tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Donnerstag, 23. Oktober 2014

Petaluma



Mi., 22.10. 
Langweilige Städte, ausgedörrte Landschaft
Der Wecker weckt mich unsanft gegen 7:00h, das spätabendliche Bad im Pool tat der lädierten rechten Schulter gut. Taya ist schon auf und hat eine Telefonkonferenz mit Gesprächspartnern an der Ostküste in Boston und in Deutschland. 
Es gibt einen ge meinsamen Kaffee, dann ist es Zeit zu gehen.
Quer durchs Sonoma County, auf dem Weg nach Petaluma

Der Tag beginnt spannend. Da die Sanierungsarbeiten auf der Highwaybrücke anhalten, ist sie für den Verkehr weiterhin komplett gesperrt. Theoretisch bedeutet das einen riesigen Umweg, da sich so schnell des Wegs keine weitere Brücke über den Russian River finden lässt. Deswegen ist es Taya’s Idee die alte, parallel verlaufende Eisenbahnbrücke zu benutzen. 

Taya

stillgelegte Eisenbahnbrücke
Keine Sorge, die Strecke ist seit langem außer Betrieb. Vor einigen Jahren habe ich diese Nummer mal in Masuren gedreht und ich brauchte einen Tag, um vorher herauszukriegen, wie oft der Zugverkehr besteht.
Nun, heute besteht tatsächlich keine Gefahr einer Zugbegegnung. Die Strecke ist tot, die Brücke, bzw. ihre Eisenbahnschwellen machen einen äußerst unerfreulich morschen Eindruck.
Auf der anderen Seite geht’s dann richtig los. 

Joe
Der erste Ort auf der Strecke ist Windsor. Der kleine Ort beginnt mit einer residential area und macht mit seiner monotonen Bungalow Bauweise in den Vorort Wohngebieten einen sehr gepflegten, langweiligen Eindruck. Ich muß mich tatsächlich druchfragen, obwohl Taya mir alles detailiert in den Bock diktiert hat, kann ich 10Stunden später meine eigene Schrift nicht mehr lesen.

'Komme aus dem kleinen Kiosk heraus und treffe auf Joe, hey man, ich muß Dich was fragen, ich fahre auch Fahrrad, wo kommst Du her? Wir unterhalten uns kurz und Joe sagt plötzlich, hier, ich muß Dir was zeigen, hab' ich extra gemacht und krempelt die rechte Wade frei, um mir sein Fahrrad Tattoo zu zeigen; 420$, toll was? hmm, da muß man echt schlucken.
Das 420$ Bein

10 min später auf dem Walmart Parkplatz kommt mir Cindy aufgekratzt entgegen und sagt mein Mann heißt Wolfgang Neumann und stammt aus Deutschland und wir unterhalten uns lange nachdem sie das Auto abgestellt hat. 
Bis dahin hatte der Tag seine angenehmen Seiten gezeigt. Eine halbe Stunde später beginnt der Frust, wieder kein wifi bei Starbuckx, noch besteht kein Grund zur Panik, versuche einfach den nächsten BK zu finden. 
Eine nutzlose 2,35$ Investition für einen Kaffee ohne zeitgleichen Zugang in die Welt.
Cindy

Santa Rosa heißt die Kreisstadt und ist zugleich größte Stadt in der Umgebung. Gute 14km durch die Strassen von Santa Rosa, jede Menge Verkehr, aber eine an Langweiligkeit und Ideenlosigkeit nicht zu überbietende Pracht. Wahrscheinlich haben sie seit Jahren die rote Laterne bei Unser Dorf soll schöner werden. 
Am Abend vorher hatte Taya Andeutungen gemacht, als ich fragte, was gibt es zu sehen? Nix!  Ein reisefotographischer SuperGAU. Es zieht sich hin bis ich wieder hinausfinde. Safeway finden, einige Kurven in Downtown, immerhin einige ältere Häuser, aber viel ist nicht zu machen. 
Der wohlklingende spanische Name verspricht mehr, als die Stadt bieten kann. 
Mehrspurige Highways durchziehen Santa Rosa, die Stadt ist ebenfalls monoton und autopraktisch angelegt, allerdings muß man bemerken, das die großen Straßen alle eine breit angelegte Radspur haben. 
Es ist das Dilemma, in Canada legt man viel Wert, den Besucher mit großen Schildern frühzeitig auf die Visitor´Center hinzuweisen, immer erste Adresse, bis auf wenige Ausnahmen leicht zu finden. 

