motel und stehe um 09:03h vor verschlossener Tür, denn das Schild an der Ladentür verweist nun auf eine Öffnungszeit von 10:00h. Klassischer Fehlstart. Was stellt man eine Stunde lang in diesem Dorf an?
Dummerweise fällt Dave auch nicht viel dazu ein, als eine Stunde später erscheint. Eine verlorene Stunde. Danach kann es sofort losgehen.
Der Tag ist kurz heute, nur knappe 70km, ein schneller Lift nach Fraser Lake, nur nicht mehr als nötig machen. Ein wenig Zeit schinden. Noch knapp 950km nach Vancouver, selbst wenn es dumm läuft, mehr als 15 Tage sind nicht mehr nötig.
Die Strecke beginnt mit einem 810m WarmmacherBerg und bleibt dann flach. Obwohl nicht viel zu erwarten ist, wird es doch an diesem Tag eine der schönsten Tagesstrecken, was das Fahrgefühl angeht. Großes Blatt aufgelegt und kickdown. Tempomatenwetter. Lässiges Pedalieren.

Heute steht auch kein wirklicher Berg mehr im Weg, was schon allein daran zu bemerken ist, das vor jedem Hügel die chain up! und später die chain off! Schotterflächen für die dicken Brummer fehlen. Für den heutigen Tagesabschnitt sieht die BC Straßenverwaltung für die Anstiege keine Schneekettenpflicht vor.
Xavier aus Frankreich

Ein ereignisarmer Tag bis 15km vor dem Ziel.
Eigentlich bin ich schon Ziel beschäftigt, da passiert dann doch noch einiges. Zuerst kommt die Trikolore um die Ecke gefegt. Im holländischen Liegrad erscheint Xavier, Student aus der Nähe von Paris und auf dem Weg von Vancouver nach Anchorage. 

Alter Falter, im Liegerad die Berge bis nach Watson Lake, eher würde ich mich erschießen, als ausgerechnet im Liegen da hoch zu treten. 

Bonjour Monsieur, wohin des Wegs? 130km will er heute machen, in Burns Lake absteigen. 4 Monate will er im Land bleiben, dann geht’s zurück nach Europa.

10min erscheint die Anzeige ESSO, das verspricht den ersten Kaffee auf der Strecke. Die Tankstelle liegt im Reservat und während ich draußen in der Sonne sitze, kommt so einer mit typischen Gehabe daher. Lauter Motor, Baseballkappe schräg und seine Kumpels mit fetter Sonnenbrille.
Es gibt in Deutschland Gegenden, da mag man solche Leute nicht treffen; es gibt Gegenden in Deutschland, die meidet man unter Umständen lieber.
Malcolm aus Endako

Dieses könnte eine solche Begegnung sein, 3 dunkelhäutige Typen umringen mich und einer fragt, eyh man, wo hast Du das Shirt her? Darf ich mal anfassen?  
Ich bin im Stella First Nation Gebiet, hohe Arbeitslosigkeit, geringer Lebensstandart und doch besteht überhaupt keine Not nervös zu werden. Malcom, 40Jahre alt, ist stolz First Nation Angehöriger zu sein und er sagt you are here in my Reservation. Ich frage ihn ob er einen Job hat und dann holt er aus und erzählt seine Lebensgeschichte. So wird aus mal-5min-sitzen 20min. Und es erfolgt Malcolms Monolog.

Beth,Volunteer des VC
Es sind vom Reservat bin nach Fraser Lake noch 5km. Ein kleiner weisser Ort am Highway 16. Das VisitorCenter befindet sich auf der anderen Seite des Ortes. Ein Blockhaus in Kombination mit Museum. Ich stürme hinein, um Ellinor zu erreichen.

Das Ziel schon erreicht nach 3,5Stunden. Wo ist das Personal, im Office steht nur eine alte Frau. Was macht die Oma hier? 

Die Oma ist das Personal. Beth ist 83Jahre alt und arbeitet hier als Volunteer.
Seit dem es das VisitorCenter gibt, ist Beth hier tätig. Und sie strahlt Autorität aus. Beth sagt, am See ist der Municipal Campground, umsonst, für max. 2 Tage Aufenthalt. 

