tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Samstag, 2. August 2014

Clinton

Sonnaufgang in 100Mile House 5:36am
Fr.1.8.

The gate of the Cariboo
Ich hatte ja gestern genug Zeit den Berg zu begutachten, der am südlichen Ende des Ortes sich anschickt, links in den Wäldern zu verschwinden.
Als der Wecker klingelt ist die Sonne noch nicht aufgegangen, beim Zeltabbau erhebt sie sich dann aus den Feldern als glutroter Ball. Ein kurzer Kaffee bei Horton, dann bin ich auf der Strasse.
Wieder beginnt ein wunderschöner Tag, keine Wolken und schon morgens um 6:00h ideal zum fahrradfahren. Natürlich hauen Nachrichten über tolles Wetter zur Zeit in Norddeutschland keinen vom Hocker und doch haben wir hier etwas mehr Wärme. Während hier in BC ein warmes Kontinental Klima herrscht, gibt es in Toronto seit einigen Tagen täglich Tornado Warnungen mit Unwettern, so verschieden kann das ist das Wetter in diesem Land sein. 

Man kann ja nicht jeden Tag, jeden Berg beschreiben und so bleibt es heute nur bei einer Andeutung, gute 9km ist der Berganstieg lang, es reiht sich Kurve an Kurve, mehrere Plateaus sind auf der Strecke. Nichts für Bluthochdruck Patienten. 

Wenn der Berg kein Ende nimmt...

Und als endlich die Kuppe zu sehen ist, blockiert die Kette. Der Umwerfer reagiert in die falsche Richtung, nichts geht mehr. Wieder ein Fehlstart. Bei KM 8,3 am heutigen Tag gibt’s um 6:50h die erste Pause. Die restlichen Meter müssen geschoben werden, bis ein Laternenpfahl erscheint. 
 Schweißüberströmt stehe ich neben der abgelaufenen Kette. Verdammt noch eins!
eine Abfahrt nach Maß, 70,05km/h
Das ist nichts für den Bluthochdruck, aber vor allem nichts für die Stimmbänder.
Die nächste Viertelstunde verbringe ich Berufsverkehr auf dem Standstreifen und versuche Kette und Umwerfer wieder zu synchronisieren. 
Urlauberroute südlicher Cariboo

Obwohl ich nun viel öfter den Antrieb reinige, ist jedes Mal eine unglaubliche Menge Dreck vorhanden. Irgendwie lohnt sich das frühe Aufstehen wohl doch nicht. Nach dem Start stehe ich nun den zweiten Tag an der Strasse.
70 Mile House
Dann aber beginnt eine wirklich euphorisierende Fahrradtour. Der Cariboo ist hier bereits 4spurig ausgebaut und das erlaubt weitgehend auf der Fahrbahn zu radeln. Großes Blatt, 30km/h. Der Trecker zurrt. 
Es gibt minutenlange Abfahrten mit Endgeschwindigkeit und langanhaltende Anstiege.
ehemaliges Roadhouse
Die erste Pause ist in 70Mile House, ein wenig mehr, als ein großer Generalstore mit Tankstelle und Cafe als Ortsmittelpunkt. 

Leider ist der Streckenausbau danach südlich von 70Mile noch nicht vorangekommen. Immer wieder kommt es zu äußerst miserablen Abschnitten mit viel Schotter auf dem Weg. Teilweise stehen Baustellenstellen Barken auf dem Seitenstreifen.
Gegen 11:00h beginnt die finale Abfahrt über mehr als 10km nach Clinton. Der kleine Ort führt den Ehrennamen the gate of the Cariboo. Reisende die den Weg nach Norden über den Cariboo wählen, haben in diesem Moment eine 10km lange Wand vor sich.

Freitag, 1. August 2014

100Mile House

erster Anstieg, ernsthafte Krise
Do.,31.7.
Die another day, again
Eigentlich wollte ich den Text mit wir segeln im Morgengrauen beginnen, passend zum sehr frühen aufstehen, aber aus aktuellen Gründen gibt's eine neue Überschrift.