In Santa Rosa fragt man sich irgendwann, ob es überhaupt ein Visitor Center gibt und dann die Frage, wie das wohl zu finden sein könnte?

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Healdsburg-Tag2

Bicycle City, immerhin schon seit 1880!
Di.,21.10.
Für alle, die gerade 4000$ übrig haben
Taya verläßt das Haus für ein Meeting in Santa Rosa schon um 08:00h und ich bin allein im Haus. Es gibt einiges für die letzten 60Meilen bis Downtown San Francisco zu tun. Jetzt nachdem die State Trouper mir die Weiterfahrt auf dem 101er untersagt hat, braucht es einige Alternativen und weitere Unterkünfte sollten geklärt werden.

Nach Abschluß der Arbeiten habe ich die ausdrückliche Erlaubnis Taya Privat Spa benutzen zu dürfen. Steht draußen und ist der absolute Knaller, für alle, die gerade nicht wissen, was sie mit rund 4000Dollar anstellen sollen, weil vielleicht das Haus schon bezahlt und das Auto noch zu neu ist, oderwasweißich. 
Warme 104°Fahrenheit(40°) mit zahlenreichen Massagedüsen und Beinfreiheit ausgestattet, sozusagen ein echter Burner für den nächsten Hochzeitstag.
Hat jetzt auch mal keiner von den Nachbarn hier im Viertel, obwohl auch die anderen Bewohner der Straße nicht gerade ärmlich wohnen.

Danach in die Innenstadt, auf zur Plaza, die im Stadtkern ein viereckiger Park ist, ähnlich wie in Arcata nur mit deutlich nobleren Stores umsiedelt.
Kaffeebars, Hutläden, alles für die Haustiere, und eben fabrications, dem Laden rund ums Patchwork.

Betritt man als Mann ohne weibliche Begleitung allein so einen Laden lächeln einen die beiden mitfünfziger Ladies eher mitleidig an, als würden sie sagen, wir haben kein WC oder was kann es sonst noch sein, was Dich hier hereintreibt?
Aber ich bin vorbereitet, hey Ladies, auf Eurer Homepage fehlen die Preise und ich bin der Bote der nun mal die Sache genauer für die Chefin untersuchen soll. 
Fabrications Healdsburg

Ein paar Fachbegriffe wie Layercakes und Jellyrolls eingeworfen und sofort sind wir im Gespräch. Mach' ruhig viele Fotos und gerne würden wir die Arbeiten Deiner Frau mal sehen. Ja, ich kann Euch sagen...Aber wie Ellinor schon vom weitem ahnte, der Laden steht im falschen Ort.
Helasburg ist ungeaschminkter Touristenort. Oder wie Taya später sagen wird, Healsburg ist etwas für wohlhabende Tagestouristen aus San Francisco, die kommen gerne die 70Mi hier her. 
In Port Orlofs wäre das Preisniveau sicher anders. Auch wenn die Ladies schnell einwerfen, hier ist alles viel preiswerter als bei Dir zu Hause. Nun, wer weiß; ich jedenfalls nicht.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Healdsburg

Falscher Pronomen, The Wurst in Healdsburg
Mo.,20.10.
Halt bloß einfach mal den Mund
Die Dunkelheit kommt früh und die Nächte draußen sind lang, insofern verwundert es nicht, das ich früh wach bin. An diesem Morgen allerdings hat irgendjemand bereits um 5:15h an schwerem Gerät zu tun.  Es lärmt gewaltig in der Dunkelheit, kurze später setzt starker Regen ein. Ohhhh, ein Tag nach Maß beginnt.