Auf dem Gelände der ehe
maligen Sägemühle. Klasse. 
Canadian National Rail
Zwar erwarte ich nicht viel, aber nach dem Einkauf noch schnell in die Bücherei und Trinkwasser besorgt und dann geht’s herunter an den See. Anschauen kostet nichts.

Aber dort ist etwas, von dem sich ganz viele Gemeinden etwas abgucken könnten. Eine großzügige Grünflächenanlage mit 8RV Buchten, Stromanschlüssen, Kinderspielsplatz und Versammlungsgebäuden.
Campingplatz mit Bahnanschluss
Einziges Manko, wie so oft ist in unmittelbarer Nähe entweder ein Main Highway oder eine Bahnlinie.In diesem Fall die CN Hauptverbindung Toronto-Prince Rupert, Canadas größten Container Hafen am Pacific.Absolut was für Eisenbahnromantiker mit 6 Durchfahrten inklusive Horn in der Nacht, in jede Richtung.

historic Foto, source delcampe.net
Wunderschön gelegen. Um 17:00h ist noch niemand da und ich baue das Zelt auf. Obwohl es nun seit Tagen immer wieder regnet, ist der Boden knochentrocken.

Als alles fertig ist, entdecke ich den platten Hinterradreifen. F...verdammt,oh nö, nicht schon wieder. Irgendwann muss doch die Serie doch mal reißen. 
Drei Tage Ruhe ohne Probleme und nun geht das schon wieder los. Es ist doch wie verhext. Und es ist einfach demütigend. Inzwischen überlege ich, ob ich das Rad tauschen sollte, das ist zwar reichlich sinnfrei, aber jede Woche mehrfach den Reifen zu flicken, ist auch nicht origineller.
Da es noch früh am Abend ist, nehme ich mir ohne Hoffnung einen meiner geflickten Schläuche. Kann man ja wieder ausbauen, aber und da gibt’s dann doch noch die Beckerfaust, der Schlauch hält unerwartet die Luft. Sieg! Es gibt doch einen Gott, ein Schlauch, eine Packung Flickzeug, egal!
Der Tag endet wie gestern, es gibt ein orchestrales Gewitter von 2Stunden Dauer mit anschließendem Wolkenbruch und Regenbogen. 

Nur diesmal steht das Zelt bereits. Danach ist alles so, als ob nichts gewesen war. Das Zelt ist nach 20min trocken. Dichtigkeit ebenfalls bestanden.

Ausser der Reihe! Die beste aller Ehefrauen hat heute Geburtstag

               Liebe Ellinor, anstatt Blumen, alles Liebe zum Geburtstag

  (Stikine River Bridge nach 1 Stunde Steine sammeln)

Dienstag, 22. Juli 2014

Burns Lake

Mo., 21.7.
Jedem Dorf seinen eigenen Berg
Spektakulär ist anders. Die atemberaubenden Eindrücke sind vorerst vorbei. Mit solchen Bildern kannst Du keinen hinter dem Ofen hervorlocken. Mittelmäßigkeit. So scheint es. Dafür genieße ich die Annehmlichkeiten des Lebens in der Zivlisation.

Nachdem bereits um 06:00h ein nicht aufhörendes hämmern den Morgen einläutete und ich mich im Zeltinnern bis zum Frühstück fragte, was passiert da draussen, war heute vor Abfahrt noch die Gelegenheit kurz Grüße in die Welt zu schicken.
So blöd die Aussage auch wirkt, beides geht anscheinend eben nicht, so sehr ich mir das auch wünsche: tolle einsame Bilder von atemberaubenden Bergen und den Tag trotzdem mit einem Kaffee in einem bequemen Sessel zu beginnen. Eigentlich schade.
In Houston gibt es nur A&W. Morgens früh um 08:00h trifft sich hier das weisse Canada zum Kaffeeplausch. Alte Männer, alle mit Basecap auf dem Kopf, es geht hoch her, ich wirke fremd hier an diesem Ort. 
Burns Lake map source: www.brittishcolumbia.name

Der heutige Tag besteht aus einem identischen Anfang und Ende und einem beeindruckenden Berganstieg in der Mitte. Zunächst geht es moderat zur Sache, gemütliches pedalieren, die Strecke ist flach und nach langer Zeit macht das Fahren wieder richtig Spaß. Da mir Distanzen im Grunde mehr liegen und ich disese permanenten Anstiege ablehne, kommt mir der erste Teil sehr entgegen, wären doch viele Tage so wie heute, denke ich noch so min mich hinein und freue mich am entspannten fahren, da kommt Topley ins Bild.