Um 4:45h ist es noch kühl, der Tag beginnt gerade. Ich will schnell los. Zelt zusammenwerfen und das Fahrrad den steilen Schotterweg hochschieben. Nachdem ich gestern an meinem Lagerplatz trotz Vollbremsung vorbeigegeschlittert bin, habe ich die Notwendigkeit eingesehen, die Bremsen neu zu justieren. Alles total runter gefahren. Adjust your Brakes. 
Cariboo Connector source:th.gov.b.ca
Um 5:15h  laufen auf dem Parkplatz bei Horton die Motoren, während sich ihre Besitzer für einen Pappbecher und irgendein Industriegebäck anstellen. Es ist nicht zu glauben, was hier um diese Zeit in dem 10000Einwohner Städtchen in einem Roadcafe los sein kann, verglichen mit Lübeck. Wobei die Sache natürlich nicht ganz vergleichbar ist, denn wir haben keinen 5spurigen Highway in der Innenstadt. Und Tim's Kaffeestube ist aus gutem Grund fast nie in den downtowns solcher Städte zu finden.

Um 5:55h bin ich auf dem Cariboo. Southbound. Die ersten 10km verlaufen flach am See, die vielen Bautrucks beim Kaffeeausschank begegnen mir jetzt wieder. BC verbreitert den 97er von zwei auf 4 Spuren.
Traumwagen:72er Chevi nur 11000$

Dann kommt die Szene, die mich die nächsten Stunden beschäftigen wird. Und später werde ich sagen, wieder mal Glück gehabt. die another day. Zunächst rase ich wohl unbemerkt durch eine Glasscherbe und erinnere mich dann, als das Rad schwimmt, das die Standspur einige Kilometer zuvor voller Glas übersäht war.
F....!
Wenn man schon so früh aufsteht und nach 10km wieder repariert, ist das eine Demütigung. Nur weil irgendsoein Pickup Depp sich von seiner Windschutzscheibe befreien mußte. 15min später rollt das Rad wieder und es kommt der erste Anstieg über 7km.
Die Standspur verringert sich dann meist zu Gunsten der neuen Spur und die letzten Zentimeter ganz außen werden zu Gravel. In dem wichtigen Abschnitt heute befindet sich ungünstiger Weise eine durch schwere Trucks und Hitze hervorgerufene Längswelle am Rand, so das ein Ausbrechen nach rechts nicht möglich ist. Es muß so gegen 2km gewesen sein, wie ich ein immer lauter werdendes, infernalisches Geräusch hinter mir habe, doch ich mache mir keine Gedanken, denn die Strasse ist ja zweispurig. Und dann spüre ich wenig später den Windhauch und ein Holzwand rast an mir vorbei.
erstes Haus am Platze in Lac la Hache

Ich würde sagen, heute war es sehr eng. Und so eine Holzwand kann richtig lang sein, lang und laut.
Und dann steht man Sekunden später mit dem Rad auf der Kriechspur und schaut dem Holztruck hinterher, sieht diesen besch... Pickup, auf der zweiten Spur, der sich mit dem Truck weiterhin ein Elefantenrennen liefert und ihm den Platz nahm, den er gebraucht hätte, um mich zu umkurven. Ich spüre, wie das Adrenalin durch die Adern saust und beobachte, ob die Fingern zittern. Was soll's, ich schreie ihn hinterher, aber sie drehen sich nicht um. Die Szene stirbt, es dauert etwas bis die nächsten Fahrzeuge angesaust kommen.
Wieder alles gutgegangen. In der Rangfolge nun Nr.4. Immer noch kein schlechter Schnitt 4 ernsthafte Probleme auf fast 10000km. Aber es ist die Szene, vor der ich Angst habe. Die Trucker fahren meist einen so großen Bogen, das ich mich sicher fühle. Wenn sie Platz haben.  Aber in Momenten der zweiten Spur, werden die Trucks eben nicht von jedem zügig überholt, kaum ein Pickup rast an den Trucks vorbei. Man läßt es seelenruhig auf eine Elefantenrennen ankommen, bloß nicht die Geschwindigkeit überhöhen, Platz ist ja da, jedenfalls für zwei.
ländlicher Cariboo
Und das tragische ist, das gefühlt nur 400m den Berg weiter hinauf die Neubaustrecke kurz vor 150Mile House beginnt.
Es ist das zweite Mal, das ich an diesem Tag Zeit verliere, wenn ich so weitermache wird das nichts mit dem Kampf gegen die Sonne. Dann war das frühe wachwerden unnötig. Aber kaum komme ich in 150Mile House den Berg hinauf, entdecke ich auf der rechten Seite einen Flohmarkt. Und natürlich ist dafür plötzlich Zeit. Ich kann an so was nicht vorbei. Ich habe mir in all den Jahren meine kindliche Neugierde nicht abgewöhnen können und es zieht mich an wie die Motten das Licht. Zwar ist Platz schon seit längerem nicht vorhanden, aber ein wenig wühlen, kann ja nicht schaden.
Wie ein Ohrwurm entsteht Toni Christie...Sha la,la,la,la