Ich werfe mich aus dem Schlafsack und raffe im strömenden Regen und der Dunkelheit das Zelt zusammen, Taschen ans das Rad. Rucksack drauf und geflüchtet. Erster Fluchtpunkt ist das Vordach des alten Bahnhofs. Heute wird keine Sonne aufgehen. Ich sitze und schreibe um 05:45h in Californien, drei Meter weiter vor mir regnet es junge Hunde.
Um 07:00h erfolgt die Fortsetzung der Flucht in den Norden der Stadt zu McDoof. Ein unglaubig abgewetzter, schäbiger kleiner Laden an der Highwayabfahrt, 70er Jahre Waschbeton Sitzelemente vor der Tür, drinnen ein auch nicht mehr einladendendes Interior. 
Die Besucher sind geteilt, drinnen, die sich mehr als einen Kaffee leisten können, draußen die, deren Budget für mehr nicht reicht. Kevin hatte von dem fast internet geschwärmt, an diesem Morgen gerät es zur Geduldsprobe. Ich bekomme keinen Zugang, warten auf Google... Nach gefühlt 30min bin ich drin, zwischenzeitlich fühle ich mich wie der Typ, der in einem Youtube Video in einem Großraumbüro sitzt und in einem Wutanfall mit der Tastatur auf die Schreibtischplatte hämmert. So witzig das Video ist, ich tippe immer wieder entnervt auf die Maustastatur, allein nichts passiert.
Highway 101 uphill
Stellungswechsel, gleich ist der Akku leer und ich habe nichts erreicht. Also zu BurgerKing. Die bieten sogar Strom, also im Dauerregen zurück an die Autobahn. Als ich eintreffe, ist der Laden fast leer.

Zum wiederholten Maße besuche ich Läden mit weniger Besuchern als Personal. Und die haben Tim Horton gekauft? Einfach nicht zu glauben.
Das Wetter klart gegen 10:30h auf, ich schreibe zwei Warmshower an und mache mich auf den Weg nach Cloverdale. Zwei Dinge sind in diesem Zusammenhang bemerkenswert, die im späteren Verlauf sehr wichtig werden. Erstens achte ich nicht drauf, das mein amerikanischer Steckeradapter für das deutsche Netzteil bei BurgerKing zurück bleibt und ich merke es erst 30Meilen später, als ich den Computer im nächsten McDonald wieder starten will. Sieben Monate habe ich ihn wie mein rechtes Auge beachtet, nun ist er weg. Und 2.liegt kurz vor Cloverdale ein letzter größerer Höhenzug, vor dem die Radfahrer vom Highway hinunterkomplimentiert werden. Schluß mit radfahren auf dem 101er.
Eines der vielen Weingüter
Zunächst aber verläuft der Weg nach Cloverdale wie geölt, Endgeschwindigkeit, Vollgas, ein herrliches Gefühl, die Strasse ist längst wieder trocken, es gibt einen breiten Randstreifen. Dramatischerweiser und unangekündigt hört dieser allerdings bei der Durchfahrt der Ortschaft Hopland plötzlich auf und ich stecke für 3km mitten im Berufsverkehr ohne irgendwelchen Sicherheitssaum.
Die humorvollen Strassenplaner stellen dann riesige orange Rauten an den Streaßenrand Bike share the roads auf; als ob das einen 63to Truck beeindrucken würde.
Zweiter Kaffee in Cloverdale, Taya hat nun zurückgeschrieben, allerdings wohnt sie in Healsburg, Du könntest mich auch per Skype zurückrufen. Eigentlich wollte ich erst am Mittwoch dort sein, nun bin ich nur noch 20Meilen entfernt. Irgendwas ist schiefgegangen in meiner Planung. Gestern gab es übrigens auch einen Warmshower in Ukiah, aber die Organisation bringt mich in Probleme, ich muß 2-3 Tage im voraus wissen, wo ich dann stecke. So einfach ist das nicht. Zumal nicht immer gleich wifi vorhanden ist.
Ehemalige Highschool in Hopland
Aber heute klappt es, Taya stört es nicht und ich kann noch am Nachmittag nach einem langen Skypegespräch mit Ellinor starten.
Um 15:15h mache ich mich auf den Weg zurück auf den Highway doch ich komme nicht weit, denn es kommt nun zu einer folgenschweren Begegnung.