Ein ruhiger Weiler ohne große Attraktion und man fragt sich, wer mag hier freiwillig wohnen.
Nur 2km außerhalb Topleys ändert sich alles schlagartig. Schon von weitem ist wieder mal so eine aberwitzige Steilstrecke zu sehen. Sichtweite gute 10km voraus. Natürlich hätte diese Strecke rechts neben dem Berg an ihm vorbei gehen können, hätte..., denkt man, aber nicht hier, nicht in Canada.

Hier geht es wieder einmal direkt drüber, Einstellungsvorausetzungen für Highway Tiefbauer scheinen sich daran zu bemessen, die höchsten Berge mit einer Strasse verbinden zu könnnen.
6Mile Hill, so der Namedes Berges und er reiht sich nahtlos in die Reihe der BergGangster auf dem 16er ein. SkeenaCrossing, Hungry Hill und nun also 6Mile Hill. Für jeden Ort seinen eigenen Berg. Ich schaffe an diesem Tag nicht mal 30%. Die Oberschenkel fordern einfach ihren Tribut. Alles schmerzt, bei 6,4km/h steige ich entnervt in einer Kurve vom Rad. Canada, deine verfluchte.Berge. Every day a challenge.

Automobil Institutionen auf dem Yellowhead Highway
Dabei hatte ich heute Morgen vor meinem Kaffeladen noch die mögliche Alternative fotographiert.
Während ich den Berg mißmutig hinaufschiebe, kommen mir vom Rückenwind getragen 2 flotte Reiter entgegen, mit freiem Oberkörper. Amerikaner. Also wirklich Jungs, wen wollt ihr denn damit hier beeindrucken? Für sowas gibt's nur noch einen kurzen Gruß.

Nach gut 15km ist das Massiv überwunden und ich bin wieder am Sockel des nächsten Tals angekommen.
ehemaliges Motel Perow

Nun ist wieder alles flach und gemässigt. Die sich über mir  langsam positioniernede Wolke bemerke ich schon, allein es wird zwar alles dunkler, aber die Wolken halten ja dicht.
 Wikipedia.org Burns Lake
Mr. E. Schröder
Kurz vor Burns Lake dann noch ein kurzer Anflug von Heimat. Urplötzlich entdecke ich an einem Haus die Schleswig Holstein Flagge. Vollbremsung.

Ich bleibe auf der Strasse und winke, unsicher, ob man mich bemerkt hat und tatsächlich die Tür geht auf. Ein alter Mann kommt vor die Tür und ich schreie ihm ein breites Moin entgegen. Seit 25Jahren lebt er genau dort in seinem Haus. Es ist Emil Schröder, in Canada wohnhaft seit 53Jahren, vorher Haseldorfer Marsch, Schleswig Holstein. Perfektes Holsteiner Platt ist noch vorhanden, aber wie das so ist mit den Menschen von der Westküste, es bleibt einsilbig und nach 5min begrabe ich meine Hoffnung auf ein angeregtes Gespräch. Wie gesagt, nur ein kurzer Anflug von Heimat.

Alles geht gut an diesem Tag und ich erreiche um 16:30h das VisitorCenter in Burns Lake. Habe schnell alle Informationen zusammen, da kippt der Tag. Hastig bringen die draussen anwesenden Mitarbeiter ihre Arbeit zu ende, ein gewaltiger Sturm zieht auf und es gibt ein 2h Unwetter. Nach 45min, stehend unter dem Vordach des VisitorCenters, indem ich von einem schnellen Schauer ausging, schaffe ich es in die nächste Kaffeebar. Das Personal schaut mich mitleidig an, als ich triefend coffee indoor bestelle.