Es ist einer der wichtigen Gründe, warum ich mich wohl eben überhaupt nicht als Weltumradler eigne. Es tut mir weh, Dinge liegen zu lassen. Meine Kollegen, leben allesamt in spartanischen Verhältnissen, sparen an allen Ecken und Kanten und sägen die Zahnbürstengriffe ab, niemand würde auf die Idee kommen, sich auf Flohmärkten einzudecken. Ich argumentiere immer dann vor mir, noch bringe ich jeden Tag die 100km und außerdem, wäre es nicht so verdammt steil, würde ich ja lässig auch mehr fahren können. Natürlich, alles Verlegenheitserklärungen.

Mittwoch, 30. Juli 2014

Williams Lake-zweiter Tag im heißen Tal

enweder provozierende Werbung oder voll daneben geraten
Mi.,30.7.
Unbewußt in der Vizehauptstadt des Verbrechens gelandet
Was tun in einem Ort mit 10000Einwohner, wenn man gestern schon alles gesehen hat. Und ab 10:00h in diesem Talkessel, die Außenaktivitäten bis 20:00h praktisch zum Erliegen kommen? 
Da ich alles am Rad habe, bin ich an solchen freien Tagen ein wenig blockiert.
Winter müssen lang sein

Obwohl ich früh das Lager abbreche, ist bereits ordentlich Betrieb im Sägewerk gegenüber; ein Gabelstapler Fahrer grüßt mich, schade, ich kann nicht mehr unbemerkt mich davon stehlen.

Für 7$ einen ganzen Tag ins Schwimmbad ist einen willkommene Idee an diesem Tag. Leider ist das Bad  mit dem Baujahr 1972 ein wenig in die Jahre gekommen, die nachträglich eingebaute Sauna erinnert mehr an einen Keller einer Plattenbausiedlung mit einem Verschlag um den Ofen herum, als einen Ort der Entspannung. 
Hartnäckig kämpft das Thermometer mit der 60°Marke, durch das periodische Öffnen der Tür durch die Badeaufsicht bleibt die 59°Grad Marke an diesem Tag oft Sieger. Eine lauwarme Sauna für mich allein. Aufguss ist in Canada verpönt.
Nein, Sauna in Kanada, das bleibt im Entwicklungsstadium stecken. Immerhin muss man nicht frieren, die Dusche danach ist nicht kalt und tröpfelt aus der Wand. Trotzdem bin ich zufrieden. Dem Reinigungsanspruch ist für die nächsten Tage  
ausreichend entsprochen worden.
Frühstück im Park gegenüber von Safeway, die Bäume sind bestrickt, es muss lange, kalte Winter geben. Der Tag beginnt, die Leute fahren einkaufen, wie in Deutschland, nur ist keiner auf zwei Rädern unterwegs.
 
Danach ist es bald so heiß, das ich an diesem Tag eine mehrstündige Flucht ins Visitor Center antrete. Auch an diesem Tag regt sich kein Luftzug. Die Luft scheint zu stehen. Williams Lake ist nicht unbedingt ein Traumort, um Urlaub zu machen.

Den Nachmittag verbringe ich in den Kaufhäusern, Candian Tire,etc. mehr gelangweilt, als auf der Suche nach einem Schnäppchen.