Montag, 20. Oktober 2014

Ukiah, ehem.Rangierbahnhof

Nicht alles was am Baum hängt, schmeckt auch

So.,19.10.14
Wirklich alles ist eingezäunt
Die gestrigen 91km stecken mir schwer in den Knochen, heute sind es zwei schier endlose Steigungen, die mir das Leben schwer machen. So bin ich froh das es erstens bis nach Willits nur 22Meilen sind und zweitens die frühen Kilometer zunächst nur bergab gehen, es ist nach dem Start ein gemütliches abrollen durch das enge Tal.

Natürlich bleibt das nicht so und es folgen zwei sehr lange Rampen auf dem Weg in die Kreisstadt. Aber es gibt kaum Verkehr und der Seitenstreifen ist angenehm breit. An diesem Tag habe ich zum ersten Mal den Sonntag übersehen, mir kommt erst der Gedanke an den Tag des Herrn, als ich verwundert so wenig Leute im Ort wahrnehme.
Sowohl Brad, als auch Kevin sprachen von dem Re-fill-Kaffee bei McDonalds und seinem schnellen Internet, so ist es ein guter Grund dem großen M einen Besuch abzustatten. Die Brüder sind dummerweise genau am anderen Ende der 4km langen Hauptstrasse. Leider wird es nichts mit dem re-fill, die Kaffeekanne steht sicher auf der anderen Seite des Tresens, aber  die Werbung kündigt von weitem an any size one Dollar.
Dann einige Arbeiten am Blog, danach ist Zeit für ein ausgedehntes Frühstück.
America's wirklicher Aldi
Seit Crescent City und dem Ausbleiben von Walmart habe ich neu den Grocery Outlet entdeckt. Nicht alles ist vergleichsweise sehr preiswert, aber vieles. Dieses ist der sogenannte zweite Lebensmittelmarkt in den USA.
ob der elsewhere Hinweis stimmt?, egal trotzdem preiswert
Lebensmittel aus Überproduktionen werden hier gehandelt. Irgendwie haben sie eine ganze Menge Markenartikel zu undenkbar günstigen Preisen, nix mit überproduzierten Produkten in Fantasienamen wie in Deutschland, anderes fehlt hingegen wieder ganz. 

Und Obst&Gemüse, das sie wahrscheinlich alibimäßig dazukaufen müssen, gibt es zu ganz normalen Preisen. Dennoch für mich lohnt es sich, Joghurt und Milchprodukte sind deutlich preiswerter als bei Safeway, wo man immer schnell genötigt wird gleich 2 oder drei auf einmal zu kaufen, um einen guten Preis zu bekommen.
on the move
Und da Trader’s Joe Trader Joe, also die Aldi’s Tochter, hier in diesem Land witziger Weise zu den hochpreisigsten Sellern gehört, kann man Grocery Outlet wirklich zu der untersten Stufe zählen. Überhaupt Aldi, die Amerikaner können mir da nicht folgen, Aldi in Deutschland, überall in fast jedem Ort vorhanden und ihre Tochter hier, wenn überhaupt dann nur in großen Städten.

Sonntag, 19. Oktober 2014

Longvalley Bridge, Mendecino County

Das Fahrzeug für Freiheit und Abenteuer


Sa.,18.10.
Ich treffe die falsche Entscheidung
Das wifi im abgewirtschafteten Motel ist eine Katastrophe und ich bekomme am Abend keinen Zugang mehr in die Welt. Deshalb mache ich mir Hoffnung auf den frühen Morgen, wenn die meisten Motelgäste noch schlafen.
Aber die Hoffnung trügt, nur für wenige Minuten habe ich einen kurzen Zutritt, dann ist die Leitung schon wieder unterbrochen. 

In Canada hätte man beim check-in sicher etwas regeln können, aber der junge, arrogante Schnösel am gestrigen Abend hatte wenig Empathie für Radfahrer. Viel Geld, zu viel Geld, für ein schlechtes Motel. Selbst eine Nachttischlampe war im Ausstattungsbudget des Motels nicht mehr drin. Die einzige Lichtquelle war eine überdimensionale Leuchtstoffröhre an der Decke. 

