tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Freitag, 25. April 2014

Nicht jeder Tag taugt zum Heldentag.
Der heutige jedenfalls nicht. Griesen dag heißt das bei uns an der Friesischen Küste, wenn der Nebel sich nicht löst und das Grau des Himmel ein Einerlei ist. Gestern so ein Heldentag,  heute 2°, laut yr.no feels like -4°, aber relativ windstill.

Geplante 111km bis nach Thunder bay oder alternativ ein Abstecher auf den Sleeping Giant PP, wenn das Wetter eine klare Mondhelle Nacht verspricht. Die ersten 30km sind eine Zumutung, nichts ist zu entdecken, allein die Strecke bleibt flach. Nach 15km sind Hände und Füße kalt, kein Anhalt für Farbwechsel am Himmel. In Canada machen in den Dörfern die Läden um 18:00h zu, da ich gestern spät dran war und großartig das Essen in Terrace Bay stehen ließ, war in der Satteltasche nur noch salzarme Sprotten, Brot und die kraftspendende Erdnußbutter zu finden. Solange es geht, will ich mich von täglichen Restaurantbesuchen fernhalten, also nur Kaffee und meine geliebten Äpfel.
zum Kaffee zu Doug

Die erste Häusersiedlung, die den Namen Dorf verdient, ist  Dorion, ca 35km und mein Herz macht einen Freudensprung. Harvey's Generalstore hat auf. Zwar ist das Warenangebot recht übersichtlich, ein wenig unüblich für die bisherigen Generalstores, aber der Chef hilft persönlich beim Kaffeezapfen.

Donnerstag, 24. April 2014

Im Bonebreaker Land

Im Schritttempo
Keine weitere Niederlage an diesem Tag. Hol' Dir Dein eingeschüchtertes Selbstvertrauen auf der Strasse zurück. In den Fußballligen unseres Landes fordert der Trainer nach zwei bitteren Niederlagen einen Sieg. Über den Kampf zum Spiel, oder so.

Genau das muß heute passieren. Der norwegische Wetterdienst ließ die aktualisierte Version für Terrace Bay in der Nacht nicht gutaussehen, sollte aber an diesem Tag das erste Mal daneben liegen.

In der Nacht hat die Heizung mit satten 22° Zelt, Plane, Isomatte und das ganze Tüdelüt angenehm getrocknet. Zum ersten Mal seit Tagen schlüpfe ich wieder in nach Shampoo duftende Kleidung. Alles trocken. Die Sonne lacht seit 06:15, Temperatur 2°, kein Wind, blauer Himmel. Ein Siegertag kündigt sich an.

Heute muß es gut laufen, kein heulen und fluchen und das, obwohl Bruce in der Nacht von dreadful Hills geschrieben hat. Ich trau mich nicht die Übersetzung zu suchen, klingt eher nach verk... Berge.
Egal. Mutig sein, losfahren, kein Blick zurück. Das hat später Folgen. Nach einer Stunde werde ich feststellen, das das Essen wieder einmal im Kühlschrank vergessen worden ist. Schusseligkeit. Ich könnte in den Lenker beißen, zum wiederholten Male. Ade italienische Mortadella, und sündhaftteurer Cheddar.
Domenic, Sohn der Stadt

Zunächst 24km nach Schreiber. Gegründet 1901, 1000Einwohner, staubiges Nest am Hwy 17. Hier boxt Domenic. Der erste Fauxpas. Ich frage einfach beim Esso nach Anti Bearspray; nun muß man wissen, canadisches Englisch ist sehr hart, gluteral, und  jeder erkennt sofort den Nichtkanadier in mir. Auf jeden Fall klingt mein genuscheltes do you have anti bear spray? bei der Verkäuferin so komisch, das sie mich verwirrt anguckt und ich bemerke, sage nicht antibeer sondern antibear, mit viel ääää. Wer will schon Gegenbierspray?

Sollte ich heute Nacht draußen bleiben, will ich es jetzt dabei haben. In der Kälte, tief eingemummelt in die 2,20m lange Tüte, komme ich einfach nicht schnell genug heraus, geschweige denn aus dem Zelt, bevor der Bär zu nahe ist. Dann bleibt nur noch Vorneverteidigung. Ich hoffe, das es nicht soweit kommen wird. Der Zeitpunkt rückt aber näher.

Schreiber Anti beerspray
Nach Schreiber kommt das, worauf Bruce hinwies. Der erste bonebreaker mountain des Tages. Die Uhr bleibt bei 321m Meerhöhe stehen. Alter, das kann noch nicht deren ernst sein, das ist einfach nicht möglich zu fahren, aber ich bleibe auf dem Rad und schaffe es in weniger als 17min in der Wintersonne mit 6,7-7,2km/h. Beruhigend ist, das auch die Trucks alle Gänge benutzen müssen und ich hinter mir die Motoren aufheulen höre. Ein Land für Autos. Yeah, ein Knochenbrecherberg ist besiegt. Oben angekommen ist das Trinken alle.
Im Bonebreaker Land

So ist der Plan, leicht machen, auf Angriff fahren und erst in Rossport bunkern. Es wird heute warm werden. Die Sonne ist auf Wiedergutmachung aus. Dann eine Flachetappe und ich erkundige mich an der folgenden Tankstelle nochmals, hat Rossport auf? Gibt's dort was zu Essen?
Keine beweisfeste Aussage.