Ich bin gereizt, in der letzten Tagen häuften sich die Begegnungen, die ich nicht suche, dickleibige Mitmenschen, die mich auf der Strasse am Berg in ihrem Auto beobachten und sich dann später lachend vor mich stellen. Ne, also ich könnt' das nicht, ich hab' Dich gerade da am Berg beobachtet, wie Du Dich da hinaufgequält hast, ist ja so heiß draußen, wo willst' denn hin und wo kommst Du her? 
Ich frage mich immer, was diese Menschen treibt, mir dann ihren Standpunkt mitzuteilen. Ja, es ist anstrengend, ja, es sind mehr als 40° da draußen, deswegen bin ich ja hier in der Klimazone und ihr müßt ja auch nicht fahrradfahren. Aber ich muß mich auch nicht zum Deppen machen lassen.
Eine Stampede ist mehr als Bullenreiten
Wenn man sein Rad vor Horton abstellt, bleibt es gar nicht aus, das man in Kontakt gerät. Man wird mit einer Mischung aus belächeln und Respekt beobachtet und der überwiegende Teil der Canadier ist von einem sehr respektvollem Umgang geprägt. Aber es gibt eben auch Zeitgenossen, die brüllen einfach mal so über die Strasse, eyyyh, wo kommst' denn her? Und ich spüre, das ich immer weniger Lust habe auf die Art einzugehen. 

Williams Lake

Di.,29.7.
Die Burg der Bösen
Dadurch, das die Kiesgrube von hohen Tannen umgeben ist, ist es um 07:00h noch angenehm kühl. Dafür ist allerdings das Zelt noch nicht abgetrocknet. 
Auch heute morgen reißt die Maleurserie nicht ab, ich knie auf meiner Persenning, um das Zelt auszuräumen und vergesse leider im Eifer, das gestern dort noch Bananen drin waren. Als ich endlich, den Überzug aus dem Zelt nehme, fühlt er sich merkwürdig schwer an, ich entdecke die nun durchgematschten Bananen. lol
Holsten an der Tanke in Wildwood North BC für 2,85$
Gleich um die Ecke auf dem Highway sieht die Welt ganz anders aus. Es fehlen gefühlt noch drei Anstiegskilometer und es bleibt keine Zeit, um in Tritt zu kommen, denn es geht gleich rabiat los. Aber für den frühen Einsatz gibt es am Scheitelpunkt um 08:45h eine Belohnung bei der Wildwood Race Trac gasolin station mit frischen Kaffee. 
Das Verjüngungszeichen kommt und von nun an geht es bergab. Erst gemächlich, dann mit 7%Schußfahrt an die Ampel der Großkreuzungsanlage Highway 97und 20. Williams Lake ist erreicht. Die Bremsen sind seit längerem abgenudelt.
Schöner Wohnen in Williams Lake

Der im Talkessel liegende 10.000Einwohner Ort schmiegt sich sich an die ihn um ragenden Berge. Durchschnitten wird der Ort durch die beiden Highways 97und 20. Auch hier sind große Holzfabriken von weiten sichtbar.
Die Stadt dehnt sich entlang des Seeufers dem Cariboo Hwy folgend zu beiden Seiten aus. 

Fahrradständer VC
Viel Hintergrundbebauung besteht nicht. Auf dem 97er Abschnitt nach Süden liegen A&W und Tim’s Kaffeestube und 3km weiter das VisitorCenter. Ein großer werden Holzbau direkt am Highway, es gibt ausreichend Parkplätze, sogar spezielle Behindertenparkplätze konnten eingerichtet, alles ist Barrierefrei und behindertengerecht,  aber als alles fertig war, waren leider die Mittel für Fahrradständer verbraucht. 
So stehen nun nur zwei elende Vorderradverbiegehilfen vor dem Eingangsportal. Sie wirken bezeichnend für die Wertschätzung des Fahrrades in diesem Landstrich. Als ich die freundliche Touristenbetreuerin auf fehlende Fahrradständer anspreche, bemerkt sie in ihrer Unschuld, zwei wären ja da, das reizt zu der Frage, ob sie auch selber Fahrrad fährt. Okay, die Antwort war auch vorher klar. 
Fahrradfahren ist auch in diesem Teil des Landes eine zu vernachlässigende Minderheit.
Keine Angst vor Luftnot in Williams Lake
Zwar behaupten die wenigen, die sich nicht unterkriegen lassen wollen, BC wäre die fahrradfreundlichste Provinz ganz Canadas, und Vancouver ganz speziell eine bicycle supporting area, aber einen wirklich signifikanten Unterschied zu anderen Provinzen habe ich bisher nicht festgestellt. 
Die Fahrradfahrer, die ich in den letzten 48h Stunden sah, kann ich an einer Hand abzählen und es bleibt noch was übrig. Schade