Um meine Zerstörungspauschale wieder zu bekommen, muß ich am Morgen auf die Reinigungskräfte warten. Dabei war nun wirklich nichts mehr zu zerstören und das Wertvollste im ganzen Raum war der Retro-Farbfernseher aus den frühen 70er Jahren.
Aber auch dieses Motel war relativ ausgebucht, wer eine volle Hütte hat, muß sich vielleicht um seine Qualität keine Sorgen machen. 

Der Regen hat nachgelassen, ich fahre die Hauptstrasse Richtung Freeway, nur wenige homeless sind um 09:30h auf den Strassen zu sehen, der Ort wirkt noch schläfrig.
Bis Legget sind es 22Meilen, so heißt der in der Karte verzeichnete nächst größere Ort.
Gute 37km gespickt mit knackigen Anstiegen und einem dutzend Wadenbeißern.

Unterwegs auf einer großen Talbrücke treffe ich Sue und Kevin, die aus Toronto stammen und auf dem Weg nach San Diego sind. Beide sind Ende 50 und nehmen es etwas lockerer an diesem Tag. Nur den nächsten State Park wollen sie ansteuern. Auch Kevin ist über das lousy wifi seines Motels am gestrigen Regentag entsetzt. Zu teuer und schlechter Service. Versuch mal McDonald, die haben ein gutes wifi, möglich, das Problem ist bloß, das die Ketten hier relativ rar sind. Als Europäer denkt, man Amerika- da gibts in allen Orten mindestens einen McDonalds oder BurgerKing. Aber dem ist hier abseits der großen Städte beileibe nicht so. 
Wir tauschen die blogadressen aus, ich trenne mich und muß zu meinem Entsetzen bald feststellen, das mein Sehnsuchtsort für Kaffee und Kuchen aus weniger als 10 Häusern besteht, der überwiegende Teil ist verschlossen, verammelt, aufgegeben. Nur 392 Einwohner sollen hier leben, so steht es am Ortseingang, aber wer weiß schon, wie alt das Schild ist. Also nochmal zurück zu den Patriotischen, einen Grocery Store? ja, eine halbe Meile den Berg hinauf. Einen weiteren 800m Anstieg in Serpentinen für einen Kaffee. Aber für 20oz der Marke Rush ultra caffeinated tue ich auch das.Die Marke wird spürbar teurer. Nun kostet er schon wieder 2$.
Chris, Wanderer auf dem Weg nach Süden

Unterwegs treffe ich Chris, der mit seinem Rucksack und zwei kaputten Reisetaschen die Strasse herunterkommt. Keine 40Jahre alt, schon seit langem arbeitslos, ist er auf dem Weg nach Texas, den Winter über, wie er sagt. Wir unterhalten uns einige Minuten aber ich traue mich nicht an diesem sonnigen Tag zu fragen, wo er den gestrigen Tag verbracht hat. 

die falsche Wahl getroffen?

Der Laden tront auf dem Berg, der 101er ist einen
Steinwurf entfernt. Ich habe Zeit den Freeway zu beobachten und den Verkehr zu zählen, viel ist an diesem Morgen nicht los. Hier in Legget zweigt der Highway 1, der Küstenhighway Richtung San Francisco, vom 101er ab. Ich bin unsicher, mein Gespräch an diesem Morgen mit Rick dem Harleyfahrer aus San Antonio in Texas, der ganz deutlich sagte, viele schwere Anstiege, enge Kurvenlage, schwer zu fahren und als ich nachfragte, sprach er zu meinem Erstaunen von sich und der Harley. Besser Freeway fahren. 
Klar, vielleicht sieht man mehr, aber unterschätze die Steigungen nicht, Rick klingt mir im Ohr. Die junge Frau hinter der Kasse macht mir wenig Hoffnung. Viel gibt es zwischen Ihrem Laden und dem 22Meilen entfernten Laytonville nicht, aber es gibt einige Anstiege. Ja, die hatte ich heute schon.
Was also nun tun? die meisten Biker nehmen die Strecke an der Küste entlang. Angeblich wegen dem wenigen Verkehr, eng, kurvenreich, teils ohne Nebenspur, Rick ist dagegen.


