tramps like us, baby we were born to run...[Bruuuuce1975]

Anmerkung: Wir stellen das Blog jetzt wieder online, um noch ausstehende Korrekturarbeiten abzuschließen.
Ausserdem sollen später Inhalte dieses Blogs in das neue Projekt übernommen werden.

[Arbeitstitel] ukrainisch/russiche Notizen 2016 unter blogger


Mittwoch, 4. Juni 2014

Icefield Parkway, Hwy93


Castle Mountain Massiv am Sonntagmorgen

So.,1.6.
Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach
Ich kann die Zahl 3,1° auf dem ostertag’schen Küchenthermometer um 4:45h ablesen und beschließe spontan liegen zu bleiben. Obwohl ich eigentlich zur Elchpirsch nach Castle Mountain kam, aber die Temperatur lässt den Geist willig erscheinen, allein das Fleisch ist schwach. Lass’ so viele Elche in Moose Meadows erscheinen, ich bleibe hier.
Rocky Mountaineer westbound
Selbst später um 07:45h ist es immer noch nicht angenehm. Ellinor spricht dann immer von den Eisheiligen, jener  mysteriösen Bande, die für kalte Witterungseinbrüche im Mai verantwortlich sein soll.
geschlossener Campingplatz

Einen Kaffee im Castle Mountain Chalets-store und ich begebe mich auf die Pirsch. 3 Tage habe ich gewartet, heute soll der Mountaineer wieder hier durchgehen. Also setze ich mich neben die Schienen und warte. Um 10:10h geht alles ganz schnell, ein kurzes Horn, das Schrankensignal und der letzte verbliebene transnationale Personenzug erscheint.-Fast Leer!

Ich mache mich auf den Weg, die Fahrt soll heute nur bis Lake Luise gehen, dem zweiten touristischen Höhepunkt im Nationalpark, Ich habe es nicht eilig.
Die erste Fehlentscheidung des Tages ist, nicht den Highway1 zu nehmen, sondern die more scenic road, Highway 1A,durch das Bow Valley.

Vom Schwerlastverkehr befreit verspricht die Strasse tolle Ausblicke und die Sicht auf Wildtiere. Was immer verschwiegen wird, die Strasse ist der Natur angepasst und schon nach 5km muss ich 3x vom Rad. Die Begeisterung für die more scenic road sinkt gewaltig.


Bei Km 27 kommen jede Menge Freizeitsportler auf ihren MTB entgegen. Herangekarrt aus Jasper wollen sie einen 25km Ausflugsritt unternehmen, dann werden sie wieder eingeladen und es geht zurück nach Norden. Fahrradfahren in Canada. Ich habe inzwischen Mühe diese Art der Fahrradfahrer in Canada ernst zu nehmen. Da sind mir doch die TransCanadafahrer und weltreisenden erheblich lieber.
Bow Valley Highway 1A
Der zweite Fehler des Tages ist ein Gesamtproblem. In Lake Luise ist nämlich eigentlich nicht der Ort den ich erwarte, sondern mehr eine Pausenstation für Tagestouristen. Zunächst übersehe ich auf der Abfahrt in den Ort das vor mir lauernde Viehgitter, ein sogenanntes Texas Gate. In Norwegen sind in den Berggebieten die Strassen durch querlaufende Stahlrohre unterbrochen. Ferrist heißen die in Norwegen; in Kanada gibt’s die also auch, ich muß das Schild übersehen haben und rase mit 45km/h über diese Viehbrücke. Fast 10cm Abstände zwischen den Stahlrohren. Zum Glück bleibt alles heil und vor allem am Rad.
In der Visitor Information des Jasper Nationalparks ist die Touristenfrau ungemein empathisch. In einem Satz zusammengefasst sagt sie, wir haben keine Saison, die beginnt erst Ende Juni und der einzige geöffnete Campingplatz befindet sich 138km von hier. Ach und Verpflegung auf der 230km langen Strecke bis Jasper ist besser hier zu kaufen. 


Mehr Aussagen gibt es nicht. Sie hätte auch sagen können, Alter, du bist zu früh, dein Problem,ist jetzt nicht die Zeit, komm später wieder.
Inzwischen habe ich diese Aussagen so oft gehört, das es nervt, aber es ist nichts zu machen; Winterschlafcanada hat noch nicht geöffnet.
Also trotte ich in den Supermarkt. Wucher ist anscheinend in Canada kein ahndungswürdiges Vergehen. Die 1,5l Flasche Mineralwasser kostet $3,99, bisheriger absoluter, landesweiter Rekord! Es gibt nichts, was auch nur den Anschein bietet, preisgünstig zu sein.
Vor dem Bow Pass

Das ist mein Dilemma. Die Wohnmobiler kommen aus Canmore mit vollen Küchenregalen, ich kann nur für 2,5 Tage Proviant mitschleppen. In Mitteleuropa ist das kein Problem und habe ich die Warnung im Ohr, Lebensmittel besser hier kaufen. Das Cafe vermeide ich gleich und fahre lieber zu Husky. Aber der Tankstellenkaffee kostet auch $2,90. Willkommen in der Toptouristenregion Canadas. Es nervt mich an. Der Lebensmittelladen liegt direkt am Transcanada; hier gibt’s also wirklich kein logistisches, sondern ein Profitproblem. Touristenabzocke, mir fällt nichts anderes dazu ein.
 