Wenn Städte wie Williams Lake sich nur durchringen könnten einfach einen anspruchslosen, kostenlosen Biwakplatz einzurichten, vielleicht mit PlumpsWCs müsste ich nicht immer selber suchen, letztlich unterscheidet sich der offizielle Campground, ein Gravelplatz, genannt Stampede Camping, dann doch nur mit einer Münzdusche von meinem späteren Biwakplatz mit fließend warmen Flusswasser. 17$ für tenting auf einem schattenlosen Schotterplatz ohne Strom, unmittelbar am Highway 20. Die 6spurige Straße ist gefühlt keine 20m entfernt. Ne, das muss nicht sein, das geht auch besser. 
Red Shredsbest bikeshop in the Cariboo
Ich will nicht mosern, das VC bietet einen oberbequemen Ledersessel, plugin und zeitfreies Internet mit passabler Geschwindigkeit. Danach ein kurzer Besuch bei Red Shreds, dem Radladen, nach eigenen Aussagen, hier in der Region. Als ich die Werkstatt betrete, gucken mich 4 Schrauber in freakigem Outfit an. Ich muß sagen, ich fremdel' ja so ein wenig mit diesen Hiphop, voll Kulti, hipe Bikestores. Aber, egal, die Werkstatt brummt, wo auch immer die Räder dann gefahren werden. Und die neue Speiche gibt es auch für 2$. 

Fehlt noch ein Schwimmbad, hier wie immer RecCentre genannt, für recreational. Das RecCentre liegt natürlich bergan und bietet zwei Preise, Duschen einfach, für 3,60$ oder Duschen einmal mit alles(von Sauna bis Jacuzzi) 12h lang für 7,60$.
Schwimmbad im RecCenter
Da die Zeit knapp und in Deutschland bald Mitternacht ist entscheide ich mich an diesem Tagen für Duschen einfach. Außerdem herrscht draußen sowieso eine trockene Hitze mit gefühlten 60°, wozu also Sauna?
Es ist unglaublich heiß.
Zurück zum Kaffee bei Tim geht es über den Highway 20 zum Mittagessen, zu Walmart, in den Augen vieler aufgeklärter Intellektueller hier das Zentrum des Bösen, die mit ihrer Marktmacht den ohnehin geringen, innerstädtischen Kleinhandel kaputtmachen, die Preise dominieren und letztlich viel zu karge Löhne zahlen.

Dienstag, 29. Juli 2014

Fox Mountain



Mo.,28.7.
Das einzige Schlagloch weit und breit gehört mir.
Bis zum Schluss ist nicht klar, wo ich eigentlich bin, der Stom ist eindeutig gekappt und doch irgendjemand hat den verwilderten Rasen teilweise gemäht.  Um 06:00h geht eine angenehm weiche Nacht zu Ende.
eindeutig kein Cariboo

Um 07:00h zum Kaffee bei Tim im Ledersessel vor dem Pseudokamin, ein kurzes Gespräch nach Deutschland, um 08:10h bin ich bei Extrafood. Trotz aller Frühaufsteherei bin ich erst um 09:15h auf dem 97er. Da ist es bereits schon fast zu warm. 120km sind es bis Williams Lake, 80km würden mir an diesem Tag reichen.
Es läuft gut, meist ist es flach, 4Kriechspuren mit insgesamt gut 9km müssen absolviert werden, dann rückt der Zielort MacLeese Lake in Sicht. 
John Deere Ackerveteran
Und was soll man sagen, es ist 14:20h, die Sonne brennt erbarmungslos und keine 9km vor Schluss gibt es den letzten 5,2km vor dem Ziel. Es passiert geographisch genau da, wo der Highway das erste Mal an diesem Tag die Flussnähe verlässt und nach Osten ins Gebirge abdriftet. Man kann das auf der Karte ziemlich genau erkennen. Ich hab damit gerechnet und so hält sich meine Stimmung in Grenzen. 
Natürlich wird die Strecke immer ein wenig länger, aber die Aussicht auf eine unmittelbar bevorstehende Kaffeepause lässt alles ertragen. Wenn auch fluchend und keuchend.
Anstieg nah MacLeeze Lake, Blick auf den Fraser River
Ich rolle aus, alles scheint in Sicherheit und dann schieße ich mir selbst ins Bein. Ich rolle durch den Anfang des Dorfes, die Augen suchen die vermeintliche Tankstelle, anstatt auf die Straße zu achten und dann passiert’s: das wahrscheinlich einzige Schlagloch auf 100km liegt im Weg und es glingt mir nicht auszuweichen, nein, ich fahre mitten rein. Ein sogenanntes potwhole. Die Vordertasche reißt ab, der Riemen bleibt hängen und schleift noch 2m nach, die darin befindliche Milchtüte reißt ein und das Tascheninnenleben wird geflutet. Ortliebtaschen aus LKW Plane halten dicht. Es kostet eine Speiche im Vorderrad, is sich komplett rausjebrochen und klötert nun beim Drehen.
Die Strassenkrümmung ist deutlich zu sehen.
Das Visier des Helmes geht zu Bruch, als ich ihn wütend auf den nächsten Rasen schleudere. Ich hab einen Hals wie 'ne Giraffe und bin außer mir. Das gibt’s doch gar nicht, kein Verkehr, einen 1m breiten Seitenstreifen und ich rolle durch das einzige Schlagloch weit und breit. Lol. 