Das war's wohl, wat nun? Zeltaufbauen im Dauerregen? Nicht schon wieder ins Motel.
Wir haben eine katastrophale Woche vor uns und heute ist erst Montag. Nächste Woche ist das alles vorbei, der Sommer soll zurückkehren, wenn die Wetterfrösche sich nicht irren.

Irgendwann muß in solchen Momenten immer eine  Entscheidung her und nach 2 Stunden Dauerregen stehe so ich vor dem Burns Lake Motor Inn, Kevin aus Korea macht mir einen guten Preis und sehr spät für meine Verhältnisse checke ich im Dauerregen um 19:00h ein. Endlich mal wieder ein richtiges Zimmer mit 2Queens und allem was dazu gehört. Sogar das wifi funktioniert gut.

Blöd nur, das das Wetter einen tollen Abendhimmel um 21:30h bietet , aber das war da noch nicht abzusehen.

Es bleibt ein schwieriges Geschäft mit der Wettervorhersage und der alte Mann ist vielleicht zu weich.

Montag, 21. Juli 2014

Houston

So.,20.7.
Maiwetter im Juli
Heute keine große Strecke. 64km nach Houston, der Tag sorgt für seine eigenen Überraschungen. Zunächst komme ich aber fast nicht hoch. Das Bett ist saubequem und ich bleibe bis 07:30h liegen. Nur nicht nachgeben, heute wird gefahren. Ein Blick aus dem Fenster zeigt eine enorm demotivierende Aussicht. Die Regenwolken sind fast zum Greifen nah. Auf dem Motelhof sind riesige Wasserlachen.


Zeit für mehrere Kaffee hintereinander, nur langsam komme ich mit dem Packen zurecht. Zwischendurch immer wieder der zu verdrängende Gedanke bleib’ doch noch einen Tag. Nein! Morgen wird’s nicht besser. Wenn Du unbedingt in einem Motel schlafen musst, kannst du auch in Houston.
Start erst gegen 11:00h.
Mike aus Smithers
Nach 12km schon die erste Pause in Telkwa. Eine willkommene Ablenkung bietet der örtliche Grocerystore mit Kaffeeausschank. Ich vertrödele die Zeit. Was soll’s, sind ja nur noch 48km. 

Draußen vor der Tür kommt mir Mike entgegen, wieder eine hervorragende Gelegenheit noch einmal Zeit zu schinden. Mike ist Lehrer, stammt aus London und lebt seit einigen Jahren im Westen Canadas. Er sagt, er muss sich zunächst bewähren, man bekommt nicht gleich eine Daueranstellung. So wechselt er jedes Jahr die Schule. In Houston wäre nichts los, dort habe er schon gearbeitet. Mike ist ebenfalls passionierter Biker und wir dehnen die Gesprächspause ein wenig aus. 
Nächstes Jahr will er mit seinem Kumpel in Europa fahren, Gesprächsstoff gibt es also genug. Wir stehen unter dem Vordach des Grocerystores, es regnet während unseres Gesprächs 3x. Immer kurze Schauer. Meist weiß man gar nicht, wo der Verursacher sitzt, denn 180° rechts herum, scheint die Sonne und nach wenigen Minuten ist der Regen wieder vorbei.

Max aus Utah
Die Landschaft ist reichlich hügelig, das Bekannte auf und ab, allerdings, die ganz großen Postkartenmotive fehlen an diesem Tag. Die Region ist bäuerlich geprägt, überall sind große Rundballen auf den Feldern, die Höfe wirken längst aber nicht so groß wie in Manitoba.