Vor Rossport der zweite Berg der Ehrenkategorie am heutigen Tag. Hier gibt's nichts zu gewinnen, ich muß ich aus dem Sattel, keine chance. Es ist so aberwitzig steil, solche Steigungen kann ein Touri nicht fahren. Das soll mir mal einer zeigen. Ich bin zum Fahrradschieber in der Mittagssonne geworden.

Rossport Camping
Rossport, direkt am See, hatte mir Bruce empfohlen, man kann in den Provincial Parks außerhalb der Saison umsonst campen, kostet nichts, gibt aber auch keinen Service. Meine Uhr zeigt erst 39km, zu früh für einen Tagesabschluß. Rossport selbst schläft. Es gibt nichts, damit wird klar, für die nächsten 65km bis Nipigon oder die Nacht im Freien muß was zu Trinken her.

Pays Plat First Nation
Ontario ist so derartig fahrradfreundlich, was seine Strassen und Verkehrsteilnehmer angeht, aber außerhalb der Saison, sind diese 1000Einwohner zählenden Weiler alle nahezu unbewohnt. Das ist mehr als lästig, ich werde über ein viel genaueres Proviantregime nachdenken müssen. Es gibt nur an bestimmten Orten etwas, überfährt man die, wird die Versorgungslage eng.

Bruce empfielt das Wasser aus dem Lake Superior zu trinken, allerdings müsste ich mir so  'ne Eisscheibe dann auf den Lenker legen.

Al, der nette Tankwart
Nach Rossport ein erneuter, nicht zu schaffenden Berg, wieder absteigen und ich rolle den Abhang direkt in eine offene Tankstelle im Reservat Pays Plat First Nations.

Ich kann mein Glück kaum fassen. Die Weißen schlafen und bei First Nations gibt's alles in Hülle und Fülle. Der Burner sind Nachttischlampen in Form eines Tipis 45cm hoch. Einmal Indianer, immer Indianer.

Der $1 Kaffee ist ein Feiertag nach dieser Anstrengung und da der fröhliche Tankwart Al hier Zeit hat, hole ich gleich noch einen. Al sagt es leben 80 Objibway hier im Reservat, das eine mehr staubige Durchgangsstrasse mit sehr einfachen Holzhäusern darstellt.
Gas, Kaffee und Chips

Ich wäre gerne geblieben, aber die Zeit ist fortgeschritten durch die Schieberei. Und dann kommt der absolute Höhepunkt, Col de Telegraph in Nord Ontario, zuerst nehme ich ihn gar nicht wahr, weil die Strecke kurvenreich nach oben führt. Aber der bonebreaker wird länger und länger und länger. Ich muß die Seite zum schieben wechseln, die Trucks benötigen jetzt im Schritttempo meinen geliebten Randstreifen. Im Schritttempo kriechen die 500PS starken Zugmaschinen den Berg hoch, da ist immer wieder Zeit den schiebenden Biker zu grüßen. Ich brauche 7 Pausen, um Atmung und Pulsschlag wieder unter Kontrolle zu bringen.
Den Gipfel nach 25min erreicht

Mehr als 25min schiebe ich mein Rad aufwärts, dann läßt der Rückwärtsdrang nach. Was ist die Steigerung von pornös?  Ich schiebe hier 60kg Material durch eine atemberaubende Kulisse auf 382m. Eine Panorama Kulisse. Menschenleer. Soweit das Auge reicht, unberührte Wildnis und das Eismeer des Lake Superior. Wie soll die einfache Kamera diese Bilder einfangen. Ich bin einfach sprachlos, atemlos, es rührt mich an diesem sonnigen Tag, diese Weite zu spüren. Einfach stehen bleiben und schauen. Mir gehen die Superlative aus. Einfach oberpornös.

Blick über die Bucht

Mittwoch, 23. April 2014

Bist Du zu schwach für Ontario?

Es herrscht immer noch Winter. Ein Winter, der nie vergeht. Ich habe heute einen schlechten Tag. Einen Moralischen. Eigentlich kann ich ganz gut mit Ausnahmesituationen auf Reisen umgehen, aber der Dauerzustand laugt mich aus. Mal 3 Tage Regen, ja, irgendwann, hört's auch wieder auf.

Hier hört das seit meiner Ankunft nicht auf kalt zu sein, dabei darf ich gar nicht den Mund aufmachen, Canada erlebt diesen extendend long Winter nun schon seit fast 5,5 Monaten.

Das Thermometer liegt bei -1°, als ich am 23. Tag meiner Tour das Rad auftakel.
Ich bin gekommen, um ein wenig zu zelten, ein bischen fahrradfahren und abends ein Bier. Vielleicht auch ein wenig zu angeln.
ein trauriges Schicksal, der Moose ist nicht sonderlich beliebt

Heute am 23. Tag ist es immer noch wie-fahren-in-der-Kältekammer, in Ontario scheint es nur eine Klimazone zu geben, und die subpolare Kaltfront hat sich nun seit mehr als 3 Wochen nicht bewegt.

Ich habe die Wetterkarten der letzten Jahre hinreichend betrachtet um zu wissen, das die Aussagen der Einheimischen, sonst ist immer alles ganz anders, wohl stimmen mögen, allein was hilft es?
Jeden Tag dasselbe Dilemma. Heute stehen 80km an, keine aufregende Sache, aber es kommen, 2 Hagelschauer, aberwitzige Steigungen, Passagen mit eisigem Nordwind und den ganzen Tag kein Temperaturanstieg über 2° vor. Gegen 14:30h kommt ein wenig Sonne zum Vorschein, kraftlos und schnell wieder in den Wolken verschwunden. Ich komme mir vor wie in einer nicht endenden Zeitschleife. Es wird nicht besser, jeder Tag ist gleich. Dazu immer dieselben Farben, eisblaugrau, asphaltschwarz, tannengrün. Es gibt für die Augen kein rot, kein gelb, kein, achwasweißich.