Samstag, 18. Oktober 2014

Garberville

Fr.17.10.
In der Hauptstadt der homeless North California
Die Nacht verläuft anders als erwartet. Gegen 19:30h werden Grant’s jüngere Kinder herein gerufen. Grant erscheint nicht wieder nach seiner Verabschiedung um 16:30h. Es besteht zweifellos kein weiterer Unterhaltungsbedarf. Bei 9 Familienmitgliedern ist die Zeit knapp. Ich bleibe auf dem Hof zurück.
Also ziehe ich mich in mein Zelt zurück, draußen ist es schnell stockdunkel, nur ein wenig Licht verlässt das Wohnhaus.

Gegen 23:50h werde ich wieder wach. In dem um 20:00h verlassenen Schuppen findet nun eine Party statt. Junge Leute gönnen sich stramm alkoholisches. Der Schuppen ist hellbeleuchtet. Musik dröhnt. Oh mein Gott, wo bin ich hier gelandet? Jede Übernachtung im Wald wäre friedlicher ausgegangen als auf Grant’s Hof. Verdammt, wo sind meine CPR earprops.
Grant mit Ranger

Als ich erneut um 7:17h wieder aufwache, regnet es leicht. Ich beeile mich, das Zelt zusammen zurollen, um es nicht komplett naß regnen zu lassen.
Grant’s Kinder müssen zur Schule, da ich nun kurz ins Haus muß, bekomme ich einen Eindruck, wie das Haus aufgeteilt ist. Ich werde das bewusst nicht kommentieren. Mein Haus sieht anders aus und ich kenne auch niemanden, der Grant’s art of living führt, aber ich bin hier zu Gast, Kritik steht mir nicht zu und wenn beide Eltern Vollzeit beschäftigt sind, dann bleibt bei 5 Kindern eben möglicherweise etwas auf der Strecke. Vielleicht auch die Hausarbeit.
Fortuna, Source www.cuttenrealty.com

Ich entdecke auch seinen Partysohn von Mitternacht auf der Couch, es muss heute gutes Wetter geben, alles ausgetrunken, die Flasche neben ihm ist leer. Grant erscheint gegen 08:30h bei Abfahrt und es ihm hochnotpeinlich, das sein Filius gestern kurzfristig eine Party gab. Ist schon in Ordnung Grant, kann ja mal vorkommen und außerdem, die earprops der CanadianPacific halten alles ab. Ja, aber er müsse da was ändern bei seinem Sohn, Ja, möglicherweise.

aboandoned railway track from 1913
Ich verlasse das Haus und erreiche nach gut 17Meilen die Abzweigung zu der Avenue of the Giants. Noch hält der Himmel die Wolken zusammen, es ist stark böig; zum ersten Mal seit langer Zeit muss ich mich wieder am Gegenwind abarbeiten.

Die Avenue ist eine 31Meilen, parallel zum 101er führende Landstrasse, die quer durch den Redwood Nationalpark führt. Es gibt ein paar kleinere Weiler auf der touristisch gut ausgebauten Strecke. Als ich um 12:15h das VisitorCenter kurz vor Miranda erreichen beginnt es zu ernsthaft regnen. Es schüttet. Das kleine Museum am VC zeigt die üblichen Artefakte aus der Zeit des großen Raubbaus. Wieder vermisse ich kritische Beiträge über die Zeit, als es rücksichtslos darum ging, so viele Bäume wie möglich in kurzer Zeit zu fällen.

Freitag, 17. Oktober 2014

Fortuna

Do., 16.10.
Fortuna dankt seinen Kriegern, Strassenplakat
Das Haus am Ende des Weges
Frühstück um 08:00h, trotz der frühen Zeit bestand Iris darauf, ein kräftiges Frühstück mit Eier und Schinken selbst zu zubereiten, für eine Fahrradtour bräuchte man schließlich ein ordentliches Frühstück. Auch Gordon ist schon in Radkleidung anwesend, er nimmt sich heute die Zeit mich aus dem Ort zu begleiten, sagt er und er versuche jeden Tag auf dem Rad zu sitzen.
Nun also, der Senior hat sein Liegerad schon vor der Garage geparkt, als ich den Trecker unter dem Vordach herausmanövriert habe.