Die Straßenqualität lässt arg zu wünschen übrig. Es herrscht akuter Handlungsbedarf. Der 16er ist in die Jahre gekommen, aber das trifft  den Autofahrer gleichermaßen. Rauher Straßenbelag, der immer wieder abschnittsweise ausgebessert worden ist. In ihrer Hilflosigkeit streuen die Straßenbauer in die neu aufgetretenen Ritzen jede Menge Schotter und ich versuche in meiner Hilflosigkeit die Berge zu umfahren. Auf Abfahrten geht das nicht, da muss auf die Fahrbahn ausgewichen werden.
Karte Houston source:mackenziebc.com

Letzter Programmpunkt an einem ansonsten ereignislosen 70km-Tag ist der Hungry Hill. Respekt! Schon von weitem kann man diesen endlosen Anstieg bewundern. Der Scheitelpunkt ist nicht zu sehen, also vor dem hungrigen Berg erstmal rechts ran und selber Bananen gestopft. Da erscheint Max von der anderen Seite. Er ist in Salt Lake City, in Utah gestartet und will zum Denali NP. Wir drehen uns gemeinsam um und sehen die regenverschleierten grauen Berge in der Ferne, da willst Du hin? Na da dann viel Spaß, ich würd’s mir noch mal überlegen. 
 
Max ist 24 Jahre  und hat gerade sein Studium für Chemie und Umwelt in Utah abgeschlossen. Wie so einige die ich traf, hat auch er dasselbe Alter meines Sohnes. Leider hat er keinen blog, ich hätte gerne erfahren wie er angekommen ist.
Hungry Hill
Der Hungry Hill macht seinem Namen alle Ehre. Ein kraftzehrender Bonebraker. Es dauert ewig, mehr als 5,8km ist der Weg lang, auf dem Fastgipfel gibt es eine Raststation, die ist zu dem Zeitpunkt auch bitter nötig.
Dann aber beginnt die langgezogene Abfahrt. Zuerst gemächlich, dann immer schneller werdend. Abfahrt bei einer Vollschüttung mit 60km/h. Obwohl noch gut 12km bis Ziel zu fahren sind und man ungläubig der Sache entgegen sieht, wie immer einen Schlussanstieg erwartetend, rollt man erst in Houston aus. 
 
Ich erkenne das VisitorCenter von weitem und sehe einen großen Charterbus. Die Leute sind im Begriff wieder in den Bus zu steigen, da haben es alle nocheinmal eilig, einen Radwanderer zu fotographieren. Da ich, wie so oft Amerikaner vor mir wähne, sage ich laut und deutlich, jo, auch Du bekommst Dein Foto, dafür schaust Du aber meinen blog an.

Ich habe keine Berührungsängste, aber mir geht dieses oh wie sieht der denn aus, komm, schnell mal ein Foto, kann man ja später wieder löschen, auf die Nerven. Reiner degenerierter Voyeurismus.
 
Leute, die ehrlich Interesse zeigen, kann man ganz anders entgegen treten.
Und schau an, es sind Österreicher, 60+, junge Leute suche ich vergebens, erst einer, dann mehr, nachher steht eine Gruppe um mich herum und ich beantworte gerne ihre Fragen.
Auf der Fahrt hierher habe ich viele gute Radfahrer getroffen, die 3x mehr geleistet haben und entbehrungsreichere Zeiten durchgemacht haben. Da bin ich wirklich nichts besonderes und das ist mir dreimal lieber, als sich wie ein Tier zu fühlen.


Das VisitorCenter macht derweil zu, schade, Zeit verpasst, aber der Lebensmittelladen hat noch auf. Und da sich Doc Steffen Sorgen um meinen täglichen Proteinbedarf gemacht hat entdecke ich in der Kühle Truthahnbrustfilet, mariniert angebraten und welch Glück preislich bereits reduziert, weil out of date.
frühmorgendlicher Ruhestörer
Nachdem Isaak mir neulich empfohlen hatte, lieber Wraps, anstatt dem pappigen  Körnerbrot zu nehmen und weil es ohnehin in der Tasche kaputtgedrückt wird, bin ich nun umgestiegen auf Spinatwraps. Also Wraps mit Truthahn, französischer Knoblaubcreme und Tomaten und der Bär hat keine Chance.
Inzwischen habe ich festgestellt, überall in Canada sind an öffentlichen Gebäuden stromführende Aussensteckddosen angebracht.
So sitze ich am Abend regengeschützt unter dem Dach eines Freilichttheaters und kann den blog stromsparend schreiben. Und weil’s einfach so gut läuft an diesem Tag, ist genau praktischer Weise genau gegenüber ein alter aufgelassener Campingplatz zu finden. Wenn bloß dieser stündliche Regen nicht wäre.