Für $110 schlaf ich draußen

White Lake PP
Ostermontag. Natürlich hatte ich gehofft, das es eine Fortsetzung des guten Wetters geben würde. Und es fing auch zunächst vielversprechend an.

eisige einsame Seen
Bis zum Mittag eine Flachetappe mit viel Sonne und vielen zugefrorenen Seen. Die Anzahl der Seen jeder Größe ist so zahlreich, das der Name keine Rolle spielt.

Hinter jeder Kurve lauert ein neuer, eisblauer, teils riesiger See. Obwohl Ostermontag ein Feiertag ist, haben alle Geschäfte auf und es herrscht ein normales Alltagsgefühl, die großen Sägewerke arbeiten und riesige Holzlaster überholen. Nach dem Mittag ändert sich das gute Wetter, ein Tiefdruckgebiet zieht durch, der Wind wird böig, eisig, kommt jetzt wieder von Nord. Der Himmel einigt sich wieder auf die seit 3 Wochen vorherrschende graue Melange. Man merkt das sofort, dreht der Wind, wird die Geschwingkeit deutlich langsamer, ich habe eine Schwächephase zwischen Km62 und 79 und mein schöner Ankuftsvorsprung egalisiert sich. Kein Telefonat mit Ellinor vo dem Nachtdienst.
enlose, einsame Strassen

Bruce hatte deutlich gesagt, north of Marathon, lots of hills, aber soweit will ich gar nicht und doch kommt es an diesem Tag noch einmal ganz dicke.

 Ein echter bone breaker, genau 8km vor dem Zielort erwartet die Durchfahrenden. Herunter geht's über 2km in einer irren Beschleunigung auf den Fluß zu und dann nimmt nach 85km der Anstieg aus der Flußniederung hinauf der Berg kein Ende. Ein Paradies für Rennradfahrer, die ihr Bergtraining optieren wollen, für Tourenfahrer hingegen, ohne Jagdlust nach dem rotgepunktetem Trikot eine absolute Quälerei. 3,2 km im ersten Gang den Bonebreaker hinauf. Es ist unglaublich, warum tut man sich das an. Ich will jetzt nur noch Marathon. Meinen persönlichen Mont Ventoux habe ich hier gerade hinter mich gebracht.

Jetzt auch Hi speed web in Marathon
Marathon liegt etwas abseits der Strecke, 1700Einwohner, eine stufenförmige Abfahrt führt in weitem Bogen in den Ort. Ein wenig Kleinindustrie, mehrere Autohändler, ein Mall, die Dependance des Männerladens und 2 Banken, schön ist anders, aber für den canadischen Querschnitt ganz ansehnbar.

Und dann kommt der Eklat des Tages. Abgekämpft und mit frischem Geld versorgt, sagt die Frau $94 plus Tax und ich denke, ich hab mich verhört. Ne, das ist ihr ernst. $94.

Es ist 16:00h, der riesige Parkplatz leer, ich bin der erste und vielleicht auch ihr einziger Gast und sie fordert einen Wucherpreis. No, Lady, so Iam looking for a cheaper price. Ich zahl doch nicht für einen 16h Raum, Dusche und Stellplatz mehr als $100.
Eher schlaf ich im Wald.
In Deutschland und Europa sind wir es gewohnt den vollen, geforderten Preis genannt zu bekommen. Hier ist immer alles +Tax. Und damit erhöht sich der eigentliche Preis plötzlich mysteriös. Die Kanadier sind das gewohnt, ich wittere permanent einen Nachteil. Hat aber alles so seine Ordnung. Eben +Tax.

Montag, 21. April 2014

In der Heimat des bekanntesten Bären der Welt

Ortsschild White River
Ostersonntag.[Zitat] Ich bin ein Bär von sehr geringem Verstand, und lange Wörter beunruhigen mich.

Eine der typischen Aussagen des wohl bekanntesten Bären der Welt. Pu oder wie er im Englischen genannt wird Winnie the Pooh. Ein Dorf am Hwy 17 ist das Ziel des Tages. 93km auf dem Papier.

Es hat geregnet in der Nacht und der Himmel sieht grau aus. Zum Kaffee zu Jeff ins Office, der schon Fernsehen schaut. Er meint das Wetter sieht nicht gut aus, könnte Schnee geben. Hilft nix. Ich muß weiter. In der Nacht hatte Bruce aud Soo nochmal gemailt und weitere Instruktionen gegeben, vorallem nachdrücklich vor den Bergen im Norden gewarnt.

Hier am Ort ist an diesem Sonntag alles still. Kein so geliebtes Sonntagsglocken Geläut von St. Marien ist zu hören, als ich mich aus dem Ort verabschiede. Überhaupt habe ich noch nie Kirchenglocken läuten gehört, seitdem ich in Kanada bin.