Da färt man die Steilpassagen mit Tempo 70 herunter, kurvt in waghalsigem Tempo um Löcher, die Sekunden vor einem auftauchen und dann rollt man einfach mal in ein 15cm Schlagloch. Oh no! Wenn es nicht so blöd wäre, wäre es auch amüsant, aber nun muß erstmal der gesamte Tascheninhalt getrocknet werden. Ein echter Volltreffer. Mein Samsung Tab III, das Geburtstaggeschenk seit Medicine Hat, schwimmt in Milch. Die Werkzeugkiste badet ebenfalls. Wie kann man nur so bekloppt sein. Ich war schlichtweg mit den Gedanken ganz wo anders. Ärgerlicherweise hat es auch einen Großteil der Postkartensammlung erwischt. Sorry Michael! Da ist nicht viel zu retten.
Bick auf MacLeeze Lake

Montag, 28. Juli 2014

Quesnel

Canada kann auch am Sonntag deutliche Ansagen machen


So.,27.7.
Idlefree BC
Als ich wach werde, schläft die Countrymusik-Gemeinschaft noch. Ich habe dank der Rangierer-Stöpsel wenig gehört und super geschlafen.
Nach dem packen und frühstücken verstehe ich, warum meine Nachbarn gestern ein wenig in Sorge waren, ob meiner Nähe zu ihrem Wohnschiff. 

Während ich vom Festplatz zurück trotte sind die älteren Herrschaften wach geworden und da der Platz ja kein eigentlich Campingplatz ist, also keine Rundumversorgung mit Wasser und Netzstrom vorhält, haben nun einige Camper ihre Motoren angeworfen. Für die vielen Annehmlichkeiten in diesen Großcampern braucht es Energie. Deren Vorstellung von Outdoor und dem damit verbundenen Umgang mit der Umwelt weichen heute Morgen stark von meinen Vorstellungen ab. 
http://www.hastebc.org/files/fck_images/antiidling.jpg
Aber bitte, ohne Motor, keine Air condition. Kein Geschirrspüler, keine Waschmaschine. Überhaupt Motoranwerfen. Auch wenn ich Gast in diesem Land bin und man sich also mit Kritik dezent zurück hält, geht es mir zunehmend auf die Nerven. In BC fallen sie einem sofort ins Auge. 
Die Stop idling in BC Schilder zu deutsch, mach Deine verdammte Karre an der Tanke aus. Immerhin BC gibt sich Mühe, indes der Erfolg ist fragwürdig, zu tief scheint es in der Bevölkerung verwurzelt, warum beim kaffeeholen bei Horton den Motor ausmachen.  Gehst Du irgendwo an eine Tankstelle um eine Kaffee zu trinken, stehen mindestens zwei Pickups und lassen ohne Skrupel die Karre laufen und kommt man nach dem Kaffee, also gefühlt nach 20min wieder hinaus, hat sich nichts getan. 