Mußt ja auch nicht dort hinfahren, wenn Du Dir das nicht leisten kannst oder willst.
.
Dann folgt der letzte Teil des Dramas, natürlich komme ich auch heute nicht in den Park, ohne die Maut zu bezahlen, weitere $9,80 werden fällig. Und mir ist völlig klar, dass ich in einem Tag auch nicht durch den Park bin. Ich zahle für geschlossene Campingplätze, nicht vorhandene Tiere, vom Frost zerstörte Seitenstreifen und die Erfahrung mit dem Rad auf mehr als 2000m Höhe fahren zu dürfen. Wind, schwitzen, fluchen, frieren, schreien, alles inklusive.

Und dann geht’s los. Während im Kootenay NP es immerhin lange flache Passagen gab, geht es im Jasper NP eigentlich von Beginn an 3h lang fast nur bergauf. Dafür aber erscheint eine Landschaft, die ich bisher so noch nicht gesehen habe, die beim besten Willen nicht mehr zu beschreiben ist und den Anstieg auf den Bow Pass vergessen lässt. .

Bleibt die Frage der Übernachtung. 30km vor dem Pass lasse ich einen halbgeöffneten servicefreien Campingplatz links liegen. Für $18 eine steinige Liegewiese finde ich auch selbst. Ich wollte eigentlich vor dem Bow Pass an diesem Tag bleiben, aber die Suche gestaltet sich zunehmend schwieriger, weil hier oben einfach noch reichlich Schnee liegt.
Am Crowfoot Gletscher
So nehme ich als erstes den Pass am Crowfoot Gletscher, wo ich Brigitta und Fritz aus Luzern treffe; die beiden haben sich für einen sehr hohen Betrag ein Wohnmobil geleistet und wollen nun nach Alaska. 

Brigitta erzählt, das sie in den letzten Tagen 7!Bären gesehen hat.

Ja, was willste da sagen, das ich jeden Menge Erdmännchen gesehen habe, lol,
Übrigens, eine leichte Korrektur, Erdmänner muss der falsche Ausdruck sein. Hier in Canada heißen sie Ground Squirrel, also Bodenhörnchen, oder so ähnlich.
Brigitta und Fritz aus Luzern

Wir werden gemeinsam Zeuge eines Lawinenabgangs im Dolomitengebiet.
Der Bowpass ist im Scheitelpunkt wieder unspektakulär und hier, diesseits der Schneefallgrenze, ist die Temperatur unangenehm kalt. Es gibt noch kein Stückchen schneefreie Wiese für eine Nacht.

Also weiter und damit beginnt der beste Tagespunkt. Mit einer Geschwindigkeit von mehr als 70,28km/h nagelt der Trecker unbeirrt die Abfahrt von der Passspitze herunter. Neuer Rekord!

400 Höhenmeter in gut 10km. Absolut irre und die Entschädigung für die quälenden Stunden im einstelligen Km/h Bereich beim Anstieg zum Pass.
Der Campingplatz ist gesperrt und damit müssen die Schweizer leider draussen bleiben. Mit ordentlich Schwung am Gatter vorbei gehört der verlasse Campingplatz dem Reiter ganz allein.
Der gefrorene Bow Lakes
Ein unglaublich schöner Platz von Bergen umgeben; Öffnungsdatum ist Ende Juni.
Da keine Antibärenschränke in der Nähe sind, muß die Futtertüte im DamenWC übernachten. Soll der Bär doch das Frauenklo auseinander nehmen.
Bow Lakes
Wohnschiff mit Beiboot
Aber auch dieser Platz besitzt fast keine Servicehäuschen, die erste Reihe gehört wie immer den rollenden Wohnschiffen; die Camper werden ins Abseits gedrängt. Und dabei gibt es fast keine Preisunterschiede zwischen einem 8m Caravan und einem Fahrradtouristen mit Zelt.
Viele besonders große Caravans haben sogar noch einen mittelgroßen PKW im Schlepptau. Inzwischen habe ich mich an den Anblick gewöhnt, zui Anfang habe ich mehrmals geschrien, eyh Alter, fahr doch nicht do sicht auf, du Idiot.

Auf dem Campingplatz Waterfowl Lakes
Alle zahlen hier fast den gleichen Preis, von Wasser und Strom einmal abgesehen. Aber eine weitere Differenzierung ließ sich wohl vor der Autolobby des Landes nicht durchsetzen. In Norwegen ist das übrigens ähnlich, auch dort gibt es unverständlicher Weise keine Differenzierung zwischen CO2 Schleudern und sanftem Tourismus. Schade.
Um 22:00h hat das Thermometer, nachdem die Sonne weg ist, die 0°Grenze erreicht.
Von Sommer noch keine Spur.

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