Auch am heiligen Ostersonntag ruht der Schwerlastverkehr nicht, aber in den ersten Stunden die Zahl der Kraftfahrzeuge an zwei Händen abzählbar. Es ist einsam und feuchtkalt auf dem Rad. Summer comes-slowly, but surely, wie die Wirtin später sagen wird.
Sonntagstrucker

In der Nacht habe ich 2 Stunden geschraubt, den Mantel getauscht, umgepackt. Die letzten 2 Tage waren zerrend gewesen, das Rad ist insgesamt immer noch zu schwer, ich führe immer noch Dinge mit mir, die ich in den letzten 21 Tagen nicht einmal gebraucht habe. Dabei habe ich schon soviel verschenkt, weggeben. Trotzdem, alles muß nochmal durchdacht werden. Wenn das so weiter geht sind die Taschen bald leer. Ich war z.B. der festen Überzeugung, ich bräuchte unbedingt eine faltbare Abwaschwanne, extra besorgt, was für'n Quatsch, genau wie so viele andere Dinge, die sich bei genauer Betrachtung als völlig überflüssig herausstellen. Und keiner in meinem Team hat was gesagt. Nu sind se wech.

Sonntag, 20. April 2014

Ostergruß an meine Freunde und Leser

Hwy 17 north
Ostern 2014,White River, Ontario, Kanada 
Seit einer Stunde ist Frühling. Wir haben seit 3:00pm 8°, Plus!!!

Liebe Familie, Freunde, Kollegen, Biker,

ich möchte es nicht versäumen Euch ein wunderschönes Osterfest zu wünschen, wo immer Hr auch jetzt weilt.

Mich haben einige Briefe von Euch mit besten Wünschen zum Osterfest erreicht, es freut mich jedesmal von Euch einen Gruß zu bekommen und es rührt mich sehr. Ein Gruß aus der Heimat hier im fernen Ontario. Ich bin wirklich sprachlos, wieviele Leute immer mal wieder herein schauen.

Beste Wünsche insbesondere an Ellinor, Keule, Gerd aus Görlitz, meinen Sponsoren, mein Team, den unbekannten Lesern und natürlich denen, die an diesem Wochenende Dienst am uksh Campus Lübeck haben.

Die erste Nacht im Freien

Morgenstimmung in Katherine Cove
Ostersamstag. Das Thermometer ist empfindlich gefallen. Das Ostertag'sche Küchenthermometer, erprobt in vielen Norwegen Reisen, gibt eine Temperatur von-6° um 4;00am an, jeder überlegt sich da zweimal, wie wichtig die Gründe sind, den Schlafsack zuverlassen, um mal eben nach draußen zu gehen.

Alles ist klamm, geschuldet dem unprofessionellen, improvisativen Aufbau. Die Füße sind eiskalt, Gedanken über Mangeldurchblutung und ihre Folgen kommen mir in den Sinn. 4h später lacht die Sonne ihr unbarmherziges Winterlächeln, Wawa, 71km auf dem Papier. Start bei -1°, windstill und blasse Sonnenstrahlen. Kein Verkehr. Nachts hatte ich an Bären gedacht und doch das Essen aus dem Zelt gebracht. Aber es war eine unnötige Aktion, nochmals durch den Schnee zu tapsen.
9 Elche lebten letztes Jahr im Park, heute Nacht war keiner zu Besuch.
Zu den besten Einfällen in der Vorbereitung gehörte der Kauf von 4mm Wetwalkers Neopren Puschen. Um die Schuhe schnallt, tauen auch die Füße nach 2 Stunden wieder auf. Eine atemberaubende Winter- Eislandschaft ist jetzt am See zu sehen. Ab und an sieht man Eisangler auf dem See. Bruce sagte, das Eis solle noch mindestens 2Fuß dick sein. So weit das Auge blicken kann nur Eis.Wikipedia.org Oberer See
Kette erneut gerissen

Und es gibt sie doch - Franks' applefritter

Franks Applefritter canadian Munkis, homemade(Ketchup ist nen Scherz)
Karfeitag. Zwischen großer Freude und großer Frustration liegen nicht mehr als 6h, nur weiß ich das noch nicht, als ich nach einer äußerst kommoden Nacht den Schlüssel abgeben will.

Auf der Lodge ist schon ordentlich Betrieb, die ersten Trucker sind schon durch, Franlk schreit sofort als er mich sieht Hey Frank, how was your stay? Und dann entdecke ich sie doch, Munkis canadian homemade Style, Mutanten Munkis und Kaffee, ich fasse es nicht, hier in der Einöde. Gerade frisch, 1 Stunde alt. Und die Sonne geht auf.

Inzwischen füllt sich der Restaurantbereich, alle kommen auf einen schnellen Kaffee vorbei und werden mit denselben reundlichen Worten begrüßt. Natürlich sehen alle das Rad und natürlich ist es sobald Gesprächsthema, und ich merke, die Leute ziehen, die Luft ein, Wawa, von hier, bei dem Wetter, 160km, da ist nichts, Du bist allein. Jetzt den coolen rauskehren, Ich find' schon was unterwegs und dann wechselt das Thema zu den Bären, ja, einige sind gesehen worden, aber die tun noch nichts, nach dem langen Winterschlaf, viel zu tumb seien die noch.
Wahrscheinlich müssen sie auch erstmal den kalten Winter begreifen. Immerhin die Anzeichen häufen sich.
Jeder kann hier was zum Thema Bär beitragen und es entsteht ein munteres Gespräch im Restaurantsaal.
nichts als Eis, soweit das Auge reicht

Ich muß los, es ist schon nach 09:00h, da braucht Frank noch ein Foto von uns beiden für seine Wand.
Wenn ich in Vancouver angekommen bin, melde dich bitte.
gefährlicher Nebel