Und dann darf ich doch noch kurz einen Blick in sein Heiligtum werfen.
Es ist ein Leben, was ich nicht kenne; als freier Schriftsteller führt er ein ganz anderes Leben als, der oft bemühte Durchschnitt, sagt aber auch, er muß für jeden cent selbst etwas tun. In seinem Office sind große Computer für graphische Anwendungen zu sehen, die neueste Auflage seines letzten Massagebuches liegt stapelweise auf dem Tisch. Ich halte ein großformatiges Paperback über Massagen zu zweit in deutsch in der Hand.
Amazon.de Werbung

Nein Gordon, ich kann es nicht transportieren, solltest Du nächstes Jahr nach Deutschland kommen, dann bringe es bitte mit. So bekomme ich ein 5x7cm großes Minibuch in deutscher Sprache mit persönlicher Widmung geschenkt und nehme mir vor bei nächster Gelegenheit im Amazonas nach ihm zu suchen.

Zwei Fragen brennen mir auf der Zunge und ich kann nicht anders, ich muß das noch loswerden,      1. lieber Gordon, kann man wirklich von diesen Büchern  leben? Anscheinend ja und gar nicht mal schlecht. Und dann die Frage, ob in einem Land, das mit dem Vorurteil ein wenig prüde zu sein leben muß und indem man mit Badehose in die Sauna geht, ob dieses Land also Deine Bücher nicht ein wenig in Richtiung Softpornographie betrachtet? Aber Gordon wehrt entrüstet ab, nein, es gebe überhaupt keine Probleme.
auf dem zum Meer
Dann geht es los und Gordon rollt auf seienm Liegerad davon. Ich folge in größerem Abstand. Wieder habe ich Mühe dem Senior zu folgen. Wir fahren hinaus in Richtung Meer, die erste Station ist das ehemalige Samoa Cookhouse, die Kantine der Logger um die vorherigte Jahrhundertwende. Samoa, der kleine Ort westlich von Eureka direkt hinter den Dünen ist eine Company Siedlung, also eine Werkssiedlung, gleich den Krupp'schen Siedlungen in Essen. 
Samoa Cookhouse

Und im Speisehaus wurden die Arbeiter verpflegt, bevor es in den Forst ging,
auch heute noch ist das Cookhouse ein Ausflugslokal und es gibt das von mir so geliebte Truckerfrühstück.

Natürlich kein Vergleich zu dem was Iris heute morgen zauberte.

Ein kleines Museum ist dem Speiseraum angeschlossen in dem die Geschichte der Loggingindustrie rund um Eureka dokumentiert ist.

Dann geht's es weiter mit einem kleinen Umweg über den kommunalen Fischereihafen auf der WoodleyInsel nach Eureka.

Vor dem ehemaligen Haus eines der goßen Holzbarone ist es Zeit sich zu verabschieden. Wir werden uns wiedersehen und Du bist immer gerne herzlich mit Ellinor eingeladen sagt er zu Schluß und ich ahne doch gleich, es wird wohl nicht passieren.
Bilder aus der großen Zeit Samoa's
Wie so oft in diesem Jahr bleibt es bei den gegenseitigen Versprechen und auch wenn wir am gestrigen Abend lange über die Oder-Neiße Tour gesprochen haben, es bleibt eben nur eine Begegnung auf Zeit. Aber die war sehr schön.
Ich spüre der Wärme nach, die ich als fremder Gast in seinem Haus genoß. Dann umschließt mich die Freiheit und das alleinsein erneut.
im Fischeriehafen von Eureka
Ich nehme das Rad und mache mich auf den Weg. Grocery Outlet, einige Lebensmittel zum Sonderpreis, obwohl ich nicht weiß, was am Abend passiert. Dann ein wenig Zeit für einen großen Fohmarktladen, zum Schluß einen Kaffee bei Chevron auf dem Bordstein am Stadtausgang.
Caution extra high cofffienated. Harter Stoff also. Gab's in Canada nicht. Muß hier aus rechtlichen Gründen mit einer extra Warnung versehen werden. Wegen Herz und so. Extra bohnig. Genau das richtige vor dem Start, doch der Tankwart winkt müde ab, 12Meilen nur, Klasse! und die Unterkunft ist schon gesichert. Das Zeug braucht an diesem Tag wirklich 'ne Warnung, ich habe das Gefühl es brennt sich gerade ein Loch ins Mediastinum.