Überall laufen Automotoren. Das typische Klischee  Nordamerikas ist das Land der laufenden Motoren und offenen Kühlschränke; es ist nicht aus der Luft gegriffen. Was auch immer der Grund sein mag, Motorlaufen lassen gehört zum Alltag. Allein die scheinbare Notwendigkeit mittels Tafeln darauf aufmerksam machen zu müssen wirkt befremdlich, allein es bewirkt offensichtlich wenig, egal wie groß die Schilder sind. Der Cola Ausfahrer an der First Nation Tankstelle hatte gefühlt 45min mit dem Nachfüllen seiner Colafasschen in Vanderhof zu tun. Der Truck war bereits leer, die Ladefläche offen, trotzdem lief seelenruhig der Motor. Es bleibt mir unverständlich, ich glaube, in diesem Punkt sind wir in Deutschland weiter und es geht soweit, das Prince George an der Kunsthalle Schilder mit der Aufschrift aufstellen läßt: dieses ist eine Anti Motorlauf area. Extra Schilder für die Normalität
Life is a rollercoaster
Gute 37km heute bis Quesnel, aber es wird auch heute nicht leicht. Mehrfach rast das Fahrrad talwärts, nur um dann quälend die 6% Anstieg über bis zu 3Km zu absolvieren. Es ist schon jetzt zu warm, zu windstill, zu schwül, etc., überhaupt, heute bin ich in schlechter Verfassung. Dieses ewige rauf und runter zermürbt mich. Und so kann ich es nur schwer glauben, als 14km vor Quesnel bereits die Abfahrt beginnt, das es nicht noch einen fiesen Berg gibt.
Aber die Fahrt ist nicht mehr zu stoppen, es rollt und rollt, bis dann gute 5km das Trucker downhill Zeichen kommt. Jetzt wirds ernst noch einmal mit 7% hinab.
 
Ich bin so in Fahrt, das ich mit den angegriffenen Bremsen es kaum schaffe rechtzeitig zum stehen zu kommen, um canadische Automobil Geschichte zu betrachten. Auf einem Parkplatz rüstet sich ein Veteranenclub für die Ausfahrt.
Quesnel führt den Ehrentitel Goldpfannen Stadt. Auch wenn die ersten Km eher den Titel Holzfabrikstadt im Norden rechtfertigen würden. 
Riesige Holzfabriken und Lagerflächen säumen die Einfahrt in die 10.000 Einwohner große Stadt. Im Bereich downtown liegt der erste Horton und ich kann nach Lübeck skypen.
Quesnel ist von zwei Flüssen durchzogen dem kleineren Quesnel River, einem Zulauf des  Fraser River.
Auf meine Frage im Visitor Centre, ob ich irgendwo hier im Ort meine gestern in Cinema erworbene Goldpfanne ausprobieren kann, verweist man mich auf die öffentlichen Goldschürf-Stellen.
Goldsuchen, alles ist ganz genau geregelt in BC. Die Claims sind abgesteckt, aber die Gold Panning Cariboo Mining Association hält public claims bereit. Sogenannte Recreational Panning Reserve’s. Also Recreational, hmm, also eher, Entspannung, ne, ich will das schon ernsthaft betreiben. Ernsthaft reich werden. lol. 
Große Holzfabriken unter Dampf am Ortsanfang

BC erlaubt das hand panning, lizenzfrei auch mit selber einsacken der Nuggets ohne Abgaben unter drei Gesichtspunkten, kein Schürfen in First Nations Reservaten, nix ohne Einwilligung etwaiger Besitzer und vor allem nur mit der Pfanne, ohne weiteren Hilfsmittel oder Geräte.
Goldsuchen in BC 
Goldpfannenstadt Quesnel

Beim genauen Hinsehen allerdings sind die Flüsse so breit und reißend, das ich keinen Goldwäscher im Strom erkennen kann. Na, nun steh mal da bis zu den Knien im Wasser und spiel mit der Pfanne herum. Ne, heute wird das noch nichts mit dem Reichtum. Aber immerhin, machbar ist alles und ein wenig Hoffnung und Glaube gehört dazu.

Sonntag, 27. Juli 2014

Der Feuerwerksladen in Cinema

Morgenstimmung am Fraser River


Sa.,26.7.
Das Countryfestival in Cinema
Ich komme verspätet los. Nach dem Einkaufen und dem Frühstückskaffee bei Horton fahre 
Gladys Foode, ein Name ist Programm
ich noch mal zu Goode Food. EIn Truckerfrühstück für 10$, sehr lecker und weil's einfach direkt auf der Strecke liegt. Um 10:00h herrscht Hochbetrieb, diverse Plätze sind noch nicht abgeräumt und zeugen von vergangenen Gästen.