Die ersten 40km laufen wie an jedem Morgen, rauf, runter, wieder rauf. Am Karfreitag gibt es in Kanada keine LKW Fahrverbote, aber der Verkehr ist deutlich reduziert. Hier gibt's kein Oster-Reiseverkehr mit Stau bis Budikate.
Hier hat niemand Streß. Das ändert sich, je näher ich dem Provincial Park Lake Superior komme. Mehrfach muß ich von Seehöhe auf nur 359m steigen und ich hab Streß, die Laster überholen mich schleichend auf der zweiten Spur mit eingeschaltetem Warnblink. Oben empfängt alle eine eisige Nebelwand, die die nächsten Stunden sich nicht auflösen will. Ich bin zu schwer und nach dem 3. Anstieg mit einer unmittelbar folgenden rasanten Abfahrt durch den Nebel sind die Körner auch verschossen. Der Tag fing so gut an, doch dann kippt die Stimmung. Mürrisch den nächsten Berg hianuf, das Ende ist in den kurvenreichen Strecken nicht einmal abzusehen. Und nocheinmal.
Provicial Parc Lake Superior 83km nichts

Freitag, 18. April 2014

In der Pfannkuchenbucht

Batchawana Bay
Gründonnerstag.Es hat wieder geschneit in der Nacht und es schneit gegen 09:00h noch immer. Was ist bloß der richtige Weg? Abwarten? Auf in die Sonne, heißt 2000km mal eben sich bewegen mit Rad und Tüdelüt.

Mal abgesehen, das ich mich canadisch betrachtet, am Rande der Zivilisation befinde, ist das technisch auch gar nicht so eben möglich. Mal eben in ein Fahrradabteil der Bahn gibt's nämlich nicht, abgesehen, davon das in dieser autoaffinen Welt, die Bahn ein Nischenprodukt ist.

Bleiben , in diesem Motel, never ever, bleibt nur eines, ruff auf den Sattel und los. Ich habe gestern beim erzwungenen Zimmerwechsel die Kaffeemaschine eingebüßt, das ist heute sehr ärgerlich. Draußen schneit es, es herrscht Berufsverkehr und ich habe Angst mit dem schweren Trecken auszurutschen und unter einem 10Achser zu geraten, aber die Angst stellt sich bald als unbegründet heraus, die rechte Spur gehört mir bald allein, alles fährt sauber in riesigen Bogen um mich herum. Einfach irre, da jammern die Kanadier über die Gefährlichkeit des radfahrens und jeden Tag werde ich hier mit Kußhand behandelt. (im Vergleich zu Deutschland)

Es läuft nicht und ich kontrolliere die Bremsen, irgendwie scheint jemand ins Rad zu greifen. Nach einer Stunde begreife ich, es ging immer sachte bergan und ich habe schwer am Essen geladen. Allein 3 kg Flüssigkeit führe ich mit, aber das Zeug ist so kalt, das kann man gar nicht genießen. Zwischendurch immer wieder saison bedingte geschlossene Motels. Die Motelluft wird dünner. Als der Scheitelpunkt erreicht ist, gibt es eine Herrenabfahrt mit 64km/h,  mehr als 4 km lang.
Herrenabfahrt

Liz and Bruce from Soo
Yeah und ich erreiche den ersten Pausenpunkt. Kaffezeit in Goulais River,  aber bevor ich vom Rad bin kommen schon Liz und Bruce schon auf mich zu. Beide sind hellauf begeistert und wir unterhalten uns lange erregt vor dem Kaffee. Auch sie sind öfter in Europa unterwegs, Liz's Schwester kommt aus Schwäbisch Hall. Es sind kanadische Outdoorer, Bruce zeigt mir stolz seinen Titan Wärmeofen, der ganze Wagen ist ein Outdoorlager, Eisschuhe für den See, ein Schlitten und vieles mehr. Die beiden wohnen in Soo. Bruce schlägt vor mich mit dem Auto in die Berge zu fahren, dauert nicht lange, er würde gleich wieder hier sein und er warnt, 6 inch Neuschnee da oben, das sei nicht schön, weiter oberhalb wohl mehr. Aber die Straßen sollen geräumt sein. Nein, trotz aller Schwäche zu Beginn, noch ist absteigen nicht drin. Die wichtigste Meldung von ihm ist jedoch, es gibt kaum Motels.
Goulais River Generalstore

Diese Generalstores sind meine Informationsbörse. Hier erfahre ich viel genauer, was auf den nächsten 25km passiert. Ein starker Kaffee und ich bin auf dem Weg. Die Strasse ist hier viel trockener.
Nächste Station ist McCauley's Motel in Goulais River, die vorletzte Station. Hier ist nicht mehr viel, McCauley betreibt ein Motel, ein Generalstore und ein Restaurant. Er wirkt ein wenig verschlagen und spricht Tacheles. Die oben an der Pancake Bay sind viel teurer, meistens voll und das Wetter wird schlechter. Nehmen sie dich nich auf, mußt du in den Busch. Ist meistens alles voll durch die vielen Bauarbeiter. Sagt's und schweigt.

Aber ich bin erst 45km gefahren und es ist erst 13:00h und dann macht er einen Fehler und nennt einen zu hohen Preis. Die Entscheidung ist gefallen, auf in die Pfannkuchenbucht. Zurück geht's dann nicht mehr. 31km Einsamkeit. Alle 20min ein Truck, seltener noch Autos. Und immer der Blick auf diese zugefrorene Eismasse. Ödnis, kein grün, nur Eis, soweit das Auge reicht, ich verfolge den Waldsaum aufmerksam, im Generalstore haben sie gewarnt, es dauert nur noch Tage, keinesfalls Wochen, dann sind die Bären da. Aber Meister Petz schläft noch, genau wie die Moose, die vielen Elche der Gegend, die nicht zu sehen sind. Keine frischen Spuren im Schnee. Es ist wärmer geworden und ich kann heute ohne Handschuhe fahren. Sting im Ohr, be your self, no matter what they say.
The Voyageurs' Lodge
Ich fahre in eiem weiten Schlenker am See entlang, kaum Hügel und erreiche gegen 15:00h The Voyageurs lodge.

Mc Cauley warnte, die sind viel teurer, also trage ich schüchtern mein Anliegen vor. The cheapest bed, maybe on a couch, aber es bleibt normalpreisig. Sogar billiger , als McCauley's Motel weiter unter.

Alle Ängste umsonst und doch, zweimal wurde ich unterwegs von fremden Autofahrern angehalten, die Lodge sei der letzte Stützpunkt vor Wawa.
Das bestätigt auch die Wirtin und sagt ab jetzt kommt 160km rein gar nicht. Null, njente, nada . Kann doch nicht sein, und doch, alle Motels dazwischen seien wittertungsbedings dicht. Nach der Lodge kommt nichts mehr.
Lake Superior
Ich bekomme eine urgemütliches Zimmer, die Heizung läuft und bin ratloser, denn je zu vor. Was tun? 160km sind ein Wort bei diesem Wetter, eine Halbmarathon Strecke, nicht, das ich das nicht leisten kann, letztes Jahr bin ich Oder Neiße in 3,5 Tagen gefahren, aber nicht mit dem Trecker und nicht im Winter. Es gibt keinen Rat. Und vor allem, was kommt nach Wawa? noch sind es gut 640km bis Thunder Bay. 
Hier oben ist das Land schon sehr dünn besiedelt, keine 2,5h mit dem Auto von Toronto entfernt.
Die großen Parks öffnen nicht vor Mitte Mai, ich bereite mich auf eine Ncht im Freien vor.
Es gibt an diesem Abend keine Lösung, außer ich finde sie auf der Strecke. Oder ich bleibe über Ostern hier. Ich verabschiede mich von Ellinor auf ungewisse Zeit, melde mich wieder, sobald ich kann.
Ontario bietet alles, Berge, Abfahrten, Einsamkeit, alles Dinge, die ich frühestens für die Rockies geplant habe.
Frank
Draussen treffe ich Frank, hier wird nicht einfach so getankt, hier gibt's noch Service und Scheibenwische plus Kundengespräch, ihm gehört die Lodge und ich frage ihn , ob ihn die Einsamkeit gefällt. Im Winter ist es sehr einsam hier in der Pfannkuchen Bucht, die in der Sprache der First Nation Batchawana Bay heißt. Du bist der erste Radler dieses Jahr, der hier hochkommt, warum machst Du das? Ob er wenigstens eine gute Sauna habe in seinem Haus, nein, sagt er ohne Bedauern, eine Sauna habe er nicht. Aber einen heißen hot tub, sowas wie 'ne Großraum-Outdoorsitzbadewanne.

[es kann also gut sein, das es etwas dauern wird, bis ich mich wieder melde]

Anine nee jee[Hello, my friend]

John, Native, Objibway
First Nation.Wir müssen nochmal kurz zurück zu gestern, ein komplexes Thema begleitet mich seit Sudbury und eigentlich gibt es keine Möglichkeit ihm gerecht zu werden.

Spätestens seit Sudbury stehen sie an der Strasse, die Ortsschilder mit dem Zusatz First Nation. Gemeint sind die Urbewohner dieses Landes. Ich hoffe, ich bringe das jetzt richtig wieder, nicht zu verwechseln mit den ersten Menschen in Kanada, den Inuit Völkern, die über die damals herrschende Landbrücke aus Sibirien nach Alaska rüber machten und die dann im Sammelbegriff First People genannt werden.
Wikipedia.org First Nations
Was nützt der schönste Sonnentag auf dem Hwy 17 west, wenn nichts von Land und Leute zu sehen, weil der Hwy autogerecht in die Natur geplanzt wurde,  also rüber auf den alten Highway, nun genannt Hwy17B.
Während ich Fotos vom Lake George mache, nähert ein Stahlross Reitersmann. In Deutschland nicht erwähnenswert, hier etwas besonderes. Man sieht sie so selten.
Wir kommen ins Gespräch und es ist John, der sagt, I am native, Ojibway, you are here in a Reservat. Da ist es wieder, der mit allerlei behaftete Jungentraum, ich will Indianer sein. Cowboy und Indianer. Und plötzlich steht er vor mir. John, vom Stamm der Ojibway, 71 Jahre, ex Polizist, ex Highway Maintance Arbeiter, im alten Ostpreussen würde man ihn Chaussee Kratzer nennen. Klingt viel schöner, als Autobahnmeisterei.
Gardenriver.org
John fährt jeden Tag mit seinem 30jahre alten Rad, um fit zu bleiben. 10min smalltalk mit einem echten Indianer und ann geht's hinein ins Reservat. Plötzlich wirkt dieser Landstrich anders. Im Indianerland, jenseits der Garden River  in Sichtweite liegt Amerika. Und ich denke an Winnetou, die romantische Darstellung der guten Indianer. Für Kanada fallen mir nur John. F. Coopers Lederstrumpf ein, Chingachcook, der letzte Mohikaner, Irokesen und Huronen...

First Nation Police
Eine düstere Verfilmung mit Helmut Lange im Jahre 1969. Nicht so gutmütig wie Karl May's Winnetou.