Ich komme hinein, Gladys, erkennt mich und ruft von weitem hey Buddy, how is it going?
Wie ein alter Bekannter, dabei begann unsere Frühstücksbeziehung erst gestern.
Sie ist die warme Seele in diesem Laden, direkt am Highway. Für jeden hat sie ein Ohr und oft verabschiedet sie sich mit den Worten bis nächste Woche. Ich habe inzwischen in einigen Shops gefrühstückt, aber das hier das hier ist einfach outstanding, wie man so sagt.
Also nocheinmal ein breakfast special. Irgendwann muss ich trotzdem los.
---------------------------
Anmerkung:am 2.Sept. 2014 beschädigte ein Feuer das Restaurant schwer, eine Wiedereröffnung ist zur Zeit nicht in Sicht.
Gott spricht auf dem Highway

War die Fahrt nach Prince George fast wie ein Selbstläufer, ist das heute anders. Zwar gibt es keinen Bonebraker Mountain, aber mindestens 5mal wird die Strasse zweispurig, um dann den Berg mit einer Kriechspur hinaufzuführen. Mit Rampen zwischen 1,8-3,4km.
Der Cariboo, auf dem Weg in den Süden
Erste Station an diesem Tag ist Hixon nach 60km. Zwar hatte Gladys drauf bestanden sich unbedingt den Ort anzugucken, aber es fällt mir partout nix auf, was einen längeren Aufenthalt rechtfertigen sollte. Einen ausgedehnten Kaffee in der Tankstelle, die gleichzeitig den örtlichen Lottoladen, Lebensmittel und Werkzeug beherbergt und die Hoffnung, das der Regen an mir vorbei zieht.
Ortszentrum Hixon

Seit Stunden baut sich über mir einen Regengebiet zusammen. Es ist schwül warm und bis zum Niederschlag auch wieder windstill. Leider fällt kein Tropfen in Hixon, erst als ich den Ort wieder verlasse und den nächsten Berg hochklettere, geht’s los. Pech gehabt, zu früh gestartet.

Schlagartig öffnet der Himmel seine Schleusen, eine 3km Rampe und mittendrin gibt es eine Vollschüttung am Berg. Muss das denn sein? Hätte es nicht während meines kaffeetrinkens passieren können? Auf das Wetter ist einfach kein Verlass.
Ich fluche und schnaube, mürrisch schleppe ich mich den Hang hinauf. Pitschnass erreiche ich den Gipfel und auf der Abfahrt hört es auch schon wieder auf. Ich gehe mit mir eine Wette ein, in Cinema, 20km weiter, ist es längst wieder trocken, als wäre nichts passiert.
Regen kündigt sich an
Ich will an diesem Tag Quesnel gar nicht erreichen, mir reichen ein Bett im Feld nach 90km. Dann gibt’s am nächsten Tag die Chance auf Kaffee.
Die Tankstellenkraft in Hixon hatte gesagt Cinema, da gäbe es nur einen Feuerwerksladen, sonst nichts. Einen Feuerwerksladen???

15min hardcore Schauer am Berg, pitschnaß
Ich werde lustlos und will abbrechen, aber Cinema, das muss schon noch sein.
Und dann kommt der Hammer, ich biege um die Ecke und sehe einen Parkplatz voller RV’s, und ein Campingsplatz, dann ein Schild free Camping. Ich zweifele, reiss’ mir die Stöpsel aus den Ohren und höre Country Musik. Der Platz  wimmelt voller Leute.

Cinema besteht tatsächlich nur aus sehr wenigen Häusern mit Gravelstrassen. Alles wird dominiert von dem Generalstore. Vor 9Jahren wollten sie eine Feier  anlässlich des 20jährigen Bestehens ihres Ladens machen. Sie organisierten eine Band und jagten am Abend ein schönes Feuerwerk in die Luft. Und das Rührende ist, alle fanden das so gut, das ab jetzt jedes letzte Wochenende im July alle Freunde und Geschäftsfreunde des Hauses eine Party feiern, und alle anderen sind auch eingeladen. Inzwischen haben sie professionelle Band abbestellt und irgendwie macht hier jeder der Gäste Musik.

Aus allen Dörfern kommen die Leute mit ihren Instrumenten. Mütter und Kinder kommen mit ihren Gitarren und es gibt eine Settinglist, die bis nach Mitternacht reicht. Jede Dorfband hat eine halbe Stunde. Jeder, wie er kann und mag.
Das ist workinclass Canada, wie es die Pauschaltouristen nicht erleben.
Die Besitzer des Generalstores Cinema