Sie lebten in diesem und von diesem Land lange, bevor der weiße Mann kam und es hat sehr lange gedauert, bis der weiße Mann, seinen Urbewohner den ihnen zu stehenden Respekt zu billigte.Über Jahrzehnte verfolgt und versucht in ein weißes System hinein zu pressen, dauerte es bis in unsere Zeit, bis die First Nation mit einer Menge autonomen Rechten ausgestattet wurden. Im Reservat der Ojibway, gibt es ein eigenes Gesundheitszentrum, eine eigene Polizei. Sogar eine First Nation Gasolin Station, als ich dort zum Kaffee Station, gibt's weitere Denkanstösse. Die Tankstelle hat 365 Tage Betrieb, kein Weihnachten, kein christliches Halleluja.
Tankstelle

Es fehlt der Platz sich dem Thema tiefer zu wenden, aber spannend wars doch, Ich hätte gerne von John mehr über die soziale Lage der Garden River First Nation erfahren, 10min sind schnell vorbei und er versucht mir mehrmals hello my friend in seiner Sprache bei zu bringen, allein, es klappt nicht recht.
Anine nee jee.

Danach schnell weiter nach Ste. Sault Marie, heute lief es gut und ich leiste mir den Luxus, mehrere Motelpreise zu vergleichen. Aber viele Motels sind nicht besetzt. Es gibt einen Preis um $60+ Tax, daran hangeln sich alle entlang. Ich lande im Bel Air.

Highwaybrücke in das Land der Freien
Großer Name, großer Fehler, tatsächlich im web gerühmt, ist das jetzt der erste Fehlgriff. Ich glaube ich bin hart im nehmen, aber in diesem abgewohnten Etablissement fehlt eine gewisse Putzkraft. Es ist das erste Mal, das ich ein anderes Zimmer verlange. Und ich bin deutlich in meiner Sprache. Aber auch in diesem Zimmer liegen noch die langen Haare meines Vorbettbenutzers.

Heidernei, das ist schon ärgerlich, einfach unter die Räder gekommen zu sein,  als es dann am Abend und in der Nacht keine Ruhe draußen gibt, weil permanent etwas be -und entladen werden muß, ist die Schönheit des Tages endgültig dahin.
Pech gehabt
Jeder muß sehen, wo er bleibt, das ist anscheinend auch im harten Motelgeschäft in Soo notwendig. Schön ist da am Morgen den Schlüssel nicht persönlich abgeben zu müssen, sondern einfach in den Briefkasten zu werfen. Das erspart mir den nochmaligen Kontakt.

Donnerstag, 17. April 2014

Frühstück bei Bobbers

Sponsorenfrühstück
Sponsorenfrühstück [zunächst eine Rand- bemerkung: jeden Tag verbringe ich mehr als 1 Stunde damit, herauszufinden, welches am nächsten Tag erreichbar ist. In nächster Zeit sind deutlich weniger auf der Strecke markiert, es könnte also sein für die, die öfter mitlesen, das die Berichterstattung stottert.]
Nun aber, als ich wach werde herrschen draußen, durch die Holzwand getrennt , 1 Meter neben mir, -10°. Macht somit einen Temperarturunterschied von 28° aus meinem kuscheligen Bett betrachtet.

 Herje, geht das denn gar nicht vorbei. Aber heute ist ein besonderer Tag und somit verplempere ich nicht viel Zeit mit zusammenpacken, denn ich habe eine Einladung zu einem Sponsorenfrühstück und das ist gleich nebenan. Bei Bobbers.[...damit Du Dir wenigstens abundzu ein Frühstück leisten kannst] Um 08:30h brummt der Laden bereit. Bobbers hat mehrere Erwähnungen beim Tripadvisor, ein Grund, die Sache selbst zu schmecken. Alle paar Minuten kommen Leute auf der Durchreise zu einem eat-in.

Ich stehe etwas schüchtern und will den Schüssel abgeben, how was your stay- super, aber weiß gar nicht was ich bestellen sool. I give you a menu. would you like a coffee? und schon schwappt der Schwarze herüber. Hier ist Zeit Geld und ich beschleunige, indem ich einfach Menu 2 für $7,40 order.

Werbung für russische Seele auf der Grenzbrücke
Und schon hab ich den Salat, alles wird hier einzeln verhandelt, für Eier gibt es allein 6 Adjektive, davon kenne ich nur zwei und bin versucht zu sagen naja, eben ein Mirroregg, was heißt bloß Spiegelei auf englisch. Dann weitere 4 Möglichkeiten für den Schinken oder die Wurst und weiter 3 für das Toast. Irgendwann gebe ich auf, make it as usual, machet wie immer, hier ist der Gast noch König und keine 5min später ist das Bestellte auf dem Tisch. Hat dann auch super geschmeckt, Butter gab's keine, das Toast schwamm auch bereits im Fett. Vielen Dank liebe Sponsoren für dieses leckere Frühstück.

Ste. Sault Marie, die can./amerik. Schwesterstadt am Sault River ist das heutige Ziel. Nur 65km. Die Motel Lage gut, ich könnte in 5 Stunden da sein. Draußen herrscht um 9:30h immer noch eine eisige Temperatur. Aber der Wind hat nachgelassen und es wird ein lässiges Fahren in der Wintersonne.

Und dann kommt der Super Gau des Tages, lautstark von hinten angekündet und das Material versagt. Seit 5 Tagen bin ich im Amish Land, siehe auf den Stichstrassen die roadsigns, die Spuren der Landauer in der weichen Bankette, aber die fahrenden Buggies habe ich bisher nicht gesehen. Dort, wo ein Auto auf dem Hof steht, kann es nicht sein, und in die kmlangen Stichstrassen will ich nicht fahren. Aber irgendwie müssen die Amish doch auch mal unterwegs sein.
Amish Pepole Produkte klassischer Handwerksberufe

 Und dann kämpfe ich mich einen Hügel hinauf, pfeife aus dem letzten Loch und Hufgeklapper überholt mich, reiße die Kamera aus der Jacke und... die Kamera gibt das Bild nicht frei. Alssie endlich auslöst, ist der 1PS bereits zu weit weg. Ich hätte die Kamera am liebsten in den Mund gesteckt. Damit hat sich das Kapitel Amish dann wohl erledigt.
Roadsign

Ich hätte was dafür gegeben wenn sich ein spontaner Kontakt entwickelt hätte,  das einmal selbst sehen, ihre bewunderswerten, erhaltenen, archaischen Lebensformern in einer modernen technologisierten Welt, die Geld, Profit und Karriere als Lebensmaxime verkündet und in der nicht wenige straucheln.
Aber vielleicht war es auch eben zu idealistisch gedacht, einfach hier in Central Ontario auf einen Hof zu fahren, Hi ich bin der Frank, wie gehts, wo den Amish nicht einmal ein Telefon im Haupthaus erlaubt ist und sie zum telefonieren in die Scheune müssen, selbst Fahrräder als zu Fortschrittlich gelten und jede Art von moderner Elektronik verboten ist.
Highway 17 west life is a rollercoaster


Mittwoch, 16. April 2014

Schneedienstag

Eldo Inn 08:00 Blick aus dem Fenster
Vorweg: Ich will keinen Trost und kein Mitleid.
Dafür habe ich meinen Mentalcoach, der mich jeden Tag auf neue wieder aufbaut.
Ich habe mich selbst eingeladen zu diesem Unternehmen und nun muß die Suppe eben ausgelöffelt werden, bzw. eben durchgefroren werden.

Und im Grunde sind es eben Luxusprobleme, meine Freunde arbeiten hart und haben nur äußerst bedingt Verständis dafür, das einer durch die Welt tobt und über kalte Hände klagt. Also bitte,....

Ich komme den Bären näher
Ich versuche die Gefühle des heutigen Tages zusammenzufassen, aber es fällt mir wirklich schwer, den Frust des Tages in Worte zu fassen,  auch wenn ich nach einer kochend heißen Dusche mit direkt anschließem Bad in der viel zu kleinen Kinderbadewanne wieder hergestellt bin und nun vor einem warmen Radiator in Bobbers Motel sitze.

Wenn ich gestern bei diesem Weltuntergangsregen geglaubt hatte, nun wäre der Tiefpunkt erreicht, hatte Ontario doch an diesem Morgen noch eine Schüppe draufgelegt. Wir bekamen 3cm Neuschnee, gerüchteweise soll es in den Bergen deutlich mehr gewesen sein.
Ehrlich, so allmählich fällt es mir schon schwer, mich für eine weitere Etappe aus dem warmen Raum zu quälen. Draußen herrscht ein eiskalter Nordwind. Ein dickes fettes Tiefschwein sitzt direkt auf Ontario und kommt nicht einfach wieder hoch.

Guten Morgen Deutschland mit Zapfen
In dieser Erwartung habe ich 75km geplant bis in alter Minenstadt Bruce Mines. Danach kommen keine Motels mehr. 75km, aufgeteilt in 3 Etappen mit jeweils einem Stop an einem Generalstore. Macht rechnerisch 5h. Auf dem Papier eine lösbare Aufgabe. Aber die ganze Selbstsuggestion funktioniert an diesem Tag schon bald nicht mehr. Der eisige Wind bläßt aus nord also schräg re von vorn auf die Brust. Alles was die Nasenschleimhäute so von sich geben friert entweder an der Wange fest oder bildet einen ordentlich Zapfen am Bart. Die Hände schreien, ich kann kaum den Lenker festhalten. Zuhause habe Winterhandschuh. Später werden es knapp 7Stunden sein.

Generalstore Iron Bridge
Erste Pause im Generalstore in Iron Bridge. Warmer Kaffee für $1,52 und winke nur ab, als die freundliche Indocanadierin fragt hey, how is your day? Beschissen!

Es gibt Tage, da gehen einem diese Smalltalk Allüren auf die Nerven. Ja, ist alles ganz anders dieses Jahr, normalerweise... Und du denkst nur, halt.... Immerhin reicht sie ein Tempo und macht mich auf den Zapfen am Bart aufmerksam, bevor ich mich zu den anderen Gästen setze.

Dort sitzt schon Andy und seine Frau. Er ist Minenarbeiter in Elliot Lake gewesen, Uranmine, und mich durchzuckt sofort Wismut!, aber er scheint altgeworden zu sein, trotz Uranmine. Nun sind die beiden auf dem Weg zum Hörgeräteakustiker, noch 37km, unser Gespräch ist so laut, das es jeder hört; hier machen sie immer Station, das sei ihr Kaffeehaus. Naja, gibt auch Leute in Deutschland, die sich zum Biertrinken an einer Tanke treffen.Dann geht's weiter und es wird trockener. Dafür kälter und windiger. 27km bis zum nächsten Halt. Thessalon Das Motel soll 89+Tax kosten, zu teuer an diesem Tag. Ich greiffe tief in die Suggestions-Trickkiste, nur 5km Abschnitte berechnen, nur 5km, das muß doch gehen.